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Formel 1

Formel 1 - Deutschland sucht den nächsten Schumacher: "Talente wachsen nicht auf Bäumen"

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von Andreas Reiners

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Videoclip • 01:09 Min


Während die Formel 1 weltweit boomt, wartet Deutschland auf das nächste große Talent. Günther Steiner schätzt bei ran die Lage ein.

Von Andreas Reiners

Die Formel 1 erlebt ihren nächsten Boom. Audi ist als Werksteam eingestiegen, Mercedes kämpft wieder um den Titel, die Tribünen sind ausverkauft und auch vor den Bildschirmen erlebt die Königsklasse einen Zuwachs an Fans. Eigentlich beste Voraussetzungen für den deutschen Motorsport.

Eigentlich.

Denn während die Formel 1 weltweit wächst, verliert Deutschland den Anschluss. Hinter Audi-Pilot Nico Hülkenberg drängt sich derzeit kein deutscher Fahrer ernsthaft für die Formel 1 auf.

Ausgerechnet das Land, das mit Michael Schumacher und Sebastian Vettel zwei der erfolgreichsten Weltmeister der Geschichte hervorgebracht hat, wartet auf den nächsten Hoffnungsträger.

Und das schon seit Jahren. Vergeblich.

Formel 1 in Deutschland: Eine schwierige Situation

Für Günther Steiner kommt das nicht überraschend. "Ich sehe die Situation im Moment als schwierig an", sagt der frühere Teamchef im Gespräch mit ran.

Steiner glaubt allerdings nicht, dass Deutschland grundsätzlich das Interesse an der Formel 1 verloren hat. Was ihm Sorgen bereitet, ist das Fundament. "Das gesamte Umfeld des Motorsports hat in den vergangenen zehn Jahren an Bedeutung verloren."

Das Problem beginnt dort, wo Talente entstehen sollen. Deutschland hatte früher genau dafür ein funktionierendes System. Die Formel 3 galt jahrelang als eine der wichtigsten Talentschmieden Europas.

Wer dort überzeugte, machte den nächsten Schritt. Die Karriereleiter war sichtbar, und spätere Weltmeister wie Vettel, Nico Rosberg, aber auch Lewis Hamilton haben sie erklommen.

"Früher war Deutschland im Nachwuchsbereich sehr stark. Die Formel 3 hat viele Talente hervorgebracht, die anschließend den Sprung in höhere Klassen geschafft haben. Diese Strukturen haben im Laufe der Jahre aber deutlich an Bedeutung verloren", sagt Steiner. Es gibt immer noch die Formel 3, doch sie wird inzwischen unter dem Dach des Automobil-Weltverbandes ausgetragen. Früher war die DTM die Plattform für die Rahmenserie Formel 3.

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Steiner: Auch die DTM spielt eine Rolle

Steiner macht nicht nur fehlendes Geld verantwortlich. Immerhin verschlingt der Weg vom Kartsport in die Formel 1 heutzutage einen zweistelligen Millionenbetrag. Alleine das siebt einen Großteil der Talente aus.

Auch der Wandel der DTM habe das Bild verändert. "Ich glaube auch, dass der Wechsel der DTM von den Prototypen zu GT-Fahrzeugen eine Rolle gespielt hat. Dadurch hat sich die gesamte Nachwuchspyramide verändert. Der klassische professionelle Nachwuchs-Motorsport hat darunter gelitten."

GT3-Rennen boomen zwar, sie verfolgen aber einen anderen Ansatz. Junge Profis kämpfen dort nicht ausschließlich gegeneinander, sondern teilen sich Cockpits häufig mit finanzstarken Amateurfahrern. In der DTM sind die Piloten zwar klassische Einzelkämpfer, ein typisches Sprungbrett in die Formel 1 ist die Rennserie aber nicht mehr.

Und: "Grundsätzlich fehlen Deutschland im Moment die Talente, die von unten nachkommen. Es müsste wieder mehr in den deutschen Motorsport investiert und der Nachwuchs gezielt gefördert werden", so Steiner.

David Schumacher legt den Finger in die Wunde

Und auch David Schumacher legte den Finger im ran-Interview zuletzt in die Wunde. Es liege "vor allem am Geld. Außerdem gibt es keine Formel-1-Strecken mehr im Kalender. Weil Hockenheim und der Nürburgring nicht mehr Teil der Formel 1 sind, müssen Nachwuchsfahrer sie auch nicht mehr kennenlernen".

Auf den ersten Blick könnte ausgerechnet Audi zum Hoffnungsträger werden. Mit dem Einstieg des Ingolstädter Herstellers hat Deutschland ein Werksteam in der Formel 1.

Doch wenn allein ein erfolgreiches Werksteam reichen würde, müsste Deutschland längst neue Spitzenfahrer hervorbringen. Mercedes fährt seit einer halben Ewigkeit an der Spitze der Formel 1 mit. Trotzdem blieb der große Nachwuchsschub aus.

Für Steiner fehlt auch etwas anderes. Ein Idol. Ein Vorbild wie Schumacher, "dem junge Talente nacheifern wollten. Genau das fehlt im Moment".

Wie groß dieser Einfluss sein kann, zeigt ausgerechnet ein Blick über die Grenze. Die Niederlande spielten jahrzehntelang keine große Rolle in der Formel 1. Dann kam Max Verstappen. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich der Motorsport dort zum Volkssport. "Solche Fahrer verändern eine ganze Generation", weiß Steiner.

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Formel 1: Heimrennen schafft Nähe, Emotionen und Identifikation

Deutschland fehlt aber nicht nur der Verstappen-Effekt. Deutschland fehlt inzwischen auch die große Bühne. Einen Grand Prix sucht man im Kalender seit Jahren vergeblich. Für Steiner ist das mehr als ein symbolischer Verlust. "Ein Land mit einer der stärksten Automobilindustrien sollte eigentlich ein Rennen im Kalender haben."

Ein Heimrennen schafft Nähe, Emotionen und Identifikation. Kinder sitzen nicht nur vor dem Fernseher, sondern können den Sport unmittelbar erleben. Stattdessen bleibt man hierzulande außen vor. "Im Moment fühlt man sich als deutscher Fan nicht mehr als Teil der Formel 1", bringt es Steiner auf den Punkt.

Trotz allem sieht Steiner keinen hoffnungslosen Fall. Er glaubt daran, dass Deutschland wieder eine Rolle in der Formel 1 spielen kann. Nur eben nicht auf Knopfdruck. "Solche Entwicklungen verlaufen auch in Zyklen. Ich bin überzeugt, dass Deutschland wieder ein großes Talent hervorbringen wird. Talente wachsen allerdings nicht auf Bäumen."

Deshalb ist auch "der Staat" gefordert, sagt Schumacher. "Solange sich daran nichts ändert, bleibt es schwer, große internationale Rennserien zurückzuholen".

Und den Boom mitzunehmen.

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