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WM-Härtetest in Basel: Nagelsmann deckt die Karten auf
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von SIDran Fußball
DFB - Kai Havertz: "Ich bin ein Esel-Fan!"
Videoclip • 01:14 Min
Jetzt gilt's! Bundestrainer Julian Nagelsmann muss sich bekennen, seine Startelf für die Schweiz wird zur WM-Vorschau.
Julian Nagelsmann wird es anders machen als der große "Täuscher". Sepp Herberger gab in Basel 1954 den Geheimniskrämer, gegen die übermächtigen Ungarn ließ er in der Vorrunde seine B-Elf ran - zwei Wochen später wurde Deutschland gegen den geblendeten Topfavoriten erstmals Weltmeister.
Nagelsmann dagegen wird seine WM-Karten auf dem Weg zum fünften Stern schon im St. Jakob-Park aufdecken - auf bis zu neun Positionen.
"Experimentieren", betonte der Bundestrainer vor dem ersten Härtetest beim WM-Teilnehmer, "werden wir nichts mehr!" Sein Motto laute: "Einspielen". Heißt: So wie sein März-Kader mit dem Aufgebot für den "American Dream" schon "artverwandt" ist, so wird die Elf am Freitag (ab 20:45 Uhr im Liveticker) schon derjenigen ähneln, die am 14. Juni in Houston gegen Neuling Curaçao auf die "Route 26" geht.
Rüdiger in der Herausforderer-Rolle
Im Tor steht Oliver Baumann, Joshua Kimmich bleibt trotz aktueller Sechser-Probleme Rechtsverteidiger. "Ich erwarte", sagte der Kapitän, "dass sich jeder dem großen Ganzen mit 100 Prozent hingibt und sich reinwirft." Schon jetzt - und erst recht im Turniersommer. Das neue deutsche Wir-Gefühl, betonte Kimmich, solle dann wettmachen, dass der viermalige Weltmeister laut Nagelsmann eben "nicht den besten Kader der Welt" hat.
Vorhanden sind, das immerhin: Drei erstklassige Innenverteidiger, der einstige Abwehrchef Antonio Rüdiger ist dabei nur noch in der Herausforderer-Rolle. In Basel, und damit wohl auch bei der WM, werden Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck starten, stellte der Bundestrainer klar. Rüdiger habe versichert, dass er auch von der Bank aus "alles gibt". Links spielt David Raum. In der Abwehr, sagte Nagelsmann, "brauchen wir ein gutes Gefühl und Stabilität".
Davor fehlen ihm derzeit in Aleksandar Pavlovic und Jamal Musiala zwei Stammspieler und Mitglieder des mächtigen Bayern-Blocks, auch Neuling Jonas Urbig fällt kurzfristig aus, er wurde durch Finn Dahmen ersetzt. Dabei sollen die Münchner, zu denen jetzt auch Jung-Dribbler Lennart Karl zählt, doch "Gier" und das "Selbstverständnis für Siege" in die Mannschaft tragen.
Pavlovics "Klon" auf der Sechs neben dem offensiven Leon Goretzka soll Angelo Stiller sein. Der nachnominierte Stuttgarter ist einer jener Spieler, die sich noch für eine WM-Nominierung empfehlen müssen. Musialas Part in der Offensive neben Florian Wirtz und voraussichtlich Nick Woltemade fällt Serge Gnabry zu, im Verlauf darf Karl auf sein Debüt hoffen.
Die voraussichtliche Aufstellung von Deutschland: Baumann/TSG Hoffenheim (35 Jahre/10 Länderspiele) - Kimmich/Bayern München (31/106), Tah/Bayern München (30/43), Schlotterbeck/Borussia Dortmund (26/23), Raum/RB Leipzig (27/34) - Goretzka/Bayern München (31/67), Stiller/VfB Stuttgart (24/5) - Gnabry/Bayern München (30/57), Woltemade/Necastle United (24/8), Wirtz/FC Liverpool (22/37) - Havertz/FC Arsenal (26/55). - Trainer: Julian Nagelsmann
Nagelsmann schwärmt von Jungstar Karl
Der 18-Jährige habe "sehr auffällig trainiert", schwärmte Nagelsmann, "ich bin sehr positiv angetan gewesen und hatte null den Eindruck, dass ihm der Hype zu Kopf steigt". Bliebe die Neuner-Position - und auch da legte sich Nagelsmann schon am Vorabend fest: auf Rückkehrer Kai Havertz. "Er ist ein extrem guter Spieler, der uns guttun wird auf der Position."
Insgesamt will der Boss eine neue "Variabilität" sehen, einen Mix der Systeme, der "super einfach gehalten" sei. Seinen Plan, taktisch wie personell, hat er sich über Monate zurechtgelegt. "Das Schlimmste, was passieren kann", sagte er, sei eine Pleite und die Erkenntnis: Alles war "für die Katz". Stattdessen soll wie im März des Aufbruchs vor der Heim-EM 2024 ein "Glaube" entstehen, der bis zum Titel trägt.
Aber da ist ja noch: der Gegner. Was er mit der Schweiz verbinde? "Skifahren, Schnee, Berge", sagte Kimmich, und, klar: "Fußball". Die Elf um Vorkämpfer Granit Xhaka, prophezeite Nagelsmann, werde "uns alles abverlangen".
Wie Ungarn 1954. Herberger erhielt nach dem 3:8 von Basel Hass-Briefe. Er möge sich am nächsten Baum aufhängen, hieß es da. Nagelsmann hat für ähnliche Attacken, die heute übers Netz kommen, vorgebaut. Falls es schiefgehe mit seiner Fast-schon-WM-Elf, "geht es danach trotzdem weiter". Am Montag gegen Ghana.



