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Bundesliga

FC Bayern München und Thomas Tuchel: Diese Argumente sprechen für und gegen den Trainer

Veröffentlicht:

von Chris Lugert & Martin Volkmar

Bild: 2024 Getty Images


Wie stark wackelt Thomas Tuchel beim FC Bayern? Dem Trainer gehen nach drei Niederlagen in Folge allmählich die Argumente aus. Was spricht überhaupt noch für Tuchel?

Von Chris Lugert und Martin Volkmar

Zum ersten Mal seit Frühjahr 2015 hat der FC Bayern München drei Pflichtspiele nacheinander verloren, die Stimmung rund um die Säbener Straße ist mehr als angespannt. Im Fokus der Aufmerksamkeit steht dabei natürlich Trainer Thomas Tuchel.

Nach nicht einmal einem Jahr scheint sich die als neue Ära angedachte Zeit des 50-Jährigen ihrem Ende zuzuneigen. Noch will der Rekordmeister nicht in Aktionismus verfallen, doch die Luft wird dünner.

Die Niederlage beim VfL Bochum (2:3) könnte im Kampf um die Meisterschaft eine Vorentscheidung zuungunsten der Bayern gewesen sein, in der Champions League droht nach dem 0:1 im Hinspiel bei Lazio Rom das Aus bereits im Achtelfinale.

Und im DFB-Pokal war schon in Runde zwei beim Drittligisten 1. FC Saarbrücken Schluss. Keine Bilanz, die den Ansprüchen der Bayern auch nur ansatzweise genügt.

Nicht wenige sehen das kommende Topspiel in der Liga gegen RB Leipzig am Samstag (18:30 Uhr im Liveticker auf ran.de) als allerletzte Chance für Tuchel, seinen Job noch zu retten - zumindest vorübergehend.

Das Wichtigste zum FC Bayern

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Doch was spricht überhaupt noch für eine Weiterbeschäftigung des Trainers? Was sagen die Fakten? ran stellt die Situation um Thomas Tuchel beim FC Bayern dar.

FC Bayern: Das spricht für einen Verbleib von Thomas Tuchel

  • Keine Alternativen
    Im Vorjahr gaben die inzwischen gefeuerten Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic dem damaligen Trainer Julian Nagelsmann auch deshalb den Laufpass, weil Tuchel gerade verfügbar war. Diesen Luxus haben die Bayern jetzt nicht. Es drängt sich kein Kandidat auf, der sofort übernehmen könnte. auch die denkbare Rückholaktion von Hansi Flick würde nicht gerade die Aura eines Neustarts versprühen.

  • Verantwortung der Spieler
    Ein Kader, der gespickt ist mit hoch bezahlten Stars und selbsternannten Führungsspielern, darf Probleme auf dem Platz auch selbst lösen. Dass diese Führungsfiguren aber regelmäßig abtauchen, ist eine Frage der Mentalität der Profis, keine des Trainers.

  • Verfehlte Kaderplanung
    Tuchel muss mit einem Kader arbeiten, den er so in großen Teilen nicht selbst zusammengestellt hat. Das eine wichtige Spielerprofil, das er für seine Spielidee haben wollte - die "Holding Six" -, bekam er nicht. Insofern wäre es zumindest nachvollziehbar, ihm im Sommer die Gelegenheit zu geben, die Mannschaft nach seinen Vorstellungen umzubauen.

  • Verletztensituation
    Die Bayern kämpfen in dieser Saison mit einem selbst verschuldet dünnen Kader und gleichzeitig einem phasenweise absurden Verletzungspech. Zwischenzeitlich gingen Tuchel fast alle Abwehrspieler aus. Doch er fand Wege, viele Spiele zu gewinnen. Den kompletten Kader hatte er fast nie zur Verfügung.

  • Bilanz in der Bundesliga
    Auch wenn man es kaum glauben mag, aber der Punkteschnitt von Tuchel in der Bundesliga (2,23) ist der viertbeste aller Bayern-Trainer der Geschichte. Vor der Niederlage in Leverkusen waren die Bayern der zu diesem Zeitpunkt der beste Tabellenzweite der Bundesliga-Historie. Tuchel leidet also auch unter der Ausnahme-Saison, die die Werkself spielt.

  • Reputation und Erfolge
    In seiner mehr als 15-jährigen Trainerlaufbahn auf höchstem Niveau hat sich Tuchel nicht umsonst den Ruf eines Ausnahmetrainers erarbeitet. Er gewann den DFB-Pokal mit Dortmund, stand als bislang einziger Coach mit Paris Saint-Germain im Champions-League-Finale und gewann den Henkelpott mit Chelsea. Überall, wo er war, kam früher oder später der Erfolg.

  • Bayerns Trainerstuhl ist kein Schleudersitz
    Innerhalb eines Jahres zweimal den Trainer zu wechseln, wäre nicht Bayern-like und passt nicht zum Selbstverständnis. Für Erfolg braucht es Kontinuität. Diese zeigten die Bayern in der Vergangenheit und wollen sie auch künftig ausstrahlen.

FC Bayern München: Thomas Tuchel hat viertbesten Bundesliga-Punkteschnitt der Bayern-Historie

  • Wer ist am erfolgreichsten? Der Bundesliga-Punkteschnitt der Bayern-Trainer
    Bislang ist das Kapitel Thomas Tuchel beim FC Bayern nicht von übermäßigem Erfolg gekrönt. Doch der Blick auf den Punkteschnitt der Bayern-Trainer in der Bundesliga zeigt: Nur drei Trainer-Ikonen waren besser! ran zeigt die Bilanzen der verschiedenen Bayern-Trainer. (Stand 19.02.2024)

    Laci Perenyi

  • Platz 22: Sören Lerby
    • Punkteschnitt: 1,13 Punkte
    • Zeitraum: Saison 1991/92

    imago sportfotodienst

  • Platz 21: Dettmar Cramer
    • Punkteschnitt: 1,46 Punkte
    • Zeitraum: 01/1975 bis 11/1975

    imago/Eibner

  • Platz 20: Gyula Lorant
    • Punkteschnitt: 1,53 Punkte
    • Zeitraum: 12/1977 bis 02/1979

    imago images/Rust

  • Platz 19: Zlatko Cajkovski
    • Punkteschnitt: 1,71 Punkte
    • Zeitraum: 07/1963 bis 06/1968

    imago sportfotodienst

  • Platz 18: Erich Ribbeck
    • Punkteschnitt: 1,74 Punkte
    • Zeitraum: 03/1992 bis 12/1993

    imago/Schwörer Pressefoto

  • Platz 17: Jürgen Klinsmann
    • Punkteschnitt: 1,86 Punkte
    • Zeitraum: 07/2008 bis 04/2009

    imago images/Laci Perenyi

  • Platz 16: Franz Beckenbauer
    • Punkteschnitt: 1,88 Punkte
    • Zeitraum: Saisons 1993/94 und 1995/1996

    imago images / Sven Simon

  • Platz 15: Branko Zebec
    • Punkteschnitt: 1,90 Punkte
    • Zeitraum: 07/1968 bis 03/1970

    imago/WEREK

  • Platz 14: Giovanni Trapattoni
    • Punkteschnitt: 1,91 Punkte
    • Zeitraum: Saison 1994/1995 und 07/1996 bis 06/1998

    not available

  • Platz 13: Otto Rehhagel
    • Punkteschnitt: 1,93 Punkte
    • Zeitraum: 07/1995 bis 04/1996

    imago images/frontalvision.com

  • Platz 12: Louis van Gaal
    • Punkteschnitt: 1,94 Punkte
    • Zeitraum: 07/2009 bis 04/2011

    imago/MIS

  • Platz 11: Pal Csernai
    • Punkteschnitt: 1,97 Punkte
    • Zeitraum: 03/1979 bis 05/1983

    imago/Fred Joch

  • Platz 10: Udo Lattek
    • Punkteschnitt: 2,07 Punkte
    • Zeitraum: 03/1970 bis 01/1975 sowie Saisons 1983/1984 bis 1986/1987

    imago images/Contrast

  • Platz 9: Ottmar Hitzfeld
    • Punkteschnitt: 2,08 Punkte
    • Zeitraum: Saisons 1998/1999 bis 2003/2004 sowie 02/2007 bis 06/2008

    imago/HJS

  • Platz 8: Felix Magath
    • Punkteschnitt: 2,14 Punkte
    • Zeitraum: 07/2004 bis 01/2007

    imago sportfotodienst

  • Platz 7: Jupp Heynckes
    • Punkteschnitt: 2,15 Punkte
    • Zeitraum: 07/1987 bis 10/1991, 04/2009 bis 06/2009, 07/2011 bis 06/2013 und 10/2017 bis 06/2018

    imago/DeFodi

  • Platz 6: Julian Nagelsmann
    • Punkteschnitt: 2,16 Punkte
    • Zeitraum: 07/2021 bis 03/2023

    IMAGO/osnapix

  • Platz 5: Niko Kovac
    • Punkteschnitt: 2,18 Punkte
    • Zeitraum: 07/2018 bis 11/2019

    IMAGO/Christian Schroedter

  • Platz 4: Thomas Tuchel
    • Punkteschnitt: 2,23 Punkte
    • Zeitraum: seit 03/2023

    Eibner

  • Platz 3: Carlo Ancelotti
    • Punkteschnitt: 2,38 Punkte
    • Zeitraum: 07/2016 bis 09/2017

    imago/Team 2

  • Platz 2: Hansi Flick
    • Punkteschnitt: 2,45 Punkte
    • Zeitraum: 11/2019 bis 06/2021

    IMAGO/Ulrich Wagner

  • Platz 1: Pep Guardiola
    • Punkteschnitt: 2,52 Punkte
    • Zeitraum: Saisons 2013/14 bis 2015/2016

    imago images/Fotostand


FC Bayern: Das spricht für eine Entlassung von Thomas Tuchel

  • Verheerende Gesamtbilanz
    Tuchel hat nach der Niederlage in Bochum genau ein Viertel seiner Pflichtspiele (11 von 44) als Bayern-Trainer verloren - das gab es bei den Münchnern seit Jahrzehnten nicht. Im Vergleich zu Nagelsmann gibt es statistisch keine Weiterentwicklung. Tuchels Bayern schießen deutlich weniger Tore pro Spiel (2,27 statt 3,03) und kassieren mehr (1,2 statt 1,0).

  • Keine Statements in großen Spielen
    Gegen RB Leipzig waren die Bayern unter seiner Leitung in der Vorsaison in der Liga und zum Auftakt der laufenden Spielzeit im Supercup ebenso chancenlos wie zuletzt in Leverkusen. Die zwei klaren Siege gegen den BVB retten den Gesamteindruck nicht. Und dieser offenbart: Vom Mia san Mia gerade in wichtigen Spielen ist unter Tuchel nichts zu sehen.

  • Fehlende Spielidee
    Auch nach fast einem Jahr ist für den Zuschauer im Stadion oder vor dem Fernseher nicht erkennbar, wie der Tuchel-Fußball eigentlich aussehen soll. Ein Konzept, eine wieder erkennbare Spielidee, fehlt nahezu komplett.

  • Keine Weiterentwicklung der Spieler
    Welchen Spieler hat Tuchel bei den Bayern wirklich besser gemacht? Phasenweise galt das für Leroy Sane, aber auch nur für ihn. Kein Profi sonst agiert auf dem Niveau, das er bereits in der Vergangenheit bewiesen hat. Joshua Kimmich und Alphonso Davies, zwei Säulen der vergangenen Jahre, erleben unter Tuchel eine Dauer-Formkrise. Jamal Musiala stagniert, andere Spieler wirken gehemmt.

  • Umgang mit den Profis
    Was auch daran liegen könnte, dass Tuchel einen Teil der Kabine offenbar verloren hat. Seine öffentliche Demontage von Spielern wie etwa Goretzka im vergangenen Sommer war fehl am Platz. Mit Kimmich ist das Verhältnis dem Vernehmen nach frostig, der Umgang mit Matthijs de Ligt warf zuletzt auch zahlreiche Fragen auf. Dass hier noch ein gemeinsamer Nenner zwischen Mannschaft und Trainer gefunden wird, scheint zweifelhaft.

  • Fehlende Selbstkritik
    Wiederholt reagierte Tuchel in der jüngeren Vergangenheit gereizt auf fachlich völlig berechtigte, kritische Nachfragen. Nach der Niederlage in Leverkusen, als sein Dreierketten-Experiment krachend scheiterte, wollte er von einem Fehler nichts wissen und erklärte stattdessen, warum Leverkusens Tore so eigentlich nicht normal gewesen seien. Dabei ist es manchmal sogar ein Zeichen von Stärke, Fehler einzugestehen.

  • Seltsame Außendarstellung
    Sowohl sein sich regelmäßig wiederholendes Mantra der bayerischen Trainingsmeister als auch der Fokus auf die XGoal-Werte wie nach dem Bochum-Spiel haben seinem öffentlichen Ansehen nur wenig geholfen. Tuchel neigt dazu, Dinge schönzureden. Zehn XGoals bringen nichts, wenn am Ende kein Tor dabei herausspringt. Und kein noch so tolles Training am Dienstag hilft am Samstag weiter.

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Thomas Tuchel: Wie geht es jetzt weiter?

Gegen Leipzig wird der Trainer aller Voraussicht wohl noch auf der Bank sitzen, Vorstandboss Jan-Christian Dreesen hat sich direkt nach dem Bochum-Spiel eindeutig positioniert. Ein Umfaller würde auch Dreesens eigener Reputation schaden.

Allerdings ist durchaus denkbar, dass eine weitere Niederlage das Aus des Bayern-Coaches besiegelt. Dann wäre nicht nur die Meisterschaft endgültig weg, sondern der Vorsprung auf Platz fünf könnte - je nach Verlauf des Wochenendes - auf sieben Punkte zusammenschmelzen.

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