Exklusiv-Interview
DTM 2026 - Lucas Auer: Titel als Muss? "Nicht das Gefühl, dass mich das belastet"
Aktualisiert:
von Andreas Reinersran racing DTM
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Videoclip • 02:26 Min
Lucas Auer geht mal wieder als Titelfavorit in die neue DTM-Saison (live auf ProSieben und kostenlos streamen auf Joyn). Im ran-Interview erzählt er, auf was es im Titelkampf ankommt, warum es für den großen Wurf noch nicht reichte und wie zufrieden er mit seiner Karriere ist.
Das Interview führte Andreas Reiners
Lucas Auer ist mit sich im Reinen. Komplett. Auch wenn es nur vier Punkte waren. Vier mickrige Zähler, die 2025 zu seinem ersten DTM-Titel fehlten. Es war nicht das erste Mal, dass er knapp an der Krönung vorbeischrammte.
Keine Frage ist es, dass er auch in der DTM-Saison 2026 (live auf ProSieben und kostenlos streamen auf Joyn) zum Kreis der Favoriten gehört und die erste Meisterschaft natürlich auch in Angriff nimmt.,
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Er definiert seine Karriere aber nicht darüber.
"Ich bin total im Reinen mit meiner DTM-Zeit bisher, und sie ist ja noch nicht vorbei. Außerdem fahre ich mittlerweile viele andere Serien, in denen ich auch schon Titel gewonnen und schöne Erfolge gefeiert habe. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich etwas unbedingt muss oder dass mich das belastet", sagte der Österreicher vor dem Saisonstart am Wochenende (vom 24. bis 26. April live auf ProSieben und kostenlos streamen auf Joyn) im ran-Interview, in dem er auch über Konkurrenten, Sprüche von Gerhard Berger, seinen geplatzten Formel-1-Traum und das Standing der DTM spricht.
DTM 2026: Der Reifen als Herausforderung
ran: Lucas, ist der neue Reifen die größte Herausforderung für die neue DTM-Saison?
Lucas Auer: Ja, mit Abstand. Der Reifen ist unser einziger Kontakt zur Strecke. Wenn sich da etwas verändert, betrifft das im Prinzip alles. Warm-up, Setup, die grundsätzlichen Eigenschaften – jeder Reifen hat seinen eigenen Charakter. Den musst du möglichst schnell verstehen.
ran: Wie gut verstehen Sie den Reifen vor dem Start?
Auer: Grundsätzlich ist es so: Einen neuen Reifen verstehst du nicht von heute auf morgen. Normalerweise dauert das etwa ein Jahr, bis du wirklich ein Gefühl dafür bekommst, weil du erst dann alle Bedingungen einmal durch hast. Ich glaube, da wird es dieses Jahr noch die eine oder andere Überraschung geben.
ran: Würden Sie sich grundsätzlich als Reifenflüsterer bezeichnen?
Auer: (lacht) Früher hat man eher gesagt: "Der Auer fährt uns die Reifen kaputt." Mittlerweile bin ich deutlich ruhiger geworden. Aber ich komme mit den Reifen gut zurecht, kann sie vor allem im Qualifying relativ gut auf den Peak bringen. Als Reifenflüsterer habe ich mich aber nie gesehen.
ran: Sie sind schon ein paar Jahre in der DTM unterwegs, haben viel erlebt, und es ging auch immer wieder um den Titel. Warum hat es nie gereicht?
Auer: Für den Titel muss wirklich alles zusammenkommen, gerade in der GT3-DTM-Ära. Speziell das Finale in Hockenheim ist entscheidend, da musst du absolut vorne dabei sein. Es geht extrem eng zu, und in Hockenheim legt jeder noch einmal alle Karten auf den Tisch. Da musst du einfach liefern. Am Ende haben immer ein paar Kleinigkeiten gefehlt.
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Lucas Auer nach verpasstem Titel: "Vor allem stolz"
ran: Letzte Saison fehlten vier Punkte. 2022 waren es elf. Wie lange hängt Ihnen so etwas nach, wenn es so knapp ist?
Auer: Überschaubar lang. Die Saison an sich war einfach so gut. So konstant, wie wir abgeliefert haben, hat das über die gesamte Saison kaum jemand geschafft. Andere, wie zum Beispiel Mirko Bortolotti 2022, haben viele Rennen gewonnen, teilweise fast die Hälfte. Das hatten wir so nicht. Wir haben stattdessen extrem konstant gepunktet, uns die Zähler Stück für Stück geholt und dabei auch wenig Pech gehabt. Deshalb gibt es an der Saison eigentlich nichts auszusetzen. Klar war ich unmittelbar nach dem Finale und auch ein, zwei Tage später enttäuscht. Danach war ich vor allem stolz.
ran: Warum ging das so schnell?
Auer: Im GT Sport fährt man so viele Serien, dass es direkt weitergeht. Ich bin nach dem Finale in Hockenheim nach Barcelona zum nächsten Titel-Showdown in der GT World Challenge gereist. Das heißt, der Fokus verschiebt sich extrem schnell. Unter anderen Umständen wäre das Thema sicher länger in meinem Kopf geblieben. Aber es ging Schlag auf Schlag weiter, ich hatte kaum Zeit, groß darüber nachzudenken.
ran: Was auffällt in Ihrer Vita sind diese Durchhänger, die viele DTM-Fahrer erleben. Können Sie erklären, warum man in einem Jahr vorne mitfährt und im nächsten kaum eine Rolle spielt?
Auer: In der DTM gibt es keinen echten Dominator, so wie in der Formel 1, wo ein Hersteller ein Reglement perfekt trifft und dann manchmal sogar über Jahre alles gewinnt. Bei uns liegt alles extrem eng beieinander, oft nur in zwei, drei Zehnteln. Deshalb ist das Umfeld entscheidend. Nicht nur der Fahrer, sondern auch Ingenieure, Mechaniker, das gesamte Team. Und da gibt es eben ständig Veränderungen: Abgänge, Neuzugänge, Teamwechsel, Herstellerwechsel. Das sind die eigentlichen Gründe für diese Schwankungen. Du hast dann ein gutes Jahr, wenn das Gesamtpaket passt und sich das Team eingespielt hat. Wenn man sich versteht, kann man auch schwierige Phasen deutlich besser überstehen. Wenn es aber nicht klickt, wenn man sich nicht wohlfühlt oder andere Dinge nicht passen, dann ist die DTM einfach zu hart. Dann hast du schnell eine schlechte Saison. Konstanz über mehrere Jahre ist deshalb extrem schwierig.
ran: Wie ist Ihr Paket für 2026? Glauben Sie, dass alles passt für einen erneuten Angriff?
Auer: Auch beim Mercedes-AMG Team Landgraf gab es wieder einige Veränderungen. Das gehört dazu. Aber ich fühle mich sehr wohl in meiner Gruppe. Die Ergebnisse ab dem Wochenende werden zeigen, wo wir stehen. Ich finde, wir haben ein sehr gutes Team, den Rest werden wir auf der Strecke sehen.
ran: Wen zählen Sie zu Ihren größten Konkurrenten im Fahrerfeld?
Auer: Es ist schwierig, einzelne Namen herauszupicken, weil das Feld insgesamt extrem stark ist. Aber im Prinzip kannst du sagen: Jeder Hersteller bringt seine ein bis zwei Fahrer mit, die am Ende um die entscheidenden Positionen kämpfen werden.
Auer und Berger: "Wir drücken uns gegenseitig immer mal wieder Sprüche"
ran: Früher gab es von Ihrem Onkel Gerhard Berger Sprüche oder Ansagen. Wie ist das heute?
Auer: (lacht) Ja, das gehört bei uns einfach dazu. Wir drücken uns gegenseitig immer mal wieder Sprüche, das ist Teil unserer Art. Aber wir telefonieren regelmäßig und tauschen uns viel über Motorsport aus. Klar sind da auch immer mal wieder kleine Sticheleien dabei, aber das ist alles im Rahmen. Grundsätzlich ist der Austausch für mich auch wichtig. Aber ich bin immer meinen eigenen Weg gegangen.
ran: Wie haben Sie sich in der langen DTM-Zeit als Fahrer verändert?
Auer: Schon deutlich. Vieles ist ruhiger und entspannter geworden. Mit der Erfahrung kommt automatisch eine gewisse Gelassenheit. Ich kann heute viel mehr aus meiner Erfahrung schöpfen. Auch wenn es Probleme gibt – egal ob im Setup oder in anderen Bereichen – reagiere ich deutlich besser darauf als früher. Am Speed hat sich nicht viel verändert. Aber mein technisches Feedback ist definitiv besser geworden, einfach durch die Erfahrung.
ran: Was könnten Sie noch besser machen?
Auer: Da gibt es einige Punkte. Wenn wir rein über die DTM sprechen, sind das zum Beispiel Starts, In- und Outlaps oder Details beim Boxenstopp. Ich habe im Winter viel gearbeitet, um meine Skills weiter zu verfeinern. Ziel ist, gerade in kritischen Situationen noch konstanter zu werden und vielleicht diese entscheidenden zwei Zehntel zusätzlich herauszuholen.
ran: Wie kann man in der DTM vor allem den Unterschied machen?
Auer: Das Feld ist extrem ausgeglichen. An guten Tagen kann fast jeder vorne mitfahren und auch gewinnen. Das ist nicht mehr die große Schwierigkeit. Entscheidend ist vielmehr, was an den schlechten Tagen passiert. Wer schafft es dann trotzdem noch in die Top 8? Genau da machst du den Unterschied. Und das ist am Ende auch der Grund, warum du im Meisterschaftskampf bist oder eben nicht.
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DTM 2026: "Du musst wissen, wann dein Tag ist"
ran: Ist es über die Saison wichtiger, konstant Punkte zu sammeln, oder eher diese Peaks zu haben, also Siege und Ausreißer nach oben?
Auer: Der entscheidende Punkt ist: Du musst wissen, wann dein Tag ist, an dem du alles riskieren kannst und wann du eher kontrollieren musst. Wenn die Basis nicht stimmt, musst du sehen, dass du deine Punkte nach Hause bringst. Wenn sie stimmt, musst du versuchen zu gewinnen, weil du dann die Chance dazu hast. Am Ende geht es viel um Risikomanagement. Und das ist im Rennen, in der Hitze des Gefechts, oft schwer richtig einzuschätzen. Früher war ich eher jemand, der oft zu viel wollte und überall ans Limit gegangen ist. Ich glaube schon, dass mir die Erfahrung und die Routine heute extrem helfen, das besser einzuschätzen.
ran: Müssen Sie den Titel holen, um Ihre Karriere abzurunden?
Auer: Nein, überhaupt nicht. Ich bin total im Reinen mit meiner DTM-Zeit bisher, und sie ist ja noch nicht vorbei. Außerdem fahre ich mittlerweile viele andere Serien, in denen ich auch schon Titel gewonnen und schöne Erfolge gefeiert habe. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich etwas unbedingt muss oder dass mich das belastet. Für mich ist es eher eine Ehre, immer wieder vorne mit dabei zu sein, auch unter unterschiedlichen Reglements. Mein Ziel ist es, dass ich, auch wenn es nicht jedes Jahr klappt, immer wieder in der Lage bin, um Titel zu kämpfen.
ran: Ein Ziel war ja früher auch die Formel 1. Trauern Sie dieser verpassten Chance nach?
Auer: Nein, im Gegenteil. Ich glaube, für mich war es so genau der richtige Weg. Nach 2014 die Chance in der DTM zu bekommen und diesen Weg konsequent zu gehen, hätte für meine Karriere kaum besser laufen können. Klar, früher schaut man nach links und rechts, weil die Formel 1 der große Traum ist. Aber der eigentliche Traum war immer, Profi zu werden. Wenn du jünger bist, ordnest du das vielleicht noch anders ein. Aber am Ende geht es darum, dein Hobby zum Beruf zu machen. Und genau das habe ich geschafft. Deshalb bin ich total zufrieden mit meinem Weg – und auch damit, dass ich mich über so viele Jahre als Profi halten kann.
ran: Was hat am Ende gefehlt zum Sprung?
Auer: Im entscheidenden Jahr in der Formel 3 hat es einfach nicht gereicht. Ich bin 2014 zwar Vierter geworden und Zweiter in Macau, aber in so einem Jahr musst du eigentlich alles gewinnen, wenn du Richtung Formel 1 willst. Da haben andere einfach mehr überzeugt. Klar, es spielen immer viele Faktoren eine Rolle, aber am Ende war es nicht genug. Trotzdem habe ich meinen Rookie-Test in der DTM bekommen, die Chance genutzt und bin Profi geworden. Und dann steht man vor der Entscheidung: Investierst du weiter extrem viel Geld auf dem Weg Richtung Formel 2 und Formel 1 – oder nutzt du die Chance, direkt Profi zu sein? Für mich war das eine klare Entscheidung.
ran: Haben Sie noch einen großen Traum, den Sie sich erfüllen möchten?
Auer: Nein, das hat sich ein bisschen verändert. Für mich geht es inzwischen darum, jede Saison maximal zu genießen und aus meinem Paket, in den Serien, die ich fahre, das Beste herauszuholen. Als Fahrer hast du natürlich immer das Ziel zu gewinnen. Aber einen übergeordneten Traum habe ich aktuell nicht mehr.
Auer: Das zeichnet die DTM 2026 aus
ran: Zur DTM allgemein: Wie hat sich die Serie entwickelt?
Auer: Das Reglement hat sich natürlich stark verändert, genauso wie die Autos. Aber die aktuelle DTM finde ich sehr gut. Wir haben eine große Markenvielfalt, starke Teams und Top-Fahrer. Im GT-Sprint-Bereich misst sich da die absolute Elite. Dazu kommen hohe Zuschauerzahlen und intensives Racing. In dieser Hinsicht ist die DTM immer auf einem sehr hohen Niveau geblieben. Die Veränderungen bei Autos und Reglements sind groß, aber das gehört dazu. Es war immer eine Herausforderung, sich darauf einzustellen. Und genau das macht es ja auch aus.
ran: Motorsport hat es aktuell nicht leicht, gerade in Deutschland. Und trotzdem sticht die DTM heraus und verzeichnet sogar Zuschauerzuwächse. Warum ist die Serie weiterhin so ein Aushängeschild?
Auer: Da kommen mehrere Faktoren zusammen. Zum einen sind die Autos in der DTM noch relativ nah an der Serie, damit können sich viele identifizieren. Dazu kommt das Racing: Es ist hart, direkt und genau das, was Motorsport-Fans sehen wollen. Da wird mit harten Bandagen gekämpft, da wird verteidigt, und das ist ehrlicher Motorsport. Der GT3-Bereich erlebt aktuell generell einen riesigen Boom. Ich würde fast sagen, wir sind in einem goldenen Zeitalter. Die Aufmerksamkeit ist enorm gestiegen, auch durch bekannte Namen in großen Rennen und Serien wie dem 24-Stunden-Rennen und der GT World Challenge. GT3-Racing war immer attraktiv und bekommt jetzt einfach die Bühne, die es verdient.
ran: Gibt es etwas, das Sie in der DTM ändern würden, wenn Sie könnten?
Auer: Natürlich hat jeder seine persönlichen Vorlieben. Aber solange ich nicht selbst die Entscheidungen treffe, halte ich mich da bewusst zurück. Es bringt ja nichts, große Forderungen zu stellen. Ich finde, die DTM ist aktuell sehr gut aufgestellt. Das kann man klar sagen.
ran: Vermissen Sie denn etwas von früher?
Auer: Die Autos früher waren schon extrem, die waren geil zu fahren. Wobei der GT3 heute ebenfalls eine große Herausforderung ist. Der Unterschied ist: Du fährst ihn in vielen verschiedenen Serien, hast deutlich mehr Testmöglichkeiten und verstehst das Auto insgesamt besser. Früher war das anders. Da hattest du vielleicht acht Trainings und zwei Testtage – da hat eigentlich niemand das Auto komplett verstanden. Aber jede Ära hatte ihren Reiz. Ich findedie aktuelle Zeit extrem attraktiv.
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