Olympische Winterspiele
Eishockey bei Olympia 2026 - Ex-Nationalspieler Christoph Schubert: "Die Jungs müssen aus dem Quark kommen"
Aktualisiert:
von Oliver JensenViel Last auf seinen Schultern: Ex-Profi Christoph Schubert (kl. Foto) hofft auf mehr Entlastung für Leon Draisaitl
Bild: imago
Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft muss nach der Gruppenphase viel Kritik einstecken. Ex-Nationalspieler Christoph Schubert nimmt gegenüber ran vor allem die NHL-Stars wie Leon Draisaitl in Schutz, warnt aber auch vor dem nächsten Gegner Frankreich.
von Oliver Jensen,
Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft blickt bei den Olympischen Winterspielen auf eine mittelmäßige Gruppenphase zurück. Die DEB-Auswahl gewann zum Auftakt mit 3:1 gegen Dänemark, verlor aber daraufhin überraschend mit 3:4 gegen Lettland. Im dritten Gruppenspiel folgte eine 1:5-Pleite gegen die Star-Truppe der USA.
Superstar Leon Draisaitl wurde während der Klatsche sogar von einem Gegenspieler verhöhnt. Routinier Moritz Müller kritisierte die eigene Mannschaft scharf und stellte sogar infrage, dass dies die beste deutsche Mannschaft aller Zeiten ist.
Das deutsche Eishockey-Team wurde im Vorfeld vielfach gelobt, weil das Team mit Draisaitl über einen der besten Spieler der Welt verfügt und insgesamt acht NHL-Spieler im Aufgebot hat.
Schubert über DEB-Team: "Schon vorher viel Druck"
Doch wie gut ist die deutsche Mannschaft nun wirklich? Der frühere NHL-Spieler Christoph Schubert stand bei den Olympischen Winterspielen 2002 und 2006 selbst auf dem Eis und hat die deutschen Spiele aufmerksam verfolgt. Die negative Stimmungslage kann er nicht nachvollziehen.
"Das ist das typische Problem, wenn man im Vorfeld bereits so hochgejubelt wird", sagt er im Gespräch mit ran: "Die anderen Mannschaften sind auch nicht schlechter. Dass solche Spiele passieren können, ist selbstverständlich. Mir tun die Jungs echt leid, weil es nicht gerechtfertigt war, schon vorher so viel Druck auf die Mannschaft auszuüben."
Das Zwischenfazit nach der Gruppenphase fällt dennoch durchwachsen aus. "Wir haben gegen Dänemark gewonnen, weil wir einen unheimlich starken Philipp Grubauer im Tor hatten - und wir sind bereits nach 23 Sekunden in Führung gegangen. Man muss auch mal Spiele gewinnen, in denen man nicht so gut spielt", so Schubert.
Und weiter: "Das Spiel gegen Lettland war ein Dämpfer. Man hat von Anfang an gesagt, dass man diese Mannschaft nicht unterschätzen darf."
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USA und Kanada spielen anderes Eishockey
Das US-Team agierte ohnehin auf einem anderen Niveau. "Die US-Amerikaner und auch die Kanadier spielen einfach ein anderes Eishockey", betont Schubert: "Es gibt kaum Fehlpässe, die Scheibe fließt von Spieler zu Spieler, ohne dass ein Puck verspringt. Sie finden schnell Lücken. Und wenn sie vor das gegnerische Tor kommen, ist der Puck schnell drin."
Der 44-Jährige würde sich wünschen, dass in der K.o.-Runde die Breite des Kaders zur Geltung kommt. "Meine Hoffnung ist, dass sich die Mannschaft auch innerhalb der Gruppe findet, sodass nicht der ganze Druck nun auf Leon liegt - der mir echt schon langsam leidtut, weil so viel auf ihn einschlägt. Ähnlich ist es bei JJ (Peterka), Tim (Stützle) und Mo Seider. Es gibt auch noch 15 andere Jungs in der Gruppe, die aus dem Quark kommen müssen, damit die anderen etwas entlastet werden."
Der Einwand ist berechtigt. Deutschland hat bei dem Turnier bislang sieben Tore erzielt. Vier Tore davon gehen auf das Konto von Stützle (Ottawa Senators), bei jeweils einem Treffer stehen Draisaitl (Edmonton Oilers) und Lukas Reichel (Vancouver Canucks). Der einzige Spieler ohne NHL-Erfahrung, der bislang für Deutschland traf, ist Verteidiger Lukas Kälble vom DEL-Team Adler Mannheim.
Frankreich spielt mit Leidenschaft
In der Viertelfinal-Qualifikation trifft Deutschland am Dienstag (12:10 Uhr) auf Frankreich, das alle drei Gruppenspiele verloren hat und bei einem Torverhältnis von 5:20 steht. Mit Alexandre Texier von den Montreal Canadiens haben die Franzosen nur einen NHL-Spieler im Kader.
Doch Schubert warnt: "Natürlich sollte man das Spiel gewinnen, wenn man an sein Limit geht und mit Herz und Leidenschaft aufs Eis geht. Aber wir dürfen die Franzosen nicht unterschätzen. Frankreich spielt genauso hart, die spielen in jedem Spiel mit Leidenschaft. Sie haben zwar gegen Kanada zehn Gegentore kassiert, aber sie fahren jeden Check zu Ende und gehen hart vor das Tor. Das Spiel ist nicht automatisch gewonnen."
Sollte Deutschland gewinnen, käme es danach zum Duell mit der Slowakei. "Das wäre für mich ein 50:50-Duell", sagt Schubert. Die Slowakei gewann ihre Gruppe und besiegte sogar den Geheimfavoriten Finnland mit 4:1. Ein weiterer Vorteil: Im Gegensatz zu Deutschland können die Slowaken drei Tage regenerieren, weil sie bereits fix im Viertelfinale stehen.
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