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Fragen und Antworten zum Urteil

50+1-Regel - DFL muss nachbessern: Müssen Klubs wie Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg und RB Leipzig nun zittern?

Aktualisiert:

von Kai Esser

50+1 Kartell 06.08.2022, Fussball 1. Bundesliga 2022/2023, 01.Spieltag, FC Augsburg - SC Freiburg, in der WWK-Arena Augsburg, Freiburger Fans fordern, dafl 50 plus 1 bleibt. ***DFL and DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video.*** *** 06 08 2022, Football 1 Bundesliga 2022 2023, 01 Matchday, FC Augsburg SC Freiburg, at WWK Arena Augsburg, Freiburg fans demand that 50 plus 1 stays DFL and DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi video

Bild: IMAGO/MIS


Das Bundeskartellamt hat die Berechtigung der 50+1-Regel bestätigt. Allerdings fordert die Behörde auch Nachbesserungen. Womöglich droht sogar ein großer Knall im Deutschen Fußball.

Von Kai Esser

Der deutsche Fußball ist im europaweiten Vergleich einzigartig. Während in England asiatische und US-amerikanische Privatpersonen und Firmen die Vereine kontrollieren, kontrollieren in Deutschland die Fans ihre Klubs.

Zumindest mehrheitlich. Denn die viel zitierte 50+1-Regel ist nahezu regelmäßig in aller Munde. Das Bundeskartellamt hat nun in einem Urteil die Berechtigung und die Wichtigkeit der Regel zwar bestätigt, jedoch auch Nachbesserungen gefordert.

50+1: Was wurde entschieden und was wird nun gefordert?

Das Bundeskartellamt hat am 16. Juni 2025 eine vorläufige Bewertung der 50+1-Regel veröffentlicht und diese grundsätzlich als kartellrechtlich zulässig eingestuft, da sie die Vereinskultur und den Wettbewerb schützt. Das galt oft von Kritikern als unsicher.

Allerdings fordert es drei zentrale Nachbesserungen, um endgültige Rechtssicherheit zu schaffen: Aktuell genießen Bayer 04 Leverkusen und der VfL Wolfsburg Ausnahmen, da die Förderer Bayer und Volkswagen schon deutlich länger als 20 Jahre ihr Engagement im Klub vorantreiben. Diese Ausnahme soll abgeschafft werden.

Zudem sollen dubiose Umgehungen der 50+1-Regel wie bei RB Leipzig konsequenter sanktioniert werden. Stimmberechtigt sind dort nur 23 Personen, die eng mit dem Konzern Red Bull verbunden sind. Diese stimmen so ab, wie der Konzern es vorgibt, um ihm somit völlige Kontrolle über den Verein zu geben.

Die dritte Forderung lautet: Abstimmungsprozesse müssen konsequenter überwacht werden. Als die DFL die Abstimmung über die Verhandlung mit möglichen Investoren initiierte, wies der Mutterverein von Hannover 96 Geschäftsführer Martin Kind per Abstimmung an, dagegen zu stimmen. Später weigerte er sich, sein Votum offenzulegen. Es liegt also nahe, dass er sich dem widersetzt hat.

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Warum steht die 50+1-Regel schon so lange und so oft in der Kritik?

Die 50+1-Regel ist seit Jahren umstritten, weil sie verschiedene Interessen kollidieren lässt. Kritiker bemängeln beispielweise, dass deutsche Klubs durch eingeschränkte Investorenmittel in der Champions League zurückfallen. 2024 stand Borussia Dortmund allerdings noch im Finale der Champions League.

Bundesliga-Transfergerüchte: Kim rückt in den Fokus des FC Chelsea

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    Minjae Kim (FC Bayern)
    ...noch deutet aber nichts konkret auf einen Abschied hin. Laut Falk ist Kim auch ohne Stammplatz mit seiner Rolle in München zufrieden. Die Bayern schätzen den Innenverteidiger als starken ersten Backup, selbst wenn dieser dafür ein sehr deftiges Gehalt bezieht. Stand jetzt habe Kim nicht die Absicht, die Bosse über einen Wechselwunsch zu informieren.

    Marco Canoniero

  • Schlug in Leipzig voll ein: Yan Diomande

    Yan Diomande (RB Leipzig)
    Leipzig-Youngster Yan Diomande zählt zu den großen Entdeckungen der Saison. Dies hat offenbar auch Manchester United festgestellt, die laut der spanischen Zeitung "Sport" Interesse am 19-Jährigen haben sollen. Demnach hätte der Flügelspieler die ManUnited-Bosse mit seiner "Schnelligkeit und Dribbelfähigkeit" beeindruckt. Allerdings läuft sein Vertrag bei RB bis Sommer 2030, sodass die mögliche Ablöse sehr hoch ausfallen dürfte.

    AFP/SID/RONNY HARTMANN

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    Victor Osimhen (Galatasaray Istanbul)
    Victor Osimhen steht nun wohl doch auf dem Zettel des FC Bayern. Der Rekordmeister prüft laut "FussballTransfers", ob ein Transfer des nigerianischen Torjägers möglich sein könnte. Osimhen wurde dem FC Bayern bereits im Winter angeboten, allerdings lehnte Max Eberl einen Transfer damals noch ab. Nun beschäftigen sich die Münchner Verantwortlichen erneut mit dem Angreifer. Auch Osimhen selbst kann sich einen Wechsel nach München offenbar gut vorstellen. Neben dem FC Bayern zeigen allerdings auch andere Klubs Interesse - darunter mehrere Vereine aus Saudi-Arabien.

    IMAGO/Buzzi

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    Luka Vuskovic (Hamburger SV)
    Kann der HSV Innenverteidiger Luka Vuskovic halten? "Ich bin Überzeugungstäter. Natürlich glaube ich auch fußballromantisch an Dinge, die schwer vorzustellen sind", sagte Hamburgs Trainer Merlin Polzin der "Bild". Der Kroate ist von Tottenham Hotspur ausgeliehen und liegt bei einem Marktwert von 40 Millionen Euro. Dabei wähnt sich Polzin mit einem Trumpf in der Hand. "Wir wissen auch, was im November passiert..." Dabei spielt Polzin auf das Comeback von Lukas Bruder Mario Vuskovic nach Doping-Sperre an.

    IMAGO/HMB-Media

  • imago images 1072416668

    Said El Mala (1. FC Köln)
    Köln-Juwel Said El Mala steht bei einigen Klubs auf dem Zettel, einer wirbt aber wohl besonders intensiv um die Dienste des 19-Jährigen: Brighton & Hove Albion mit Trainer Fabian Hürzeler. Laut "Sky" plant der Premier-League-Klub im kommenden Sommer einen weiteren Vorstoß. Schon in den vergangenen beiden Transferfenstern hat der Klub demnach erfolglos wegen eines möglichen Transfers angefragt. Sein Vertrag in Köln läuft noch bis 2030.

    IMAGO/Revierfoto

  • Borussia Mönchengladbach v VfL Wolfsburg - Bundesliga

    Rocco Reitz (Borussia Mönchengladbach)
    Borussia Mönchengladbach könnte im Sommer 2026 wohl Rocco Reitz verlieren. Laut "Sky" soll RB Leipzig großes Interesse am 23-Jährigen haben. Dem Bericht nach hat Reitz in seinem Kontrakt offenbar eine Ausstiegsklausel in Höhe von 28 Millionen Euro. Zudem gibt es wohl auch weitere Interessenten wie Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und Brighton & Hove Albion. Reitz' Vertrag bei den "Fohlen" läuft noch bis Sommer 2028.

    2025 Getty Images

  • Leicester City v Wrexham AFC - Sky Bet Championship

    Jeremy Monga (Leicester City)
    Beim englischen Zweitligisten sorgt der erst 16-jährige Jeremy Monga für Aufsehen. Entsprechend sind schon einige Topklubs auf den Teenager aufmerksam geworden. Laut "Teamtalk" gehören auch der FC Bayern und Borussia Dortmund zu den Interessenten an Monga. Demnach sollen auch beide Klubs schon Gespräche mit dem Offensivspieler geführt haben, ...

    2025 Getty Images

  • Leicester City v Wrexham AFC - Sky Bet Championship

    Jeremy Monga (Leicester City)
    ... der aufgrund der Statuten aber erst im Jahr 2027 nach Deutschland wechseln dürfte. Die Konkurrenz im Werben um den Engländer ist aber wohl riesig. Juventus Turin, Real Madrid und PSG haben wohl ebenfalls schon Kontakt zu Monga aufgenommen, auch die englischen Topklubs Liverpool und Tottenham seien hinter dem Toptalent her, heißt es.

    2025 Getty Images

  • Borussia Dortmund v Bayer 04 Leverkusen - DFB Cup: Round of 16

    Julian Ryerson (Borussia Dortmund)
    Landet ein BVB-Stammspieler beim FC Barcelona? Wie "Sky" berichtet, hat Barca offenbar ein Auge auf Julian Ryerson geworfen. Der Norweger soll demnach ein günstiger Ersatz für Jules Kounde sein, der in Katalonien vor dem Abgang steht. Erste Gespräche sollen demnach bereits stattgefunden haben. Ob der BVB einem Abgang jedoch zustimmen würde, ist offen.

    2025 Getty Images


Zudem werden die oben genannten Ausnahmen oft stark kritisiert, ein Grund für die Empfehlung des Kartellamts, dort nachzubessern. Mit der TSG 1899 Hoffenheim hat ein Klub gezeigt, wie die Eingliederung in 50+1 gelingen kann. Zuvor war auch der Kraichgau eine Ausnahme, da Dietmar Hopp mehr als 20 Jahre in den Klub investierte.

50+1: Was sagen betroffene Vereine wie Leverkusen, Leipzig und Wolfsburg?

Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg kritisieren die Empfehlungen scharf, halten sie für "rechtlich unverbindlich" und "nicht überzeugend" und prüfen rechtliche Schritte. Sie verteidigen ihren Bestandsschutz, da ihre Konzernförderung über Jahrzehnte etabliert ist.

RB Leipzig äußert sich zurückhaltend, betont aber den Wunsch nach klaren, einheitlichen Regeln. Eine Öffnung des Mitgliedermodells wird intern kritisch gesehen, da sie Red Bulls Kontrolle einschränken könnte.

Martin Kind, der Investor und ehemalige Geschäftsführer von Hannover 96, äußerte sich kritisch zur Bewertung des Kartellamts. In einer Stellungnahme gegenüber der "Sportschau" sagte er: "Jetzt erfolgt eine seriöse Prüfung. Es ist ungewöhnlich, dass das Kartellamt sieben Jahre benötigt, um eine solche Empfehlung ohne Rechtswirkung abzugeben." Der Mutterverein begrüßt die Entscheidung.

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Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass 50+1 nun ganz gekippt wird?

Die Wahrscheinlichkeit, dass die 50+1-Regel komplett gekippt wird, ist sehr gering.

Das Kartellamt hat die Regel ausdrücklich gestärkt und sie als mit dem EU-Recht vereinbar eingestuft. Die breite Unterstützung bei Fans, Vereinen und der DFL macht eine Abschaffung unwahrscheinlich.

Stattdessen wird die DFL vermutlich die geforderten Nachbesserungen umsetzen, um Klagen zu vermeiden. Mögliche rechtliche Auseinandersetzungen, vor allem mit den vier genannten Sonderfällen, könnten die Regel schwächen, aber ein völliges Ende ist derzeit nicht absehbar.

Wird sich bei 50+1 kurzfristig etwas ändern?

Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich kurzfristig erst einmal nichts ändert. Die Empfehlungen des Kartellamts sind nicht bindend, und die DFL wird die Vorschläge erst prüfen.

Leverkusen und Wolfsburg drohen mit Klagen, und RB Leipzig bleibt vorsichtig. Die Umsetzung der geforderten Änderungen – wie Abschaffung der Ausnahmen oder offene Mitgliedschaft – ist komplex und könnte Jahre dauern. Kurzfristig bleibt wohl alles beim Alten, da die DFL Zeit für einen Kompromiss braucht.

Langfristig wird der Druck für Reformen aber steigen.

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