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NFL - Leander Wiegand über New York Jets, den Traum NFL und die neue AFLE
Veröffentlicht:
von Kai EsserNFL
NFL-Insider sicher: Diese Stars heben 2026 ab
Videoclip • 04:37 Min
Durch das International Pathway Program hat der deutsche Offensive Lineman Leander Wiegand eine Saison im Practice Squad der New York Jets verbracht. Nun ist er zurück in Deutschland - aber der Traum von der NFL lebt weiter.
Das Interview führte Kai Esser
Es ist der Traum-Weg eines jeden europäischen Football-Spielers: Nach überragenden Leistungen in Europa werden Scouts in den USA auf Offensive Lineman Leander Wiegand aufmerksam und laden ihn ins International Pathway Program ein.
Durch einen Rekord beim Bankdrücken beim Pro Day werden Teams auf ihn aufmerksam, die New York Jets holen ihn schließlich ins Practice Squad.
Mit ran spricht Wiegand über die anschließenden Erfahrungen im Big Apple, den Traum von der NFL und die Rückkehr nach Deutschland.
Leander Wiegand: Mit Bankdrück-Rekord in die NFL
ran: Herr Wiegand, einfache erste Frage: Wie geht’s Ihnen?
Leander Wiegand: Mir geht es super, ich fühle mich gut. Ich bin gut vorbereitet auf die kommende Saison.
ran: In der letzte Saison waren Sie im International Pathway Program. Wie war das so? Wie war die Dynamik unter den Prospects?
Wiegand: Das war unheimlich cool. Wir waren in Florida unter Top-Bedingungen, dort bereiten sich auch viele Profisportler vor. Wir haben auch Jungs von RB Leipzig gesehen, die dort Teile ihrer Vorbereitung absolviert haben. Es war einfach spannend, Spieler aus verschiedensten Kontinenten und Kulturen kennen zu lernen und Deutschland dort zu repräsentieren. Das war etwas Besonderes, aber es hat auch sehr viel Kraft gekostet. Wir hatten drei Trainingseinheiten pro Tag, das war sehr anstrengend.
ran: Hatten Sie da schon Kontakt mit Teams oder Verantwortlichen?
Wiegand: Während des IPP-Camps eher weniger, da wurde mit anderen Spielern mehr gesprochen. Im "Eye-Test" war ich wohl nichts Besonderes, andere waren da größer und vielleicht auch schneller. Die meisten Gespräche hatte ich nach dem Pro Day, als ich einen richtig guten Tag hatte. Intensiven Kontakt gab es mit fünf Teams.
ran: Beim Pro Day sind Sie viral gegangen, weil Sie einen Rekord beim Bankdrücken aufgestellt haben. Wie wichtig war das damals?
Wiegand: Uns wurde immer wieder gesagt, dass wir einen Wow-Effekt brauchen. Wie merkt man sich meinen Namen? Für mich war es dieser Rekord. Dann wurde genauer hingeschaut und festgestellt, dass ich die anderen Übungen auch gut absolviert habe. Aber dieser Top-Wert in den ganzen USA hat das losgetreten und war sehr besonders für mich.
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Wiegand bei den Jets: "... für einen selbst ist es frustrierend"
ran: Am Ende sind es die New York Jets geworden. Wie haben Sie die ersten Tage im Big Apple erlebt?
Wiegand: Die Teamgebäude und meine Wohnung waren zwar in New Jersey, aber ich war oft in New York City. Es ist einfach unglaublich, hier aufzuwachsen, Lieder und Filme über diese Stadt zu hören und zu sehen und dann selbst dort zu leben, dafür bin ich sehr dankbar.
ran: Wie war der Austausch mit den Koordinatoren und Coaches? Kennt der Head Coach Aaron Glenn einen Practice-Squad-Spieler überhaupt?
Wiegand: Es geht viel über die Offensive-Line-Coaches. Die Koordinatoren und der Head Coach hatten da größere Sachen zu tun. Ein, zwei Mal wurde meine gute Trainingsleistung in Meetings gezeigt, ansonsten gibt es da wenig Kontakt. Am Ende war ich nur im Practice Squad und da wurde sich natürlich mehr mit den Startern beschäftigt.
ran: Die Jets hatten eine schwierige Saison, die Offensive Line war aber mehr als solide. Ärgert man sich da in Ihrem Fall besonders, weil die Spiele reihenweise verloren gehen, man selbst aber keine Chance hat, zu spielen?
Wiegand: Das war sehr schwierig. Im Laufspiel waren wir auf Platz sechs, die Jungs haben alle durchgespielt und keiner hat sich verletzt. Klar, man freut sich für sie, man freundet sich schließlich an, aber für einen selbst ist es frustrierend. Aber am Ende muss man es nehmen, wie es kommt, man kann nur kontrollieren, was man kontrollieren kann. Wenn die Chance kommt, muss man dann da sein.
Business NFL: "Man weiß nicht, ob man nächste Woche noch da ist"
ran: Mit wem hatten Sie am meisten Kontakt?
Wiegand: Es gab da ein paar Leute aus der Rookie-Klasse, davon wurden aber auch einige gecuttet. Man kann sich gar nicht richtig anfreunden, es ist ein brutales Business, bei dem man nicht weiß, ob man nächste Woche noch da ist. So richtig anfreunden kann man sich wahrscheinlich erst, wenn man einen großen Vertrag und ein bisschen Sicherheit hat.
ran: In Europa waren Sie mit Rhein Fire ungeschlagen Meister, bei den Jets gab es viele Niederlagen. Wie schwierig war die "Umstellung"?
Wiegand: Sehr schwierig. Wenn von außen nicht viel kommt, muss man nach innen schauen und dort nach Motivation suchen. Bei Rhein Fire hat es damals sehr geholfen, dass Jim Tomsula unser Head Coach war, er hat uns sehr auf dem Boden gehalten und darauf gepocht, nur von Spiel zu Spiel zu schauen. Die Situation in New York hat geholfen, an der eigenen Frustrationstoleranz zu arbeiten. Außerdem bringt es ja auch nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Es geht immer weiter.
ran: New York/New Jersey ist der größte Medienmarkt der USA. Man sagt, dass Starting Quarterback oder Head Coach bei den Jets oder auch New York Giants der schwierigste Job der Liga ist. Wie haben Sie die Medienlandschaft wahrgenommen?
Wiegand: Das kann ich in jedem Fall so bestätigen. Wir hatten auch viel Medientraining in diese Richtung. Die ganzen Reporter waren auch immer in unserer Kabine, was ich irgendwie befremdlich fand. Wir haben diese große Anlage und dann kommen die ganzen Reporter ausgerechnet in den Locker Room. Das war nicht für alle angenehm.
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AFLE statt NFL: Der Traum für Leander Wiegand lebt weiter
ran: Sie sind zurück bei Rhein Fire, zurück in der Nähe der sportlichen Heimat Aachen. Wieso jetzt der Schritt in die neue AFLE statt NFL?
Wiegand: Der Grund ist relativ einfach: Ich habe noch nichts aus der NFL gehört. Ich mache hier die Vorbereitung mit und spiele als Plan B hier auch die Saison, ich bin Footballspieler und will einfach zocken. Ich kenne Rhein Fire, ich mag es hier gerne, ich habe viele Freunde und Bekannte. In diesem Stadion vor diesen Fans zu spielen, hat Riesenspaß gemacht.
ran: Der Traum von der NFL ist also noch nicht aufgegeben?
Wiegand: Nein, auf gar keinen Fall. Wenn etwas kommt, dann bin ich bereit.
ran: Die AFLE geht in ihre Debütsaison. Nach Erfahrungen in der European League of Football und der NFL: Was erwarten Sie von der Liga und von Fire selbst?
Wiegand: Es ist schade, dass sich das alles so verändert hat. Mir wäre es lieber, wenn alle guten europäischen Teams in einer Liga spielen würden. Aber am Ende ist es mir egal. Hauptsache, es gibt eine gute Umgebung, um Football zu spielen und das Niveau ist gut. Ich mach mir da nicht zu viele Gedanken.
ran: Wie ist der Stand der Preseason im Team?
Wiegand: Wir sind in der intensivsten Phase aktuell. Wir haben jeden Abend Training und am Wochenende Camps. Hier werden die Spiele gewonnen. Die werden nicht gewonnen, wenn die Fans den Fernseher anschalten oder ins Stadion gehen, sondern jetzt in der Vorbereitung.
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