- Anzeige -

NBA

NBA - Trotz unfassbarer Serie: Darum kann Luka Doncic nicht der MVP werden

Aktualisiert:

von Ole Frerks

ran NBA Basketball

NBA: Liebes-Aus bei Luka Doncic - Superstar droht Sorgerecht-Streit

Videoclip • 01:15 Min


Lange führte Luka Doncic die Liga in Sachen Scoring an und lief für seine Verhältnisse trotzdem unter dem Radar. Bis sich vor rund einem Monat einiges gedreht hat – aktuell ist kaum jemand besser unterwegs als die Los Angeles Lakers und ihr Superstar. Den MVP-Award dürfte er aber trotzdem nicht abräumen.

Die Takes waren noch nicht im Umlauf. Noch wollte sich keiner der vielen Meinungsmacher und -habenden rund um die NBA die Aussage zu eigen machen, Nico Harrison habe doch Recht gehabt; vielleicht waren die Kolumnen aber schon in der Schublade. Es ist in jedem Fall nicht lange her, dass die Leute irgendwie "genug" von Luka Doncic hatten.

Zu anstrengend wirkte das Gemecker des Slowenen. Zu eklatant die Verweigerung von Defense, die mit dazu führte, dass die Los Angeles Lakers als Team nie so recht ernst genommen wurden. Zu mittelmäßig die Team-Performance im Allgemeinen: Vor rund einem Monat verfügten die Lakers zwar über eine gute 34-24-Bilanz, hatten dabei aber das Net-Rating (-0,7) einer zutiefst mittelmäßigen Truppe, die von 82 erwartungsgemäß rund 40 Spiele gewinnen sollte.

Doncic führte die NBA auch zu diesem Stichtag beim Scoring an – trotzdem hätte sich zu diesem Zeitpunkt kaum jemand außerhalb seiner loyalsten Fan-Basis aus dem Fenster gelehnt, um ihn zu einem legitimen MVP-Kandidaten – oder die Lakers zu einem legitimen Finals-Anwärter – auszurufen.

Wie gut, dass sich in der schnelllebigen NBA innerhalb eines knappen Monats doch eine ganze Menge tun kann.

NBA-Videos:

- Anzeige -
- Anzeige -

Los Angeles Lakers: Die Gründe für den Aufschwung

Seit dem 28. Februar ist zwar nicht alles, aber doch vieles anders bei den Lakers, die in diesem Zeitraum die meisten Siege (13, bei zwei Niederlagen) und das fünftbeste Net-Rating (+11,2) eingefahren haben. Vor der knappen Niederlage in Detroit gewannen sie neun Spiele in Serie, wirkten auf einmal weitaus "runder" als in bisherigen Teilen der Saison.

Coach JJ Redick hat seine Rotation gefunden. LeBron James hat seine neue Rolle – als offizielle dritte Kraft der Offense, hinter Doncic und Austin Reaves – gefunden und akzeptiert, fühlt sich immer wohler darin. Die Defense hat sich massiv gesteigert, nicht zuletzt dank Marcus Smart, der häufiger aussieht wie der Spieler, der 2022 zum Defensivspieler des Jahres gewählt wurde.

Das neuntbeste Defensiv-Rating produzieren die Lakers in diesem Abschnitt, es ist einer der Hauptgründe für den späten Aufschwung. Der Hauptgrund ist jedoch Doncic selbst. Der sich gerade in einem dieser Grooves befindet, die aus seiner Zeit bei den Dallas Mavericks bekannt waren, die es in der Form – trotz all der guten Zahlen – bei den Lakers so noch nicht gegeben hatte.

NBA: Luka Doncic spielt in seiner eigenen Liga

Seit der All-Star-Pause hat Doncic sechsmal die 40, zweimal die 50 und einmal die 60 Punkte übertroffen. Über den 13-2-Stretch legt er 36,2 Punkte im Schnitt auf, trifft dabei 38,4 Prozent seiner fast 13 (!) Dreier pro Spiel, hinzu kommen 8,1 Rebounds, 7,4 Assists und 2,2 Steals. Und die Lakers dominieren seine Minuten mit einem +12,6er Net-Rating.

Es ist dabei gar nicht so leicht, sich auf einzelne Highlights dieser Serie zu beschränken. Eine Auswahl: 51 Punkte gegen die Chicago Bulls, nachdem Matas Buzelis es gewagt hatte, ihm Sprüche zu drücken (und sich danach öffentlich entschuldigte!). Sein erster Game-Winner im Lakers-Gewand, bei einem wilden Overtime-Sieg gegen die Denver Nuggets.

Oder 40 und 60 Punkte Back-to-Back, nachdem die Lakers mitten in der Nacht von Houston nach Miami gereist waren – wo Doncic vom gegnerischen Publikum mit "MVP, MVP"-Rufen gefeiert wurde. Er wirkt defensiv engagierter. Er zeigt bessere Chemie mit Deandre Ayton, dem er regelmäßig mundgerecht Lobs serviert, oder mit dem nun häufiger cuttenden LeBron James.

"Es gibt niemanden, der gerade besser spielt", schwärmte Redick schon vor dem Heat-Spiel, seinem bisher größten Meisterwerk in Los Angeles. "Er hat sein Spiel zu einer wichtigen Zeit für unser Team gesteigert. Er macht alle um ihn herum besser. Er spielt fantastisch, ist einer von den Besten und sollte in die MVP-Konversation gehören. Ich hoffe, die Leute fangen an, darüber zu reden, weil niemand eine bessere Saison spielt als er."

Los Angeles Lakers: Das "Problem" mit Luka Doncics Case

Nun ist es eine von Redicks Aufgaben, seinem Superstar den Rücken zu stärken. Die Aussage, dass momentan niemand besser spielt, ließe sich aber auch neutral mit etwas Wohlwollen unterschreiben (wobei gerade Victor Wembanyama sicherlich auch nicht schlechter spielt). Den kleinen Makel an Lukas MVP-Kandidatur hat der Coach unterschwellig aber auch mitgeliefert.

Es ist eine Steigerung. Trotz der Boxscore-Zahlen, trotz der guten Bilanz waren diese Versionen von Doncic und von den Lakers nicht die gesamte Saison über zu sehen. Sein Buy-In, gerade defensiv, ist ein anderer als noch vor einem oder zwei Monaten. Gegenüber konstanten Two-Way-Spielern wie Shai Gilgeous-Alexander oder Wemby fällt er hier über die Saison klar ab.

Selbst wenn er ein besserer Offensivspieler sein mag als beide (was bei SGA debattierbar ist), ist es nicht so leicht, diese Distanz zu überbrücken, weshalb er auch bei den Advanced Stats wie Estimated Plus/Minus klar hinter ihnen landet. Dazu passend: Über die Saison haben die Lakers laut "Cleaning the Glass" ein Net-Rating von +4 in den Minuten, die Doncic auf dem Court steht. Das ist gut. Denver mit Nikola Jokic liegt aber bei +10,8, OKC mit SGA bei +15,4. und San Antonio mit Wemby bei +16,5. Das ist deutlich besser.

Es besteht kein Zweifel daran, dass Doncic derzeit spielt wie ein MVP – und dass er, wie eigentlich immer, wenn er gesund ist, Plätze im All-NBA First Team und in der Top 5 im MVP-Rennen bekommen sollte. Eine höhere Platzierung als der dritte Platz wäre allerdings – für einen Award, der die ganze Saison ehren soll – schwer zu rechtfertigen.

- Anzeige -
- Anzeige -

Luka Doncic: Das andere Problem

Zumal der defensive Einsatz nicht das einzige Manko bleibt. Das andere, das Gemecker, ist noch da und war auch während der Siegesserie ein ständiger Begleiter. Das Spiel gegen Detroit hätte es ihn eigentlich gekostet, nachdem er beim Sieg gegen Orlando zuvor sein 16. Technisches Foul der Saison kassiert hatte, was eine automatische Sperre nach sich zieht.

Die Lakers konnten das Foul zwar per Einspruch streichen lassen, die Darstellungen seiner Auseinandersetzung mit Goga Bitadze gehen weit auseinander. Es ist aber unerheblich: Die nächste "Gelegenheit" wird kommen, ein Kandidat für ein Technical bleibt Doncic in jedem Spiel, was auch in Dallas schon Jahr für Jahr der Fall war.

Redick versuchte das zwar kürzlich abzutun: "Weil er sich bei den Schiedsrichtern beschwert, ich weiß nicht", sagte der Coach sarkastisch, als er gefragt wurde, warum Doncic aktuell nicht als Favorit im MVP-Rennen gelte. Er selbst hat den Slowenen dafür jedoch während der Saison schon öffentlich kritisiert, genau wie Jason Kidd es zuvor auch in Dallas regelmäßig tun musste.

Das Lamentieren kostet seine Teams nicht nur Punkte, wenn er nicht zurückläuft, es kostet auch Nerven, nicht zuletzt Geld (er kann es sich leisten). Dabei wird er bereits an einer längeren Leine gehalten als fast jeder andere NBA-Spieler, sein womöglich einziger Rivale in der Hinsicht ist Draymond Green. Welcher Schiedsrichter möchte schon derjenige sein, der die vielleicht größte Show im Basketball aus der Halle wirft?

Viele gute Nachrichten für die Los Angeles Lakers

Die guten Nachrichten lauten, dass Doncic dies – die größte Show – nach wie vor sein kann. Dass Nico Harrison – Überraschung! – nach wie vor den vielleicht schlechtesten Trade der NBA-Geschichte zu verantworten hat. Und dass Doncic ein Spieler bleibt, der MVP-Awards und Titel gewinnen kann, wenn nicht sollte.

Es gibt gleichzeitig aber auch Gründe dafür, dass das bisher noch nicht passiert ist - höher als auf Rang drei landete er noch nie - und dass beides auch in dieser Spielzeit unwahrscheinlich wirkt. Komplett chancenlos sind die Lakers mit diesem Doncic zwar vermutlich in keiner individuellen Serie – es müssten aber ja vier sein, für den Titel.

Und mindestens Oklahoma City und San Antonio sind über die Saison schlichtweg konstanter und besser. Auch bei einigen anderen Teams lässt sich dafür argumentieren. Selbst nach dem heißen Stretch zuletzt stehen die Lakers noch immer bloß auf Platz 13 in Sachen Net-Rating, obwohl sie die drittbeste Bilanz im Westen ihr Eigen nennen.

Der Stretch ist dennoch ein guter Reminder dafür, was möglich ist, wenn Doncic fit, fokussiert und engagiert auftritt. Die womöglich letzte Hürde besteht darin, dies über eine ganze Saison zum Dauerzustand zu machen.

Mehr NBA: