Weltmeisterschaft 2026
WM 2026: Deutschlands Gruppengegner im Fokus - Curacao, Ecuador und die Elfenbeinküste
Veröffentlicht:
von Mike Stiefelhagenran Fußball
DFB-Team: "Es ist ein offener Konkurrenzkampf" - Brown mit Startelfchancen?
Videoclip • 02:25 Min
Curaçao, Elfenbeinküste, Ecuador: Deutschland ist in Gruppe E der Favorit. Man sollte die Konkurrenz aber nicht unterschätzen. Ein Debütant mit Bundesliga-Vergangenheit, ein afrikanisches Power-Team und ein unangenehmer Südamerika-Gegner warten auf das DFB-Team.
Die deutsche Nationalmannschaft startet bei der WM 2026 in Gruppe E in das Turnier.
Zum Auftakt geht es gegen Curaçao, danach wartet die Elfenbeinküste, zum Abschluss der Gruppenphase trifft Deutschland auf Ecuador.
Die Rollen scheinen klar verteilt: Deutschland will die Gruppe gewinnen. Doch die drei Gegner sind keine reinen Durchlaufstationen.
Curaçao kommt als historischer Underdog, die Elfenbeinküste mit Tempo, Wucht so wie Selbstvertrauen und Ecuador mit einer defensiv starken, intensiven Mannschaft, welche eiskalt abschließt.
ran stellt Euch die drei Nationen vor.
Curaçao: Wer nichts zu verlieren hat, kann nur gewinnen
Curaçao ist der große Außenseiter in Deutschlands Gruppe. Und gleichzeitig eine der spannendsten Geschichten der gesamten WM. Die Karibikinsel qualifizierte sich erstmals überhaupt für eine Weltmeisterschaft und ist damit einer der emotionalsten Debütanten des Turniers. Schon das erste Gruppenspiel gegen Deutschland wird für Curaçao ein Highlight.
Kurios: Curaçao hat zwar nur eine sehr kleine Einwohnerzahl, der Kader besteht aber aus vielen Spielern, die in den Niederlanden ausgebildet wurden oder dort lange gespielt haben. Dazu kommen gleich mehrere Profis mit Bundesliga-Vergangenheit. Jürgen Locadia spielte für Hoffenheim und Bochum, Riechedly Bazoer für Wolfsburg, Tahith Chong war einst bei Werder Bremen, Joshua Brenet bei Hoffenheim. Für deutsche Fans ist der Gegner also unbekannter als sein Personal.
Einwohnerzahl: 156.000
Trainer: Dick Advocaat
Kapitän: Leandro Bacuna
Top-Spieler: Tahith Chong / Leandro Bacuna / Armando Obispo
Rekordspieler: Leandro Bacuna und Eloy Room (je 70 Länderspiele)
Rekordtorschütze: Rangelo Janga (21 Tore)
Größter Erfolg: Erste WM-Teilnahme der Geschichte
Mögliche Startelf (4-3-3):
Eloy Room – Shurandy Sambo, Riechedly Bazoer, Armando Obispo, Sherel Floranus – Godfried Roemeratoe, Leandro Bacuna, Juninho Bacuna – Tahith Chong, Sontje Hansen, Jürgen Locadia
Kompletter Kader:
Tor: Tyrick Bodak, Trevor Doornbusch, Eloy Room
Abwehr: Riechedly Bazoer, Joshua Brenet, Roshon van Eijma, Sherel Floranus, Deveron Fonville, Juriën Gaari, Armando Obispo, Shurandy Sambo
Mittelfeld: Juninho Bacuna, Leandro Bacuna, Livano Comenencia, Kevin Felida, Ar’Jany Martha, Tyrese Noslin, Godfried Roemeratoe
Angriff: Jeremy Antonisse, Tahith Chong, Kenji Gorré, Sontje Hansen, Gervane Kastaneer, Brandley Kuwas, Jürgen Locadia, Jearl Margaritha
So lief die Qualifikation:
Curaçao kommt mit dem Rückenwind einer historischen Qualifikation zur WM. Die Mannschaft blieb in der CONCACAF-Qualifikation ungeschlagen und setzte sich zunächst in der zweiten Runde gegen Barbados, Aruba, St. Lucia und Haiti durch. Dabei erzielte Curaçao 15 Tore und verschaffte sich eine starke Ausgangslage für die finale Qualifikationsphase.
In der entscheidenden Runde traf das Team dann auf Jamaika, Trinidad und Tobago sowie Bermuda. Besonders wichtig waren der Sieg gegen Jamaika und das klare 7:0 gegen Bermuda. Am Ende reichte ein 0:0 in Jamaika, um die Gruppe zu gewinnen und erstmals in der Geschichte zur Weltmeisterschaft zu fahren. Damit wurde Curaçao auch zur kleinsten Nation nach Einwohnerzahl, die sich je für eine Männer-WM qualifiziert hat.
So läuft die Vorbereitung:
Kurios: Wenige Wochen vor dem Auftakt ist Nationaltrainer Fred Rutten von seinem Amt zurückgetreten - und zwar nach nur wenigen Monaten Dienstzeit. Grund dafür sollen Proteste von Spielern und Sponsoren gewesen sein, die sich öffentlich für eine Rückkehr von Ruttens Vorgänger Dick Advocaat eingesetzt hatten.
Rutten kam überhaupt erst ins Amt, weil Vorgänger Advocaat aus privaten Gründen seinen Rücktritt erklärt hatte. Er wollte sich um seine schwer erkrankte Tochter kümmern. Die Situation um die Tochter Advocaats soll sich mittlerweile aber stabilisiert haben, sodass einer WM-Teilnahme nichts mehr im Weg steht.
In der direkten WM-Vorbereitung geht es daher vor allem darum, die Euphorie zu kontrollieren. Trainer Dick Advocaat setzt auf Stabilität, Kompaktheit und klare Abläufe. In den Tests gegen Australien (5:1) und Schottland (4:1) ging man deutlich baden.
Darauf muss Deutschland achten:
Curaçao ist nicht auf Deutschlands Niveau. Aber viele Spieler sind taktisch in den Niederlanden geschult, körperlich robust und international erfahren. Gegen Deutschland dürfte Curaçao tief stehen, viele Räume schließen und versuchen, über schnelle Umschaltmomente sowie Standards gefährlich zu werden.
Gerade der Auftakt kann für Deutschland knifflig werden, wenn das frühe Tor ausbleibt.
Elfenbeinküste: Top-Stars! Aber kein Top-Team?
Die Elfenbeinküste bringt eine Mischung aus Athletik, Tempo, Zweikampfstärke und Offensivdrang mit. Der große Name der goldenen Generation um Didier Drogba, Yaya Touré und Kolo Touré ist zwar Vergangenheit, doch die neue Mannschaft hat enorme Qualität – und kommt mit breiter Brust.
Trainer Emerse Faé ist eine besondere Figur. Während des Afrika-Cups 2024 übernahm er zunächst als Interimstrainer und führte die Ivorer sensationell zum Titel im eigenen Land. Seitdem ist sein Status im Land enorm gewachsen. Vor der WM formulierte Faé hohe Ziele: Die Elfenbeinküste will nicht nur dabei sein, sondern etwas reißen.
Sportlich ist das Team vor allem in der Offensive spannend. Amad Diallo von Manchester United bringt Tempo und Eins-gegen-eins-Stärke, Yan Diomande von RB Leipzig zählt zu den aufregenden jungen Spielern, Simon Adingra sorgt ebenfalls für Dynamik. Im Zentrum gibt Franck Kessié den Takt vor, dazu kommen Spieler wie Ibrahim Sangaré und Seko Fofana. In der Abwehr stehen mit Ousmane Diomande, Evan Ndicka, Odilon Kossounou und Wilfried Singo mehrere international erfahrene Profis.
Alles starke Individualisten. Wenn sie als Team auftreten, sind sie eine harte Nuss. Wenn nicht, sind sie kopflos.
Der frühere BVB-Stürmer Sébastien Haller wurde für den WM-Kader nicht berücksichtigt. Dafür sind mit Yan Diomande von RB Leipzig und Bazoumana Touré von der TSG Hoffenheim zwei Bundesliga-Spieler dabei.
Einwohnerzahl: 32 Millionen
Trainer: Emerse Faé
Kapitän: Franck Kessié
Top-Spieler: Franck Kessié / Amad Diallo / Yan Diomande
Rekordspieler: Didier Zokora (123 Länderspiele)
Rekordtorschütze: Didier Drogba (65 Tore)
Größte Erfolge: Afrikameister 1992, 2015 und 2024, WM-Gruppenphase 2006, 2010, 2014
Mögliche Startelf (4-3-3):
Yahia Fofana – Guéla Doué, Odilon Kossounou, Evan Ndicka, Ghislain Konan – Ibrahim Sangaré, Franck Kessié, Christ Inao Oulai – Amad Diallo, Evann Guessand, Yan Diomande
Kompletter Kader:
Tor: Yahia Fofana, Mohamed Koné, Alban Lafont
Abwehr: Emmanuel Agbadou, Clément Akpa, Ousmane Diomande, Guéla Doué, Ghislain Konan, Odilon Kossounou, Wilfried Singo, Evan Ndicka
Mittelfeld: Seko Fofana, Parfait Guiagon, Christ Inao Oulai, Franck Kessié, Ibrahim Sangaré, Jean-Michaël Seri
Angriff: Simon Adingra, Ange-Yoan Bonny, Amad Diallo, Oumar Diakité, Yan Diomande, Evann Guessand, Nicolas Pépé, Bazoumana Touré, Elye Wahi
So lief die Qualifikation:
Die Elfenbeinküste qualifizierte sich als Sieger der afrikanischen Gruppe F direkt für die WM 2026. Gegner in der Qualifikation waren Gabun, Kenia, Gambia, Burundi und die Seychellen. Die Ivorer blieben in zehn Spielen ungeschlagen, holten acht Siege und zwei Unentschieden und beendeten die Gruppe mit 26 Punkten knapp vor Gabun.
Besonders beeindruckend: Die Elfenbeinküste kassierte in der gesamten Qualifikation kein (!) Gegentor. Zum Auftakt gab es ein 9:0 gegen die Seychellen, später folgten unter anderem ein 2:0 gegen Gambia, ein 1:0 gegen Gabun, ein 7:0 gegen die Seychellen und zum Abschluss ein 3:0 gegen Kenia, mit dem das WM-Ticket endgültig gesichert wurde.
So läuft die Vorbereitung:
Die "Les Elefants" kommen mit viel Selbstvertrauen, weil sie 2024 nicht nur Afrikameister wurden, sondern auch die Qualifikation souverän meisterten. Auch die Testspiele gegen Südkorea (4:0) und Schottland (1:0) wurden brachial und ohne Gegentor gewonnen. Am 4. Juni wartet noch ein Härtetest gegen den Top-Favoriten Frankreich.
Darauf muss Deutschland achten:
Gegen Deutschland wird die Elfenbeinküste versuchen, über Körperlichkeit, Tempo auf den Flügeln und schnelles Umschalten Nadelstiche zu setzen. Wenn Nagelsmanns Team im Aufbau Bälle verliert, wird es brandgefährlich. Wenn sie die Afrikaner aus ihrer losen Struktur bringen, ist aber viel möglich.
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Ecuador: Die südamerikanische Festung
Ecuador ist der taktisch wohl anspruchsvollste Gegner für Deutschland. Die Südamerikaner sind defensiv stark, laufintensiv und im Umschalten gefährlich. In der Qualifikation zeigte Ecuador über weite Strecken, dass diese Mannschaft schwer zu bespielen ist. Besonders das Zentrum ist prominent besetzt: Moisés Caicedo ist der Schlüsselspieler, davor und daneben sollen junge, technisch starke Spieler für Entlastung sorgen.
In der Defensive verfügt Ecuador über eine der spannendsten Abwehrachsen der Gruppe. Willian Pacho, Piero Hincapié und Pervis Estupiñán bringen Tempo, Zweikampfstärke und internationale Erfahrung mit. Dazu kommt Kapitän Enner Valencia, der auch mit 36 Jahren noch der wichtigste Stürmer des Landes ist. Er ist Ecuadors Rekordtorschütze und soll bei seiner dritten WM noch einmal die Offensive tragen.
Historisch hat Ecuador vor allem bei der WM 2006 in Deutschland auf sich aufmerksam gemacht. Damals erreichte die Mannschaft das Achtelfinale und scheiterte erst knapp an England. 2026 ist es die fünfte WM-Teilnahme der Südamerikaner. Das Ziel: mindestens wieder die K.o.-Runde.
Ecuadors Trainer Sebastián Beccacece war früher Assistent von Jorge Sampaoli und gilt als extrem detailversessen. Er steht für intensive Arbeit gegen den Ball, klare Abläufe und emotionale Seitenlinien-Auftritte.
Einwohnerzahl: 18,5 Millionen
Trainer: Sebastián Beccacece
Kapitän: Enner Valencia
Top-Spieler: Moisés Caicedo / Willian Pacho / Piero Hincapié
Rekordspieler: Iván Hurtado (168 Länderspiele)
Rekordtorschütze: Enner Valencia (49 Tore)
Größter WM-Erfolg: Achtelfinale 2006
Mögliche Startelf:
Hernán Galíndez – Joel Ordóñez, Willian Pacho, Piero Hincapié, Pervis Estupiñán – Alan Franco, Moisés Caicedo, Pedro Vite – Gonzalo Plata, Enner Valencia, Kendry Páez
Kompletter Kader:
Tor: Hernán Galíndez, Moisés Ramírez, Gonzalo Valle
Abwehr: Piero Hincapié, Willian Pacho, Pervis Estupiñán, Félix Torres, Joel Ordóñez, Jackson Porozo, Angelo Preciado
Mittelfeld: Moisés Caicedo, Alan Franco, Kendry Páez, Pedro Vite, Jordy Alcívar, Denil Castillo, Yaimar Medina
Angriff: Enner Valencia, Gonzalo Plata, Alan Minda, John Yeboah, Kevin Rodríguez, Jordy Caicedo, Nilson Angulo, Anthony Valencia, Jeremy Arévalo
So lief die Qualifikation:
Ecuador qualifizierte sich über die schwere südamerikanische WM-Qualifikation und wurde hinter Weltmeister Argentinien Zweiter! In der CONMEBOL-Quali ging es gegen Argentinien, Brasilien, Uruguay, Kolumbien, Paraguay, Venezuela, Bolivien, Chile und Peru. Trotz eines Punktabzugs (Dokumente des Spielers Byron Castillo waren gefälscht) zu Beginn der Qualifikation arbeitete sich Ecuador konstant nach oben und sammelte am Ende 29 Punkte.
Das WM-Ticket wurde durch ein 0:0 gegen Peru gesichert. Zuvor hatte Ecuador bereits wichtige Ergebnisse geholt, darunter Siege gegen Uruguay, Peru, Bolivien, Venezuela und Kolumbien sowie mehrere defensiv starke Unentschieden gegen direkte Konkurrenten.
In 18 Spielen schoss man nur 14 Tore, aber kassierte auch nur fünf und damit die Hälfte des Spitzenreiters Argentinien.
So läuft die Vorbereitung:
In der direkten WM-Vorbereitung gewann Ecuador gegen Saudi-Arabien (2:1) und spielte gegen gute Teams wie Marokko (1:1) und den Niederlanden (1:1) jeweils Unentschieden. Der letzte Test findet am 7. Juni gegen Guatemala statt.
Gegen Deutschland dürfte Ecuador versuchen, das Zentrum eng zu machen, das Tempo aus dem Spiel zu nehmen und über Umschaltmomente sowie Standards gefährlich zu werden.
Darauf muss Deutschland achten:
Ecuador ist kein Spektakel-Team, aber sehr unangenehm. Die Mannschaft verteidigt kompakt, ist physisch stark und kann über Caicedo das Zentrum kontrollieren.
Für Deutschland könnte es besonders gefährlich werden, wenn Ecuador das Spiel lange eng hält und der Druck vor dem letzten Gruppenspiel steigt.
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