Premier League
Leicester City: Vom Sensationsmeister zum Drittligisten in zehn Jahren
Aktualisiert:
von Franziska Wendlerran Fußball
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Videoclip • 01:12 Min
Vor zehn Jahren krönt sich Leicester City zum Sensationsmeister in der Premier League, nun muss das Team den Gang in die dritte Liga antreten. Wie konnte das passieren?
Wenn die britische Presse für eine Sache bekannt ist, dann für ihre scharfe Zunge. Nach Erfolgen wird überschwänglich gelobt, Misserfolge rufen entsprechend das Gegenteil hervor.
Als am Montagabend nach dem 2:2 gegen Hull City der Abstieg von Leicester City in die dritte Liga feststand, stellte das Boulevardblatt "Sun" in aller Deutlichkeit fest, der Klub sei "von oben bis unten verrottet". Ein Klub, dem vor zehn Jahren eines der wohl größten Märchen in der Fußball-Historie gelungen war.
5000 zu 1. So hoch standen die Wettquoten auf eine Meisterschaft von Leicester City beim Premier-League-Saisonstart 2015/16. Es ist davon auszugehen, dass wohl kaum ein Mensch auf diesem Planeten die "Foxes" vor dem ersten Spieltag als Anwärter auf die Champions-League-Plätze - geschweige denn den Meistertitel - gesehen hatte.
Was folgte, war nicht weniger als ein modernes Fußballwunder.
Über 38 Spieltage hinweg überraschte die Mannschaft rund um die Stars Jamie Vardy, Riyad Mahrez und N'Golo Kante die ganze Welt, am Ende der Saison stand Leicester mit zehn Punkten Abstand auf den zweitplatzierten FC Arsenal an der Spitze der Premier League.
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Jamie Vardy: Vom Fabrikarbeiter zum Torschützenkönig
Eine außergewöhnliche Leistung - und das mit einer Mannschaft aus Spielern, die vor der Saison nur die allerwenigsten kannten. Am prominentesten ist dabei wohl die Geschichte von Torjäger Vardy.
Der Engländer wurde in der Jugendakademie von Sheffield Wednesday aussortiert und hörte mit dem Fußballspielen auf, um in einer Kohlefaserfabrik zu arbeiten.
Ein Jahr später fing Vardy in der siebten englischen Liga wieder mit dem Fußballspielen an und verbrachte dort sehr erfolgreiche acht Jahre, ehe er für eine Ablösesumme von rund 200.000 Euro zum Fünftligisten Fleetwood Town ging. Nach einer starken Saison sowie dem Gewinn des Meistertitels wechselte er im Alter von 25 Jahren in die zweite englische Liga zu Leicester City - der Rest ist Geschichte.
Leicester City stürzt in dritte Liga ab
Zehn Jahre später ist der Absturz der "Foxes" in die dritte englische Liga besiegelt. Von den vergangenen 18 Ligaspielen konnte nur ein einziges gewonnen werden. Der Schmerz ist entsprechend groß.
"Es gibt keine Ausreden. Wir haben die größten Höhen und nun die tiefsten Tiefen erlebt, und der Schmerz ist uns allen gemeinsam. Es tut mir aufrichtig leid für die Enttäuschung, die wir verursacht haben", wird Leicesters Klub-Boss Aiyawatt Srivaddhanaprabha in einem Statement zitiert.
Srivaddhanaprabha ist seit geraumer Zeit bei unzähligen Anhängern des Klubs unbeliebt, gilt neben Sportdirektor Jon Rudkin als Gesicht der Krise.
Der thailändische Milliardär folgte bei Leicester auf seinen Vater Vichai, der im Gegensatz zu seinem Sohn bei den Fans außerordentlich beliebt war - unter anderem wegen seiner karitativen Tätigkeiten.
Ein Helikopter-Absturz nahe des Stadion kostete ihn und weitere vier Insassen im Oktober 2018 jedoch das Leben. Eine große Tragödie in der Klubgeschichte.
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Leicester City: Vardy-Abgang als großes Problem
Dass Leicester nun den Gang in Liga drei antreten muss, hätte den verstorbenen Unternehmer gewiss sehr geschmerzt. Schmerzhaft ist der Abstieg auch mit Blick auf den Kader.
Laut "transfermarkt.de" stellt der Absteiger den viertwertvollsten Kader in der Championship und hat mit Ricardo Pereira, Jamaal Lascelles, Harry Winks, Oliver Skipp oder Jordan Ayew gleich mehrere Spieler in den eigenen Reihen, die hunderte Premier-League-Spiele, teils sogar einige Champions-League-Spiele, absolviert haben.
Für den Absturz der "Foxes" in dieser Saison gibt es derweil mehrere Gründe, der Abgang von Klub-Ikone Vardy ist dabei einer der größten.
Es war bereits im Vorfeld klar, dass ein Spieler wie er mit 500 Partien und 200 Toren nicht einfach so ersetzt werden kann. Die Entscheidung, im Sturm auf Ayew und Patson Daka zu setzen, war aber rückwirkend betrachtet die falsche.
Generell fehlt es in der Mannschaft an Führungsspielern, und die, die es gibt, kommen in Form von Verteidiger Lascelles oder Torhüter Asmir Begovic kaum zum Einsatz. Zu allem Überfluss fehlte der Abwehrchef und größte Führungsspieler Jannik Vestergaard über Monate hinweg.
Leicester City: Abstiegssorgen nach der Meisterschaft
Besonders schwerwiegend: Anfang Februar wurden dem Klub wegen des Verstoßes von Finanzregeln im Zusammenhang mit dem Aufstieg 2023/24 sechs Punkte abgezogen. Ein Antrag auf Aufhebung der Strafe scheiterte, der Klub verblieb in der Abstiegszone.
Ein Urteil, welches sich bereits angebahnt hatte, wenn auch schleichend. Dabei lief es bis vor wenigen Jahren eigentlich nicht schlecht für die "Foxes".
Durch den Gewinn der Meisterschaft qualifizierte sich der Verein 2017 für die Champions League. Mit Kante verlor die Mannschaft aber ihren wichtigsten Mittelfeldmotor an den FC Chelsea. Zwar gab man 92 Millionen Euro für neue Spieler aus, allerdings konnten die Top-Transfers Ahmed Musa und Islam Slimani überhaupt nicht überzeugen.
Zudem brachen auch die Leistungen von Vardy und Mahrez ein. So stand die Mannschaft in der Hinrundentabelle auf dem 15. Platz und spielte statt um die europäischen Plätze knallhart gegen den Abstieg, letztlich beendete Leicester die Spielzeit auf einem enttäuschenden 12. Platz.
Im Februar 2018 wurde Meistertrainer Claudio Ranieri entlassen, lediglich neun Monate nach dem Gewinn der Meisterschaft. In der Champions League lief es hingegen besser: Dort gewann Leicester City seine Gruppe und bezwang im Achtelfinale den FC Sevilla, ehe im Viertelfinale knapp gegen Atletico Madrid Schluss war.
Leictester City: Leben über den eigenen Verhältnissen
Nun muss man fairerweise sagen, dass die Erwartung, wieder ganz oben angreifen zu können, eine utopische Vorstellung gewesen wäre. Vielmehr war sich Leicester schon früh bewusst, dass man im Vergleich mit den Elite-Klubs in der Premier League nicht mithalten kann.
Manchester City holte damals beispielsweise Coach Pep Guardiola und Stadtrivale United sprengte mit der Verpflichtung von Paul Pogba für kolportierte 105 Millionen Euro alle bis dato dagewesenen Grenzen des Transfermarkts.
Daher setzte Leicester auf einen kontinuierlichen Aufschwung, statt direkten Erfolg erzwingen zu wollen. So holte der Verein von dem Geld, das in der vorigen Saison durch die Champions-League-Teilnahme eingenommen wurde, junge Talente - meist aus eher kleineren Ligen -, entwickelte sie weiter und verkaufte sie anschließend für mehr Geld. Dieses steckte der Verein dann wiederum in neue Talente und punktuelle Verstärkungen für den Kader.
Die Saisons 2017/18 und 2018/19 beendeten die "Foxes" jeweils auf dem neunten Platz. 2019/20 wurde Leicester City Fünfter in der Premier League, ehe diese Platzierung im Folgejahr wiederholt wurde und obendrein der FA-Cup gewonnen wurde.
Doch hier fingen auch die Probleme an. Aufgrund der Corona-Pandemie waren die Einnahmen eingebrochen, der Kader war aber über die vorigen Jahre immer teurer geworden, weswegen ein Großteil des Budgets dafür draufging, die Mannschaft irgendwie zusammenzuhalten.
Klubpräsident Srivaddhanaprabha wollte von seinem Anspruch auf europäischen Fußball allerdings nicht abrücken. Trotz des gut bezahlten Kaders verpasste Leicester in der Saison 2021/22 das europäische Geschäft und beendete die Spielzeit auf dem achten Platz.
Leicester City: Dritter Abstieg in vier Jahren
Durch das Ausbleiben dieser zusätzlichen Einnahmen konnte sich der Verein die Mannschaft eigentlich nicht mehr leisten, und das trotz des Verkaufs von Wesley Fofana für 80 Millionen Euro an den FC Chelsea. In der darauffolgenden Saison bezahlte Leicester mehr Geld für Gehälter als der Klub überhaupt einnahm.
Dennoch war Srivaddhanaprabha entschlossen, dass man sich wieder für Europa qualifizieren konnte und sich die finanzielle Lage so stabilisieren würde. Aber Fehlanzeige: Völlig überraschend stiegen die "Foxes" nach der Spielzeit 2022/23 trotz Spielern wie James Maddison, Harvey Barnes und Youri Tielemans in die Championship ab.
Zwar ging es im Jahr danach direkt wieder ins englische Oberhaus, aber auch genauso schnell wieder nach unten. Kurz vor dem Aufstieg hatte die Liga zudem das Verfahren wegen des Verstoßes gegen Finanzregeln eingeleitet, was knapp eineinhalb Jahre später zum Abzug von sechs Punkten führte - und das zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt.
Bis kurz vor dem Punktabzug hatte Klubpräsident Srivaddhanaprabha noch davon geträumt, doch noch den Aufstieg zu schaffen. So sagte er: "Ich bin mir sicher, dass wir noch die Chance haben, in der Tabelle zu klettern, zumindest in die Playoffs. Das ist immer noch das Ziel."
Eine Hoffnung, die sich nicht erfüllen sollte - ganz im Gegenteil. Stattdessen ist der Premier-League-Sieger von 2016 nun zum dritten Mal in vier Jahren abgestiegen. Diesmal sogar noch eine Etage tiefer, in die drittklassige League One.
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