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Fußball

Leicester City: Vom Sensationsmeister binnen zehn Jahren zum Krisenverein - Absturz in Drittklassigkeit droht

Veröffentlicht:

von Luis Woppmann

ran Fußball Bundesliga

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Videoclip • 01:02 Min


Vor zehn Jahren krönte sich Leicester City zum Sensationsmeister in der Premier League - es folgten Champions-League- und Europa-League-Teilnahmen. Nun stehen die "Foxes" kurz vor dem Absturz in die dritte englische Liga. Wie konnte das passieren?

5000 zu 1. So hoch standen die Wettquoten auf eine Meisterschaft von Leicester City beim Saisonstart 2015/16. Es ist davon auszugehen, dass nicht ein einziger Mensch auf diesem Planeten die "Foxes" vor dem ersten Spieltag als Anwärter auf die Champions-League-Plätze - geschweige denn den Meistertitel - vorhergesehen hatte. Was folgte, war nicht weniger als ein modernes Fußballwunder.

Über 38 Spieltage hinweg überraschte die Mannschaft rund um Jamie Vardy, Riyad Mahrez und N’Golo Kanté die ganze Welt, am Ende der Saison stand Leicester mit zehn Punkten Abstand auf den zweitplatzierten FC Arsenal an der Spitze der Premier League.

2017 gewann der Verein aus den East Midlands für diese Leistung den "Spirit of Sport Award" bei den Laureus World Sports Awards. Dieser Preis wird nicht jährlich vergeben, sondern nur für wirklich außergewöhnliche Geschichten.

Vor Leicester City gewann nur der FC Barcelona 2007 als Fußballmannschaft die Auszeichnung. Generell wurde der Preis nach 2017 nur noch einmal vergeben, und das im Jahr 2019 an die US-amerikanische Skirennläuferin Lindsey Vonn.

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Jamie Vardy: Vom Fabrikarbeiter zum Torschützenkönig

Die Auszeichnung zeigt, wie besonders diese Leistung war - und das mit einer Mannschaft aus Spielern, die vor der Saison nur die allerwenigsten kannten. Am prominentesten ist dabei wohl die Geschichte von Torjäger Vardy.

Der Engländer wurde in der Jugendakademie von Sheffield Wednesday aussortiert und hörte mit dem Fußballspielen auf, um in einer Kohlefaserfabrik zu arbeiten.

Ein Jahr später fing Vardy in der siebten englischen Liga wieder mit dem Fußballspielen an und verbrachte dort sehr erfolgreiche acht Jahre, ehe er für eine Ablösesumme von rund 200.000 Euro zum Fünftligisten Fleetwood Town ging. Nach einer starken Saison sowie dem Gewinn des Meistertitels wechselte er im Alter von 25 Jahren in die zweite englische Liga zu Leicester City - und der Rest ist Geschichte.

Rund zehn Jahre später stehen die "Foxes" vor dem Absturz in die dritte englische Liga. Derzeit steht der Verein mit 39 Punkten auf dem 22. Tabellenplatz und damit auf einem direkten Abstiegsplatz. Immerhin beträgt der Rückstand aufs rettende Ufer nur einen Punkt.

Die Wahrheit ist aber, dass Leicester eigentlich gar nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben dürfte. Laut dem Portal "transfermarkt" stellt der Absteiger den viertwertvollsten Kader in der Championship und hat mit Ricardo Pereira, Jamaal Lascelles, Harry Winks, Oliver Skipp oder Jordan Ayew gleich mehrere Spieler in den eigenen Reihen, die bereits mehrere Hundert Premier-League-Spiele - teils sogar einige Champions-League-Spiele - absolviert haben.

Dennoch hat die Mannschaft von den vergangenen 13 Spielen gerade einmal ein einziges gewonnen. Es gibt mehr als einen Grund, warum die "Foxes" in dieser Saison so schlecht abschneiden, der Abgang von Vardy ist aber definitiv einer der größten.

Es war bereits im Vorfeld klar, dass eine Klubikone wie er mit 500 Spielen und 200 Toren nicht einfach so ersetzt werden kann. Die Entscheidung, im Sturm auf Ayew und Patson Daka zu setzen, war aber definitiv die falsche. Generell fehlt es in der Mannschaft an Führungsspielern, und die, die es gibt, kommen in Form von Lascelles oder Asmir Begovic kaum zum Einsatz. Zu allem Überfluss fehlt der Abwehrchef und größte Führungsspieler Jannik Vestergaard seit Ende Januar verletzungsbedingt.

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Leicester City: Durchwachsene Saison nach der Meisterschaft

Dazu kommt, dass Leicester Anfang Februar sechs Punkte abgezogen wurden, da der Verein die zulässige Verlustgrenze im maßgeblichen Dreijahreszeitraum bis zur Saison 2023/24 um knapp 21 Millionen Pfund (24 Millionen Euro) überschritten hat. Es war ein Urteil, das sich bereits in den vergangenen Jahren angebahnt hatte - wenn auch schleichend. Dabei lief es bis vor wenigen Jahren eigentlich nicht schlecht für die "Foxes".

Durch den Gewinn der Meisterschaft qualifizierte sich der Verein 2017 für die Champions League. Mit Kanté verlor die Mannschaft aber ihren wichtigsten Mittelfeldmotor an den FC Chelsea. Zwar gab man 92 Millionen Euro für neue Spieler aus, allerdings konnten die Top-Transfers Ahmed Musa und Islam Slimani überhaupt nicht überzeugen.

Interessant war hier aber, dass es sich bei den beiden um Spieler aus der russischen und der portugiesischen Liga handelte. Aus den europäischen Top-5-Ligen holte Leicester kaum Spieler.

In der folgenden Saison lebten die "Foxes" noch stark von Kontern, für dieses Spielsystem hatten die Gegner aber mittlerweile die passende Antwort: Sie stellten ihre Mannschaften deutlich defensiver ein. Leicester kam so zu mehr Ballbesitz, wusste aber selten etwas damit anzufangen.

Zudem brachen auch die Leistungen von Vardy und Mahrez ein. So stand die Mannschaft in der Hinrundentabelle auf dem 15. Platz und spielte statt um die europäischen Plätze knallhart gegen den Abstieg, letztlich beendete Leicester die Spielzeit auf einem enttäuschenden 12. Platz.

Im Februar wurde Meistertrainer Claudio Ranieri entlassen, lediglich neun Monate nach dem Gewinn der Meisterschaft. In der Champions League lief es hingegen besser: Dort gewann Leicester City seine Gruppe und bezwang im Achtelfinale den FC Sevilla, ehe im Viertelfinale knapp gegen Atletico Madrid Schluss war.

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Leben über den eigenen Verhältnissen

Nun muss man fairerweise sagen, dass die Erwartung, wieder ganz oben angreifen zu können, eine utopische Vorstellung gewesen wäre. Vielmehr war sich Leicester schon früh bewusst, dass man im Vergleich mit den Elite-Klubs in der Premier League nicht mithalten kann. Manchester City holte beispielsweise Coach Pep Guardiola, und  Stadtrivale United sprengte mit der Verpflichtung von Paul Pogba für kolportierte 105 Millionen Euro alle bisher dagewesenen Grenzen des Transfermarkts.

Also setzte Leicester auf einen kontinuierlichen Aufschwung, statt direkten Erfolg erzwingen zu wollen. So holte der Verein von dem Geld, das in der vorigen Saison durch die Champions-League-Teilnahme eingenommen wurde, junge Talente - meist aus eher kleineren Ligen -, entwickelte sie weiter und verkaufte sie anschließend für mehr Geld. Dieses steckte der Verein dann wiederum in neue Talente und punktuelle Verstärkungen für den Kader.

Die Saisons 2017/18 und 2018/19 beendeten die "Foxes" jeweils auf dem neunten Platz. 2019/20 wurde Leicester City Fünfter in der Premier League, ehe diese Platzierung im Folgejahr wiederholt wurde und obendrein der FA-Cup gewonnen wurde.

Doch hier fingen auch die Probleme an. Aufgrund der Corona-Pandemie waren die Einnahmen eingebrochen, der Kader war aber über die vorigen Jahre immer teurer geworden, weswegen ein Großteil des Budgets dafür draufging, die Mannschaft irgendwie zusammenzuhalten.

Klubpräsident Aiyawatt Srivaddhanaprabha wollte seinen Anspruch auf europäischen Fußball allerdings nicht verändern. Trotz des gut bezahlten Kaders verpasste Leicester in der Saison 2021/22 das europäische Geschäft und beendete die Spielzeit auf dem achten Platz.

Leicester City im Abwärtsstrudel: Wie geht es weiter?

Durch das Ausbleiben dieser zusätzlichen Einnahmen konnte sich der Verein die Mannschaft eigentlich nicht mehr leisten, und das trotz des Verkaufs von Wesley Fofana für 80 Millionen Euro. In der darauffolgenden Saison bezahlte Leicester mehr Geld für Gehälter als der Klub überhaupt einnahm.

Dennoch war Srivaddhanaprabha entschlossen, dass man sich wieder für Europa qualifizieren konnte und sich die finanzielle Lage so stabilisieren würde. Aber Fehlanzeige: Völlig überraschend stiegen die "Foxes" trotz Spielern wie James Maddison, Harvey Barnes und Youri Tielemans in die Championship ab.

Zwar ging es danach direkt wieder ins englische Oberhaus, aber auch genauso schnell wieder nach unten. Kurz vor dem Aufstieg hatte die Premier League zudem das Verfahren wegen der Überschreitung der zulässigen Verlustgrenze eingeleitet, was knapp eineinhalb Jahre später zu einem Abzug von sechs Punkten führte - und das zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt.

Jetzt muss Leicester City alle Hebel in Bewegung setzen, um den dritten Abstieg in vier Jahren zu vermeiden. Diesmal nur noch eine Etage tiefer in die League One.

Bis kurz vor dem Punktabzug hatte Klubpräsident Srivaddhanaprabha noch davon geträumt, doch noch den Aufstieg zu schaffen. So sagte er: "Ich bin mir sicher, dass wir noch die Chance haben, in der Tabelle zu klettern, zumindest in die Playoffs. Das ist immer noch das Ziel." Mittlerweile dürfte aber auch er verstanden haben, dass es in dieser Saison um nichts anderes als den puren Überlebenskampf geht.

Sollte die Mannschaft die Klasse halten, gibt es zumindest ein kleines Licht am Ende des Tunnels. Durch das Auslaufen der Verträge von Ayew, Pereira, Winks und Daka wird einiges an Gehaltsbudget frei.

Zudem dürfte ein Verkauf von Abdul Fatawu die "Foxes" finanziell stabilisieren. Und dann muss man sich in Leicester wieder darauf konzentrieren, was den Verein einst so stark gemacht hat: Das Geld, das zur Verfügung steht, klug einzusetzen und die Mannschaft kontinuierlich zu verstärken. Erst dann dürfen die Verantwortlichen wieder davon träumen, langfristig an die alten Erfolge anknüpfen zu können.

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