Lukas Podolski beendet seine Karriere
Mit Lukas Podolski verabschiedet sich eine Legende des deutschen Fußballs - eine Würdigung
Veröffentlicht:
von Tobias WiltschekSat.1 NRW
Mega-Sammlung an Podolski-Trikots
Videoclip • 02:09 Min
Am Samstag endet eine der beeindruckendsten Karrieren der vergangenen Jahrzehnte. Lukas Podolski verabschiedet sich als Profi-Fußballer und hinterlässt viele mehr als sportliche Erfolge. Eine Würdigung.
Er geht, wie man ihn auch als Fußballer kannte: mit wenigen Worten, aber viel Gefühl.
"So, Feierabend", sagt Lukas Podolski in seinem Abschiedsvideo, das er am Freitag über die Sozialen Medien verbreitete. Dann schließt er die Tür und ist weg.
Davor aber lässt der 40-Jährige seine Karriere noch einmal Revue passieren. Man sieht die Trikots, die er getragen hat, hört aus dem Radio Reporter, die seine Tore ekstatisch feiern - während er sich einen türkischen Tee einschenkt, genießt. Und schweigt.
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Podolski: "Ich gebe kurze Antworten, dann müsst ihr nicht so viel schreiben"
Große Reden waren auch als Spieler nicht sein Ding. Podolski war eher der Typ für die kurzen Phrasen. Die aber saßen.
"Ich gebe kurze Antworten, dann müsst ihr nicht so viel schreiben", wandte er sich einmal direkt an die Journalisten. Die hatten nicht nur an seinem Spiel ihre Freude, sondern auch an seinen Sprüchen.
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In Köln liegen sie "Prinz Poldi" bis heute zu Füßen
Bis heute legendär ist sein Kommentar zu einer Szene, die den damaligen Bundestrainer Joachim Löw beim Griff in die eigene Hose zeigte: "80 Prozent von euch und ich auch kraulen sich auch mal an den Eiern", lässt der die verdutzten Reporter bei einer Pressekonferenz wissen.
Die Reihe an Sprüchen, die zu Kult wurden, ließe sich hier endlos fortsetzen. Doch Podolski, den alle nur "Poldi" rufen, wurde ja nicht als Sprücheklopfer populär, sondern primär als Fußball-Profi.
Und das vor allem in Köln, wo sie ihrem "Prinz Poldi" noch heute zu Füßen liegen. "Er ist schon ein bisschen wie Köln: unterhaltsam, niemals langweilig, immer irgendwie das positive Lebensgefühl mit sich tragend“, sagte Löw bei ProSieben einmal über das Verhältnis von Podolski zu seiner Stadt.
Zehn Jahre war er, als er zum FC kam. Als er Köln elf Jahre später verließ, ging er als Held – und das obwohl sein Klub trotz seiner vielen Tore 2006 mal wieder absteigen musste.
Lukas Podolski mit Bastian Schweinsteiger und WM-Pokal
Bild: Laci Perenyi
Podolski erlebte im Jahr 2006 seinen endgültigen Durchbruch
Für Podolski selbst aber bedeutete dieses Jahr den endgültigen Durchbruch. Bei der Heim-WM wurde er mit drei Toren zu einem der Protagonisten des Sommer-Märchens. Danach wechselte er zu Bayern München, wurde später Deutscher Meister und Pokalsieger.
In seinem Herzen aber blieb der FC weiter die Nummer 1. Und so kehrte er drei Jahre später nach Köln zurück, als er bei den Bayern aufs Abstellgleis zu geraten drohte.
In Köln hatte er so etwas nie zu befürchten. Dort fand er wieder zurück zu alter Treffsicherheit und hielt sein Team mit seinen Toren drei Jahre lang in der Bundesliga. Dass es am Ende dennoch wieder in die Zweite Liga ging, verziehen ihm die Fans genauso wie seinen abermaligen Abgang – diesmal zum FC Arsenal nach London.
Sein unbekümmertes und positives Naturell sollte ihm auch im Ausland nicht abhandenkommen und war wohl auch ein Grund dafür, dass er 2014 noch einmal zur WM mitgenommen wurde, obwohl er zuvor auch verletzungsbedingt nur noch selten in der Nationalmannschaft zum Einsatz kam.
Seinen größten Auftritt hatte Podolski dann auch nicht in Brasilien, wo er mit dem DFB-Team Weltmeister werden sollte, sondern schon im Vorfeld der WM. Im Trainingslager in Südtirol warf er unvermittelt einen Reporter in den Pool – nur so zum Spaß. "Die Situation war wie gemalt, und, tja, dann war er halt im Wasser." Podolski eben.
Lukas Podolski weint bei seinem Abschiedsspiel.
Bild: Chai v.d. Laage
"Um 22.16 Uhr brach Poldi in Tränen aus"
Typisch Podolski auch sein emotionales Abschiedsspiel 2024 in Köln. Er hatte als Fußball-Profi die halbe Welt gesehen, war in Istanbul genauso zu Hause wie in Kobe oder Mailand. An diesem 10. Oktober aber zog es ihn zurück in sein Stadion. "Um 22.16 Uhr brach Poldi in Tränen aus", schrieb die "Bild".
Nun also der endgültige Abschied von einem der beliebtesten deutschen Fußballer der vergangenen Jahrzehnte. Ein Fußballer, dessen Volksnähe und Bodenständigkeit ihm manchmal auch als Naivität und Kleingeistigkeit ausgelegt wurden – zu Unrecht.
Podolski hat sich neben seinem Dasein als Fußball-Profi ein zweites Standbein als erfolgreicher Geschäftsmann aufgebaut. Er betreibt Dönerläden und Eisdielen, auch ein eigenes Modelabel hat er entwickelt.
Mittlerweile gehört ihm sogar der polnische Fußball-Klub Gornik Zabrze aus der Nähe seiner Geburtsstadt Gliwice. Für Gornik spielt er seit 2021, mit dem Verein wurde er in diesem Jahr Pokalsieger. Sein letzter großer Titel.
Am Samstag um 17.30 Uhr bestreitet er sein letztes Spiel. Ein Heimspiel. Für Gornik. Danach ist endgültig Feierabend für den Fußballer Lukas Podolski.
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