Bundesliga
Borussia Dortmund: Der BVB muss ein Problem ganz dringend abstellen – ein Kommentar
Veröffentlicht:
von Andreas Reinersran Fußball Bundesliga
Leverkusen-Wahnsinn! Fans bedient: "Wie 20 Jahre Bayern-Dusel"
Videoclip • 02:55 Min
Borussia Dortmund kommt gegen Meister Bayer Leverkusen zu einem 1:1. Ein Spiel, das ein essenzielles Problem des BVB mal wieder entlarvt. Ein Kommentar
Aus Dortmund berichtet Andreas Reiners
Irgendeinen Grund findet man immer.
Da wäre natürlich das Mentalitätsmonster Bayer Leverkusen. 20 Pflichtspieltore hat die Mannschaft von Trainer Xabi Alonso in dieser Saison ab der 86. Minute erzielt, 14 davon in der Nachspielzeit.
Da kann auch Borussia Dortmund in der siebten Minute der Nachspielzeit schon mal das 1:1 kassieren. Meister sind die Leverkusener ja auch. Mindestens also ein Gegner auf Augenhöhe.
Vielleicht war der Kopf auch nicht so frisch, nach den kräftezehrenden Wochen, nach dem emotionalen Halbfinal-Einzug in der Champions League am vergangenen Dienstag.
Das Wichtigste in Kürze
BVB: Ist die Luft ein bisschen raus?
Und dann ist um den Kampf um Platz vier, der die direkte Königsklassen-Quali für die kommende Saison garantiert, ein klein wenig die Luft raus, weil wahrscheinlich Rang fünf reichen wird. Auch das ist ein bisschen Kopfsache. Wenn man auch Fünfter werden kann, können die finalen fünf Prozent durchaus mal fehlen.
So gesehen ist das 1:1 des BVB gegen Bayer auf dem Papier in Ordnung. In der Theorie.
Ist es in der Realität aber nicht, weil sich der BVB mal wieder selbst entlarvt: Während die Dortmunder die aktuelle CL-Saison zu ihrer ganz eigenen machen und um den Titel spielen, schaffen sie es nicht, die konzentrierten, engagierten und straffen Auftritte aus der Königsklasse in der Liga zu bestätigen.
Der Alltag bleibt grau, wie schon die ganze Saison über.
BVB: Ideenarm und statisch
Es war mal wieder das bekannte Bild: Ein statisches Spiel, ideenarm, ohne Bewegung, ohne Druck auf Ball und Gegner. Dortmund wurde durch Bayers Spiel in den eigenen Aktionen limitiert, fand selbst keine Lösungen, keine Griffigkeit in einem Spiel, das man als Ausrufezeichen hätte nutzen können.
Dass man als Mannschaft, wie Sportdirektor Sebastian Kehl nach dem Atletico-Rausch sagte, tatsächlich reifer geworden ist. Dass man verstanden hat, dass die Saison nicht nur aus größer Bühne Königsklasse, rauschenden Fußball-Nächten und Europapokal-Enthusiasmus besteht.
Dass mag in dieser Saison funktionieren, ist aber in der Regel die Ausnahme. Soll heißen: Das Champions-League-Gesicht sollte der BVB in der Bundesliga nicht länger verstecken, sondern es dort zur Regel machen, vor allem im Hinblick auf die neue Saison.
Doch noch ist das Problem ein grundsätzliches.
BVB: Zu passiv, zu wenig Tempo
"Wir waren viel zu passiv, viel zu wenig Tempo im Spiel", kritisierte auch Trainer Edin Terzic: "Von der Leistung war es nicht das, was wir uns vorgestellt hatten.“Damit trifft Terzic den Punkt, allerdings ist auch er ein Teil des Problems, weil er selbiges weiterhin nicht in den Griff bekommt. Da es der BVB in der Champions League kann, dürfte der Kopf auch hier eine große Rolle spielen. Das oft zitierte Mentalitätsproblem? Auch, aber auch schlicht fehlende Konstanz, zu gewissen Teilen auch mangelnde Qualität.
Zwei Aussagen überraschen in diesem Zusammenhang.
Während der Trainer den Finger in die Wunde legte, befand Torschütze Niclas Füllkrug dass man, wenn man das ganze Spiel betrachte, "schon die bessere Mannschaft" gewesen sei und es verdient gehabt hätte, zu gewinnen. Kann man so sehen, sollte man nach dem Spiel aber eher nicht.
Torhüter Gregor Kobel wollte "nicht zu viel in dieses Spiel rein interpretieren", was die Tatsache angeht, dass man sich mit Mannschaften wie Leverkusen messen möchte und ja auch muss, wenn man in der kommenden Saison wieder weiter oben mitspielen möchte. "Wir hatten viele wichtige Spiele. Das sind emotional und körperlich zehrende Sachen. In so einem Spiel, in dem es nicht mehr um die Meisterschaft geht, auch wenn wir natürlich auch gewinnen müssen, wenn wir aus eigener Kraft in die Champions League kommen wollen, glaube ich, ist es auch normal, dass nicht 150 Prozent gehen", sagte Kobel.
Denn man sei in der Phase der Saison, wo es auch um die Kräfte gehe.
Irgendeinen Grund findet man eben immer. Dabei sollte der BVB schnellstens eine Lösung finden, um sein Liga-Problem abzustellen.
Borussia Dortmund - Bayer Leverkusen: Einzelkritik beider Mannschaften

Borussia Dortmund gegen Bayer Leverkusen in der Einzelkritik
Bayer Leverkusen bleibt auch nach dem 30. Bundesliga-Spieltag ungeschlagen. Der Meister ergattert durch ein spätes Tor beim 1:1 bei Borussia Dortmund einen Punkt. ran benotet die Spieler beider Teams.Eibner

Gregor Kobel (Borussia Dortmund)
Wird trotz der Überlegenheit der Gäste in der ersten Halbzeit nicht ernsthaft geprüft. Ist dafür bei seinen Dribblings vor dem eigenen Tor ein wenig halsbrecherisch unterwegs. Geht aber gut. Bleibt im weiteren Verlauf auf der Hut. Verlässlich. ran-Note: 3RHR-Foto

Julian Ryerson (Borussia Dortmund)
Gibt in der 16. Minute den ersten Schuss auf das Gästetor ab, doch cer geht weit drüber. Bereitet in der 42. Minute zudem die beste Chance durch Sabitzer vor. Sonst defensiv solide. Rückt auf die linke Seite, als Wolf kommt. Macht dort so ordentlich weiter wie auf rechts. ran-Note: 32024 Getty Images

Mats Hummels (Borussia Dortmund)
Hat vor allem in der Anfangsphase einige Flüchtigkeitsfehler im Spiel nach vorne drin. Wird aber sattelfester und vor allem defensiv noch stärker. ran-Note: 2Eibner

Nico Schlotterbeck (Borussia Dortmund)
In den ersten 45 Minuten meistens auf der Höhe, auch wenn er den einen oder anderen Fehler drin hat. Nach dem Seitenwechsel immer sicherer, und sehr konsequent in den Zweikämpfen. Läuft viel ab. ran-Note: 2RHR-Foto

Ian Maatsen (Borussia Dortmund)
Defensiv abwechslungsreich – also Licht und auch ordentlich Schatten - wie zuletzt öfter. Im Spiel nach vorne nicht wirklich effektiv und zwingend. Vergibt in der 42. Minute eine gute Nachschusschance. Bleibt zur Pause in der Kabine. ran-Note: 4Nordphoto

Emre Can (Borussia Dortmund)
Bekommt nicht so recht Zugriff auf Ball und Gegner. Hat in der Nachspielzeit der ersten Hälfte Glück, als sein leichtsinniger Ballverlust am Ende keinen Schaden anrichtet. Auch sonst eher fehlerhaft im Spielaufbau. Schwacher Auftritt, der in der 69. Minute durch seine Auswechslung beendet wird. ran-Note: 4Beautiful Sports

Marcel Sabitzer (Borussia Dortmund)
Zuletzt war er der BVB-Mann der Stunde, diesmal ist er vor allem defensiv gefordert und offensiv ohne große Aktionen. Hat aber in der 42. Minute die beste Chance, als er aus kurzer Distanz an Hradecky scheitert. Bleibt unter seinen Möglichkeiten, bereitet immerhin das zwischenzeitliche 1:0 vor. ran-Note: 4Nordphoto

Julian Brandt (Borussia Dortmund)
Kommt nicht so recht in sein Offensivspiel, auch wenn er zunächst noch am engagiertesten wirkt. Kann aber auch nur wenig Impulse setzen, die zündenden Ideen hat auch er nicht. Bleibt blass. Geht in der 83. Minute runter. ran-Note: 42024 Getty Images

Jadon Sancho (Borussia Dortmund)
Der Mann für das Kreative, der aber nur wenige Ideen und noch weniger Bewegung in seinem Spiel hat. Es ist zumeist statisch, was Sancho macht, auch im Eins-gegen-Eins. Agiert er schnell, kann es auch gegen gut organisierte Leverkusener gefährlich werden, wie in der 42. Minute, als er einen Konter schnell macht. Geht in der 69. Minute runter. ran-Note: 5ANP

Jamie Bynoe-Gittens (Borussia Dortmund)
Rückt für den gesperrten Adeyemi in die Startelf. Soll Tempo in das Angriffsspiel der Gastgeber bringen, was ihm aber nur sehr selten gelingt. Bleibt stattdessen oft hängen und ohne Wirkung. In der 83. Minute wird er runtergenommen. ran-Note: 42024 Getty Images

Niclas Füllkrug (Borussia Dortmund)
Hängt vorne komplett in der Luft. Soll Bälle festmachen, bekommt aber kaum welche und verliert die restlichen schnell. Schwieriges Spiel für ihn. Ist dann aber im Stile eine Knipsers in der 81. Minute zur Stelle. ran-Note: 3Beautiful Sports

Marius Wolf (Borussia Dortmund)
Wird zur zweiten Halbzeit für Maatsen eingewechselt. Hin und wieder mal mit einer Offensivaktion, in der Defensivarbeit insgesamt konzentriert. ran-Note: 32024 Getty Images

Felix Nmecha (Borussia Dortmund)
Wird für Can eingewechselt (69.). Soll im defensiven Mittelfeld besser die Fäden ziehen als sein Vorgänger. Macht er ordentlich. ran-Note: 32023 Getty Images

Marco Reus (Borussia Dortmund)
Kommt in der 69. Minute für Sancho. Soll nochmal Schwung ins lahme Dortmunder Spiel bringen. Auch wenn das 1:0 fällt, als er auf dem Platz steht, gelingt ihm das nur bedingt. ran-Note: 42024 Getty Images

Salih Özcan (Borussia Dortmund)
Wird in der 83. Minute eingewechselt. ran-Note: ohne Bewertung2023 Getty Images

Julien Duranville (Borussia Dortmund)
Kommt in der Schlussphase. ran-Note: Ohne BewertungImago

Lukas Hradecky (Bayer Leverkusen)
41 Minuten ist der Torwart von Bayer Leverkusen praktisch beschäftigungslos, pariert dann aber einen starken Abschluss von Sabitzer. In der zweiten Halbzeit ist er selten gefordert, ehe er beim Gegentreffer zum 0:1 noch an den Ball herankommt, diesen allerdings nicht parieren kann. ran-Note: 3Eibner

Josip Stanisic (Bayer Leverkusen)
Der Torschütze zum 1:1! Die Leihgabe des FC Bayern München gewinnt auf der rechten Seite sehr viele Zweikämpfe und wichtige Bälle, hat seinen Gegenspieler Sancho meist im Griff. In der Nachspielzeit köpft er den Ball ins Tor und rettet die Bayer-Serie. ran-Note: 2Kirchner-Media

Jonathan Tah (Bayer Leverkusen)
Der Abwehrchef gerät nie ernsthaft in Bedrängnis, hat viel Ruhe am Ball, bleibt in der Defensive fehlerfrei, allerdings steht er bei der Entstehung des Gegentors auf verlorenem Posten. ran-Note: 3Eibner

Edmond Tapsoba (Bayer Leverkusen)
Der Abwehrspieler ist sehr aktiv am Aufbauspiel beteiligt, verteilt die Bälle sicher und ist zweikampfstark. In der 81. Minute lässt er allerdings Torschütze Füllkrug zu viel Raum, sodass der Gegentreffer zum 0:1 fällt. ran-Note: 4ANP

Piero Hincapie (Bayer Leverkusen)
Der Linksfuß übernimmt die linke Seite, lässt dort zunächst kaum etwas zu, bringt sich allerdings im Spiel nach vorne nicht allzu oft ein und hat gegen Ende des Spiels auch defensiv seine Probleme. ran-Note: 3Beautiful Sports

Robert Andrich (Bayer Leverkusen)
Der Mittelfeldspieler besticht durch seine Zweikampfstärke, ist sowohl am Boden wie auch in der Luft kaum zu überwinden, hält sich im Offensivspiel dafür etwas zurück. ran-Note: 3Eibner

Granit Xhaka (Bayer Leverkusen)
Der Schweizer hat gewohnt sehr viele Ballkontakte, ist jederzeit anspielbar und überrascht den Gegner immer wieder mit genialen Pässen. In der 68. Minute leitet er mit einem spektakulären hohen Ball eine Großchance ein. ran-Note: 2Beautiful Sports

Jeremie Frimpong (Bayer Leverkusen)
Der Niederländer sticht immer wieder in den Strafraum vor und hat in der 8. Minute die erste Torchance für Leverkusen. Er stellt die Hintermannschaft des BVB regelmäßig vor Probleme. Direkt nach der Halbzeit gewinnt er das Laufduell gegen Ryerson, spielt dann jedoch einen Fehlpass – das wäre sonst eine 100-prozentige Torchance gewesen. ran-Note: 3Nordphoto

Jonas Hofmann (Bayer Leverkusen)
In der 68. Minute legt er den Ball für Tella quer, der diese Chance allerdings nicht verwerten kann. Hofmann selber kommt zwar nur einmal zum Abschluss, ist dafür aber läuferisch stark und geht immer wieder in die gefährlichen Räume. ran-Note: 3ANP

Alejandro Grimaldo (Bayer Leverkusen)
Einer der auffälligsten Spieler! In der 35. Minute versucht er einen Distanzschuss, hätte aber eher den besser positionieren Tella anspielen sollen. Drei Minuten später landet sein Freistoß knapp über dem Tor. Überhaupt sind seine Standards gefährlich, auch in der Nachspielzeit. ran-Note: 2Jan Huebner

Nathan Tella (Bayer Leverkusen)
Der Offensivspieler ist sehr engagiert, arbeitet viel gegen den Ball, geht in jeden Zweikampf und gewinnt wichtige Bälle, kassiert allerdings in der 28. Minute die erste gelbe Karte des Spiels. Im gegnerischen Drittel ist er etwas glücklos, lässt in der 68. Minute eine Großchance aus kurzer Distanz ungenutzt und wird danach ausgewechselt. ran-Note: 3ANP

Florian Wirtz (Bayer Leverkusen)
70 Minuten wird der Ausnahmespieler geschont, ehe er für Tella eingewechselt wird. Er kurbelt das Spiel von Leverkusen an, holt in der Nachspielzeit die Ecke heraus, schießt diese selber und bereitet dadurch das 1:1 vor. ran-Note: 22024 Getty Images

Victor Boniface (Bayer Leverkusen)
Er wird in der 83. Minute eingewechselt. Vier Minuten später sieht er die rote Karte wegen einer Rangelei, diese wird allerdings nach Videoüberprüfung zurückgenommen. ran-Note: ohne BewertungNews Images

Patrik Schick (Bayer Leverkusen)
Der Tscheche wird in der 83. Minute eingewechselt. In der Nachspielzeit verdaddelt er nach einem guten Zuspiel von Boniface den Ball. ran-Note: ohne BewertungNews Images
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