Olympische Winterspiele in Italien
Olympia 2026: Wer spricht, verliert - Umfeld für Athleten ist feindseliger denn je - ein Kommentar
Aktualisiert:
von Martin Jahnsran Olympia
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Videoclip • 03:36 Min
Disqualifikation durch das IOC, Anfeindungen vom mächtigsten Mann der Welt und Online-Hass in sozialen Medien. Das Umfeld für Athleten, die über den Sport hinaus präsent sind, war bei Olympia 2026 feindselig wie lange nicht - ein Kommentar.
von Martin Jahns
Es war der Aufreger der Olympischen Spiele.
Der ukrainische Skeletoni Wladyslaw Heraskewytsch wurde wegen seines Helms von den Wettbewerben bei den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Die Erinnerung an 20 im Krieg getöteter ukrainischer Sportlerinnen und Sportler war dem IOC zu politisch. Heraskewytsch opferte seine sportliche Ambition und bestand auf seinen Helm.
Ein Muster der Spiele. Athleten standen viel zu oft vor dem Dilemma: Mündigkeit oder Fokus auf das Sportliche? Beides gleichzeitig lässt sich in Zeiten von Social Media immer seltener vereinbaren.
Olympia: Medaillen-Ärger um deutschen Skeleton-Helden
Heraskewytsch war nur der bekannteste Fall von IOC-Ärger bei den Winterspielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo: Schon im Vorfeld berichtete die deutsche Eisschnellläuferin Josephine Schlörb, dass ihr das IOC ihren Schlittschuh mit Statements wie "Hass ist keine Meinung. Diskriminierung ist ein Verbrechen." für Olympia untersagt hatte.
Das IOC verwies auf seine Regularien, die freie Meinungsäußerungen für Athleten prinzipiell erlaubt, allerdings nicht während der Wettbewerbe und Siegerehrungen sowie in olympischen Anlagen und Veranstaltungsorten.
Hunter Hess: "Härteste Wochen" nach Trump-Tiraden
Doch auch außerhalb der Wettkämpfe bekamen Athleten bei Meinungsäußerungen vor allem eines: Probleme.
Nachdem die US-Langläuferin Jessica Diggins und Freestyler Hunter Hess die ICE-Einsätze in Minnesota kritisierten, wurden sie von US-Präsident Donald Trump in einer Tirade unter anderem als "Loser" beschimpft.
Für Hess folgte ein Spießrutenlauf - und laut eigener Aussage die zwei "wohl härtesten Wochen" seines Lebens.
Vor all dem "Lärm und Hass da draußen" zog er sich vor dem Wettbewerb zum Training in die Schweiz zurück. Ein viel zu hoher Preis, den er für eigentlich harmlose Äußerungen zahlen musste. Zumal er den Namen Trump in seinem ursprünglichen Statement nicht einmal in den Mund nahm.
Eileen Gu: Zielscheibe auch ohne politische Äußerung
Aber auch komplett ohne politische Aussagen konnten Sportler in die Mühlen eines Shitstorms geraten.
Die in Kalifornien geborene Freestylerin Eileen Gu, die für China startet, wurde ungewollt zum Objekt einer politischen Debatte, als US-Vizepräsident JD Vance in einem Interview erklärte, sie solle doch lieber für die USA an den Start gehen.
Gu versuchte, das Thema charmant herunterzuspielen. "Danke, JD, ich fühle mich geehrt", sagte sie zunächst. Auf die Frage, ob sie sich "wie eine Zielscheibe für eine gewisse Tendenz in der US-Politik" fühle, offenbarte sie allerdings: "Ja, das tue ich".
Kein Wunder bei hässlichen Social-Media-Kommentaren wie "Ich hoffe, ICE holt dich ab, wenn du wiederkommst".
Gu erklärte, erst vergangenes Jahr auf dem Campus der Stanford University von einem Unbekannten tätlich angegriffen worden zu sein.
Es sind besorgniserregende Entwicklungen, die durch die kaum noch moderierten Social-Media-Plattformen nur noch verschlimmert wurden.
Olympia 2026: Online-Hass nach sportlichen Misserfolgen
US-Eiskunstlaufstar Ilia Malinin schrieb nach seiner verpassten Medaille vom "widerlichen Online-Hass", der ihn "in die Dunkelheit lockt".
Die deutsche Biathletin Franziska Preuß nannte den Druck in sozialen Medien "Psychoterror". Soziale Medien sind für viele Athleten nach sportlichen Misserfolgen für den Seelenfrieden längst No-Go-Areas.
Umso schwerer wiegt der negative Effekt der dezentralen Spiele: An einigen Wettkampfstätten fehlte den Athleten die Nähe und damit positive Interaktion mit den Fans vor Ort.
Das positive Feedback beim Wettkampf wird zum raren Gut, während gleichzeitig Algorithmen den Hass im Netz verfielfachen. Ein bedenkliches Ungleichgewicht.
"Du hast keine Interaktion, keine Emotion, und das ist doch auch, worauf es ankommt", sagte der deutsche Ski-Profi Linus Straßer. Sein Resümee zu den Spielen: "Es ist für'n Arsch."
Markige Worte. Vielleicht auch, weil für Straßer die Spiele danach vorbei waren. Versauen konnte er sie sich mit dem negativen Feedback ohnehin nicht mehr.
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