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Russell Wilson in die Hall of Fame? Warum diese Frage der NFL Probleme bereiten wird

Veröffentlicht:

von Franziska Wendler

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NFL - Russell Wilsons Rücktritt sorgt für Jets-Häme: "Ich lach mich schlapp"

Videoclip • 02:01 Min


Nach dem Karriereende von Russell Wilson flammt eine Frage wieder auf: Ist er wirklich ein Hall of Famer?

Als Quarterback Russell Wilson unlängst das Ende seiner NFL-Karriere verkündete, dauerte es nicht lange, ehe die Seattle Seahawks ein Dankesvideo veröffentlichten. Der "erfolgreichste Spielmacher in der Geschichte der Franchise" wurde gewürdigt und mit einem Zusammenschnitt seiner größten Momente bedacht.

Eine überaus angebrachte Geste, geht der 37-Jährige doch als der beste Signal Caller in die Historie des Teams ein. Wie aber wird er andernorts in Erinnerung bleiben?

"DangeRuss", "Mr. Unlimited", der Mann hinter "Let Russ Cook" - er dürfte am Ende seiner Laufbahn ein durchaus komplexes Vermächtnis hinterlassen.

Die Karriere des Spielmachers endete mit einem dreiminütigen Video und den Worten: "Danke, Football. In Liebe, #3." In der kommenden Saison wird Wilson bereits als Analyst für den US-Sender "CBS" arbeiten.

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Starke Momente auf dem Spielfeld

Mit dem Ende seiner Laufbahn – bemerkenswerterweise nahm er selbst das Wort "Rücktritt" nicht einmal in den Mund – flammt nun eine Debatte wieder auf. Ist Russell Wilson ein Hall of Famer?

"Ich glaube schon", erklärte der langjährige "ESPN"-Analyst und Ex-NFL-Safety Louis Riddick im Gespräch mit "USA Today Sports".

Er führte aus: "Seine Fähigkeit zu großen Spielzügen, seine Härte, seine Führungsqualitäten, der Gewinn eines Super Bowls, nur einen Spielzug davon entfernt, einen weiteren zu gewinnen – hätte er zwei Super Bowls gewonnen, würden wir gar nicht erst darüber reden."

Und weiter: "Es wird sicherlich Leute geben, die gegen ihn argumentieren, glaube ich. Es wird eine sehr polarisierende Diskussion werden, da bin ich mir sicher."

Eine Einschätzung, mit der Riddick absolut recht haben dürfte.

Bekanntester Spielzug ist eine Interception

Der ehemalige Safety hat die besten Argumente für eine Aufnahme in die Hall of Fame treffend auf den Punkt gebracht. Wilson ist einer der effizientesten Passgeber der Historie, der zudem unzählige Glanzmomente hervorbringen konnte.

2012 kam er als Drittrundenpick beinahe unbemerkt in die Liga und konnte sich bereits am Ende seines ersten Trainingslagers den Platz als Starting Quarterback in Seattle sichern. Ein Platz, den er im folgenden Jahrzehnt nicht mehr hergab.

Gewiss war Wilson während der "Legion of Boom"-Ära Teil des Teams, ein wichtiger Teil. Und doch war er nicht die zentrale Figur, und das selbst in der Offensive, die sich immer wieder vor allem um Running Back Marshawn "Beast Mode" Lynch drehte.

Dazu kommt: Der Spielzug, für den Wilson am bekanntesten ist, war seine berüchtigte Interception an der Goal Line in den letzten Sekunden im Super Bowl gegen die New England Patriots. Ein Fehler, der nicht nur die Verteidigung des Super-Bowl-Titels von 2013 kostete, sondern vielleicht sogar eine mögliche Dynastie im Keim erstickte.

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Wird Russell Wilson ein Hall of Famer?

Pikant: Erst im vergangenen Jahr erklärte der ehemalige Seahawks-Defensive-Lineman Brandon Mebane, dass Wilson vor der Interception den eigentlich aufgerufenen Spielzug, einen Lauf von Lynch, selbst geändert hatte.

Zwar begann sich die Offense der Seahawks in den darauffolgenden Jahren um Wilson zu drehen, die großen Erfolge ließen aber nach. So schaffte es das Team mit dem heute 37-Jährigen als Quarterback nicht mehr in das Championship Game der NFC.

Eines scheint in der Hall-of-Fame-Diskussion fast sicher: Hätte Wilson bei seinem Seahawks-Abgang 2021 seine Schuhe an den Nagel gehängt, wäre sein Weg wohl direkt in Richtung Hall of Fame in Canton verlaufen. Doch es kam anders.

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Misserfolge nach Seahawks-Abgang

Für mehrere Erst- und Zweitrundenpicks wurde er zu den Denver Broncos getradet. Ein Neuanfang, der kolossal scheiterte. Seine Neigung zu eigenmächtigem Handeln wurde in Denver zum Nachteil, Head Coach Sean Payton äußerte sogar öffentlich Kritik.

Am Ende des Missverständnisses setzte Payton Wilson sogar auf die Bank und nahm 85 Millionen US-Dollar an Dead Salary Cap in Kauf, um den Spielmacher loszuwerden.

Ein weiterer Neustart bei den Pittsburgh Steelers sah in der Folge zwar vielversprechend aus, konnte Wilson seine ersten vier Spiele als Starter doch gewinnen. Im Anschluss folgten aber doch wieder nur Enttäuschungen. Die Saison endete mit fünf Pleiten in Folge, darunter eine vernichtende Niederlage in den Playoffs gegen die Baltimore Ravens.

Seine ebenso erfolglose Abschiedsstation folgte schließlich in der Saison 2025, als Wilson für die New York Giants drei Spiele als Starter bestritt, ehe er seinen Platz an Rookie Jaxson Dart verlor.

Gonzalez mit Kritik an Wilson

"Wenn es jemals jemanden gab, der sich selbst aus der Hall of Fame gespielt hat, dann ist es Russell Wilson. Und ich sage das, weil man sich nur ansehen muss, was passiert ist, seit er Seattle verlassen hat. Als er in Seattle war, war er der Mann", hatte Ex-Tight-End und Hall of Famer Tony Gonzalez bereits im vergangenen September geäußert.

"Ich glaube einfach nicht, dass er sich seit seinem Weggang aus Seattle einen Gefallen getan hat", so der "Prime Video"-Analyst.

Ex-Cornerback Richard Sherman, einst Teamkollege von Wilson in Seattle, wurde in seiner Kritik sogar noch deutlicher. "Ich glaube, man muss seine Karriere danach beurteilen, wie er sich in der Zeit der 'Legion of Boom' geschlagen hat – er hatte eine legendäre Verteidigung, eine der besten aller Zeiten, und hat damit großen Erfolg gehabt – und dann, wie er ohne diese legendäre Verteidigung abgeschnitten hat", so Sherman.

"Er war ein erfolgreicher Footballspieler in Seattle", fuhr Sherman fort: "Und dann muss man auf eigene Faust weitermachen und beweisen: 'Hey, ich bin dieser großartige Quarterback, ich bin der Typ, der dominieren wird.' Und genau das hat einfach nicht geklappt."

Sherman nimmt Namen nicht in den Mund

Sherman brachte es sogar nicht einmal über sich, Wilsons Namen laut auszusprechen. "Es ist hart, es ist hart. Man hat das Gefühl, das Spiel schon gewonnen zu haben. Wir haben Opfer gebracht – die Jungs waren mitgenommen, sie waren verletzt, als sie in dieses Spiel gingen. Man muss sich einfach umdrehen und den Ball an Marshawn Lynch abgeben. Das haben wir nicht getan. Der Quarterback warf eine Interception. Das Spiel war vorbei", sagte er über das Super-Bowl-Drama in Glendale.

Gewiss: Die sportlichen Qualitäten von Wilson sind unbestritten. 121 Siege in der Regular Season als Starter bescheren ihm aktuell Platz zwölf in der ewigen Bestenliste. Dazu kommen fast 400 geworfene Touchdowns in der regulären Saison. Entscheidende Fehler und sein Absturz ab 2021 bleiben aber nicht unbeachtet.

Eine Aufnahme in die Hall of Fame kann frühestens 2031 erfolgen. Genug Zeit also für weitere Diskussionen und Meinungen.

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