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Relegation zur 2. Bundesliga 2026 - Rot-Weiss Essen: Wie ein schlafender Riese erwachen könnte
Aktualisiert:
von Kai Esserran Fußball
Rot-Weiss Essen - Ben Hüning vor Relegation: "Kann kommen, wer will"
Videoclip • 02:45 Min
Rot-Weiss Essen steht vor dem Sprung in die 2. Liga. Ein Comeback nach fast 20 Jahren - ein schlafender Riese könnte erwachen. Der Weg dahin war steinig - und mit viel Risiko behaftet.
Es ist eine Geschichte, wie sie der Fußball nur selten schreibt.
Rot-Weiss Essen, einst Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger, steht kurz vor der Rückkehr in den Profifußball - fast zwei Jahrzehnte nach dem letzten Zweitliga-Abenteuer.
Am Freitagabend (ab 19:50 Uhr live in Sat.1 und im Stream auf Joyn) empfängt der Traditionsverein an der Hafenstraße die SpVgg Greuther Fürth zum Hinspiel der Relegation.
RWE hatte sich als Tabellendritter der 3. Liga in einem dramatischen Saisonfinale qualifiziert. Es geht um nicht weniger als den letzten freien Platz in der 2. Bundesliga.
Die nächsten Livestreams auf Joyn
Rot-Weiss Essen: Ein langer Weg nach unten
Um zu verstehen, was dieser Moment bedeutet, muss man zurückblicken. Noch in der Saison 2006/07 spielte RWE zweitklassig. Dann begann ein Absturz, der in seiner Dramatik seinesgleichen sucht.
Weil man 2008 die Qualifikation für die neu gegründete 3. Liga verpasste, rutschte man in die Regionalliga ab. Zwei Jahre später führte die Abwärtsspirale dann in die Insolvenz und die fünfte Liga. Dem Vereinsvorstand fehlten über zwei Millionen Euro, um den Spielbetrieb überhaupt aufrechtzuerhalten – ein Traditionsverein am absoluten Tiefpunkt. Die Frage stand damals offen im Raum: Gibt es für Rot-Weiss Essen überhaupt noch eine Zukunft?
Die Antwort kam vom neuen Vorstand, einer treuen Fanszene und dem unbedingten Willen, den Verein zu retten. Schritt für Schritt und Liga für Liga arbeitete sich RWE wieder nach oben. 2021 gelang schließlich der Aufstieg in die 3. Liga – und damit die Rückkehr in den Profifußball. Doch der Wiederaufbau hatte und hat seinen Preis.
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Rot-Weiss Essen: Finanzielles Risiko könnte sich auszahlen
In den vergangenen Jahren hat RWE bewusst Verluste in Kauf genommen. Auf der Jahreshauptversammlung 2023 verkündete der damalige Vorstandsvorsitzende Marcus Uhlig eine erschreckende Bilanz: Statt des geplanten Minus von 410.000 Euro hatte der Verein im Jahr 2022 einen Fehlbetrag von 3,63 Millionen Euro angehäuft.
Der Plan dahinter war jedoch klar: Wer wieder oben mitspielen will, muss entsprechend investieren. Auch beim Stadionbau wurde das besonders deutlich. Die ursprünglich geplanten Baukosten von 31 Millionen Euro explodierten auf am Ende 64 Millionen, wobei es laut Berichten zu finanziellen Ungereimtheiten beim Bau gekommen sein soll.
Das neue Stadion fasst knapp 20.000 Zuschauer – für einen Zweitligisten eine eher bescheidene Kapazität. Entsprechend hat der Essener Stadtrat bereits beschlossen, das Stadion für rund 29,4 Millionen Euro durch die Schließung der Ecken auf etwa 27.000 Plätze auszubauen.
Ein Erweiterung, die für einen Drittligisten schwer zu rechtfertigen wäre, bei einem Zweitligisten aber wirtschaftlich deutlich mehr Sinn ergibt. Der Ratsbeschluss vom Juli 2025 markiere laut Vereinsführung einen entscheidenden Schritt für die Zukunft des Klubs. Die roten Zahlen der Vergangenheit waren also auch ein Stück weit eine Wette auf die eigene Zukunft.
Rot-Weiss Essen: Markus Babbel sieht klaren Vorteil
Trainer Uwe Koschinat weiß um die Tragweite dieser Relegation, auch ganz persönlich. Mit Arminia Bielefeld scheiterte er 2023 in der Relegation am SV Wehen Wiesbaden mit einem 1:6 in der Addition nach Hin- und Rückspiel - ein Debakel, das er am liebsten aus dem Gedächtnis streichen würde.
Nun hat er die Chance zur Wiedergutmachung, diesmal auf der anderen Seite der Ausgangslage. Und er gibt sich kämpferisch: "Ein Zweitligist muss nun an die Hafenstraße. Das wird sicher kein leichter Gang", sagte Koschinat nach dem Last-Minute-Einzug in die Relegation.
Für ran-Experte Markus Babbel sind die Fans ein entscheidender Vorteil für RWE: "Die Kulisse generell wird ihnen helfen, das ist natürlich ein klarer Pluspunkt für Rot-Weiss."
Der ehemalige Trainer von Hertha BSC kennt das Stadion aus seiner Zeit bestens. Die Berliner traten 2011 im DFB-Pokal gegen den damaligen Viertligisten an. "Hinter mir haben Fans gesessen von RWE und mich wirklich 90 Minuten lang auf eine höchst amüsante, ironische Art und Weise nicht beleidigt, sondern mich eher Hopps genommen und mich aufgezogen. Ich musste mich wirklich teilweise umdrehen und oft laut lachen, weil das so kreativ war", erinnert sich Babbel.
Und weiter: "Ich bin dann auch nach dem Spiel zu denen hin gegangen und habe mich wirklich bedankt, weil sie halt nicht die üblichen Beschimpfungen benutzt haben, sondern wirklich auf eine coole und lustige Art versucht haben, mich zu provozieren. Deswegen ist mir Rot-Weiss Essen sehr ans Herz gewachsen, weil die Fans überragend waren", so der ran-Experte weiter.
RWE vor Rückkehr: Die große Vergangenheit als Maßstab
Wenn der Aufstieg gelingt, schließt sich ein Kreis, der weit über die letzten zwanzig Jahre hinausreicht. Denn Rot-Weiss Essen war einmal eine der angesehensten Adressen im deutschen Fußball.
1953 gewann der Verein den DFB-Pokal, 1955 folgte die Deutsche Meisterschaft, errungen durch einen spektakulären 4:3-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern vor 76.000 Zuschauern in Hannover.
In jener Mannschaft spielte Helmut Rahn, der ein Jahr zuvor mit seinem legendären Tor im WM-Finale von Bern mit Deutschland Weltmeister geworden war und später im Dress der Rot-Weissen zu einem der besten Stürmer des Landes reifte. Auch Horst Hrubesch, einer der prägendsten deutschen Fußballer der 1980er Jahre, trug einst das rot-weiße Trikot an der Hafenstraße.
Diese Vergangenheit ist kein nostalgisches Relikt – sie ist der Maßstab, an dem sich der Verein selbst misst. Freitagabend hat RWE die Chance, ihr einen neuen Rahmen zu geben.
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