WM
Julian Nagelsmann und das Thema Manuel Neuer: Bei dieser schlechten Kommunikation bleiben nur Verlierer - ein Kommentar
Aktualisiert:
von Chris Lugertran Fußball Bundesliga
FC Bayern - Dreesen schwärmt von Neuer: "Beste deutsche Torwart"
Videoclip • 07:02 Min
Statt Klartext liefert Bundestrainer Julian Nagelsmann bei seinem Auftritt im "ZDF-Sportstudio" nur Ausweichmanöver. Die Torhüter-Thematik räumt er nicht ab, obwohl er eigentlich wenig Raum für Spekulationen lässt. Diese Kommunikation war einfach schlecht. Ein Kommentar.
Für Fans und Medien ist es immer von gesteigertem Interesse, wenn der Bundestrainer spricht. Man erhofft sich Antworten auf drängende Fragen oder Stellungnahmen zu Personalien. So gespannt wie an diesem Samstag wurde aber wohl schon lange nicht mehr auf einen Auftritt von Julian Nagelsmann geblickt.
Wenige Stunden zuvor hatten sich die Berichte über ein bevorstehendes Comeback von Manuel Neuer überschlagen. Der Bayern-Torwart wischte alle Nachfragen elegant zur Seite, während ein sichtlich irritierter Oliver Baumann einige hundert Kilometer entfernt in Mönchengladbach fast schon verzweifelt seinen Status als Nummer eins für die WM zu retten versuchte.
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Dass sich Nagelsmann just an diesem Samstagabend für das "ZDF-Sportstudio" angekündigt hatte, weckte bei Beobachtern die Hoffnung, der Bundestrainer würde diese für alle Beteiligten schwierige Situation mit einem klaren Statement auflösen und Farbe bekennen. Doch weit gefehlt.
Nagelsmann bekam viel Sendezeit und unzählige Nachfragen von Moderator Jochen Breyer, doch der DFB-Coach schwieg oder kramte in Floskeln. "Ich bin bis zum heutigen Tag sehr fein mit meiner Kommunikation mit den Spielern. Deswegen gehen alle Infos erst mal an die Spieler", sagte er - und ließ Fußball-Deutschland, passend zum Wetter der vergangenen Tage, im Regen stehen.
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Oliver Baumann verdient mehr Respekt
Keine Aussage, ob Neuer im Kader stehen wird. Stattdessen versuchte er es humoristisch. Auf Nachfrage, ob der Weltmeister-Keeper von 2014 denn zumindest auf der 55er-Liste steht, die der DFB an die FIFA melden musste, entgegnete Nagelsmann, er selbst habe die Liste gar nicht gesehen. Was natürlich Unfug ist, aber für Gelächter im Studio sorgte.
Humor, der den Auftritt scheinbar auflockern sollte. Doch inhaltlich tat sich Nagelsmann keinen Gefallen. Dass er - im Gegensatz zu vielen Aussagen zuvor - eine Nominierung Neuers nicht mehr ausschloss, lässt ohnehin kaum Raum für Spekulationen. Der 40-Jährige wird dabei sein, wenn seine Verletzung nicht gravierend ist.
Es mag Nagelsmann auf den ersten Blick ehren, wenn er Baumann diese Botschaft im persönlichen Gespräch und nicht öffentlich vor Millionen TV-Zuschauern übermitteln will. Doch was hätte den Bundestrainer daran gehindert, den Hoffenheimer Torhüter schon vor Tagen ins Boot zu holen? Und wenn es nur darum geht, dass ein Neuer-Comeback überhaupt erwogen wird.
Mehrfach sprach Nagelsmann bei seinem Auftritt von "62 Telefonaten", die er bis zur Bekanntgabe des WM-Kaders am Donnerstag führen wolle. Doch die Frage nach der Nummer eins im Tor ist nicht gleichzusetzen mit der nach Innenverteidiger Nummer fünf. Hier verdienen die Beteiligten frühzeitig Klarheit.
Es gebietet der Respekt vor einem Oliver Baumann, der in der WM-Qualifikation schadlos seinen Dienst verrichtet hat, dass die Kommunikation anders erfolgt. Zumal es sportliche Gründe geben mag, die für Neuer sprechen. Doch dieses Rumgeeiere kennt keine Gewinner.
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Nagelsmann bekommt ein Glaubwürdigkeitsproblem
Baumann muss plötzlich erkennen, dass seine monatelangen Hoffnungen, als Stammtorwart eine WM zu erleben, zerplatzen dürften. Obwohl er diese Zusage in den viel zitierten Rollengesprächen mit dem Bundestrainer erhalten hat. Damit hat Nagelsmann den Hoffenheimer psychisch und sportlich schwer beschädigt.
Und der Bundestrainer selbst bekommt ein Glaubwürdigkeitsproblem. Welche anderen Zusagen gegenüber Spielern, die er in seinen Rollengesprächen geführt hat, sind überhaupt noch etwas wert?
Und warum hat er sich am Samstagabend überhaupt ins Mainzer Studio gesetzt, wenn er doch nichts sagen wollte? Es wäre genauso möglich gewesen, sich nach der erfolgten Nominierung in der kommenden Woche den Fragen und Antworten zu stellen. So aber ließ er alle Zuschauer und die Spieler unverrichteter Dinge zurück.
Ein kommunikatives Armutszeugnis, das seinem Image nicht unbedingt zuträglich war. Sein Auftritt war durchaus sympathisch, aber inhaltlich schlicht schwach. Ausweichmanöver statt Klartext. Das hilft in der aktuellen Situation niemandem. Weder Nagelsmann noch seinen Torhütern noch den Fans.
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