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FC Bayern München: "Bilanz des Grauens" gegen Real Madrid seit 2012
Aktualisiert:
von Carolin Blüchelran Fußball Bundesliga
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Vier Champions-League-Duelle, vier bittere Ausscheiden: Seit 2012 ist der FC Bayern gegen Real Madrid immer wieder auf dramatische Weise gescheitert. Von taktischer Demontage über Schiedsrichter-Skandale bis hin zu individuellen Blackouts - ran holt die Traumata aus den Geschichtsbüchern zurück.
Lange Zeit galt der FC Bayern in Spanien als "la bestia negra", die schwarze Bestie, der Angstgegner von Real Madrid. Doch dieses Bild hat sich gedreht.
2012 besiegten die Bayern die Königlichen zuletzt in einem Champions-League-Duell - damals im Halbfinale. Seitdem wurde jede K.o.-Runde gegen die Galaktischen zum Trauma. Immer anders, aber immer dramatisch.
2014, 2017, 2018, 2024: vier Duelle, vier Tragödien, jede auf ihre Weise schmerzhaft für die Münchner. ran holt sie zurück aus den Geschichtsbüchern, bevor der Rekordmeister im Viertelfinale am Dienstag (ab 21 Uhr im Liveticker) endlich wieder ein erfolgreiches Kapitel gegen Real hinzufügen will.
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2014: Guardiolas Bayern taktisch zerlegt (Hinspiel: 0:1, Rückspiel: 0:4)
Es beginnt mit einem scheinbaren Paradox: Bayern dominiert und verliert. Im Hinspiel in Madrid (0:1) hat das Team von Pep Guardiola den Ball fast durchgehend. Über 80 Prozent Ballbesitz zur Halbzeit. Eine Zahl, die Kontrolle suggeriert.
Doch Kontrolle ohne eigene Tore führt eben nicht zum Sieg. Erst recht nicht gegen das Real von Carlo Ancelotti. Der Maestro lässt seine Mannschaft geduldig und tief stehend verteidigen, bis sie im richtigen Moment zuschlägt. Ein Konter, ein Abschluss, ein Tor durch Karim Benzema. Mehr braucht es nicht.
Was im Rückspiel in München (0:4) folgt, ist kein Spiel mehr, sondern eine Demontage. Real stört diesmal früher und zieht den Bayern mit dieser taktischen Umstellung schnell den Zahn. Zwei Standards, zweimal Sergio Ramos. Nach 20 Minuten ist die Partie praktisch entschieden.
Am Ende steht über beiden Spiele ein 0:5. Und das Gefühl, dass Dominanz allein gegen Real nichts wert ist.
Die Wahrheit von 2014: Bayern wird taktisch zerlegt und lernt schmerzlich, wie gnadenlos Effizienz sein kann.
2017: Der Schiedsrichter-Skandal (Hinspiel: 1:2, Rückspiel: 2:4 n.V.)
Drei Jahre später im Viertelfinale - diesmal mit Ancelotti als Bayern-Trainer - ist alles enger und am Ende doch noch frustrierender. Schon das Hinspiel in München (1:2) lässt erahnen, dass der Fußball-Gott nicht auf Seiten der Bayern steht. Robert Lewandowski muss angeschlagen passen.
Dennoch beginnt der Rekordmeister stark, geht durch Arturo Vidal (25.) in Führung. Real hingegen vergibt seine Chancen. Es folgt der Moment, der sich im Nachhinein wie ein Bruch durch die Partie zieht: Vidal verschießt einen, zugegeben ungerechtfertigten, Elfmeter in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit. Kurz nach Wiederanpfiff trifft prompt Cristiano Ronaldo (47.).
Und dann fliegt auch noch Javi Martinez wegen zwei taktischer Fouls im Mittelfeld mit Gelb-Rot vom Platz. In Unterzahl nutzt CR7 noch einmal die Gunst der Stunde. Dass die Niederlage nicht höher ausfällt, ist einzig Manuel Neuer zu verdanken. Das Aus deutet sich an.
Im Rückspiel in Madrid (2:4 nach Verlängerung, regulär 2:1 für Bayern) spielt tragischerweise der Schiedsrichter die Hauptrolle. Zu Ungunsten der Münchner.
Treffer Lewandowski, Eigentor Ramos, einmal Ronaldo: In einer packenden zweiten Halbzeit kämpfen sich die Bayern in die Verlängerung. Allerdings mit zwei Ärgernissen im Gepäck: Reals Casemiro muss eigentlich vom Platz fliegen müssen, tut es aber nicht. Bayerns Vidal sieht hingegen nach einem regulären Tackling ungerechtfertigt Gelb-Rot (84.). Das Momentum kippt.
Und trotzdem ist da dieses Gefühl, es könnte diesmal reichen. Doch Schiedsrichter Viktor Kassai entgleitet das Spiel weiter. Ronaldo trifft doppelt, zweimal aus Abseitsposition, die Pfeife bleibt stumm. Bayern tobt und verliert 2:4 nach Verlängerung.
Die Wahrheit von 2017: Ein rabenschwarzer Tag des Schiedsrichters verhindert den Halbfinal-Einzug - aber auch ein bisschen die Bayern selbst.
2018: Schwache Chancenverwertung und ein fetter Torwart-Patzer (Hinspiel: 1:2, Rückspiel: 2:2)
Nur ein Jahr nach dem dramatischen Erlebnis im Bernabeu haben die Bayern im Halbfinale die Chancen auf Revanche. Diesmal mit Triple-Trainer Jupp Heynckes. Und doch bleibt Entscheidendes gleich.
Wieder gehen die Bayern in Hin- und Rückspiel in Führung, wieder reicht es am Ende nicht. Es ist dasselbe Bild wie in den Jahren zuvor: Während der Rekordmeister viele Hochkaräter sträflich liegen lässt, präsentiert sich Real als Meister der Effizienz.
Im Hinspiel entscheidet erneut ein Konter die Partei zu Gunsten der Spanier, im Rückspiel in Madrid - in einem eigentlich hochklassigen Spiel - grätscht Neuer-Ersatz Sven Ulreich an einem Rückpass von Corentin Tolisso vorbei, so dass Benzema freie Fahrt hat. Ein Moment, der sich festsetzt, weil er so vermeidbar wirkt.
Zwar gleichen starke Bayern noch durch James zum 2:2 aus, lassen aber zahlreiche andere Chancen ungenutzt - auch weil Real-Keeper Navas nahezu alles pariert und die Abwehrschlacht für Real fast allein über die Zeit rettet.
Die Wahrheit von 2018: Bayern scheitert an sich selbst.
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2024: Die 3-Minuten-Tragödie (Hinspiel: 2:2, Rückspiel: 1:2)
Wieder Halbfinale, wieder Real. Doch diesmal sollte alles anders werden. Es beginnt im Hinspiel in München (2:2) wieder mit spanischer Effizienz. Vinicius Junior trifft für Real (29.) - es ist die erste Chance der Spanier.
Erst als die Königlichen einen Gang hochschalten und gefühlt die Kontrolle übernehmen, dreht Bayern die Partie durch Sane (50.) und Kane (62.). Die Bayern auf Erfolgskurs - bis zur 89. Minute: Nach einem Foul von Minjae Kim verwandelt Vini Jr. den fälligen Elfmeter zum Ausgleich.
Und doch ist ein Happy End noch zum Greifen nah. Im Rückspiel in Madrid (1:2) erleben die Fans dann ein bärenstarkes Real, das hoch presst und Neuer mehrfach testet. Die Bayern hingegen glücklos. 8:2 lautet das Schussverhältnis zur Halbzeit.
Plötzlich verwandelt Alphonso Davies in der 68. Minute einen Konter erfolgreich, die Bayern plötzlich auf Finalkurs. Jamal Musiala hat das 2:0 auf dem Fuß und Neuer pariert wie in seinen besten Zeiten. Reals Sturmlauf scheint zu scheitern. Endlich, möchte man meinen.
Dann der Moment, der jeden Bayern-Fan so schmerzen dürfte wie Manchester United 1999. Real-Joker Joselu dreht die Partei binnen drei Minuten (88. und 90. +1) - mit tatkräftiger Mithilfe von Neuer. Der Bayern-Keeper, der bis dato herausragend gehalten hat, lässt einen Schuss von Vini Jr. nur abprallen, Joselu kann zum Ausgleich abstauben.
Und als hätte dieses Duell noch eine letzte Pointe, folgt sie jetzt: Matthijs de Ligt trifft in der 13. Minute der Nachspielzeit zum vermeintlichen 2:2. Hätte nicht Schiedsrichter Szymon Marciniak kurz zuvor wegen Abseitsverdacht abgepfiffen. Überhastet, entgegen der Regel, die besagt, enge Szenen laufen zu lassen, um sie später durch den VAR zu kontrollieren. Doch nach einem Pfiff hat der VAR keine Handhabe. Das Tor zählt nicht. Das Spiel ist aus - und Bayerns Traum wird wieder zum Trauma.
Trainer Thomas Tuchel spricht später von einem "Desaster" und will die Entschuldigung des zerknirschten Schiedsrichters erst gar nicht annehmen.
Die Wahrheit von 2024: Neuer wird zum tragischen Helden, der Schiedsrichter zum Unglücksraben - es ist wohl das größte Bayern-Trauma der vergangenen zwölf Jahre.
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