- Anzeige -

Fußball-WM

DFB-Team - Angelo Stiller und die Nichtnominierung: Seine Karriere steht im Sommer am Scheideweg

Aktualisiert:

von Justin Kraft

17:30 SAT.1 Bayern

DFB-Kader für WM-Testspiele: FC Bayern-Talent Karl erstmals dabei

Videoclip • 01:31 Min • Ab 12


Angelo Stiller soll im vergangenen Sommer kurz vor einem Wechsel zu Real Madrid gestanden haben. Jetzt droht er die WM zu verpassen. Steht seine Karriere am Scheideweg?

Für Angelo Stiller ist die Weltmeisterschaft im kommenden Sommer in weite Ferne gerückt. Julian Nagelsmann hat den Stuttgarter nicht für die kommenden Länderspiele gegen die Schweiz und Ghana nominiert.

Zu allem Überfluss flog der Stuttgarter am Tag der Nichtnominierung mit dem VfB aus der Europa League. Vor dem vorentscheidenden 2:0 für Porto leistete sich Stiller einen kostspieligen Ballverlust am eigenen Strafraum. Ein Tag zum Vergessen, der seine WM-Chancen nicht steigern dürfte.

Von einer "Krux" sprach der Bundestrainer Nagelsmann am Donnerstag. Denn es gebe "14 bis 15 Spieler", die "95 Prozent der Partien" absolvieren würden. Und dann gebe es wiederum Spieler, die bei einem Turnier keine einzige Minute auf dem Feld stehen.

Aber auch diese Rolle müsse mit "maximalem Leben gefüllt sein. Jeder Spieler hat Charakterzüge und ist geschaffen für gewisse Positionen und Rollen". Stiller, so macht es den Anschein, ist wohl kein Spieler für die Rolle hinter dem Stammpersonal.

Nagelsmann habe mit ihm telefoniert und ihm erklärt, dass er auf seiner Position Aleksandar Pavlovic (FC Bayern) vorne sehe. Dahinter habe er sich entschieden, die Kaderplätze anders zu besetzen.

In den vergangenen Monaten waren Leon Goretzka (ebenfalls FC Bayern), Felix Nmecha (Borussia Dortmund) und eben Pavlovic die Vielspieler in der Schaltzentrale. Stillers letzter Einsatz für das DFB-Team datiert aus dem September 2025. Damals verlor Deutschland desolat mit 0:2 in der Slowakei.

DFB-Team ohne Angelo Stiller: Kritik für Julian Nagelsmann

In den sozialen Netzwerken stieß diese Entscheidung des Bundestrainers nun auf besonders viel Gegenwind und Unverständnis. Dass neben den Genannten auch Pascal Groß nominiert wurde, sei weit von den Idealen des Leistungsprinzip entfernt, kritisierte so mancher Fan.

Nagelsmann selbst erklärte ausführlich, dass der Mittelfeldspieler von Brighton für ihn eine Idealbesetzung auf der Position hinter den Stammspielern sei. Sein positiver Einfluss auf die gesamte Mannschaft und die Fähigkeit, ein verlängerter Arm des Trainers zu sein, hätten den Ausschlag gegeben.

Eine Erklärung, die vielen nicht reichen wird. Und doch hat der 38-Jährige hier einen wesentlichen Punkt: Das vermeintliche Leistungsprinzip ist für sich genommen kein guter Ratgeber. Kein Nationaltrainer der Welt hat jemals in der Geschichte die 23 oder 26 Spieler nominiert, die individuell die besten Leistungen in den jeweiligen Vereinen gebracht haben.

Ein Nationalmannschaftskader besteht aus Talent, Qualität, Form, Charakteren und Spielertypen. Trainer nominieren die Spieler, die sportlich einen Mehrwert für das eigene System darstellen und gleichzeitig menschlich eine Rolle innerhalb des Teams einnehmen können, die für das Gesamtgefüge wichtig ist.

Eine Nominierung von Groß bedeutet also nicht zwingend, dass Nagelsmann ihn für den formstärkeren oder besseren Spieler im Vergleich zu Stiller hält. Es bedeutet nur, dass er Groß für den besser geeigneten Spieler für eine Rolle hält, in der ihm wenige Minuten winken.

- Anzeige -
- Anzeige -

Nächste Fußball-Livestreams

  • Bald verfügbar

    Samstag, 21.03. 14:00 • Fussball

    3. Liga: Mannheim-Aue im Livestream

    Verfügbar auf Joyn

    120 Min

    Bald verfügbar

    Samstag, 21.03. 14:00 • Fussball

    3. Liga: Mannheim-Aue im Livestream

    Verfügbar auf Joyn

    120 Min

  • Bald verfügbar

    Samstag, 21.03. 14:00 • Fussball

    3. Liga: Ingolstadt-Aachen im Livestream

    Verfügbar auf Joyn

    120 Min

    Bald verfügbar

    Samstag, 21.03. 14:00 • Fussball

    3. Liga: Ingolstadt-Aachen im Livestream

    Verfügbar auf Joyn

    120 Min

  • Bald verfügbar

    Samstag, 21.03. 18:30 • Fussball

    Sportschau im Livestream

    Verfügbar auf Joyn

    89 Min

    Bald verfügbar

    Samstag, 21.03. 18:30 • Fussball

    Sportschau im Livestream

    Verfügbar auf Joyn

    89 Min

Stiller nicht dabei: Nagelsmann hat gute Gründe

Dass er Pavlovic derweil im direkten Vergleich vorn sieht, ist kaum eine Überraschung. Stiller spielt konstant, gut und hat eine beeindruckende Entwicklung als Taktgeber des VfB Stuttgart hingelegt. Aber er spielt eben "nur" in Stuttgart.

Pavlovic beweist sich derzeit Woche für Woche auf dem höchsten Niveau und meistert diese Aufgabe mit Bravour. So gut, dass er selbst beim FC Bayern über jeden Zweifel erhaben ist. Nun könnte man fordern, dass Nagelsmann auch beide einsetzen kann. Doch in seinem System ist kein Platz für zwei tiefe Spielgestalter und das zu verändern, wäre wohl auch taktisch nicht sinnvoll.

Der zweite Sechser hat die klare Aufgabe, offensiv Impulse zu setzen und die Verbindung zur Kreativabteilung in der Offensive herzustellen. Eine Rolle, die Spielern wie Goretzka oder Nmecha besser liegt als Stiller. Der Stuttgarter ist ein tiefer Spielmacher und taucht in dieser Rolle hin und wieder auch mal weiter vorn auf. Untauglich wäre er für die Achterposition kaum.

Aber auf dem Papier sind das Dribbling von Nmecha und die dynamischen Läufe von Goretzka wertvoller für das Nagelsmann-System. Es gibt also einige Gründe, die für die Argumentation des Bundestrainers sprechen.

Angelo Stiller hat ebenfalls gute Argumente für sich

Natürlich gibt es andersherum auch viele Gründe, die für Stiller sprächen. Sein Profil ist im deutschen Fußball zwar allein wegen Pavlovic nicht einzigartig, aber es erinnert schon sehr an Toni Kroos. Was er auch macht, er macht es mit großer Präzision. Seine Verlagerungen, sein progressives Passspiel und seine Fähigkeit, ein Spiel zu lesen und nahezu immer den richtigen Pass auszuwählen, stechen heraus.

Stiller ist nicht so leicht zu pressen. Solche Spieler will man eigentlich immer in seinem Team haben. Es verwundert daher auch kaum, dass Real Madrid im vergangenen Sommer angeklopft haben soll. Dass der 24-Jährige sich erstmal noch gegen den Wechsel entschied, war wohl richtig. In Stuttgart konnte er in dieser Saison abermals wichtige Schritte nach vorn machen.

Kroos wechselte einst im Alter von ebenfalls 24 Jahren nach Madrid. Ob sich diese Tür für Stiller im Sommer wieder öffnen wird? Unklar. Aber ein Spieler mit seinen Fähigkeiten wird keine Probleme haben, Angebote auf dem höchsten Niveau zu bekommen. Vielleicht ist es auch genau das, was ihm aktuell fehlt, um in der Nationalmannschaft ein noch höheres Standing zu bekommen.

Während andere Spieler mit ihrer Vergangenheit, mit Erfahrung, mit ihrem Charakter oder mit all diesen Dingen punkten, ist Stiller mit nur fünf Länderspielen und dem VfB Stuttgart als Arbeitgeber noch relativ leicht abzuwimmeln. Würde sich Nagelsmann ebenfalls gegen ihn entscheiden, wenn er bei einem Topklub Stammspieler wäre?

Karriere am Scheideweg: Wie sieht der Sommer für Angelo Stiller aus?

Für den Sechser steht deshalb ein richtungsweisender Sommer vor der Tür. Die WM scheint er zu verpassen. Womöglich ist das das Signal, aus der Komfortzone auszubrechen und es denen zu beweisen, die noch nicht hundertprozentig an ihn glauben.

Beim FC Bayern musste Stiller einst aus ähnlichen Gründen gehen, aus denen er jetzt nicht bei der Nationalmannschaft dabei ist. Damals passte er Hansi Flick nicht ins System. Für dessen sprint- und pressingintensiven Fußball war Stiller zu langsam. Zu Hause fühlt sich der Stuttgarter, wenn sein Team das Spiel kontrollieren kann. Wenn er nicht so oft in Sprintduelle muss.

Das kann diesmal auch wieder eine Rolle gespielt haben. Am Ende ist es auch das Pech, dass mit Pavlovic jemand noch kompletter und noch stärker ist. Für Stiller kann dieser Rückschlag aber auch ein Auftakt in eine große Karriere sein. Wie einst bei Kroos, der beim FCB und in Deutschland keine Zukunft mehr sah. Der Rest der Geschichte ist bekannt.

Allerdings besteht bei Stiller auch das Risiko, dass er diesen Weg nicht gehen kann. Dass die Limitationen womöglich doch größer sind als sein Talent und die harte Arbeit, die er investiert. Oder dass er schlicht eine Wechselentscheidung trifft, die nicht optimal für ihn ist.

Deshalb ist der kommende Sommer von so großer Bedeutung für ihn. Dann wird sich entscheiden, wohin seine Reise wirklich geht. Ob nun mit oder ohne WM-Teilnahme.

- Anzeige -
- Anzeige -

Mehr News zur Fußball-WM