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Fußball-Kultur im Reagenzglas: Wie Saudi-Arabien am Konzept Fußball scheitert

Veröffentlicht:

von Anne Malin

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Videoclip • 01:03 Min


Als Cristiano Ronaldo 2023 seinen Wechsel zu Al-Nassr verkündete, war die Fußballwelt überrascht. Zahlreiche weitere berühmte Namen folgten ihm in die Wüste, doch im Zuge des Nahostkonflikts werden die Risse im saudi-arabischen Großprojekt immer sichtbarer.

Neymar Jr., Karim Benzema, N'Golo Kanté und Jordan Henderson: Die Liste an Spielern, die in vergangenen Jahren zu Vereinen in der Saudi Professional League gewechselt sind, kann sich durchaus sehen lassen.

Die Gehälter belaufen sich oft auf mehrere Millionen Euro pro Jahr, auch wenn einige Spieler den Zenit ihrer Karriere durchaus bereits überschritten haben.

Doch seit Beginn des bewaffneten Konflikts im Nahen Osten zeigt sich ein anderer Trend. Spieler, die zuvor scheinbar den Wunsch hatten, in die Wüste zu wechseln, suchen sich nun andere Vereine. Serhou Guiraussy soll lange Zeit mit der Saudi-Liga geliebäugelt haben, doch jetzt brodelt die Gerüchteküche in eine andere Richtung. Der Stürmer soll sich eher in den europäischen Nachbarländern umschauen.

Und auch Mo Salah wurde längere Zeit in Verbindung mit Klubs aus Saudi-Arabien gebracht, doch nun wird gemunkelt, dass sich der Liverpool-Spieler lieber Richtung Amerika begeben möchte.

Die Neuorientierung aufgrund der unsicheren Situation auf der arabischen Halbinsel ist allerdings nur ein Symptom der Krankheit, mit der die saudi-arabische Liga schon länger zu kämpfen hat: Saudi-Arabien kann nicht replizieren, was den Fußball in Europa oder Südamerika so besonders macht.

Saudi Arabien: Neuer Hotspot des Weltsports

Nun ist Sportswashing, also der strategische Einsatz von Sportveranstaltungen durch Staaten, um ein positives Image aufzubauen und von Menschenrechtsverletzungen und Korruption abzulenken, kein neues Konzept mehr.

Staaten im Nahen Osten, wie Katar, Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate, kaufen sich seit Jahren gezielt in den Topsport der Welt ein. Saudi-Arabien versucht mit der Formel 1, Tennis-Cups und Golfturnieren, die "Vision 2030" zum Leben zu erwecken. Kronprinz Mohammed bin Salman zielt darauf ab, das Land von der Öl-Abhängigkeit zu befreien und neue Wirtschaftszweige im Tourismus und bei Sportgroßveranstaltungen zu kreieren.

Mehr als jeder andere Sport wurde allerdings der Fußball ins Visier genommen. Die Supercups aus Spanien und Italien werden in Saudi-Arabien ausgetragen und internationale Superstars wurden mit massiven Handgeldern gelockt.

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Paradebeispiel Jordan Henderson: Was ein Wechsel verändert

Doch nicht jeder Transfer ist eine Erfolgsgeschichte. Mit dem Wechsel in die Wüste verlassen Spieler das kulturelle Zentrum des Fußballs. Keine Champions-League, keine hochkarätigen Duelle und keine Titel, die der durchschnittliche Fußball-Fan aussprechen kann oder will. Ein Paradebeispiel ist wohl Jordan Henderson.

Der ehemalige Liverpool-Kapitän wechselte 2023 zu Al-Ettifaq und spielte eine halbe Saison bei dem Klub, dessen Stadion mit einer Kapazität von 35.000 Plätzen durchschnittlich von 7.854 Zuschauern besucht wurde. Ebenfalls verzichtete Gareth Southgate nach dem Wechsel darauf, den Mittelfeldspieler für den EM-Kader 2024 zu nominieren. Nach nur einer halben Saison verließ Henderson den Verein wieder Richtung Europa.

Der Liverpool-Spieler gab im Nachhinein selbst zu, dass er "rückblickend eine andere Entscheidung" hätte treffen können. Denn der Engländer erfuhr besonders neben dem Platz harte Kritik. Der 35-Jährige war vor seinem Wechsel einer der prominentesten Unterstützer von LGBTQ-Rechten im professionellen Fußball. Er trug aktiv die Regenbogen-Kapitänsbinden und sprach sich gegen Homophobie aus. Der Wechsel in ein Land, in dem Homosexualität mit Folter und dem Tod bestraft wird, kam vorhersehbar schlecht an.

Zwar entschuldigte sich Henderson nach seinem Wechsel zu Ajax für "den Schmerz, den er verursacht hat", doch in die Gunst der meisten Fans ist er nie zurückgekehrt.

Und auch sportlich hat Henderson nie an seine Zeit vor dem Saudi-Wechsel anknüpfen können. Mittlerweile spielt der Champions-League-Sieger aus 2019 beim FC Brentford, wo er diese Saison in 29 Spielen ein Tor schoss und um die europäischen Plätze kämpft. Seit seiner Rückkehr nach Europa ist er auch wieder fester Bestandteil der englischen Nationalmannschaft. "Ich will ehrlich sein: In den letzten Jahren habe ich einige schwere Zeiten durchgemacht", resümierte Henderson die Zeit, seitdem er Liverpool verlassen hat, selbst.

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Ronaldo bringt weniger Zuschauer als die dritte Bundesliga

Neymar Jr. verließ Saudi-Arabien nach sieben Spielen und einem Tor, um zu seinem Kindheitsklub FC Santos zurückzukehren. Andere Spieler wie David Ospina, Juanmi und Gabri Veiga schlossen sich ihm an.

Cristiano Ronaldo scheint sich im Wüstenstaat allerdings wohlzufühlen. Ob das an staatlichen Sonderregelungen, wie der Ausnahme, dass der portugiesische Nationalspieler mit seiner langjährigen Freundin zusammenleben durfte, bevor sie verheiratet waren, liegen mag, darüber kann nur spekuliert werden. Für normale Bürger des Königreichs würde solch ein Vergehen übrigens mit einem Gefängnisaufenthalt enden.

Trotz eines Marktwerts von über einer Milliarde Euro und zahlreicher berühmter Namen waren laut "Transfermarkt" letzte Saison durchschnittlich 7.943 Zuschauer in den saudi-arabischen Stadien. Die dritte Bundesliga hat durchschnittlich 11.566 Zuschauer.

Und während internationale Streamingzahlen im Internet kaum zu finden sind, was in der Regel kein Zeichen für bahnbrechenden Erfolg ist, ist der Twitch-Channel, auf dem die Liga einige Spiele zeigt, vielleicht ein Indikator. Das Spiel Al Qadsiah gegen Al Ahli kann dort komplett kostenlos und in voller Länge angeschaut werden. Ein Angebot, von dem 41 Leute Gebrauch gemacht haben. Es handelt sich um ein Duell des Tabellenzweiten und Tabellenvierten.

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Fußball: Warum die Saudi Liga zum Scheitern verurteilt ist

Interessant ist, dass andere Sportgroßveranstaltungen durchaus Erfolge verbuchen können. Laut "gpdestinations"  besuchten 2023 über 150.000 Besucher das Formel-1-Rennen in Jeddah. Der Große Preis fällt dieses Jahr aufgrund des bewaffneten Konfliktes allerdings aus.

Aber warum schafft die Saudi-Pro-Liga dann nicht einmal die Zuschauerzahlen der dritten deutschen Liga? Weil der Fußball eben mehr ist als die Namen, die auf dem Platz stehen. Die Fankultur prägt den europäischen Fußball. Menschen werden Fans durch Verbundenheit zur Heimatstadt oder durch Familientradition. Fan-Gemeinschaften, Traditionen und Engagement prägen Fußballkultur. Und eben diese Kultur kann nicht im Reagenzglas gezüchtet werden. Unabhängig davon, mit wie viel Geld es abgeworfen wird.

Selbst in der dritten Liga müsste einiges passieren, damit nur 193 Zuschauer ins Stadion kommen würden, so wie bei dem Unentschieden zwischen Al-Riyadh gegen Al-Khaleej diesen Februar.

Und die fehlenden Zuschauer, die nicht existierende Atmosphäre und die unautentische Kultur setzen auch den Spielern zu. Ein Formel-1-Rennen ist ein seltenes Spektakel, für das die Fans einmal im Jahr in den Wüstenstaat kommen. Ein großaufgezogenes Event mit viel Feuerwerk und Glamour. Aber diese Deko kann keine ausländischen Fans jede Woche für eine ganze Saison in den Nahen Osten ziehen. Und die eigene Bevölkerung scheint mit dem Sport auch nicht warm zu werden.

Immer mehr bekannte Namen verlassen also die Liga, während andere den Wechsel in die Wüste nicht mehr in Betracht ziehen. Die durchschnittliche Zuschauerzahl ist seit 2023 um rund 2.000 Zuschauer gesunken.

Es hat sich kaum Fankultur entwickelt und das Interesse aus dem Ausland an Spielen, in denen nicht gerade CR7 auf dem Platz steht, ist mau. Das Experiment Fußball in Saudi-Arabien scheint gescheitert zu sein.

Aber dann wird eben wieder ein Premier-League-Klub gekauft. Und der einzige Bewerber für die Fußball-Weltmeisterschaft 2034 ist Saudi-Arabien sowieso.

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