Fußball
DFB-Pokal - Vincent Kompany: Von der Verlegenheitslösung zum Perfect Match
Veröffentlicht:
von Christoph Gailerran Fußball
WM-Favorit? Bayern-Fans wagen wilden Hot-Take
Videoclip • 01:59 Min
Vor zwei Jahren als gefühlte Verlegenheitslösung nach zuvor langer Trainersuche zum FC Bayern München gekommen, ist Vincent Kompany mittlerweile längst der Erfolgsgarant des Rekordmeisters.
Das Warten des FC Bayern München hat ein Ende.
Der Rekordsieger hat am Samstagabend durch das 3:0 (0:0) gegen den VfB Stuttgart zum 21. Mal den DFB-Pokal gewonnen und sich damit das nationale Double gesichert.
Da konnte der ansonsten stets so fokussiert wirkende FCB-Coach Vincent Kompany auch mal loslassen. "Party wird es geben heute Abend", kündigte der Belgier in der "ARD" an.
"In dieser Saison hat das ganze Team seit Tag eins über diesen Pokal gesprochen. Das zeigt, dass der FC Bayern München diesem Pokal eine hohe Wertschätzung entgegenbringt. Wir wollen ihn zurück nach München bringen", erklärte der Ex-Profi auf der Pressekonferenz noch vor dem Pokalfinale.
Art und Weise des Bayern-Erfolges beeindruckt
Und tatsächlich darf sich der so bescheiden wirkende Kompany nach dem ersten Bayern-Double seit 2020 zurecht auch selbst feiern (lassen). Nicht nur, dass der 40-Jährige in seinem zweiten Jahr beim Rekordmeister nun erstmals Meisterschaft und Pokal gewinnen konnte - es ist vor allem die Art und Weise des Erfolges.
Die Münchner gewinnen unter Kompany nicht nur irgendwie die Spiele, wie oft unter Vorgänger Thomas Tuchel, sondern dominieren die Gegner zumeist auch noch. Exemplarisch dafür die zurückliegende Bundesliga-Saison, in der die Münchner mit 122 Treffern einen neuen Rekord aufgestellt haben.
Nach dem Triumph von Berlin sprach nun auch Bayerns-Sportvorstand zurecht von der "Krönung einer großartigen Saison".
Volltreffer von Eberl - Lob von Hoeneß und Co.
Dass es bei den Bayern nach zuvor turbulenten Jahren wieder ruhig und vor allem sehr erfolgreich läuft, lag maßgeblich an der Entscheidung, Kompany im Sommer 2024 an die Säbener Straße zu holen.
Der Weg dorthin verlief allerdings für Sportvorstand Max Eberl und Sportdirektor Christoph Freund nicht ohne Stolpersteine. Denn bekanntlich war Kompany nicht der erste Trainer-Kandidat zum damaligen Zeitpunkt. Zuvor gab es unter anderem Absagen von Julian Nagelsmann und Ralf Rangnick. Erst dadurch wurde die Personalie des damaligen Burnley-Trainers Kompany so richtig heiß - und letztlich zum Perfect Match.
Während vor allem Bayerns graue Eminenz im Hintergrund, Ehrenpräsident Uli Hoeneß, beim verbalen Nachtreten gegen die Kompany-Vorgänger Tuchel oder Nagelsmann kein Blatt vor den Mund nimmt, gibt es für den Belgier nur Lob: "Man sieht: Wenn der Trainer und die Mannschaft eine Einheit bilden, kann man viel erreichen."
Kompanys Kader-Management als Schlüssel für den Erfolg
Und tatsächlich, Hoeneß' Worte spiegeln sich auch auf dem Platz wider. Die Bayern sind - anders als unter Tuchel - wieder die berühmte Einheit, treten als geschlossenes Team auf. Dies darf sich Kompany durchaus als sein Verdienst anheften, denn zum einen machten die Münchner vor seiner Zeit eben nicht immer den Eindruck, dem Trainer und dessen Plänen vollumfänglich zu vertrauen und zu folgen.
Außerdem gab es zwischen Tuchel und einigen Führungsspielern im Bayern-Kader sehr offensichtliche Dissonanzen, was letztlich auch zur vorzeitigen Trennung geführt haben dürfte. Ganz anders unter Kompany, weshalb auch Ex-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge den Belgier als eine Wahl bezeichnete, "die den FC Bayern sehr glücklich macht". Die Münchner sind mit Kompany sogar so glücklich, dass sein Vertrag bereits vorzeitig bis 2029 verlängert wurde.
Dabei handelte Kompany in seinen nun zwei Jahren in München nicht immer so, wie es die Bosse vielleicht erwarten hätten. Bestes Beispiel dafür ist die Personalie Leon Goretzka. Der Routinier galt in den zurückliegenden Jahren als Verkaufskandidat, doch der Trainer forcierte diese Bestrebung seiner Bosse nicht, sondern setzte auf den Nationalspieler. Ein starkes Zeichen des jungen Trainers an die Vereinsführung, aber auch sein Team, nach dem Motto: Bei mir zählt nur eines - harte Arbeit und Leistung.
Wie einst Hansi Flick: Folgt nun das Triple?
Arbeit und Leistung sind Begriffe, die in der Familie Kompany seit jeher eine wichtige Rolle spielen. Vater Pierre flüchtete 1975 aus politischen Gründen aus dem Kongo, arbeitete sich in der neuen Heimat Belgien vom Taxi-Fahrer zum ersten schwarzen Bürgermeister des Landes hoch. Heute sitzt der 78-Jährige in der belgischen Abgeordnetenkammer - zuletzt sogar mit einem Bayern-Trikot.
Diese Strebsamkeit gab er offensichtlich an Sohn Vincent weiter, der zunächst ein Weltklasse-Verteidiger bei Manchester City war und nun längst ein Weltklasse-Trainer beim FC Bayern München ist. Nach einem Titel im ersten Jahr an der Säbener Straße und nun zwei Titeln im zweiten Jahr der Amtszeit, träumen die Fans der Bayern natürlich schon. Folgt 2027 sogar das Triple?
Das holte der Rekordmeister zuletzt 2020 unter Hansi Flick. Mit dem heutigen Barca-Coach verbindet Kompany nicht nur ein ähnlicher Punkteschnitt als Bayern-Trainer (Kompany 2,43, Flick 2,53). Vielmehr war es in der Flick-Ära in München auch lange Zeit ähnlich harmonisch, ehe sich dieser mit dem damaligen Sportvorstand Hasan Salihamidzic zerstritt.
Doch bei all den Lobeshymnen, die Kompany jetzt erfährt, droht ihm dieses Schicksal eines internen Zerwürfnisses mit den Bossen wohl kaum. Zu lange suchten die Bayern nach einem Perfect Match auf der Trainerbank - und fanden es offensichtlich ausgerechnet in jemanden, der zunächst wie eine Verlegenheitslösungen aussah.
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