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FC Bayern - Innen Weltklasse, außen und im Tor nicht: Drei Gründe für die FCB-Defensivprobleme
Aktualisiert:
von Justin Kraftran Fußball
FC Bayern: Neuer-Weckruf! So pushte er die Mannschaft
Videoclip • 05:26 Min
Trotz einer 4:5-Niederlage geht der FC Bayern mit positiven Gefühlen ins Rückspiel gegen Paris Saint-Germain. Doch für den Finaleinzug braucht es vor allem defensiv eine Leistungssteigerung.
Mats Hummels sprach nach dem Neun-Tore-Spektakel etwas aus, was zunächst ziemlich paradox klang: Eigentlich, so der Weltmeister von 2014, hat Dayot Upamecano eine herausragende Partie gemacht. Trotz fünf Gegentreffern. Und auch Jonathan Tah bekam vom ehemaligen Dortmunder viel Lob.
Ohne es in diesem Moment darauf abzuzielen, traf Hummels damit einen wichtigen Kern, wenn es um die Analyse der Defensivprobleme des FC Bayern geht. Die Innenverteidiger sind oft die, die viel Kritik dafür abbekommen, wenn sie in einem System wie dem von Vincent Kompany von schnellen Offensivstars schwindelig gespielt werden.
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Upamecano kann ein Lied davon singen. Wie oft war er der Sündenbock nach Niederlagen? Aber Hummels hat Recht: Der Franzose spielte überragend, verteidigte oft in höchster Not. Sein Tackling gegen Ousmane Dembele in der ersten Halbzeit, als er in der Rückwärtsbewegung das Dribbling des Parisers stoppte, war pure Weltklasse.
Wenn aber die Innenverteidigung nicht das große Problem ist, wie fallen dann fünf Gegentore? ran nennt drei Gründe für die wacklige Defensive der Bayern.
Der FC Bayern hat ein Problem auf den Außenbahnen
Fakt ist: Hinten sind die Münchner schon länger unsicher. In den letzten fünf Pflichtspielen kassierten sie 13 Gegentore. Immerhin ging es dabei gegen Real Madrid, den VfB Stuttgart und eben PSG. Außerdem war mit Mainz 05 ein Bundesliga-Spiel dabei, das nicht mehr den größten Stellenwert hat.
Und doch ist klar, dass diese Wackelabwehr am Ende Titel kosten kann. Ein wesentlicher Faktor für die Anfälligkeit sind die Außenverteidiger. Alphonso Davies startete in Paris gut in die Partie und war bis auf den diskutablen Handelfmeter selten im Mittelpunkt des Geschehens. Seine Auswechslung kam sogar etwas überraschend.
Josip Stanisic und später Konrad Laimer hatten jedoch massive Probleme damit, die Qualität des Starensembles von PSG in den Griff zu bekommen. Beim Ausgleich ließ sich Stanisic zunächst aus seiner Position locken, um dann im Laufduell eine zu schlechte Ausgangslage zu haben, um den Zweikampf ruhig führen zu können. Das zweite Gegentor war eine Standardsituation – auch das ist ein wiederkehrendes Problem bei den Bayern.
Den Elfmeter verursachte Davies unglücklich, aber auch da hatte Paris in der Entstehung viel zu oft sehr viel Platz auf den Flügeln. Beim vierten Gegentor ließ sich Laimer locken. Der Österreicher verfolgte einen Pariser und öffnete damit den kompletten Flügel für Achraf Hakimi.
In der Entstehung des fünften Gegentreffers waren beide Außenverteidiger sehr weit aufgerückt. Ausgerechnet Laimer spielte dann den Fehlpass, der zum Gegenstoß führte. Es ist und bleibt ein wiederkehrendes Muster, dass den Bayern auf den defensiven Außenbahnen Qualität fehlt.
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Die Offensive trägt zu den Defensivproblemen bei
Gerade das fünfte Gegentor zeigte aber auch, dass die wacklige Abwehr nicht nur auf die Defensivspieler zurückzuführen ist. Zwar war es ein solcher, der den Fehlpass vorne spielte, doch exakt das passierte auch Jamal Musiala, Michael Olise, Luis Diaz oder Harry Kane mehrfach: Die Bayern spielten ihre vielen Angriffe zu oft nicht zu Ende.
Trainer pochen in aller Regel darauf, dass Angriffe mit schlechten Abschlüssen immer noch besser sind als Ballverluste. Hier sind die Münchner oft zu verspielt. Paris hingegen spielte zielstrebig und suchte die Abschlusssituationen. Mit nur 43 Prozent Ballbesitz hatten sie zwei Schüsse mehr als die Bayern. Darunter auch einige aus aussichtslosen Positionen.
Der Vorteil dieser aussichtslosen Abschlüsse liegt aber darin, dass man mehr Zeit hat, sich defensiv wieder zu sortieren. Ist der Ball mit einer aufgerückten Mannschaft mit so einem Pass wie dem von Laimer vor dem fünften PSG-Tor erstmal weg, ist der Konter nur noch schwer zu verteidigen.
Bayern erzielte zwar vier Tore, brachte aber zu wenig Angriffe zu Ende. Hier fehlt es oftmals an Präzision oder an Entscheidungsfreudigkeit. Noch ein Pass, noch ein Dribbling und schon erobert PSG die Kugel und läuft einen Gegenstoß. Für die Bayern wird es eine wichtige Aufgabe sein, im Rückspiel mehr Abschlüsse zu haben – und damit einige der gefährlichsten Konter von Paris zu vermeiden.
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Manuel Neuer brachte Unruhe ins Spiel
Aber noch ein weiterer Faktor in Ballbesitz ist entscheidend: Manuel Neuer war das Sinnbild für einen sehr wechselhaften Spielaufbau. In Paris brachte er laut "Fotmob" nur 16 von 38 Pässen zu einem Mitspieler – eine Quote von 42 Prozent.
Der ehemalige Welttorhüter schlug fast jeden Ball lang und nur wenige davon kamen an (10/32, 31 Prozent). Einige Male wurde er dabei auch klug von PSG angelaufen. Oft aber brachte er sich selbst in Bedrängnis. Es schien so, als wären die langen Bälle ein taktisches Mittel gewesen.
Doch wenn kaum einer davon ankommt, dann bricht das eher den eigenen Rhythmus, als Vorteile zu verschaffen. Bayern musste deshalb immer wieder hinterherlaufen und kam nicht wirklich dazu, Paris unter Druck zu setzen.
Lange Bälle als taktisches Mittel sind gegen ein hohes Pressing nicht unüblich. Kommen diese aber überwiegend nicht an, verschafft man dem Gegner die Möglichkeit, das Spieltempo zu bestimmen. Damit hatten die Bayern Probleme.
Neuer mag keine Fehler auf der Linie gemacht haben, aber mit seinen vielen Fehlpässen trug er dazu bei, dass es in einigen Spielphasen zu wenig Ballbesitz und zu wenig Kontrolle für den FCB gab.
Und wenn all das zusammenkommt, dann reichen auch zwei Innenverteidiger in Topform oftmals nicht aus, um Gegentore zu verhindern. Das wiederum erklärt, warum Hummels mit seiner Beobachtung richtig lag – und sein Lob für Upamecano und Tah keinesfalls paradox war. Bayerns Defensivprobleme liegen eben woanders.
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