Internationaler Fußball
Xavi, Klopp und Co.: Warum ist Länderspielfußball plötzlich so beliebt bei Trainern?
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von Justin Kraftran Fußball Bundesliga
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Xavi wird überraschend Nationaltrainer von Oranje, Klopp übernimmt den DFB. Gibt es einen Paradigmenwechsel bei Trainern?
Die niederländische Nationalmannschaft hat einen neuen Nationaltrainer gefunden. Xavi Hernandez wird Oranje übernehmen.
Eine aus beiden Richtungen interessante Wahl. Der Spanier war zuletzt Trainer beim FC Barcelona und dort eher mäßig erfolgreich. Zuvor trainierte er Al-Sadd in Katar. Trotz eines eher unrühmlichen Endes bei Barca hätten Xavi sicher einige Optionen auf dem Markt des Klubfußballs offen gestanden.
Ähnlich wie Julian Nagelsmann im September 2023 entschied sich der einstige Weltklasse-Mittelfeldspieler aber für den Weg in den Nationalmannschaftsfußball – und damit gewissermaßen in die Teilzeit.
Früher hatte der Job als Nationaltrainer den Ruf, ein verdienter und insgesamt weniger stressiger Ausklang einer Trainerkarriere zu sein. Oder als Möglichkeit, die Trainerkarriere überhaupt erst in Fahrt zu bringen, wenn man wie Joachim Löw einst zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.
Der Job galt und gilt als weniger anspruchsvoll und erlaubt größere Pausen. Auch deshalb ist er so reizvoll für Trainer wie Jürgen Klopp, die im Klubfußball fast alles erlebt haben. Doch mittlerweile scheinen auch deutlich jüngere Trainer mit großen Namen Gefallen daran zu finden. Ein Paradigmenwechsel?
Viele große Trainer im Nationalmannschaftsfußball
Neben Xavi und Nagelsmann ist auch Mauricio Pochettino zu nennen, der einige Topklubs trainierte und dann Trainer der USA wurde. Mit 54 zählt er nicht zu den jüngsten Trainern, doch fertig war er im Klubfußball längst nicht.
Jesse Marsch hat bisher keine Weltkarriere hingelegt, gilt aber dennoch als talentierter Trainer, der nach Stationen bei Montreal, Red Bull und Leeds United die kanadische Nationalelf übernahm, statt mit einem Verein den großen Durchbruch zu suchen.
Wie attraktiv der Nationalmannschaftsfußball ist, zeigen aber auch viele große Namen, die im Klubfußball schon sehr viel oder alles gewonnen und erreicht haben. Klopp ist jetzt Bundestrainer, Thomas Tuchel übernahm England, Zinedine Zidane ist französischer Nationaltrainer, Carlo Ancelotti coacht Brasilien und auch Pep Guardiola soll über einen Sprung zu einer Nationalmannschaft nachdenken.
So viele Weltklasse-Vereinstrainer arbeiten selten für Nationalteams. Was bei diesen Namen aber ebenfalls mitschwingt: Vielleicht ist es gar kein Paradigmenwechsel, sondern einfach das Resultat eines Generationenwechsels – oder zumindest der Wechsel hin zu anderen Trainern, die die Geschichten schreiben.
Eine neue Trainergeneration im Klubfußball
Die Zeiten, in denen Ancelotti, Guardiola, Klopp und vielleicht noch Diego Simeone den Vereinsfußball dominiert haben, scheinen vorbei zu sein. In Deutschland schrieben jüngst Vincent Kompany (40) und Xabi Alonso (44) herausragende Geschichten. Letzterer scheiterte in Madrid in einem sehr unruhigen Umfeld und wird sich jetzt beim FC Chelsea versuchen.
Der 46-jährige Enzo Maresca hat Guardiola in diesem Sommer bei Manchester City beerbt und bekommt damit seine Chance, seine Qualitäten unter Beweis zu stellen. Mikel Arteta vom FC Arsenal ist erst 44, Andoni Iraola ebenfalls und darf sich beim FC Liverpool zeigen.
Es gäbe noch viele weitere Beispiele. Und natürlich gibt es auch weiterhin Gegenbeispiele, wenn man auf Jose Mourinho (Real Madrid) oder Luciano Spalletti (Juventus Turin) schaut. Mit Luis Enrique ist der aktuell erfolgreichste Vereinstrainer irgendwo zwischen der älteren Garde und den jungen Neuankömmlingen.
Solche Entwicklungen sind selten linear. Und doch scheinen immer mehr neue Gesichter die etablierten Spitzentrainer zu verdrängen – und für die ist der Nationalmannschaftsfußball dann eine gelungene Alternative.
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Nationaltrainer: Der unterschätzte Job?
Denn ganz so anspruchslos, wie er oft dargestellt wird, ist er natürlich nicht. Der Druck, unter dem Nagelsmann zuletzt stand und die Wucht der Debatten, die über ihn geführt wurden, haben das eindrucksvoll gezeigt. Die Verantwortung ist immens und man kann in wenigen Momenten vom gefeierten Helden zum Deppen der Nation werden.
Taktisch ist es vielleicht sogar anspruchsvoller für die Trainer. Denn ohne die alltägliche Arbeit mit den Spielern ist es erheblich schwieriger, eine funktionierende Philosophie zu etablieren oder zumindest mal ein System, in dem sich der Kader wohlfühlt. Es können keine Spieler verpflichtet werden, wenn es keinen Weltklasse-Außenverteidiger gibt.
Die Probleme sind andere als im Klubfußball und die Lösungen sowieso. Ein spazierendes Ausklingen der Karriere ist es sicher nicht. Und doch ist es reizvoll, dass zwischen den Wochen, auf die sich alles fokussiert, viel Freiraum und Ruhe herrschen.
Länderspiele werden vom Qualitätszuwachs auf der Bank profitieren
Vielleicht ist es aber trotzdem gleichzeitig eine Art Paradigmenwechsel hin zur Nationalmannschaft als gleichwertige Alternative – und als besondere Herausforderung, als Trainer etwas anderes zu machen.
Ob Klopp, Tuchel oder Zidane, sie alle verwendeten beim Antritt sehr emotional aufgeladene Formulierungen, stellten den Stolz in den Vordergrund und die Bedeutung, die dieser Job habe. Neu ist das nicht.
Aber neu ist eben, wie viele Trainer aktuell gleichzeitig für Nationalmannschaften arbeiten, die zuletzt noch mit Topklubs um den Champions-League-Titel kämpften. Eine Entwicklung, die dem internationalen Fußball nur guttun kann. In den mittleren und späten 2010er Jahren wurde der Länderspielfußball doch im Schnitt sehr defensiv, langweilig und kalkulierend.
Aktuell bläst ein frischer Wind durch den Nationalmannschaftsfußball. Die WM 2026 war sportlich insgesamt unterhaltsamer und hochwertiger als andere Turniere zuvor. Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass viele Top-Trainer diesen Weg angetreten sind.
Ob Xavi einen Teil dazu beitragen kann, bleibt abzuwarten. Der Spanier hatte bisher noch keine große Trainerkarriere. Aber es ist die Chance, an seiner bisherigen Geschichte etwas zu ändern.
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