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Tottenham Hotspur: Der historische Absturz der Londoner - und wer nun als Retter kommen könnte

Veröffentlicht:

von Christoph Gailer

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Videoclip • 01:01 Min


Der amtierende Europa-League-Sieger Tottenham Hotspur steht in der Premier League sportlich gefährlich nahe am Abgrund. Die Zahlen vor dem Saisonfinale sind alarmierend - und historisch schlecht.

Was zum Befreiungsschlag werden sollte, wurde für Tottenham Hotspur zuletzt zur echten Blamage.

Statt sich im Abstiegskampf der Premier League mit einem Sieg gegen den direkten Konkurrenten Nottingham Forest etwas Luft zu verschaffen, gingen die Spurs im eigenen Stadion mit 0:3 unter. Dadurch zog Nottingham auch noch in der Tabelle an den Spurs vorbei.

Damit geht bei den Fans der Londoner nun zumindest mal über die Länderspielpause hinweg die große Abstiegsangst um. Nach 31 Spielen hat Tottenham nur 30 Punkte auf dem Konto, liegt damit lediglich einen Rang und einen Zähler vor der Abstiegszone.

Umgerechnet auf die Drei-Punkte-Regel, ist das die schlechteste Spurs-Ausbeute seit der Saison 1914/15 – also de facto eine Krise von historischem Ausmaß.

Trainer Frank scheiterte schnell – Interimscoach Tudor auch vor dem Aus?

Dabei ging Tottenham doch so ambitioniert in die Saison 2025/26, nachdem in der zurückliegenden Spielzeit zwar der Europa-League-Sieg eingefahren wurde, aber auch da schon in der Premier League nur Rang 17 mit 38 Punkten zu Buche stand.

Deshalb musste Coach Ange Postecoglou trotz des internationalen Titels seinen Platz auf der Bank räumen. Mit dem Dänen Thomas Frank sollte stattdessen eine glorreiche Zukunft folgen, doch der 52-Jährige, der zuvor bei Brentford tolle Aufbauarbeit leistete, scheiterte in Nordlondon innerhalb weniger Monate. In 38 Pflichtspielen brachte es Frank nur auf einen Punkteschnitt von 1,29. Mitte Februar 2026 zogen die Spurs-Bosse die Reißleine, Frank wurde gefeuert.

Doch besser wurde für Tottenham seitdem überhaupt nichts, denn Interimscoach Igor Tudor hat sogar eine noch schlechtere Bilanz. Unter dem Kroaten holten die Spurs in der Premier League nur einen Punkt aus fünf Spielen, flogen zudem in der Champions League im Achtelfinale klar gegen Atletico Madrid raus. Nach dem kürzlichen 0:3 gegen Nottingham stellt sich nun sogar ernsthaft die Frage, ob Tudor seine Rolle als Interimstrainer bis zum Saisonende weiter ausüben darf - oder überhaupt will.

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Tudor erleidet Schicksalsschlag während Premier-League-Spiel

Denn der 47-Jährige erlitt während der Nottingham-Pleite einen persönlichen Schicksalsschlag. Wenige Minuten nach dem Abpfiff soll Tudor laut Medienberichten erfahren haben, dass sein Vater verstorben war.

Mit einigen Tagen Abstand bestätigten die Spurs den Todesfall in der Familie des Trainers. "Alle bei Tottenham Hotspur sind zutiefst betroffen vom Tod von Igor Tudors Vater Mario. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind in dieser unglaublich schweren Zeit bei Igor und seiner Familie", teilte der Premier-League-Klub in einem Statement mit.

Nicht zuletzt deshalb stellt sich nun die Frage, ob es für die Spurs und Tudor Sinn macht, die ohnehin nur bis zum Sommer 2026 angelegte Zusammenarbeit jetzt überhaupt fortzusetzen. Zumal die nun beginnende Länderspielpause für die Spurs-Bosse wohl die letzte, einigermaßen vernünftige Möglichkeit bietet, um vielleicht doch noch mal einen Trainerwechsel zu initiieren.

Experte Carragher plädiert für Tudor-Rauswurf

Eine klare Meinung zur Trainerfrage bei den Spurs vertritt Liverpool-Ikone Jamie Carragher. "Angesichts seiner familiären Situation und der Ergebnisse, wäre es für ihn leider besser, wenn Tottenham sich von Tudor trennen und bis zum Saisonende einen anderen Trainer verpflichten würde", sagte der jetzige TV-Experte bei "Sky Sports".

Carragher macht seine sportliche Einschätzung vor allem daran fest, dass bei Tudor der Trainereffekt komplett ausblieb.

"Es wäre hart für den Trainer, wenn er seinen Job so früh in seiner Amtszeit verlieren würde, aber der ganze Sinn und Grund, warum er den Job bekommen hat, ist, dass er sofort etwas bewirken kann, und das ist nicht passiert", erklärte der ehemalige englische Nationalspieler.

Dabei honoriert Carragher durchaus die Bemühungen des Spurs-Interimstrainers, das Ruder irgendwie rumzureißen - allerdings bislang ohne Erfolg. "Anfangs ließ er mit einer Dreierkette Mann-gegen-Mann-Pressing spielen. In den letzten Spielen hat er auf ein 4-4-2 umgestellt, einen sehr direkten Fußball. Er probiert also verschiedene Dinge aus, aber es funktioniert einfach nicht", analysierte der 48-Jährige.

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Bittere Spurs-Stats: Heimschwach, vorne harmlos, hinten anfällig

Die Fans der Spurs werden das nicht hören wollen, aber summiert man die Probleme auf den Platz, belegt durch Zahlen, lesen sich diese wie jene eines Absteigers. Das unterstreichen auch TV-Experten auf der Insel.

"Die Defensive ist das Problem. Sie schaffen es nicht, zu Null zu spielen. Es ist zu einfach gegen sie und schrecklich, wie sie zu Hause spielen", erklärte Darren Bent bei "TalkSport". Und tatsächlich: Zum bislang einzigen Mal im Kalenderjahr 2026 blieb Tottenham in der Premier League am Neujahrstag beim 2:0-Sieg gegen Brentford ohne Gegentor.

Ähnlich bescheiden sieht es beim Blick auf die Offensive aus. Bislang bester Torschütze der Londoner ist Richarlison mit neun Premier-League-Treffern. Danach klafft eine große Lücke und es folgen - zwei Innenverteidiger. Micky van de Ven und Cristian Romero erzielten jeweils vier Tore. Kein Ruhmesblatt für die teils hoch gehandelten Stürmer im Spurs-Kader wie Matthys Tel, Dominic Solanke und Randal Kolo Muani, die allesamt in der Krise stecken.

Die vielleicht besorgniserregendste Statistik rund um die Spurs befasst sich jedoch mit der unglaublichen Heimschwäche. Nur zwei von 16 Heimspiele konnte Tottenham in der laufenden Premier-League-Saison gewinnen, kassierte schon zehn Heimpleiten. Damit sind die Spurs das Schlusslicht der Heimtabelle - sogar noch etwas schlechter als die fast schon feststehenden Absteiger Wolverhampton (zwölf Punkte) und Burnley (elf Punkte).

Wie geht es bei den Spurs weiter? Gerüchte um Hütter und Kehl

Angesichts dieser alarmierenden Zahlen braucht der Traditionsklub dringend den Turnaround, bevor man sich nur ein Jahr nach dem Triumph in der Europa League auf einmal in der zweitklassigen Championship wiederfindet. Ein beispielloser Absturz für den Traditionsklub, der sich selbst zu den "Big Six"-Teams der Premier League zählt.

Nicht zuletzt aufgrund der persönlich schwierigen Lage von Tudor kursieren nun Trainer-Namen, die den Kroaten auf der Spurs-Bank demnächst ablösen könnten, um Tottenham vor dem drohenden Abstieg zu bewahren.

"The Telegraph" berichtet, dass der frühere Frankfurt- und Gladbach-Coach Adi Hütter ein angeblicher Kandidat bei Tottenham sein soll. Heiß gehandelt wird aber auch der ehemalige Brighton-Manager Roberto De Zerbi, der aber wohl erst zur neuen Saison einsteigen wollen würde. Seine angebliche Voraussetzung: Die Spurs müssen ohne ihn zunächst den Klassenerhalt schaffen.

Auch Tottenhams Ex-Coach Mauricio Pochettino, der den Klub 2019 ins Champions-League-Finale führte, wird gehandelt. Er wäre aber als aktueller Coach von WM-Gastgeber USA ebenfalls frühestens zur neuen Saison verfügbar.

Gestaltet möglicherweise sogar ein Deutscher die Zukunft bei den Spurs mit? Wie ebenfalls "The Telegraph" vermeldet, soll der kürzlich bei Borussia Dortmund gefeuerte Sportdirektor Sebastian Kehl bei den Londonern auf der Shortlist stehen.

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