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Aston Martin: Warum Adrian Newey an der neuen Formel 1 gescheitert ist
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von Anne Malinran Mehr Sport
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Nicht einmal vier Monate hielt sich Adrian Newey als Teamchef von Aston Martin. Zuvor war er fast 20 Jahre Technischer Direktor bei Red Bull: In seinen Autos gewann das Team 117 Grand-Prix, sechs Konstrukteurstitel und sieben Fahrer-Weltmeisterschaften. Um zu verstehen, warum er in der heutigen Formel 1 trotzdem kein Teamchef sein kann, muss die drastische Veränderung der Königsklasse betrachtet werden.
Es geht ein Beben durch die Formel-1-Führungsetage. Aston Martins Teamchef Adrian Newey tritt nach einem katastrophalen Saisonstart zurück. Kurz darauf verlässt Jonathan Wheatley das gerade einmal Zwei-Rennen-junge Audi-Team.
Es ist kein Jahr her, dass Red Bulls Christian Horner nach zwei Dekaden von seiner Rolle freigestellt wurde. Abgesehen von Toto Wolff gibt es im heutigen Grid keinen Teamchef mehr, der schon länger als drei Jahre im Amt ist.
Der Job des Teamchefs in der Formel 1 ist heute nicht mehr derselbe, der er vor zehn Jahren war. Mehr Presse, mehr Medienaufmerksamkeit, mehr Druck und weniger Kontrolle. Seit der Übernahme von Liberty Media hat sich die Formel 1 grundlegend verändert und genauso die Anforderungen an die Teamchefs.
Formel 1: Die Neuerfindung des Sports nach 2017
In den frühen 2010ern verlor die Formel 1 Jahr für Jahr mehr und mehr Zuschauer. 2017 übernahm dann das US-amerikanische Medienunternehmen Liberty Media die gesamte Formula One Group und fährt seitdem eine aggressive Wachstumspolitik.
Mit der Reality-Show-artigen Dokuserie "Drive to Survive" erreichte die Formel 1 vor allem in Amerika Millionen von neuen Zuschauern. Der Sport schließt Werbedeals mit Luxusmarken wie Rolex oder Louis Vuitton ab und verkauft die TV-Rechte an riesige Medienhäuser.
Zwischen 2018 und 2025 wuchs in den USA die durchschnittliche Zuschauerzahl um 135 % von 554.000 auf einen Rekordwert von 1,3 Millionen. Die weltweite Fangemeinde wuchs seit 2018 um 63 %. Zudem werden die Fans jünger, fast die Hälfte aller Zuschauer 2025 war unter 35 Jahre alt.
Diese Kommerzialisierung und Amerikanisierung der Königsklasse des Motorsports zeigt sich in vielen Aspekten. Die Einführung von Sprint-Rennen und zwei neuen Grands Prix in Amerika, das strenge Verbot von politischen Botschaften und auch bei der veränderten Rolle eines Teamchefs
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Die neue Formel 1: Weniger mitreden, aber mehr rechtfertigen
Mit dem Sport verändern sich auch die Anforderungen an seine Protagonisten. Genau das, was viele Teamchefs früher nicht waren. Neben den Fahrern selbst sind die Bosse heute die bekanntesten Persönlichkeiten des Sports. Aber sie haben oft nicht mehr den gleichen Einfluss innerhalb des Teams.
In Zeiten von Frank Williams und Ron Dennis waren die Teamgründer auch die Teamchefs und Besitzer. Sie hatten Kontrolle und Einfluss über die Gesamtheit ihres Rennstalles. Heute ist die Rolle mit austauschbaren Angestellten besetzt. In den letzten drei Jahren hat die Formel 1 eine Phase beispielloser Instabilität in der Führungsebene erlebt. Die Hemmschwelle, einen Teamchef zu entlassen, ist niedriger als je zuvor.
Adrian Newey wird sicherlich den Atem des Multimilliardärs, Aston-Martin-Eigentümers Lawrence Stroll in seinem Nacken gespürt haben. Der Kanadier ist zufälligerweise auch Vater von Fahrer Lance Stroll. Die Besitzer der Teams sind zunehmend Geschäftsmänner und weniger Rennsport-Enthusiasten. Erfolg, monetär und sportlich, muss schnell her.
F1-Team-Chefs: Von Ingenieuren zu TV-Stars
Des Weiteren stehen die Bosse immer öfter im Zentrum medialer Aufmerksamkeit. Seit der Übernahme durch Liberty Media werden die verpflichtenden Pressekonferenzen der Team-Offiziellen live gestreamt und aufgezeichnet. Christian Horner, Toto Wolff und Günther Steiner waren und sind Protagonisten in "Drive to Survive". Ihre Persönlichkeiten und Rivalitäten tragen maßgeblich zur Vermarktung des Sports bei.
Durch die zusätzlich starke Präsenz auf Social Media wird jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. In schwierigen Zeiten wird von den Teamchefs erwartet, auf alles eine Antwort zu haben. Oft hängt es an ihnen, ihre Fahrer in Schutz zu nehmen und die Millionen neuer Fans zu entertainen.
Der ehemalige Red-Bull-Leiter Christian Horner erzählte nach seiner Entlassung beispielsweise, dass es nicht seine Entscheidung war, Liam Lawson zurück in das Juniorteam Racing Bulls herabzustufen. Trotzdem musste er die Entscheidung öffentlich erklären und vertreten.
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Adrian Newey sei "hervorragenden Zuhörer und äußerst bescheiden"
In seiner Zeit bei Red Bull war Newey dafür bekannt, das Rampenlicht zu meiden und nur äußerst selten Interviews zu geben. Der ehemalige Red-Bull-Pilot Mark Webber beschrieb ihn als „einen hervorragenden Zuhörer und äußerst bescheiden". Er sei ein Freigeist innerhalb des Teams gewesen, der keinen direkten Vorgesetzten hatte.
Praktisch das genaue Gegenteil von Toto Wolff, dem einzigen gegenwärtigen Teamchef, der seine Rolle schon vor 2023 inne hatte.
Natürlich ist nicht jeder Team-Boss ein Toto Wolff. Auch McLaren-Chef Andrea Stella ist bekanntlich ein ruhiger Charakter. Doch beim „Papaya"-Team nimmt CEO Zak Brown die Öffentlichkeitsarbeit auf sich. Bei "Drive to Survive", im Fernsehen und bei Interviews ist fast ausschließlich der Amerikaner zu sehen. Somit wird Stella großflächig entlastet und kann sich auf die technische Leitung des Teams konzentrieren.
Auch Lawrence Stroll betonte: „Wir verzichten derzeit auf die klassische Teamchef-Struktur, wie man sie bei anderen Teams sieht – und das mit Absicht." Doch wenn Vater Stroll einmal im Paddock ist, dann sicher nicht bei einer Pressekonferenz, sondern eher im VIP-Bereich.
Adrian Neweys Schicksal war vorherbestimmt
Ein Teamchef in der modernen Formel 1 muss charmant sein, muss vermarktbar sein und muss viel Zeit und Energie in Öffentlichkeitsarbeit investieren. Je bekannter und markanter die Persönlichkeit, desto mehr Aufmerksamkeit, Sendezeit und Sponsoren kann ein Team anziehen.
Adrian Newey ist im Formel-1-Kosmos bekannt dafür ein "Design-Guru" sein. Doch 2024 hatte er als technischer Direktor nicht genügend Freiheiten.
Andy Cowell, Aston-Martin-Teamchef vor Newey, hatte seine Position am Ende der Saison verlassen (müssen), da sich Cowell und Newey in Fragen des technischen Designs zu oft uneinig waren. Nun tritt Newey zurück, um sich auf das technische Design zu konzentrieren.
Nachfolger soll laut "Autosport" der Ex-Audi-Boss Jonathan Wheatley werden. Bei Audi gab er sich gegenüber den Medien offen und spielte auch bei der letzten Staffel "Drive to Survive" in einer Folge eine prominente Rolle. Ob sich seine charismatische Art auch beim absoluten Sorgenkind der Formel 1 durchsetzen kann, bleibt abzuwarten.
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