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WM 2026: So sollte Bundestrainer Julian Nagelsmann auf die Spitzen von Jürgen Klopp und den Druck reagieren - das sagt der Experte

Veröffentlicht:

von Martin Volkmar

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WM 2026: Neuer über Titelchancen! "Würde sonst nicht hier sitzen.."

Videoclip • 02:27 Min


Mentaltrainer Michael Draksal erklärt bei ran, wie das DFB-Team und allen voran Julian Nagelsmann über die gesamte WM-Endrunde psychisch in Topform bleiben und am besten mit dem Druck umgehen.

Alle zwei Jahre bei einer Welt- oder Europameisterschaft interessiert sich plötzlich gefühlt ganz Deutschland für die deutsche Nationalmannschaft.

Entsprechend deutlich größer als im Alltag sind Erwartungshaltung an und Druck auf die DFB-Auswahl.

Wie hoch die Wellen schlagen können, zeigten vor dem WM-Auftakt die Diskussionen um Jürgen Klopps Äußerung, Julian Nagelsmann sei "noch" Bundestrainer.

Wie reagiert man am besten auf solche Spitzen, und was können Trainer und Spieler generell tun, um fokussiert zu bleiben und gleichzeitig nicht nur körperlich, sondern auch mental über mehrere Wochen in bester Verfassung zu bleiben?

ran sprach darüber mit Michael Draksal, Sportwissenschaftler und Präsident der Deutschen Mentaltrainer-Akademie. Der 51-Jährige arbeitete bereits mit dem viermaligen Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel zusammen und betreut auch verschiedene Bundesligaspieler.

WM 2026: Wie bleibt eine Mannschaft fokussiert?

ran: Nach einem Kantersieg wie gegen Curacao steigen die Erwartungen in Deutschland. Wie gelingt es einer Mannschaft, fokussiert zu bleiben?

Michael Draksal: Ein überzeugender Auftaktsieg bei einem Turnier ist zweifellos ein starkes Signal und stärkt das Selbstvertrauen. Doch genau hier lauert oft die größte mentale Falle: die Erwartungsfalle. Der erste Erfolg kann unbewusst zu einer Verschiebung der mentalen Einstellung führen. Statt der ursprünglichen Konzentration auf den Prozess und die eigene Leistung rückt nun das Ergebnis – der nächste Sieg, der Gruppensieg – in den Vordergrund. Dies kann zu einer subtilen Überheblichkeit oder einem Nachlassen der Anspannung führen, was im Leistungssport fatal sein kann.

ran: Was kann man dagegen tun?

Draksal: Es gibt mehrere Maßnahmen: Nicht nur die positiven Aspekte hervorheben, sondern auch Bereiche identifizieren, in denen noch Verbesserungspotenzial besteht. Es geht darum, die Lernkurve hochzuhalten und nicht in Selbstzufriedenheit zu verfallen. Zudem muss jedes Spiel als neue Herausforderung betrachtet werden. Spieler und Trainer benötigen individuelle und kollektive Routinen, um den "Reset-Knopf" zu drücken. Die Vergangenheit ist abgehakt, der nächste Schritt zählt. Eine klare, positive Visualisierung des gewünschten Spielverlaufs und der eigenen Rolle darin hilft, die Konzentration aufrechtzuerhalten und die notwendige mentale Energie zu mobilisieren.

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"Bewusst von externem Rauschen abgrenzen"

ran: Trotz des Auftaktsieges steht Julian Nagelsmann unter ständiger Beobachtung. Wie schafft es ein Trainer, unter permanentem öffentlichem Druck klare Entscheidungen zu treffen?

Draksal: Die jüngste "Noch"-Aussage von Jürgen Klopp und die Diskussionen danach haben eindrucksvoll die extremen Anforderungen an Führungspersönlichkeiten im Spitzensport gezeigt. Klare Entscheidungen zu treffen, wenn das Echo der Öffentlichkeit allgegenwärtig ist, erfordert eine außergewöhnliche mentale Stärke und spezifische Strategien.

ran: Was empfehlen Sie?

Draksal: Ein Trainer muss lernen, sich bewusst von externem Rauschen abzugrenzen. Das bedeutet nicht, Kritik komplett zu ignorieren, sondern sie zu filtern und nur relevante Informationen zuzulassen. Eine Strategie kann sein, bestimmte Medienkanäle zu meiden oder sich auf einen engen Kreis vertrauenswürdiger Berater zu verlassen. Die innere Ruhe wird bewahrt, indem man nicht jede Schlagzeile oder Expertenmeinung an sich heranlässt.

ran: Was hilft noch?

Draksal: Unter Druck neigen Menschen dazu, an ihren Entscheidungen zu zweifeln. Ein Trainer muss sich seiner eigenen Expertise, seiner Philosophie und seiner Werte absolut sicher sein. Diese innere Kompassnadel gibt Orientierung und Stabilität. Zudem sollten Entscheidungen immer das Ergebnis eines strukturierten Prozesses sein, der Datenanalyse, Erfahrungswerte und Intuition miteinander verbindet. Dieser Prozess muss auch unter Druck beibehalten werden. Das Team um den Trainer herum spielt hier eine wichtige Rolle, um die Entscheidungsfindung zu unterstützen.

Nicht die Belastung macht müde, sondern fehlende Erholung.

Michael Draksal

WM 2026: Mentaltraining kann helfen

ran: Der Druck bleibt aber trotzdem. Wie geht man am besten damit um?

Draksal: Das ist eine Frage der mentalen Resilienz. Ein Trainer muss in der Lage sein, Rückschläge und Kritik wegzustecken, daraus zu lernen und gestärkt hervorzugehen. Das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, auch schwierige Situationen zu meistern, ist hierbei fundamental. Mentaltraining kann dabei helfen. Wichtig ist darüber hinaus eine klare Kommunikation nach innen und außen. Es geht darum, die Deutungshoheit über die eigenen Entscheidungen zu behalten.

ran: Hat man deshalb den Eindruck, dass bei einem solchen Turnier oft nicht die körperliche Fitness über den Erfolg entscheidet, sondern die Fähigkeit, mental abzuschalten?

Draksal: Nicht die Belastung macht müde, sondern fehlende Erholung. Das trifft den Nagel auf den Kopf, insbesondere im Kontext eines intensiven Turniers wie einer Weltmeisterschaft. Während körperliche Fitness und Taktik die Basis bilden, ist die mentale Regeneration oft der entscheidende Faktor, der über Sieg oder Niederlage entscheidet. Die Gründe dafür sind vielfältig.

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"Fähigkeit, mental abzuschalten, ist eine Superkraft"

ran: Welche können das sein?

Draksal: Ein WM-Spiel ist nicht nur körperlich, sondern auch extrem kognitiv fordernd. Ständige Entscheidungsfindung unter Zeitdruck, taktische Anpassungen, die Verarbeitung von Emotionen und die permanente Aufmerksamkeit auf das Spielgeschehen führen zu einer erheblichen mentalen Belastung. Die Achterbahn der Gefühle bei einem Turnier zehrt zudem enorm an den emotionalen Ressourcen. Der menschliche Geist benötigt Phasen der bewussten Entspannung, um leistungsfähig zu bleiben. Wer permanent unter Strom steht, verliert an mentaler Frische und Kreativität. Die Fähigkeit, mental abzuschalten, ist keine Schwäche, sondern eine Superkraft.

ran: Was empfehlen Sie als Gegenmaßnahmen?

Draksal: Effektive mentale Regeneration umfasst mehr als nur Schlaf. Dazu gehören Achtsamkeitsübungen und Meditation, soziale Interaktion abseits des Fußballs wie der Austausch mit Familie und Freunden und auch das bewusste Ausüben von Aktivitäten, die nichts mit Fußball zu tun haben. Darüber hinaus empfehle ich gezielte Entspannungstechniken und auch die Hilfe eines Mentaltrainers.

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