WM 2026
WM 2026 - Die harten Anfänge von Shootingstar Deniz Undav: 100 Euro zum Leben, 17-Stunden-Tage und 40 Minuten zu Fuß zur Arbeit
Aktualisiert:
von Martin Volkmarran Fußball
WM-Highlights: Undavs Gala beschert DFB-Team den Sieg
Videoclip • 01:54 Min
Deniz Undav steht bei der WM auf dem vorläufigen Höhepunkt. Sein Weg dahin war allerdings äußerst steinig, mehrfach musste der Torjäger heftige Rückschläge hinnehmen.
Deniz Undav ist Deutschlands neuer Liebling.
Mit seinen drei Treffern in den ersten zwei WM-Spielen hat sich der Stürmer des VfB Stuttgart in einen weitaus größeren Fokus der Öffentlichkeit als bisher gespielt.
Nach seinem Doppelpack nach der Einwechslung gegen die Elfenbeinküste wird der 29-Jährige aller Voraussicht nach im letzten Vorrundenspiel gegen Ecuador (Do., 22 Uhr im ran-Liveticker und auf Joyn) mit einem Platz in der Startelf belohnt.
Dabei sprach lange Zeit wenig für Undavs Karriereweg, denn vor einigen Jahren wollte er eigentlich seine ins Stocken geratene Laufbahn beenden.
Diese und andere interessante Details seines alles andere als stromlinienförmig verlaufenen Lebens verriet der Deutsch-Türke ran bereits Ende 2024 in einem ausführlichen Interview.
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Deniz Undavs Anfänge: Zu klein und zu dick für Werder Bremen
Der im ostfriesischen Varel geborene Undav wechselte mit elf Jahren in die Jugend von Werder Bremen, wurde dort aber mit 16 aussortiert, weil angeblich "zu klein und zu dick" war.
Entsprechend groß sei die Genugtuung für ihn, erklärte er bei ran:
"Bei Werder hat es keiner von denen geschafft, die damals angeblich so viel besser waren. Dass ich es dagegen über viele Umwege geschafft habe, ist einfach ein überragendes Gefühl. Wobei es im Leben immer mal so ist, dass du auf die Schnauze fällst. Das Negative, das ich erlebt habe, hat mich dann später zu dem Spieler gemacht, der ich gerade bin. Das Sprichwort "Wenn man fünfmal hinfällt, muss man sechsmal aufstehen" stimmt wirklich." (…)
"Damals war das ein Tiefpunkt für mich, weil ich sehr, sehr jung war. Ich hatte das vorher nie erlebt, dass man nicht spielt, obwohl man besser ist als andere, und nicht mehr weiterkommt."
Deniz Undav: Vater und Onkel hielten ihn vom frühzeitigen Karriereende ab
Undav wechselte zum Bremer Vorort-Verein SC Weyhe, wo er bei den A- und B-Junioren Tore wie am Fließband erzielte. Trotzdem meldete sich kein höherklassiger Klub bei ihm, so dass er mit 17 Jahren eigentlich mit dem Fußball aufhören wollte:
"Ich war immer noch ein super Spieler, aber ich wollte einfach nicht mehr. Ich habe mir gesagt: Ach, das wird eh nichts, es macht keinen Sinn. Denn ich hatte immer viele Tore gemacht und nie die Chance bekommen."
Allerdings erhielt er aus der Familie massiven Gegenwind, der ihn zum Umdenken bewegte, erinnerte er sich:
"Umso schöner, dass ich auch dank der klaren Ansagen von meinem Vater und meinem Onkel weitergemacht und es trotzdem geschafft habe. Hätte ich da aufgehört, dann weiß ich nicht, wo ich jetzt wäre, keine Ahnung. Wahrscheinlich hätte ich irgendwo in einer Firma gearbeitet, mein Leben so weitergelebt und wäre trotzdem glücklich geworden."
Deniz Undav: Wochenlang Toast mit Kraut – "viele schwere Momente"
Zur Saison 2014/15 wechselte Undav zum TSV Havelse, wo er wenige Monate nach dem WM-Triumph seines jetzigen DFB-Teamkollegen Manuel Neuer in der viertklassigen Regionalliga Nord sein Debüt bei den Senioren gab.
Geld verdiente er als Schüler aber kaum zu dieser Anfangszeit, so dass er sich laut eigener Aussage teilweise wochenlang von Toast mit Krautsalat ernährte:
"Da hatte ich immer nur so 100 Euro die Woche zum Leben, das waren viele schwere Momente. Deswegen wollte ich auch die Ausbildung machen."
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Deniz Undav: Ausbildung zum Maschinenführer mit 17-Stunden-Tag
2015 begann Undav eine Ausbildung zum Maschinenführer und etablierte sich trotz der extrem stressigen Doppelbelastung als Torjäger in Havelse.
"Ich musste jeden Tag um vier Uhr aufstehen und bin dann mit dem Bus zu einer Haltestelle gefahren, von der ich nochmal 40 Minuten zu Fuß zur Arbeit gehen musste – und das jeden Tag. Und dann bin ich nach der Arbeit wieder 40 Minuten zu Fuß zur Bushaltestelle zurück und von dort direkt zum Training gefahren. Danach habe ich mir einen Döner geholt oder was anderes schnelles und war dann um 21 Uhr zu Hause und eine Stunde später bin ich schlafen gegangen. Das habe ich zwei Jahre durchgezogen." (…)
"Viele Leute, die auf der gleichen Arbeit waren, sind jeden Tag an mir vorbeigefahren und mich hat nie einer mitgenommen. Vor allem im Winter habe ich gedacht: Halt doch einfach einer mal an. Aber es hat keiner gemacht. Ich habe immer gedacht: Wie kann man so sein?"
Trotzdem war er ab der zweiten Saison in Havelse Stammspieler, in der er 32 Treffer erzielte und 14 Assists verbuchte.
Deniz Undav: Durchbruch in Meppen
Undavs erste große Chance beim damaligen Zweiligisten Eintracht Braunschweig schlug fehl – weil der 21-Jährige mehrere Monate verletzt ausfiel und der Traditionsverein 2017/18 auch noch abstieg.
Auch die Braunschweiger U23, für die Undav immerhin neun Tore schoss, stieg in die Oberliga ab – und der Stürmer wechselte erneut: Diesmal ging es zum Drittligisten SV Meppen.
Nach anfänglichen Problemen schaffte er im zweiten Jahr mit 30 Scorerpunkten den Durchbruch und wechselte schließlich 2020 in die belgische 2. Liga zu Union St. Gilloise.
Mit dem Klub aus der Region Brüssel stieg er zunächst auf, wurde dann in der Jupiler Pro League Vizemeister und ging zur Saison 2022/23 zu Brighton & Hove Albion.
Nach einem ordentlichen Jahr in der Premier League kam er schließlich zum VfB Stuttgart, wo kürzlich der Vertrag mit dem Publikumsliebling vorzeitig bis 2029 verlängert wurde.
Mit den rund 5,5 Millionen Euro Jahresgehalt könnte sich der neue Topverdiener nun, wie die "Süddeutsche Zeitung" ausrechnete, "mehrere Tonnen Toastbrot inklusive Krautsalat leisten".
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