WM 2026
DFB-Team: Nostalgie statt Rationalität? Julian Nagelsmann sollte sich im Fall Manuel Neuer treu bleiben
Veröffentlicht:
von Justin Kraftran Fußball
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Manuel Neuer soll auf einer Liste stehen, die ihn in den erweiterten WM-Kader von Julian Nagelsmann befördert. Der wiederum könnte sich womöglich angreifbar machen. Eine knifflige Situation.
Eigentlich sollte die Situation klar sein. Manuel Neuer betont seit seinem Karriereende in der Nationalmannschaft nahezu mantraartig, dass er sich entschieden habe. Im September 2025 antwortete er auf die Frage, ob es "definitiv" dabei bleibe, mit einem simplen "Ja".
"Fakt ist, dass ich mich entschieden habe, nicht mehr für die Nationalmannschaft zu spielen", führte er zuvor aus. Julian Nagelsmann hingegen moderierte das Thema bisher stets mit offener Hintertür. "An der Situation mit Manuel hat sich nichts geändert", sagte er beispielsweise im April bei "MagentaTV": "Er ist zurückgetreten und hat in den letzten Spielen mehrfach darüber gesprochen, dass das weiterhin Bestand hat."
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DFB-Team: Manuel Neuer steht wohl auf vorläufiger Kaderliste für die WM 2026
Auf Nachfrage, was er davon halte, verwies er erneut auf die Entscheidung des Torwarts vom FC Bayern. Ähnlich war es Anfang März. "Ich habe mich klar geäußert zu der Thematik, Manu hat ebenfalls klar gesagt, wie seine Meinung dazu ist", sagte Nagelsmann damals dem "kicker": "Er war es auch, der zurückgetreten ist. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass er es sehr gut macht, dass er ein sehr guter Torwart ist, aber wir mit Oli Baumann auch einen herausragenden Torwart haben."
Zwischen den Zeilen bahnte sich hier vielleicht schon an, was jetzt spekuliert wird: Gibt es doch noch die Rolle rückwärts beim einstigen Welttorhüter? Laut dem "kicker" gibt es eine 55-köpfige Liste an deutschen Nationalspielern, die der DFB der FIFA melden musste. Aus diesen 55 Spielern ergeben sich dann der Kader und mögliche Nachrücker bei Verletzungen und Ausfällen. Mit auf dieser Liste: Neuer. Der "BR" bestätigt das mittlerweile.
Öffentlich einsehbar ist diese Liste nicht. Dafür aber bringt sie eine große Brisanz mit. Es ist eine Entscheidung, an der sich Nagelsmann womöglich sogar verheben könnte.
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Julian Nagelsmann würde mit Neuer für Unruhe sorgen
Denn eines muss ihm als Bundestrainer klar sein: Wenn er seinen Torwart so kurz vor der WM austauscht, dann ist das ein Manöver, das sehr gute Argumente benötigt, um in der Öffentlichkeit größtenteils akzeptiert zu werden. Bei der EM 2024 funktionierte das auf einer anderen Position sehr gut: Toni Kroos feierte sein Comeback und sollte dem DFB-Team helfen.
Der damalige Regisseur von Real Madrid war jedoch ein klares Upgrade für das Team und schloss mit seinen Fähigkeiten als Spielgestalter eine Lücke, die weit aufklaffte. Denn Joshua Kimmich spielte als bester Sechser auf der rechten Defensivbahn und andere Spieler hatten nicht das Niveau, das Kroos hatte. Es war ein Weltklasse-Upgrade.
Bei Neuer ist die Situation im Jahr 2026 aber etwas anders. Der 40-Jährige spielte insgesamt eine gute Saison für den FC Bayern mit Höhepunkten in Madrid und im Rückspiel gegen Paris Saint-Germain. Aber er patzte mitunter auch schwer. Ihm unterliefen plötzlich Stellungsfehler oder sogar Fehler im Spielaufbau. Das ging soweit, dass es zumindest unter Fans des FCB regelmäßig hitzige Debatten darüber gab, ob Jonas Urbig mittlerweile nicht der bessere Torhüter sei.
Kehrt Neuer nun ins DFB-Team zurück, würde jede einzelne Aktion nochmal mehr beäugt werden als bei Oliver Baumann. Patzt er auch nur halb so oft wie in den letzten vier Champions-League-Spielen, wird der öffentliche Druck enorm sein – vor allem jener auf Nagelsmann.
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DFB-Team: Die Thronfolger haben zu wenig überzeugt
Interessanterweise war es beim FC Bayern zuletzt die exakt gegenteilige Situation. Vincent Kompany hätte gewiss den einen oder anderen Grund dafür finden können, dass Urbig der leicht bessere Torwart für das Saisonfinale ist. Damit hätte er aber ein riesiges Fass aufgemacht.
Ein Fehler des 22-Jährigen und die Debatten wären kaum noch zu kontrollieren gewesen. Selbst wenn Kompany der Meinung sein sollte, dass Urbig mittlerweile stabiler ist, wäre die Unruhe durch einen Wechsel enorm gewesen. Beim DFB-Team ist die Situation natürlich nochmal etwas anders.
Denn hier ist es so, dass die Thronnachfolge nicht klar geregelt werden konnte. Neuer war über viele Jahre der König zwischen den Pfosten. Unantastbar. Dann trat er zurück und sein designierter Nachfolger Marc-André ter Stegen begann zu straucheln. Erst aus gesundheitlichen Gründen, später auch aus sportlichen. An seinem Thron wurde bereits gesägt, bevor er richtig draufsitzen konnte.
Bei allen anderen gibt es Fragezeichen. Baumann ist ein guter Torhüter und hat seine Chance bisher genutzt. Aber so wie alle anderen, die hinter ihm folgen, ist er nicht in der Weltklasse anzusiedeln. Und genau das löst die Debatten erst aus. Niemand würde bestreiten, dass Baumann eine solide bis gute Lösung ist. Aber er ist eben kein Neuer. Und genau das öffnet Spielraum für Diskussionen.
Auch Manuel Neuer ist keine Weltklasse mehr
Er ist zumindest nicht der Neuer, der bis vor einigen Jahren konstant der beste oder mindestens einer der besten Torhüter der Welt war. Genau hier liegt aber die Gefahr für Nagelsmann: Das ist auch Neuer nicht mehr. Seine Leistungen sind zu wechselhaft. In einem Spiel bekommt man Top-Leistungen von ihm, die sicherlich das überstrahlen, was Baumann leisten kann.
Im nächsten Spiel passieren ihm dann aber Fehler, die auf diesem Niveau nicht passieren dürfen. Exakt das unterscheidet seinen Fall auch vom Kroos-Comeback 2024. Im besten Fall wäre Neuer ein kleines Upgrade zu Baumann – und dieser beste Fall muss erstmal eintreten.
Im schlimmsten Fall scheidet Deutschland früh mit zwei, drei oder sogar mehr Patzern von Neuer aus. Für den Bayern-Keeper wäre die WM dann zu Ende und er würde vermutlich wieder zurücktreten. Nagelsmann hingegen muss dann weiter mit den Torhütern arbeiten, denen er zuvor die Perspektive auf die WM 2026 gegeben hatte.
Er hätte massiv an Glaubwürdigkeit verloren. All die Unruhe und all die Arbeit beim Zurückrudern, um letztlich auf das beste Szenario zu hoffen, in dem Neuer ein kleines Upgrade zu Baumann darstellt? Eigentlich muss Nagelsmann schon jetzt klar sein, dass das den Aufwand nicht wert sein kann.
Und bisher soll Neuer ja auch nur auf einer Liste stehen. Das muss noch nichts bedeuten. Nur wäre es nicht das erste Mal, dass im Fußball Romantik und Nostalgie über Vernunft siegen. Nagelsmann wäre gut beraten, das zu tun, was ihn als Fußballtrainer schon immer ausgezeichnet hat: Rational entscheiden. Baustellen hat er im Kader genug – warum also eine weitere aufmachen, die es zuletzt nicht wirklich gab? Eigentlich, ja eigentlich sollte die Situation klar sein.
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