Aufstiegsspiele zur 3. Liga
Regionalliga - Lok Leipzig droht der bittere Hattrick: Wird ein erneutes Scheitern zum Boost für die Reform?
Veröffentlicht:
von Chris Lugertran Fußball
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Zum dritten Mal binnen weniger Jahre könnte Lok Leipzig in den Aufstiegsspielen zur 3. Liga scheitern. Es wäre ein Horror für die Sachsen - aber womöglich ein Beschleuniger für die angekündigte Regionalliga-Reform?
Den Kopf in den Sand stecken? Bei Lok Leipzig keine Option. Nach der Niederlage im Hinspiel der Drittliga-Aufstiegsspiele gegen die Würzburger Kickers (0:1) gaben sich die leidgeprüften Sachsen kämpferisch.
"Ich denke schon, dass auch ein Eintor-Rückstand machbar ist für uns. Wir haben jetzt schon andere Aufgaben gelöst", sagte Sportvorstand Toni Wachsmuth vor dem Rückspiel in Würzburg am Montag (18:30 Uhr im Liveticker). Angesichts der Geschichte der "Loksche" in diesen ungeliebten Entscheidungsspielen schwingt wohl auch eine Portion Trotz in seinen Worten mit.
Dem Meister der Regionalliga Nordost droht ein Hattrick, den kein Fußballklub jemals haben will. Zum dritten Mal binnen weniger Jahre und zum zweiten Mal in Folge könnte Lok trotz Meisterschaft der Aufstieg verwehrt bleiben. 2020 scheiterten die Leipziger aufgrund der damals noch gültigen Auswärtstorregel am SC Verl, 2025 war der TSV Havelse nach Verlängerung im Rückspiel zu stark.
Lok hat mit zwei Problemen zu kämpfen: dem eigenen Timing - und der noch immer ungelösten Thematik, wie das Credo "Meister müssen aufsteigen" in der Regionalliga endlich dauerhaft und für alle zufriedenstellend gelöst werden kann.
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Lok Leipzig: Zwei Meisterschaften in Serie ohne Aufstieg?
Dass der frühere Europapokalfinalist nie in den Jahren Meister wurde, in denen die Regionalliga Nordost einen sicheren Aufsteiger in die 3. Liga gestellt hat, mag den Sachsen zumindest teilweise anzukreiden sein. Dass zwei Meisterschaften in Serie aber womöglich immer noch nicht reichen, um den Sprung in Liga drei wagen zu dürfen, ist indes kaum vermittelbar.
Und somit dürfte das Rückspiel in Würzburg über Bayern und Sachsen hinaus für besondere Beachtung sorgen. Denn ein erneutes Scheitern von Leipzig würde den Druck auf die geplante Regionalliga-Reform weiter steigen lassen. Und genau hier deutet sich ein immer größeres Drama an.
Lange sah es so aus, als wäre eine Einigung und damit eine tragfähige Lösung zum Greifen nah. Das "Kompassmodell" hatte sich als bevorzugte Variante herauskristallisiert, der Großteil der in der Initiative "Aufstiegsreform 2025" vertretenen Vereine sowie die DFL bekannten sich zu dem Vorschlag.
Er sieht vor, dass die Regionalliga künftig aus vier statt fünf Staffeln bestehen soll, die mithilfe von KI vor jeder Saison neu zusammengestellt werden, um die Fahrstrecken so kurz wie möglich zu halten. Die vier Meister würden dann automatisch in die 3. Liga aufsteigen.
Bayern torpediert Regionalliga-Reform
Der größte Widerstand kommt ausgerechnet aus Würzburgs Heimat Bayern. Der dortige Landesverband will seine eigene Regionalliga nicht einfach aufgeben, sondern machte einen Alternativvorschlag. Dieser sieht vereinfacht gesagt vor, dass die Hinrunde einer Saison weiter in den bisher bekannten fünf Staffeln gespielt wird, die besten acht Teams jeder Liga qualifizieren sich dann für die Rückrunde, die schließlich in vier Staffeln mit je zehn Teams gespielt werden soll.
Pikant: Wie die "Bild" berichtet, plant der Bayerische Fußball-Verband (BFV) inzwischen sogar einen Alleingang, um das Modell durchzuboxen. Und hielt ausgerechnet vor dem Hinspiel in Leipzig am vergangenen Donnerstag eine Videokonferenz mit den bayerischen Regionalligisten ab, an der Würzburg gar nicht teilnehmen konnte.
Die Anhänger der Kickers positionierten sich beim Hinspiel in Leipzig klar. "Mit dem Kompass geht alles, ohne den Kompass geht nichts", war auf einem großen Transparent in der Würzburger Fankurve zu lesen. Zudem gab es von beiden Fanlagern laute "Scheiß BFV"-Rufe zu hören.
Die Frage nach der Zukunft der Regionalliga ist längst zu einem überregionalen Politikum geworden: Bayern - oder zumindest ein Teil davon - gegen den Rest Fußball-Deutschlands. Es wäre wenig überraschend, sollte es am Montag in Würzburg erneut zu massiven Protesten der Fans kommen.
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Kontroverse um Würzburger Teilnahme
Denn wenngleich Lok so etwas wie das tragische Gesicht der aktuellen Aufstiegsregelung ist, sind auch die Kickers ein gebranntes Kind. Vor zwei Jahren scheiterte Würzburg seinerseits als Meister in den Aufstiegsspielen und unterlag im Elfmeterschießen der Zweitvertretung von Hannover 96.
Allerdings: Streng genommen haben die Kickers in diesem Jahr ihren Platz in der Aufstiegsrunde gar nicht verdient. Denn in der Regionalliga Bayern wurde eigentlich die Zweite des 1. FC Nürnberg Meister, verzichtete aber auf einen Lizenzantrag für die 3. Liga. Würzburg rückte nur nach.
Und noch gravierender: Bereits Ende April stand Würzburg als bayerischer Vertreter für die Aufstiegsspiele fest, weil auch andere Vereine wie die SpVgg Unterhaching ihren Verzicht erklärten. Während die Kickers also fast einen Monat Zeit hatten, um sich mental auf die Spiele vorzubereiten, musste Lok bis zum letzten Spieltag um die Meisterschaft kämpfen.
Nicht wenige sprachen aufgrund dieser Konstellation von Wettbewerbsverzerrung. Vor diesem Hintergrund wäre das dritte Scheitern wohl das schmerzhafteste für die Sachsen. Um doch noch die Wende zu schaffen, macht man es sich in der Rolle des Underdogs gemütlich. "Würzburg hat jetzt was zu verlieren. Wir können jetzt eigentlich nur noch gewinnen", sagte Trainer Jochen Seitz.
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