Handball
Silvio Heinevetter exklusiv zum Start der Handball Bundesliga: "Magdeburg ist das Maß aller Dinge"
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von Martin Jahnsran Handball
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Videoclip • 09:14 Min
Die stärkste Handball-Liga der Welt startet in ihre neue Saison – und für Silvio Heinevetter beginnt bereits die 22. Spielzeit in der HBL. Im exklusiven ran-Interview spricht der frühere Nationaltorhüter und aktuelle Eisenacher über den Titelkampf rund um Meister SC Magdeburg, die besondere Qualität der Bundesliga und, weshalb das für die anstehende Heim-WM Fluch und Segen zugleich sein kann.
Das Interview führte Martin Jahns
Silvio Heinevetter zählt zu den prägendsten deutschen Torhütern der vergangenen zwei Jahrzehnte. Der 41-Jährige stand unter anderem für die Füchse Berlin, den SC Magdeburg und den ThSV Eisenach zwischen den Pfosten, gewann mit Berlin die EHF Champions League und wurde deutscher Meister.
Für die deutsche Nationalmannschaft absolvierte Heinevetter mehr als 200 Länderspiele und nahm an mehreren Welt- und Europameisterschaften sowie Olympischen Spielen teil.
Als ran Handball Experte begleitet er die Länderspiele im Free-TV für ProSieben, Joyn und ran. Im exklusiven Interview blickt er auf die neue HBL-Saison und das bevorstehende Highlight - die Handball-WM 2027 vom 13. bis 31. Januar in Deutschland.
Silvio Heinevetter: "Die Liga ist unfassbar stark geworden"
ran: Sie gehen in Ihre 22. Bundesliga-Saison. Kribbelt es schon oder sind Sie zu erfahren für Lampenfieber?
Silvio Heinevetter: Es kribbelt insofern, dass eine neue Runde ansteht. Aber wenn man in der Vorbereitung gut trainiert hat und weiß, dass alles gut klappt, dann hat man wenig Lampenfieber. Die Saison ist jung, hat noch nicht angefangen – von daher weiß man auch nie genau, wo man steht. Allerdings bin ich gerade verletzt. Von daher muss das Kribbeln noch ein bisschen länger bleiben.
ran: Sie kennen die HBL wie kein Zweiter. Wie hat sich die Liga in Ihren Augen seit Ihrem Debüt 2005 in all der Zeit entwickelt?
Heinevetter: Das ist natürlich ein Quantensprung. Gefühlt verändert sich der Handball alle paar Jahre ein bisschen. Aber wenn man ehrlich ist: Der Handball ist schneller, athletischer, unausrechenbarer und natürlich professioneller geworden. Das liegt auch in der Natur der Sache. In vielen Sportarten wird früher und besser trainiert, und dementsprechend kann man wahrscheinlich auch länger spielen. Die Liga ist unfassbar stark geworden, noch stärker als früher. Man sieht, dass alle ausländischen Starspieler in Deutschland noch einmal ihre Chance suchen. Das ist eigentlich das Beste, was es für eine Liga geben kann.
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Silvio Heinevetter: Abstand zu anderen Ligen "riesig"
ran: Die HBL gilt schon länger als stärkste Liga der Welt. Wenn man jetzt sieht, dass fast das komplette Allstar-Team der letzten EM in der Bundesliga spielt, während sich in der Champions League der FC Barcelona und zuletzt Magdeburg als Sieger abgewechselt haben: Ist der Slogan heute passender denn je?
Heinevetter: Der Abstand zu den anderen Ligen im Ausland ist auf jeden Fall riesig – gerade, was die Breite angeht. Barcelona hat in seiner heimischen Liga eigentlich keinen wirklichen Gegner. Die konzentrieren sich vor allem auf die Champions League. Das ist eine andere Herangehensweise.
In der Bundesliga musst du an jedem Spieltag ans Maximum kommen. Sonst verlierst du auswärts beim Aufsteiger. Wenn du dein Spiel nicht auf die Platte bekommst und mit fünf Prozent weniger Einsatz und Leidenschaft an die Sache herangehst, hast du wahrscheinlich keine Chance oder wirst verlieren. Das zeichnet die Liga aus: Sie ist nicht nur in der Spitze unglaublich stark, sondern gerade auch in der Breite. Entsprechend groß ist aber auch der Abstand zur zweiten Liga. Weniger Aufsteiger schaffen es, sich im ersten Jahr in der Bundesliga zu etablieren.
Magdeburg Top-Favorit - Kiel mit Potenzial
ran: Entsprechend optimistisch sind Sie wahrscheinlich, was den Klassenerhalt mit Ihrem Team, dem ThSV Eisenach, angeht?
Heinevetter: Sehr optimistisch. Du solltest erst einmal die Spiele gegen die direkten Konkurrenten gewinnen. Klar, du kannst die Ziele hochstecken, aber das große Ziel ist zunächst der Klassenerhalt. Je früher du den sicher machst, umso besser. Danach geht es um die Platzierung.
ran: Zum Titelkampf: Ist gegen Meister Magdeburg in dieser Saison ein Kraut gewachsen?
Heinevetter: Die anderen Mannschaften haben auch nicht geschlafen. Wenn man Kiel nach der, das muss man ehrlich sagen, absolut verkorksten letzten Saison betrachtet: Sie haben einen kompletten Umbruch gemacht und können auf jeden Fall wieder ganz nach vorne kommen. Aber wenn man ehrlich ist, ist Magdeburg das Maß aller Dinge.
ran: Wie stark sehen Sie Ihr Ex-Team Füchse Berlin und die SG Flensburg-Handewitt?
Heinevetter: Ich denke, das werden die vier Mannschaften sein, die vorne mitmischen: Magdeburg, Kiel, Flensburg und Berlin. Auf Berlin bin ich extrem gespannt, gerade weil die jungen Spieler noch mehr Verantwortung bekommen. Das ist für den deutschen Handball unglaublich gut. Es wird spannend zu sehen sein: Kann Mathias Gidsel noch einmal so eine Saison spielen? Jeder, der Handball spielt, denkt sich: Das kann er nicht noch ein Jahr so schaffen. Aber irgendwie schafft er es immer wieder. Das ist das Außergewöhnliche.
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Weltstars als Hürde für Talente
ran: Bei der EM 2026 war Gidsel MVP. Inwiefern profitiert auch die deutsche Nationalmannschaft von der Stärke der Bundesliga? Die Spieler messen sich schließlich jede Woche mit den Größen des Welthandballs.
Heinevetter: Das ist richtig. Du bist auf jeden Fall im Wettkampfmodus und weißt, dass du innerhalb von drei, vier Tagen immer wieder Topleistung bringen musst. Das ist aber auch nichts Neues. Das haben die ausländischen Spieler, die in Deutschland spielen, genauso.
Am Ende ist die Nationalmannschaft eigentlich das Zugpferd, um viele Leute zum Bundesliga-Handball zu bekommen. Andersherum ist es schwieriger einzuordnen, weil die Bundesliga für junge deutsche Spieler auch schwieriger zu bespielen ist. Der Schritt aus der zweiten Bundesliga oder aus Jugendmannschaften in die Bundesliga ist relativ schwer. Da fallen viele Spieler durchs Raster, die der Nationalmannschaft potenziell irgendwann helfen könnten. Das ist immer ein zweischneidiges Schwert. Aber eine starke Nationalmannschaft tut der Bundesliga extrem gut.
Handball-WM 2027: "Das werden richtige Festspiele für den Handball"
ran: Im Januar steht mit der Handball-WM in Deutschland ein absolutes Highlight auf dem Programm. Sehen Sie das DHB-Team stark genug, um diesmal vielleicht auch die Dominanz der Dänen brechen zu können?
Heinevetter: Das große Ziel ist natürlich, näher an die Dänen ranzukommen. Dass die Dänen von ihrer Mannschaft, ihrer Erfahrung und der Qualität im Kader die absolute Ausnahme-Mannschaft sind, steht außer Frage. Sie werden im nächsten Jahr wahrscheinlich wieder der große Goldkandidat und Favorit auf den Titel sein.
Aber wir haben es in den vergangenen Jahren geschafft, immer näher heranzurutschen. Das sollte unser Ziel sein. Du hast aber auch noch andere ganz starke Nationen: Die Franzosen sind mit einem neuen Trainer immer brandgefährlich, die Schweden darf man nie außer Acht lassen. Es gibt fünf, sechs, sieben Mannschaften. Aber ich glaube, dass mit der Mannschaft und vor allem mit der Altersstruktur in der Mannschaft in Zukunft vieles möglich ist.
Ob es für die Dänen reicht, muss man an einem Tag zeigen. Das ist dann auch ein bisschen Lotterie. Grundsätzlich hat die Mannschaft aber unglaubliches Potenzial.
ran: Was erwarten Sie sich stimmungsmäßig in den Hallen von den Partien? Das deutsche Team spielt unter anderem im sonst nicht gerade als Handball-Hochburg bekannten München.
Heinevetter: Ich freue mich auch darauf, Handball in München zu sehen. Es gab vor geraumer Zeit schon ab und zu Nationalmannschaftsspiele in München. Aber ich glaube, von der Stimmung her wird das einmalig. Das werden richtige Festspiele für den Handball. Wenn man das in die breite Masse transportiert, können viele Kinder und Fans auch zum Handball überschwenken.
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