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American Football: Neuer NFL-Ableger in Europa? AFLE will "NFL nicht kopieren"
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von Kai EsserNFL
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Die AFLE geht am Samstag in ihre Premierensaison. Dabei will die Liga, die aus Absplitterungen der ELF entstanden ist, nichts kopieren, sondern ihre eigene Identität aufbauen.
Die "American Football League Europe" – kurz "AFLE" – startet am Samstag in die neue Saison.
Mit ran spricht Fabienne Lampe, Head of Communications der Liga, über finanzielle Voraussetzungen, wie man eine paneuropäische Liga kompetitiv hält und wie viel Football Europa eigentlich verträgt.
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AFLE verspricht Transparenz: "Entscheidungen nicht im Hinterzimmer"
ran: Die AFLE ist aus einer Absplitterung der European League of Football (ELF) entstanden, die letztlich an vielen Dingen gescheitert ist. Wie ist das entstanden – und warum wird es diesmal nicht scheitern?
Fabienne Lampe: Der europäische Football hat in den letzten Jahren mehrere Anläufe gesehen und sieht gerade weitere. Das Vorgängerprojekt ist mit großen Ambitionen gestartet und am Ende an seinen Strukturen gescheitert, nicht am Sport und auch nicht an den Fans vor Ort, denn die sind nach wie vor da. Die AFLE ist genau als Antwort auf diese Erfahrungen entstanden.
ran: Welche Erfahrungen waren das konkret?
Lampe: Wir haben uns als Liga ganz bewusst gefragt: Warum hat es nicht nachhaltig funktioniert? Und die Antworten darauf haben wir direkt ins Fundament und die Architektur der Liga übersetzt. Die Teams haben die sportliche Leitung, die Verantwortung wird gemeinsam getragen. Entscheidungen werden nicht im Hinterzimmer gefällt, sondern transparent, in einem Rahmen, der die Interessen der Liga klar vor Einzelinteressen stellt.
ran: In der Vergangenheit gab es oft strukturelle Probleme und Defizite bei einzelnen Teams, ob wirtschaftlich oder infrastrukturell. Wie wollen Sie verhindern, dass sich das in der AFLE wiederholt?
Lampe: Herausforderungen gab es in allen europäischen Städten, das ist keine Frage. Der Sport ist teuer. Deshalb hat die AFLE besonders darauf geachtet, dass die Standards, die Teams leisten können, auch wirklich vorhanden sind: passende Stadiongrößen, TV-Standards, Erreichbarkeit. Wir legen zudem großen Wert auf die Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden. Wenn wir auf das kommende Wochenende und den Standort Wien blicken: Dort wird Marshawn Lynch vor Ort sein. Als ehemalige NFL-Legende und Seattle-Seahawks-Star schafft er ein erstes Highlight und lenkt Aufmerksamkeit auf den Sport, genau das ist das Ziel der AFLE.
ran: Die Liga schreibt auf ihrer Website, dass die Liga für fünf Jahre durchfinanziert ist. Was passiert, wenn ein Team in finanzielle Schieflage gerät, wie es in der Vergangenheit so oft vorkam?
Lampe: Die Finanzierungszusage bezieht sich zunächst nur auf den Aufbau und den Betrieb der Liga. Das unternehmerische Risiko liegt beim Investor, die Teams tragen es nicht, das ist ihnen schon mal von den Schultern genommen. Sie haben auch keinerlei Verbindlichkeiten gegenüber dem Investor. Das ist ein ganz bewusstes Modell mit strikter Trennung. Und es ist öffentlich bekannt: Jedes Team bekommt in den ersten beiden Saisons garantiert 325.000 Euro vom Investor zur Verfügung gestellt. Und zwar als Zuschuss, nicht als Darlehen. Das muss also nicht zurückgezahlt werden und gibt den Teams eine planbare wirtschaftliche Grundlage, um sich auf den sportlichen Aufbau zu konzentrieren. Kein Team wird alleingelassen.
AFLE contra NFL? "Bedienen ein ganz anderes Bedürfnis"
ran: Verstehen Sie sich als professionelle Liga?
Lampe: Klares Ja. Wir sind als professionelle Liga konzipiert und positioniert. Das spiegelt sich auf jeder Ebene wider, die wir gerade entwickeln. Wir haben Spieler und Coaches mit NFL-Erfahrung, alle Teams arbeiten nach sportmedizinischem Standard, wir haben den AFLE Gold Bowl in Duisburg, einen Free-TV-Partner und gerade unser eigenes weltweites Streaming-Angebot veröffentlicht. Das sind alles Bausteine, die nötig sind, um sich nachhaltig professionell aufzustellen. Unser Ziel ist es, Top-Football auf höchstem Niveau nicht nur nach Europa zu bringen, sondern ihn hier langfristig zu halten.
ran: Die Liga-Struktur mit zwei Conferences und dem AFLE Gold Bowl als Finale erinnert stark an die NFL. Ist sie Ihr Vorbild?
Lampe: Das Ziel ist nicht, die NFL zu kopieren, das wäre auch ein Schritt zu hoch gegriffen. Es geht darum, dem europäischen Football eine Bühne zu geben, die ihm gehört und die er verdient. Die NFL hat herausragende Arbeit geleistet, die globale Sichtbarkeit des Sports in Europa zu vergrößern. Vieles von dem, was die AFLE heute leisten kann, ist erst durch diese Aufmerksamkeit möglich geworden. Wir konkurrieren nicht mit der NFL, und wir kopieren sie auch nicht. Wir bauen darauf auf, was sie ermöglicht hat.
ran: Es gibt in Europa mit der European Football Alliance (EFA) noch eine weitere Football-Liga, dazu veranstaltet die NFL immer mehr internationale Spiele. Ist das europäische Publikum überhaupt groß genug für so viel Angebot?
Lampe: Das sehen wir ganz pragmatisch. Der europäische Football-Markt wächst seit Jahren spürbar – Zuschauerzahlen, Reichweiten, Nachwuchsanmeldungen in Vereinen. Das Interesse wird immer größer. Es gibt also Raum für verschiedene Formate, und jedes spricht ein anderes Publikum an. Die NFL-Spiele in Europa sind Highlight-Events, die Aufmerksamkeit für den Sport insgesamt erzeugen und der AFLE überhaupt erst die Möglichkeit geben, das zu tun, was sie ab diesem Samstag tun wird: auf europäischer Bühne Football spielen.
ran: Also ist die Antwort "Ja"?
Lampe: Wir bedienen ein ganz anderes Bedürfnis: eine wöchentliche Liga mit europäischen Teams, lokaler Identität und einem Spannungsbogen hin zu einem Finale. Nahbar verfolgbar, ohne dass man dafür über den großen Teich muss. Was die EFA betrifft: Wettbewerb ist kein Problem der europäischen Sportkultur, sondern Teil ihrer DNA. Der Markt entscheidet am Ende, welche Angebote er trägt. Wir als AFLE sind überzeugt, dass unsere Liga in dieser Landschaft die klarere Botschaft sendet und die nachhaltigere Rolle einnimmt.
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AFLE bringt Konzept für kompetitivere Spiele mit
ran: In der Vergangenheit gab es immer wieder Spiele, die schlicht nicht kompetitiv waren: abgebrochene Partien, vorhersehbare Blowouts. Wie wollen Sie das verhindern?
Lampe: Da gibt es kein Schönreden. Aber Spielqualität entsteht nicht zufällig, sie ist das Ergebnis klarer Regeln. Deshalb gibt es in der AFLE von Beginn an vier definierte Spielerkategorien: Homegrown, A-Import, I-Import und E-Import. Ein Beispiel: Die Firenze Red Lions sind nicht nur auf italienische Spieler beschränkt, aber die Quoten stellen sicher, dass europäisches Talent den Kern des Rosters bildet und internationaler Erfahrung dort Raum gegeben wird, wo sie das sportliche Niveau hebt. Wir sind überzeugt, dass genau diese Struktur den Teams ermöglicht, Kader aufzubauen, die den Wettbewerb auf allen Ebenen so ausgeglichen wie möglich gestalten.
ran: Mit den London Warriors ist eine Franchise dabei, die für Tradition und Erfolg steht. Was darf man dort erwarten?
Lampe: London ist einer der wichtigsten Sportmärkte weltweit. Die London Warriors bringen genau das mit, was eine AFLE-Franchise ausmachen sollte: lokale Verwurzelung und sportliche Substanz. Das ist kein Neustart bei null, die Warriors haben ein Football-Programm mit echter Geschichte und echten Erfolgen. Die Franchise ist ein Statement, und ich bin überzeugt, dass sie das auch auf dem Platz unter Beweis stellen werden – für die Stadt, für die britische und europäische Football-Community und für die AFLE als Gesamtprojekt.
ran: Warum sollte jemand, der sonst nur im Herbst NFL schaut, am Samstag den Stream anmachen und AFLE schauen?
Lampe: Weil die AFLE etwas bietet, was die NFL in Europa nicht bieten kann: eine eigene Liga, deren Teams in unseren Städten zu Hause sind. Man schaut nicht einem Wettbewerb irgendwo weit weg zu, sondern dem Auftakt einer Liga in Berlin, London, Wien, Paris, Breslau, Florenz, Duisburg und der Alpenregion – Teams, die quasi vor der eigenen Haustür gegeneinander antreten. Mit hochwertigem Football, internationalem Coaching und erfahrenen Spielern. Wer die NFL liebt, bekommt hier dieselbe Sportart, nur als europäisches Heimspiel.
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