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Fussball

WM 2026: Murmeltiertag für Thomas Tuchel und England - wie geht es jetzt weiter?

Veröffentlicht:

von Christian Stüwe

:newstime

"Deutscher Spion": England-Legende kritisiert Tuchel

Videoclip • 01:03 Min • Ab 12


Wieder einmal scheitert England bei einem großen Turnier knapp vor dem Ziel. Zwischenzeitlich ließ Trainer Thomas Tuchel die "Three Lions" träumen, doch gegen Argentinien ging eine bewährte Taktik fürchterlich schief.

Hätte das englische Bollwerk zehn, 15 Minuten länger standgehalten, wäre Thomas Tuchel nun womöglich ein gefeierter Held.

England nach 60 Jahren wieder in ein WM-Finale zu führen – dieser Erfolg wäre vielleicht sogar noch mehr wert gewesen als der Triumph des Trainers in der Champions League mit dem FC Chelsea im Jahr 2021.

Doch der Konjunktiv hat im Fußball bekanntlich noch nie etwas gezählt. Argentinien drehte die Führung Englands im Halbfinale durch zwei späte Tore von Enzo Fernandez (85.) und Lautaro Martinez (90.+2) – wieder einmal endete ein großes Turnier für England kurz vor dem Ziel.

So wie es unter Tuchels Vorgänger Gareth Southgate bei den letzten beiden Europa- und Weltmeisterschaften passiert war. Um die talentierte und ambitionierte Mannschaft endlich titelreif zu machen, war der englische Verband im Herbst 2024 über seinen Schatten gesprungen und hatte mit Tuchel erstmals einen deutschen Trainer verpflichtet.

Von Anfang an war dieser Schritt skeptisch beäugt worden. Tuchels Mission begann mit einer souveränen WM-Qualifikation und einem guten Start ins Turnier jedoch verheißungsvoll. Doch nun herrscht wieder einmal Murmeltiertag auf der Insel, die englischen Hoffnungen liegen in Scherben. Und Tuchel findet sich im Zentrum der Kritik wieder.

Wie konnte das passieren?

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Gegen Mexiko ging Tuchels Defensivtaktik auf

Letztlich wurde dem Trainer und seiner Mannschaft eine taktische Herangehensweise zum Verhängnis, die bei dieser WM schon mindestens einmal hervorragend funktioniert hatte. Im Achtelfinale hatten zehn Engländer nach dem Platzverweis gegen Jarell Quansah fast eine ganze Halbzeit lang heroisch die wütenden Angriffe der Mexikaner wegverteidigt und den 3:2-Sieg nach Hause gebracht.

Das macht es nachvollziehbarer, warum Tuchel nach Englands Führung gegen Argentinien durch Anthony Gordon (55.) erneut komplett auf Defensive umstellte. Der Trainer brachte drei Verteidiger in die Partie, zeitweise standen sechs Abwehrspieler auf dem Feld. Im tiefen Block versuchten die Engländer, die Führung über die Zeit zu retten.

Doch das ging diesmal fürchterlich schief. Was zum einen an der Qualität der Argentinier, zum anderen aber auch an der Passivität der Engländer lag. "Wir haben gespürt, dass sie es nicht mehr wollten", zog Argentiniens Superstar Lionel Messi ein Fazit, das den Engländern ziemlich wehtun dürfte.

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England mit nur zwölf Prozent Ballbesitz nach dem Führungstor

"Ich kann es nicht fassen und nicht verstehen, wie England dieses Spiel nach der Führung angegangen ist", wunderte sich auch Thomas Müller in einem Video auf Instagram: "Ich kann nicht begreifen, warum sie die Argentinier eingeladen haben, eine Flanke nach der anderen aus idealen Positionen zu schlagen."

Tatsächlich gaben die Engländer das Heft des Handelns komplett aus der Hand. Die "Three Lions" verzeichneten zwischen dem Führungstor von Gordon und dem 1:2 durch Martinez nur noch zwölf Prozent Ballbesitz. Ein Wert, der im Profifußball fast nie gemessen wird.

"Sich hinten reinzustellen, elf Mann an die Kante des eigenen Strafraums zu stellen und den Ball nur noch wegzuköpfen oder so weit wie möglich wegzuschlagen – das ist nicht mutig, das ist das Gegenteil davon", ärgerte sich der frühere englische Nationalspieler Michael Owen bei "BBC Sport".

"Ich übernehme die Verantwortung", erklärte Tuchel nach dem Spiel und erläuterte seine eigentliche Idee. Der Trainer hatte gehofft, dass seine frischen Verteidiger Zweikämpfe gewinnen und die Ballgewinne in Umschaltsituationen verwandeln würden. Ein Plan, der mit einer müden Mannschaft und gegen einen starken Gegner nicht aufging.

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Tuchel will als Englands Nationaltrainer weitermachen

Erstmals bei dieser WM hatte sich Tuchel verpokert, obwohl er schon seit Wochen hohes Risiko ging. In der Defensive stellte er immer wieder um, Stars wie Phil Foden, Cole Palmer, Harry Maguire oder Trent Alexander-Arnold nominierte er erst gar nicht für die WM.

Die mutigen Maßnahmen, die zwischenzeitlich gefeiert worden waren, fallen dem Trainer nun auf die Füße. Was in den Wochen des Erfolgs gelobt wurde, wird jetzt auseinandergenommen. Tuchel war auf einem guten Weg, sich den Respekt der Anhänger zu verdienen, was als deutscher Trainer keine Selbstverständlichkeit ist. Doch der in den Augen vieler Engländer vercoachte Finaleinzug stellt das Verhältnis auf eine Probe.

Das Gute: Er kann noch einmal ein Ausrufezeichen setzen, mit einem Sieg im Spiel um Platz drei am Samstag gegen Frankreich. Auch wenn das ein Duell um die berühmte goldene Ananas ist, wird es die Stimmung mit beeinflussen.

Weitermachen will Tuchel trotz aller Kritik auch nach der WM, auch wenn es nicht wenige gibt, die seine Entlassung fordern. "Wir halten den Vertrag bis zur Heim-EM aufrecht. Ich freue mich darauf, auch wenn es im Moment schwierig ist, so weit vorauszudenken", sagte er.

Thomas Helmer geht davon aus, dass es keine Konsequenzen für Tuchel geben wird. "Ich glaube nicht, dass sie da irgendwas machen werden. Wenn sie das Turnier wirklich sachlich-vernünftig analysieren, dann kann man nicht sagen, dass es ein Misserfolg war und dass der Trainer da hauptsächlich dran schuld ist. Ich habe auch den Eindruck, dass es zwischen ihm und der Mannschaft sehr harmonisch und homogen gewirkt hat", sagte der Europameister von 1996 im ran-Interview.

In zwei Jahren werden die Engländer im eigenen Land den nächsten Anlauf nehmen, den Titelfluch zu beenden. Der Druck, der auf Mannschaft und Trainer lastet, wird mit jedem gescheiterten Versuch größer.

Wie auch immer es für Tuchel weitergeht: Seine Mission ist mit Sicherheit nicht leichter geworden.

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