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WM 2026: Neun Mini-Nationen liefern wilde Außenseiter-Geschichten
Aktualisiert:
von Mike Stiefelhagenran Fußball
Fußball WM: Einreisekontrollen für Nationalteams sorgen für heftige Kritik
Videoclip • 01:42 Min
Die WM 2026 wird größer als je zuvor. Und genau deshalb auch kurioser. Neun Nationen bringen wilde Außenseiter-Geschichten mit.
Die Fußballwelt blickt bei einer Weltmeisterschaft zuerst auf die Top-Nationen Deutschland, Brasilien, Argentinien, Frankreich, England oder Spanien. Dort spielen die großen Namen, dort hat man die größten Erwartungen.
Aber der Charme einer WM ist oft nicht nur bei den Favoriten zu finden. Er entsteht bei den Teams, bei denen man vor dem Turnier zweimal hinschaut und denkt: Moment, die sind wirklich dabei?
Genau davon hat die WM 2026 reichlich. Durch die Aufstockung auf 48 Teilnehmer rutschen nicht nur mehr Spiele denn je in den Kalender, sondern auch mehr Geschichten ins Turnier als jemals zuvor.
Curaçao, Kap Verde, Jordanien, Haiti, Irak, Panama, Katar, Usbekistan und DR Kongo finden sich wohl auf keiner Favoritenliste. Aber sie sind vielleicht die spannendste Sammlung an Außenseiter-Erzählungen, die dieses Turnier bisher zu bieten hatte.
ran stellt die neun Nationen vor, die das erste beziehungsweise zweite Mal an der WM teilnehmen.
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Curaçao: Karibikinsel in der Größe von Hamm
Curaçao ist die unglaublichste Geschichte dieser WM. Rund 156.000 Menschen leben auf der Insel. Das ist weniger als in Mainz, Freiburg, Regensburg oder Hamm. Der FC Schalke 04 hat etwa allein rund 50.000 Mitglieder mehr. Trotzdem steht Curaçao 2026 bei einer Fußball-Weltmeisterschaft. Kleiner war noch nie ein Teilnehmer bei einer WM.
Schon die Vorstellung ist absurd schön. Eine Karibikinsel, bekannt für bunte Häuser, Strände, Hitze und niederländischen Einfluss, tritt plötzlich auf der größten Fußballbühne der Welt an. Nicht als Gastgeber, nicht als politische Einladung, sondern sportlich qualifiziert. Für den Weltfußball ist das ein neues Extrem.
Der Schlüssel liegt in der Verbindung zu den Niederlanden. Viele Spieler wurden in Europa ausgebildet oder geboren, haben aber familiäre Wurzeln auf Curaçao. So entsteht kein klassischer Fußball-Zwerg, sondern ein Team mit professioneller Basis: niederländische Schule, karibische Identität, internationale Erfahrung. Kurios: Von den 26 Akteuren ist nur ein Spieler auch wirklich in Curaçao geboren: Tahith Chong.
Die Trainerstory ist fast noch wilder. Dick Advocaat, mit einem Fußballleben zwischen Oranje, Bundesliga, Premier League und Nationalteams, führte Curaçao zur WM. Später trat er aus familiären Gründen zurück, Fred Rutten übernahm.
Doch dabei blieb es nicht. Das Team protestierte monatelang und Advocaat kam zurück. Schon vor dem ersten Spiel hat Curaçao also mehr Drama geliefert als manche gesetzte Nation in einem ganzen Turnier.
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Kap Verde: "Blauen Haien" ist die Größe egal
Kap Verde ist das zweite Insel-Märchen der WM 2026, aber ganz anders als Curaçao. Der Staat liegt vor der Westküste Afrikas, besteht aus rund zehn Vulkaninseln und hat nur rund eine halbe Million Einwohner. Also ungefähr so viele wie der Berliner Stadtbezirk Pankow. Trotzdem setzte sich das Land in der afrikanischen WM-Qualifikation durch. Und wie bei einem Vulkan schlummert ein möglicher Ausbruch.
Denn: Kap Verde ließ unter anderem Kamerun hinter sich, eine der erfolgreichsten WM-Nationen Afrikas: Samuel Eto’o, Roger Milla, Afrika-Cup-Geschichte. Kap Verde dagegen war lange eher ein Geheimtipp bei kontinentalen Turnieren. Die "Blue Sharks" haben aus den "Unzähmbaren Löwen" kleine Zoo-Kätzchen gemacht.
Dieser Spitzname ist ohnehin perfekt. Die "Blauen Haie" sind körperlich, diszipliniert, unangenehm und stark von ihrer Diaspora geprägt. Viele Spieler haben Verbindungen nach Portugal, Frankreich, in die Niederlande oder andere europäische Fußballländer. Ihre offensive Qualität: 40 Prozent ihrer Tore in der Qualifikation kamen nach Standardsituationen.
Kurios ist auch die Dimension der Reise. Ein kleiner Inselstaat im Atlantik schafft es zu einer WM in Nordamerika und bekommt dort plötzlich globale Aufmerksamkeit. Für Kap Verde ist diese Teilnahme nicht nur ein Sportereignis. Sie ist ein Identitätsmoment für ein Land, das geografisch oft am Rand der Fußballkarte liegt und nun mitten auf ihr landet.
Oder wie es der Trainer Pedro "Bubista" Brito sagt: "Größe definiert im Fußball nichts".
Jordanien: Die Tafelrunde des "jordanischen Messi"
Jordanien ist einer dieser WM-Debütanten, die man im europäischen Fußballalltag schnell unterschätzt. Das Land hat keine riesige Liga, keine globale Klubmarke und keine lange WM-Historie. Genau genommen hat Jordanien gar keine WM-Historie. 2026 beginnt sie erst.
Der Spitzname der Nationalmannschaft ist "Al-Nashama". Das wird meist mit den "Ritterlichen", "Tapferen" oder "Edlen" übersetzt. Für einen WM-Debütanten klingt das fast zu passend. Jordanien kommt nicht mit großen Namen, aber mit einer Mannschaft, die in den vergangenen Jahren sichtbar gewachsen ist. Der Lauf ins Finale des Asien-Cups, später auch ins Arab-Cup-Finale, hat das Land fußballerisch verändert. Aus einem netten Außenseiter wurde ein Gegner, der größere Namen nicht mehr nur bewundert, sondern schlägt. Jordanien hatte im Schnitt nur 40,2 Prozent Ballbesitz – weniger hatte nur China. Trotzdem erzielte das Team 32 Tore, nationaler Rekord in einer Qualifikation.
Im Land selbst hat die Qualifikation einen Ausnahmezustand ausgelöst. Nach dem entscheidenden 3:0 im Oman wurde in Amman und Irbid tagelang gefeiert. Laut "BBC" unterschrieb Premierminister Jafar Hassan sogar ein Dekret, nach dem Beschäftigte im öffentlichen Dienst später zur Arbeit kommen dürfen, um die WM-Spiele zu sehen und die Mannschaft zu unterstützen. Spätestens da ist klar: Jordanien fährt nicht nur zu einem Turnier. Jordanien erlebt ein nationales Ereignis.
Die zentrale Figur ist Mousa Al-Taamari. Der Flügelspieler von Stade Rennes ist der einzige Jordanier im Kader, der in einer europäischen Top-Liga spielt, und wird gelegentlich "jordanischer Messi" genannt. Das wirkt natürlich groß, aber bei dieser WM bekommt der Spitzname eine fast schon absurde Pointe: Jordanien trifft in der Gruppe tatsächlich auf Argentinien und damit auf den echten Lionel Messi. Al-Taamari ist schnell, gefährlich im Umschalten und für Jordanien viel mehr als nur ein Starspieler. Er ist das Gesicht einer Generation, die ihr Land erstmals auf die größte Fußballbühne gebracht hat.
Innenverteidiger Yazan Al-Arab ist eine defensive Säule und bei Standards gefährlich, aber auch ein Spieler mit wilder Akte: 2023 wurde er in Malaysia lebenslang gesperrt, nachdem er nach einem Spiel gegen einen Schiedsrichter ausgerastet war. Mohannad Abu Taha ist mit 23 Jahren einer der jüngeren Spieler im Kader und machte kurz vor dem Turnier mit einem 30-Meter-Knaller an die Latte gegen Kolumbien auf sich aufmerksam.
Umso bitterer ist der Ausfall von Yazan Al-Naimat. Der Stürmer erzielte in der Qualifikation neun Tore, zog sich aber im Dezember eine schwere Knieverletzung zu. Jordaniens Nationaltrainer Jamal Sellami sagte über ihn, er sei nicht zu ersetzen. Daher liegt noch mehr Druck auf dem "jordanischen Messi". Der echte ist jedoch unter diesen Bedingungen am besten. Ein Reality Check steht an.
Aber für Jordanien selbst ist das Risiko überschaubar. Sie haben jetzt schon gewonnen. Das ist für einen Debütanten keine schlechte Ausgangslage.
Haiti: Das 52-jährige Erbe will von den "Heimatlosen" beglichen werden
Haiti ist vielleicht die emotionalste Geschichte dieser WM. Die letzte Teilnahme war 1974, also vor 52 Jahren. Damals spielte Haiti gegen Italien, Polen und Argentinien, verlor alle drei Partien und kassierte 14 Gegentore. Danach verschwand das Land für mehr als ein halbes Jahrhundert von der größten Fußballbühne. 2026 ist Haiti zurück. Und schon der Weg dorthin klingt wie ein Drehbuch, das man kaum glaubwürdiger erfinden könnte.
Die Mannschaft qualifizierte sich unter Umständen, die mit normalem Heimvorteil wenig zu tun hatten. Wegen der Sicherheitslage im eigenen Land konnte Haiti seine entscheidenden Spiele nicht wie gewohnt zu Hause austragen. Das "Heimspiel" gegen Nicaragua fand rund 800 Kilometer entfernt auf Curaçao statt. Dort löste der Sieg trotzdem Jubel in Haiti aus. Auch in Vierteln, die sonst viel zu oft von Angst, Schüssen und Unsicherheit geprägt sind.
Besonders symbolisch ist das Datum. Der 18. November ist in Haiti ohnehin historisch aufgeladen: 1803 besiegten haitianische Rebellen in der Schlacht von Vertières die Truppen Napoleons und ebneten den Weg zur Unabhängigkeit. Exakt 222 Jahre später machte die Nationalmannschaft die WM-Qualifikation perfekt. Für ein Land, dessen Geschichte von Kolonialherrschaft, Diktaturen, Naturkatastrophen und Gewalt geprägt wurde, ist das mehr als eine schöne Fußnote. Es ist ein Moment, der weit über Fußball hinausgeht.
Haiti hat ohnehin eine tiefere WM-Verbindung, als viele wissen. Der erste Haitianer, der bei einer Weltmeisterschaft Geschichte schrieb, spielte gar nicht für Haiti. Joe Gaetjens erzielte 1950 für die USA den sensationellen 1:0-Siegtreffer gegen England! Eine der größten Überraschungen der WM-Historie. Später kehrte Gaetjens nach Haiti zurück. Seine Familie stand in Opposition zum damaligen Regime. 1964 wurde er verschleppt und nie wieder gesehen. Tragisch, wie historisch.
Auch der WM-Auftritt 1974 hatte wilde und dunkle Seiten. Haiti ging gegen Italien sogar in Führung, verlor am Ende aber 1:3. Kurz danach folgte der Skandal: Verteidiger Ernst Jean-Joseph fiel bei einem Dopingtest durch, wurde aus dem Teamhotel geholt und zurück nach Haiti geschickt. Aus Stolz wurde Scham. Ein kompliziertes Erbe für die heutige Truppe.
Besonders im Fokus: Duckens Nazon. Haitis Rekordtorschütze spielt im Iran und erlebte kurz vor dem Turnier eine Fluchtgeschichte, die fast surreal wirkt. Als Krieg ausbrach, musste er Teheran verlassen, kam über Aserbaidschan raus und berichtete später davon, dass Bomben nur rund 100 Meter entfernt eingeschlagen seien. An der Grenze saß er 48 Stunden fest, wurde zunächst zurückgeschickt und schlief dort, ehe ihm die französische Botschaft half. Jetzt reist er mit Haiti zu einer WM.
Mehr Kontrast zwischen Überlebenswillen und Fußballtraum geht kaum. Symbolisch für das Land selbst.
Irak: Die Quali-Odyssee im Schatten Maradonas
Irak ist zurück bei einer WM. Zum ersten Mal seit 1986. Bei der bisher einzigen Teilnahme wurde das Turnier von einem gewissen Diego Maradona überstrahlt. Die Endrunde in Mexiko war geprägt von der "Hand Gottes", dem Jahrhunderttor gegen England, Argentinien als Weltmeister. Irak war damals maximal eine Randnotiz.
2026 bekommt das Land seine zweite Chance. Und der Weg dorthin war kein kurzer Sprint, sondern eine unfassbare Fußball-Odyssee: 21 Spiele, 28 Monate, Rückschläge, Trainerwechsel, Playoff-Drama. Niemand musste mehr überstehen, um sich zu qualifizieren! Am Ende stand ein 2:1 gegen Bolivien im interkontinentalen Playoffspiel. Und damit der letzte freie Platz bei der WM. Vielleicht die verdienteste Qualifikation aller Teilnehmer.
Die Wende begann mit Graham Arnold. Der Australier übernahm nach einer Phase, in der die Stimmung am Boden war. Irak hatte gegen Palästina verloren, der vorherige Trainer Jesús Casas musste gehen, das Vertrauen war beschädigt. In seinem ersten Meeting schrieb Arnold laut "Guardian" nur ein Wort an die Tafel: "Believe". Ausgerechnet dieser fast kitschige Kabinenmoment wurde zum Startpunkt eines Comebacks, das ein ganzes Land mitriss.
Sein Ansatz: Disziplin, Mentalität, weniger Angst. Die WM-Gruppe mit Frankreich, Norwegen und Senegal nennt er nicht Todesgruppe, sondern sinngemäß eine "Gruppe der Begeisterung". Der Druck liege bei den anderen. Der Irak habe nichts zu verlieren.
Die wildeste Story liefert Aymen Hussein. Der Stürmer galt lange als Zielscheibe des Spotts. Wegen vergebener Chancen wurde er verspottet, seine Frisur wurde belächelt, ein politischer Satiriker machte ihn zum Thema. In einem Spiel musste sogar ein Trainer auf den Platz kommen, um ihn davon abzuhalten, einen Elfmeter zu schießen. Jetzt ist ausgerechnet Hussein der Mann, der den Irak mit seinem Tor gegen Bolivien zurück zur WM brachte.
Seine persönliche Geschichte macht das noch größer. Hussein verlor nach der US-geführten Invasion 2003 seinen Vater und seinen Bruder. Später wurde er von Teilen der Fans hart kritisiert, in sozialen Netzwerken kursierte sinngemäß der Vorwurf, diese Mannschaft repräsentiere das Land nicht. Nach seinem Quali-Tor war alles anders. Laut englischen Medien bekam Hussein unter anderem einen Diplomatenpass, drei Chevrolet-SUVs, eine Villa, ein Apartment, ein 21-karätiges Gold-iPhone und ein Grundstück. Vom Meme zum König. Und das vor dem ersten WM-Spiel.
1986 verlor der Irak jedes Spiel mit nur einem Tor Unterschied. Sollte 2026 irgendwie ein Punkt erzielt werden, wäre das fast schon wie ein WM-Triumph für die kämpferische Nation.
Panama: Der Kanalstaat ist nicht für Selfies angereist
Panama kennt das WM-Gefühl schon, aber noch nicht den WM-Erfolg. 2018 war das Land erstmals dabei, verlor alle drei Gruppenspiele und kassierte elf Gegentore. Mehr als jede andere Mannschaft des Turniers. Trotzdem wurde Panama damals nicht nur als Verlierer abgespeichert. Der Auftritt in Russland war für ein Land, in dem Baseball lange mehr Gewicht hatte als Fußball, ein nationaler Durchbruch.
Der emotionalste Moment kam ausgerechnet bei einer klaren Niederlage. Am 24. Juni 2018 traf Felipe Baloy gegen England zum ersten WM-Tor der panamaischen Geschichte beim 1:6. Für England war es ein kleiner Schönheitsfehler bei einem Kantersieg. Für Panama war es ein Erdbeben. Im Stadion von Nischni Nowgorod und zu Hause brach Jubel aus, als hätte die Mannschaft gerade ein Finale gedreht.
2026 will Panama aber nicht mehr nur schöne Erinnerungen sammeln. Trainer Thomas Christiansen sagte sinngemäß: Panama fahre nicht zur WM, um Selfies zu machen. Das Ziel ist der erste Sieg bei einer Weltmeisterschaft. Der Auftakt gegen Ghana wird deshalb hoffnungsvoll herbeigesehnt. Ein Erfolg dort könnte Panama in Richtung K.o.-Runde bringen, bevor es gegen Kroatien und wieder gegen England geht. Acht Jahre nach dem 1:6 kommt es zu einer kleinen Fortsetzung.
Die Mission ist jedoch genauso verrückt wie damals. Ihre Chancenverwertung in der Qualifikation lag bei mickrigen 15 Prozent. Zudem ist rund die Hälfte der Spieler über 30 und keiner spielt in einer der europäischen Top-5-Ligen.
Kurioser WM-Fakt: Panama ist durch seine schmale S-Form eines der seltenen Länder der Welt, in dem man vom selben Punkt aus gleichzitig den Sonnenaufgang über dem Pazifik und den Sonnenuntergang über dem Atlantik sehen kann. Passend zur WM-Historie also. 2018 staunte man beim Untergang. 2026 soll mit dem ersten Sieg der Aufgang kommen.
Katar: Der einzige Außenseiter unter Druck
Das Land ist klein nach Einwohnerzahl, aber riesig, wenn es um Sportpolitik, Infrastruktur und internationale Aufmerksamkeit geht. 2022 war Katar Gastgeber der Weltmeisterschaft, automatisch qualifiziert und das Zentrum der Fußballwelt. Sportlich blieb davon wenig übrig: drei Spiele, drei Niederlagen, ein frühes Aus. Die erste Teilnahme war erkauft. Nicht verdient. Und politisch mindestens fragwürdig.
2026 ist es anders. Diesmal ist Katar nicht gesetzt, sondern sportlich qualifiziert. Zum ersten Mal in der eigenen Fußballgeschichte hat sich das Land über die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft durchgesetzt. Aus dem Gastgeber mit Sonderstatus wird ein normaler Teilnehmer. Und genau dort beginnt der Beweis über den Fortschritt.
Der Trainer ist ein prominenter Name. Julen Lopetegui coachte Spanien, Real Madrid, den FC Sevilla und die Wolverhampton Wanderers. Der Kader ist erfahren, aber stark von der heimischen Liga geprägt. Lediglich Homam Ahmed spielt im Ausland (Cultural Leonesa/Spanien).
Kurios ist Katars Rolle im Vergleich zu anderen Außenseitern. Curaçao klingt nach Karibik-Märchen, Kap Verde nach Insel-Wunder, Haiti nach emotionaler Rückkehr. Katar klingt nach Akademie, Geld, Planung und Druck. Das macht die Mannschaft weniger romantisch, aber nicht weniger interessant. Sie ist ein Experiment, das sich endlich außerhalb der eigenen Komfortzone beweisen muss.
Dazu kommt die offene Rechnung von 2022. Katar war damals der erste Gastgeber, der sein Eröffnungsspiel bei einer WM verlor, und schied ohne Punkt aus. Viele sahen sich bestätigt: Alles unverdient. 2026 ist es anders: Katar reist als zweifacher Asienmeister an, mit einem europäischen Trainer, einem echten Star in Flügelflitzer Akram Afif und einer Qualifikation, die niemand mehr als Gastgebergeschenk abtun kann.
Gegen Kanada, die Schweiz und Bosnien-Herzegowina wirkt nichts unmöglich, genau das erhöht aber auch den Druck. Wenn diese Mannschaft wirklich gewachsen ist, muss sie in so einer Gruppe konkurrenzfähig sein.
Kein Märchen, kein trauriges Comeback, keine Mini-Insel im Glück. Aber Katar ist ein Land, welches viel beweisen will. Und ist als einziger Außenseiter wirklich unter Druck.
Usbekistan: Ein "Super-Usbeke" und ein Legenden-Coach
Usbekistan ist nach Einwohnerzahl kein kleines Land. Mehr als 36 Millionen Menschen leben dort. Als WM-Nation aber ist Usbekistan ein kompletter Neuling. 2026 ist das Land erstmals bei einer Fußball-Weltmeisterschaft dabei. Noch nie zuvor hatte es eine zentralasiatische Nation zu einer WM geschafft.
Schon geografisch bringt Usbekistan eine eigene Farbe ins Turnier. Samarkand, Buchara, Taschkent, Seidenstraße, alte Handelsrouten, Wüsten, Moscheen, Kuppeln, Karawanen-Romantik. Das sind Bilder, die man bei einer WM selten im Kopf hat. Noch kurioser: Usbekistan ist auch das erste doppelt-binnenländische Land bei einer Weltmeisterschaft. Es grenzt also nur an Staaten, die selbst keinen direkten Zugang zum Meer haben.
Sportlich ist diese Premiere kein Zufall. Usbekistan war in Asien seit Jahren immer wieder nah dran, scheiterte aber regelmäßig kurz vor der WM-Tür. Diesmal blieb die Mannschaft konstant, sie verlor in 16 Qualifikationsspielen nur einmal.
Der prominenteste Name steht an der Seitenlinie. Fabio Cannavaro kehrte 20 Jahre nach seinem WM-Triumph als italienischer Kapitän auf die größte Fußballbühne zurück. 2006 hob er den Pokal in Berlin, 2026 führt er Usbekistan als Trainer zur ersten WM. Noch interessanter: Cannavaro wurde erst nach der Qualifikation verpflichtet. Sein erstes großes Pflichtspiel als usbekischer Nationaltrainer ist also direkt ein WM-Spiel.
Der wichtigste Spieler ist Eldor Shomurodov. Der Kapitän ist mit 43 Toren Rekordtorschütze seines Landes. Dazu kommt Abdukodir Khusanov. Ein Usbeke bei Manchester City. Der Verteidiger ist der Shooting Star des Landes und hat mit Pep Guardiola einen prominenten Fan. "Transfermarkt" schätzt seinen Marktwert auf rund 50 Millionen Euro. Der 22-jährige ist damit mehr als doppelt so wertvoll, wie die restliche Mannschaft zusammen (ca. 23 Millionen Euro). Er allein ist wertvoller, als die neun schwächsten WM-Nationen insgesamt.
Die WM ist nicht nur ein Turnier, sondern auch ein Schaufenster für ein Land, das sportlich sichtbarer werden will. Es wurde in neue Plätze und Fußballprogramme investiert. Schulen wurden renoviert. Es geht in dem Fall um mehr, als nur Fußball.
DR Kongo: Das Comeback aus dem Schatten von Zaire 1974
DR Kongo kehrt nach 52 Jahren zur WM zurück. Die letzte Teilnahme war 1974, damals noch als Zaire. Und dieser Auftritt klebt bis heute am Fußballgedächtnis des Landes. Drei Spiele, drei Niederlagen, 0:14 Tore. Vor allem das 0:9 gegen Jugoslawien wurde zum Symbol für Überforderung auf der größten Bühne.
Noch berühmter wurde eine Szene gegen Brasilien. Bei einem Freistoß lief Mwepu Ilunga aus der Mauer und drosch den Ball weg, bevor der Gegner überhaupt ausführen konnte. Viele lachten darüber, lange wurde der Moment als Slapstick erzählt. Tatsächlich steckte dahinter viel mehr: Druck, politische Umstände, chaotische Vorbereitung und ein Team, das unter enormer Anspannung stand.
2026 geht es um eine Korrektur dieses Bildes. DR Kongo will nicht mehr als skurrile WM-Fußnote von 1974 in Erinnerung bleiben. Das Land will zeigen, dass es inzwischen eine moderne, ernstzunehmende Fußballnation ist. Dieses Comeback birgt emotionale Kraft.
Der Weg zur WM war hart. DR Kongo wurde in der Qualifikation nur Zweiter hinter Senegal, musste also einen Umweg nehmen. Danach schlug die Mannschaft aber Kamerun, setzte sich gegen Nigeria durch und gewann schließlich das interkontinentale Playoff-Duell gegen Jamaika. Wenn die Mannschaft etwas kann, dann ist es Hindernisse überwinden.
Das blieb ihnen auch in der WM-Vorbereitung nicht erspart. Ein geplantes Testspiel gegen Chile in Spanien wurde wegen Sorgen rund um einen Ebola-Ausbruch in DR Kongo abgesagt, obwohl das Team zuvor in Belgien trainiert hatte und größtenteils aus Europa-basierten Spielern besteht.
Der wichtigste Anführer und Ruhepol ist Chancel Mbemba. Der frühere Newcastle- und Marseille-Verteidiger ist Kapitän, Rekordnationalspieler und das Zentrum der "Leoparden". Offensiv bringen Yoane Wissa und Cédric Bakambu internationales Format mit.
Sportlich ist die Gruppe mit Portugal, Kolumbien und Usbekistan hart, aber nicht aussichtslos. Das Duell der Außenseiter findet gegen Usbekistan statt.
Hier wird definitiv Geschichte geschrieben.
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