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NFL - Mysterium Seattle Seahawks: Warum niemand die Franchise kaufen will

Veröffentlicht:

von Gianluca Fraccalvieri

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NFL: Tom Brady flext mit Millionen-Uhr

Videoclip • 01:01 Min


Die Seattle Seahawks stehen seit dem Super-Bowl-Sieg zum Verkauf, die Suche nach einem neuen Besitzer gestaltete sich aber überraschend kompliziert.

Es ist das erste Mal in der Geschichte der modernen NFL, dass ein amtierender Super-Bowl-Champion zum Verkauf steht.

Während man denken würde, dass die Suche nach einem neuen Besitzer ein Kinderspiel sein sollte, ist sie es in Wahrheit nicht. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Die Seahawks waren viele Jahre im Besitz von Microsoft-Mitgründer Paul Allen, der 2018 starb und in seinem Testament erklärte, dass all seine Vermögenswerte veräußert werden und der Erlös vollständig an wohltätige Zwecke gehen sollte.

So führte seine Schwester Jody nach seinem Tod die Franchise als Testamentsvollstreckerin, feuerte 2023 Kult-Coach Pete Carroll und gab die Vollmacht für die Suche nach einem neuen Coach an GM John Schneider.

Dieser verpflichtete dann Mike MacDonald, vorher Defensive Coordinator der Baltimore Ravens, und die Geschichte nahm ihren bekannten Lauf.

Da die Familie Allen den Erlös aus dem Verkauf der Seahawks natürlich maximieren will, war der Super-Bowl-Sieg der passende Moment. Keine zehn Tage nachdem Sam Darnold und Co. die Vince Lombardi Trophy in die Höhe gestreckt hatten, verkündete die Nachlassverwaltung, dass die Franchise verkauft werden sollte.

Alle waren sich zu diesem Zeitpunkt sicher, dass die Seahawks einen Bieterkrieg auslösen würden. Die Sportbusiness-Webseite "Sportico" bewertet das Team vor dem Sieg in Santa Clara mit 6,59 Milliarden Dollar und prognostizierte sogar eine Steigerung durch den Sieg auf bis zu elf Milliarden. Dadurch hätte man den bisherigen Rekord vom Commanders-Verkauf (6,05 Milliarden, 2023) pulverisiert.

Von dieser riesigen Summe ist man aktuell aber weit entfernt.

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Seattle Seahawks: Markt ist "soft"

Immer wieder machen Gerüchte über mögliche prominente Käufer die Runde, sogar Mark Zuckerberg und Tim Cook wurden genannt, genauso schnell aber auch dementiert.

Nun soll ein Duo aus dem Stahlmilliardär Aditya Mittal und dem früheren Celtics-Haupteigentümer Wyc Grousbeck ein Angebot vorbereiten, genau wie Tech-Milliardär und 49ers-Teilhaber Vinod Khosla. Von einem "Bieterkrieg" kann man aktuell aber wahrlich nicht sprechen.

Wortwörtlich sagt ein NFL-Owner gegenüber "ESPN" sogar, dass der Markt "soft" sei, während ein anderer anfügte, dass es bei weitem nicht so viel "Action" gebe wie beim Verkauf der Denver Broncos und Washington Commanders vor ein paar Jahren.

Mehrere Quellen zeigten sich im Gespräch mit "ESPN" zudem verwundert, dass das Thema Seahawks bei der Eigentümerversammlung der NFL im Frühjahr in Phoenix nur kurz im allgemeinen Teil angesprochen wurde und gar nicht im exklusiveren "Owners Only"-Meeting. Dies sei bei den vergangenen zwei Verkäufen auch ganz anders gewesen.

Rechnet man den Super-Bowl-Sieg mal aus der Gleichung heraus, ist ein Kauf der Seahawks nämlich auch nicht so ein No-Brainer, wie man meinen sollte.

Seattle Seahawks: Kosten über Kosten

Im Zentrum steht dabei natürlich die Frage nach dem Geld. Die NFL-Statuten schreiben vor, dass der Haupteigentümer mindestens 30 Prozent des Kaufpreises in bar als Anzahlung leisten muss. Geht man auch nur von einem Kaufpreis von neun Milliarden aus, müsste der neue Besitzer mal eben rund 2,7 Milliarden Dollar Cash auf den Tisch legen.

Ja, es gibt viele reiche Menschen auf der Welt, aber in dieser Größenordnung können tatsächlich nicht viele mitspielen. Nimmt man also die Zahl derjenigen, die sich das Team wirklich leisten können, und rechnet diejenigen mit rein, die auch ein NFL-Team besitzen wollen, ist die Auswahl schwindend gering.

Dazu kommt noch, dass Private-Equity-Fonds seit 2024 nur noch maximal zehn Prozent Anteile an einer Franchise kaufen dürfen, weshalb dieser Hebel auch rausfällt.

Und die Kosten hören nach dem Kauf der Franchise nicht auf. Das Lumen Field, die Heimspielstätte der Seahawks, ist zwar eine echte Festung, aber auch schon in die Jahre gekommen. Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass hier mittel- bis langfristig weitere Milliarden in einen Neubau investiert werden müssen.

Das ist nicht nur kostspielig, sondern zieht oft auch lange politische Verhandlungen mit der Stadt über Finanzierung, Standort, Beteiligung der öffentlichen Hand etc. nach sich.

Die kommenden Livestreams auf Joyn:

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Seahawks: Konkurrenz durch die NBA?

Was dann auch noch dazukommt, ist die drohende Konkurrenz durch den Basketball. Erst vor kurzem hat die NBA grünes Licht dafür gegeben, Gebote für ein Expansionsteam in Seattle zu erkunden. Rund 20 Jahre nach ihrem Umzug nach Oklahoma City ist es also realistisch, dass die SuperSonics bald wieder in Seattle anheuern werden.

Seit Jahren wünschen sich Fans die SuperSoncis zurück, die lange eines der Aushängeschilder der Liga waren. Für sportbegeisterte Käufer wäre der Erwerb eines NBA-Expansionsteams nicht nur deutlich kostengünstiger als der der Hawks, sondern auch die politisch populärere Option. Ein neuer Eigentümer, der den Basketball zurück nach Seattle bringt, würde sicherlich als Held gefeiert werden.

Gleichzeitig lohnt sich auch ein kurzer Blick auf den Markt Seattle an sich, um die Situation noch besser zu verstehen.

Seattle und das Problem mit den Fans

Seattle ist die 14.-größte TV-Metropolregion der USA, hat aber den Vorteil, dass es im gesamten pazifischen Nordwesten sonst kein NFL-Team gibt. Dadurch geht das Einzugsgebiet weit über die Grenze der Stadt hinaus bis nach Oregon, Idaho, Montana, Alaska und sogar in manche kanadische Provinzen wie British Columbia und Alberta.

Die Fans der recht jungen Franchise (1974 gegründet) gehören dabei zu den lautesten der Liga (Stichwort "12th Man"), dafür aber nicht zu den loyalsten. Als das Team in den 90er Jahren schlecht war, hatten die Fans kaum mehr Lust auf die Spiele, sodass diese wegen mangelnder Auslastung nicht mal mehr im lokalen TV gezeigt wurden.

In den erfolgreichen Zeiten war dann genau das Gegenteil der Fall: Nach dem ersten Super-Bowl-Sieg 2014 wuchs die Fanbase laut "Forbes" um 27 Prozent (größter Zuwachs aller Teams in einem Jahr), während 71 Prozent des Seattle-Marktes damals die Spiele ihres Teams schauten.

Die Seahawks können für mögliche neue Besitzer also direkt zur Goldgrube werden, wenn das Team aber auf einmal nicht mehr performen sollte, kann ganz schnell das Gegenteil der Fall sein.

Das lässt potenzielle Käufer wohl mehr als einmal darüber nachdenken, ob sie ihr Geld wirklich in dieses Team investieren wollen.

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