WM 2026
WM 2026: England-Zoff zwischen Jude Bellingham und Thomas Tuchel - was der Real-Star dem Coach wohl nicht verziehen hat
Veröffentlicht:
von Dominik Hagerran Fußball
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Videoclip • 02:05 Min
Jude Bellingham ist Englands Heilsbringer bei der WM 2026. Die jüngste Meinungsverschiedenheit mit Thomas Tuchel kommt jedoch keineswegs aus dem Nichts.
Mit seinem Doppelpack beim 2:1-Sieg gegen Norwegen im WM-Viertelfinale war Jude Bellingham einmal mehr der englische Held und Erfolgsgarant. Friede, Freude, Eierkuchen herrschte nach dem Halbfinaleinzug trotzdem nicht.
Thomas Tuchel zeigte sich unzufrieden mit der Leistung des Teams, wofür Bellingham wiederum kein Verständnis hatte.
Der Mittelfeld-Star wunderte sich im Interview darüber, ob Tuchel denn nicht wisse, wie schwierig es gegen die norwegischen Top-Spieler sei - und lobte seine Kollegen ausdrücklich.
Eine kleine Meinungsverschiedenheit, die in der Außendarstellung unglücklich war, zumal sich England ja eigentlich gerade über den Halbfinaleinzug freuen sollte. Doch der Zwist kommt offenbar nicht von ungefähr.
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WM 2026: Darauf beruht der Bellingham-Tuchel-Zoff
Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, ist die Beziehung zwischen Bellingham und Tuchel schon länger angespannt. Die Differenzen bestehen wohl seit gut einem Jahr, weil Tuchel sich ziemlich offen darüber ausgelassen hatte, welche Eigenschaften Bellinghams problematisch sein können.
"Manchmal sieht man die Wut, man sieht den Hunger und die Wut und das Feuer, und das kommt auf eine Art und Weise zum Vorschein, die ein bisschen abstoßend sein kann. Zum Beispiel für meine Mutter, wenn sie vor dem Fernseher sitzt", hatte sich Tuchel im Interview mit der Plattform "TeamTalk" sehr detailreich geäußert.
Tuchel nutzte das Wort "repulsive" (abstoßend, abscheulich, widerwärtig), welches im Anschluss tagelang die Schlagzeilen in England dominierte.
Im Anschluss musste Tuchel den aufgebrachten Bellingham besänftigen. "Ich habe dieses Wort unbeabsichtigt verwendet. Es steckte keine Botschaft dahinter, keine versteckte Absicht. Ich verstehe vollkommen, dass ich die Verantwortung trage, dass ich für die Schlagzeilen gesorgt habe, und es tut mir leid, dass ich für Unmut gesorgt habe. Ich hätte es besser wissen müssen", zeigte sich der England-Coach reumütig.
Bellingham soll Tuchel jedoch nie so ganz verziehen haben. Es besteht wohl kein Zweifel daran, dass Spieler und Coach eine reine Zweckbeziehung führen.
WM 2026: Bellingham-Nominierung auf der Kippe?
Tuchel hat vor der WM bewiesen, dass er nicht davor zurückschreckt, große Namen für das Turnier außen vor zu lassen. Laut Berichten der "SZ" und des "kicker" hatte auch Bellingham Zweifel, weil er nach einer langwierigen Verletzung Probleme hatte, seine Form bei Real Madrid zu finden.
Tuchel rang sich trotz der Differenzen und der Formkrise des Spielers durch, Bellingham in seinen WM-Kader aufzunehmen, womit auch klar war, dass dieser keine Nebenrolle übernehmen würde. Eine solche würde schließlich dem Naturell des Real-Stars widersprechen, der sich als klare Leader-Figur sieht.
Bellingham gibt es nur ganz oder gar nicht.
Der einzige Spieler, der ein ähnliches Standing im englischen Team genießt, ist Kapitän Harry Kane. Sinnbildlich dafür ist die Tatsache, dass ihre Familien zu den Spielen mit einem Privatjet anreisen, während sich die anderen der Reiseleitung des englischen Verbands unterwerfen.
Wirft man einen Blick auf die Torjägerliste bei der WM, genießen Bellingham und Kane ihre Sonderrolle zu Recht. Immerhin haben sie mit jeweils sechs Toren zusammen zwölf von insgesamt 13 englischen WM-Treffern erzielt.
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WM 2026: Bellingham widerspricht Tuchel im Interview
Die Ereignisse nach dem WM-Viertelfinale gegen Norwegen zeigten allerdings, dass Tore alleine nicht alle Risse heilen können.
"Ich bin nicht glücklich mit der Leistung. Wir haben uns das Leben sehr schwer gemacht mit der Art und Weise, wie wir gespielt haben: Schlampig, mit vielen technischen Fehlern, nicht schnell genug, nicht repetitiv genug. Wir hatten heute Glück", hatte Tuchel im Interview nach dem Match zunächst moniert.
"Vielleicht weiß er nicht, wie es ist, unter diesen Bedingungen gegen Erling Haaland, Martin Ödegaard, Antonio Nusa und Alexander Sörloth zu spielen", konterte Bellingham, als er selbst im Interview darauf angesprochen wurde.
Daraufhin lobte er das Team ausdrücklich und griff zu einem indirekten Seitehieb gegen Tuchel: "Wir haben eine positive Atmosphäre geschaffen, das sollten wir für die Runde der letzten Vier beibehalten".
Bellingham wusste zu diesem Zeitpunkt aber nicht, dass Tuchel die Mannschaft auch in Schutz nahm, als der Interviewer die Mentalitäts-Schublade öffnete. Zudem bezeichnete er die Leistung von Bellingham als "Weltklasse". Dies wusste der Real-Star aber ebenfalls nicht.
WM 2026: Kane ist als Mediator gefragt
Tuchel und Bellingham haben unfreiwillig, aber etwas leichtsinnig, einen Nebenschauplatz aufgemacht, der die Schlagzeilen der Presse nun bestimmt. Als Mediator kann nun nur noch einer helfen: Harry Kane.
Der Bayern-Stürmer zeigte sich schon nach dem Viertelfinale betont diplomatisch.
"Wenn er bei uns im Training sieht, wozu wir als Team fähig sind, vor allem mit den Spielern, die wir haben - unserer Art zu attackieren, unsere Eins-gegen-eins-Duelle, unsere technischen Qualitäten -, dann möchte er einfach genau diese Seite von uns sehen", zeigte er Verständnis für die strengen Tuchel-Worte, lobte aber ähnlich wie Bellingham auch das Team.
Kane zufolge wisse Tuchel, dass Erfolge bei der WM nicht einfach seien und man gegen gute Mannschaften spielen müsse. "Er versucht, das Beste aus uns herauszuholen, und wir wissen selbst, dass wir noch ein höheres Niveau erreichen können", schilderte er.
Dieses habe man "in kurzen Momenten" gezeigt, jedoch habe man noch nicht die "absolute Kontrolle über das Spiel" gehabt. Es sei "toll, im Halbfinale zu stehen und dennoch das Gefühl zu haben, sich verbessern zu können".
Damit hat Kane den Spagat zwischen der Tuchel-Kritik und dem Bellingham-Lob fast schon weltmeisterlich hinbekommen. Folgerichtig dürften die Chancen steigen, dass die Zweckbeziehung Tuchel-Bellingham zumindest bei dieser WM keine zusätzliche Belastungsprobe mehr erhält.
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