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Transfer-Experte Michael Reschke exklusiv: FC Bayern "gut aufgestellt" - Lob für Köln und HSV

Veröffentlicht:

von Franziska Wendler

ran Fußball Bundesliga

Bundesliga: Baustelle Kaderplanung - die besten Transfervideos des Sommers

Videoclip • 02:56 Min


Ist der Kader des FC Bayern München groß genug? Was macht Paris St. Germain besser als die Premier-League-Klubs? Und warum ist es gut, dass Said El Mala in Köln bleibt? Experte Michael Reschke bewertet im ran-Interview den Transfersommer.

Am vergangenen Dienstagabend war Schluss. Mit dem Deadline Day endete in den europäischen Topligen das Sommer-Transferfenster.

So mancher namhafte Spieler wechselte den Klub, erwartete Transfers blieben dagegen aus. Und während bei Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain die Kasse klingelte, wurde vor allem auf der Insel mal wieder mächtig investiert.

Wie ist der Transfersommer zu bewerten? Was macht PSG besser als die Premier-League-Klubs? Wie steht der FC Bayern München da? Und warum ist es gut, dass Said El Mala in Köln bleibt?

Ex-Bundesliga-Manager Michael Reschke, früher unter anderem Technischer Direktor beim FC Bayern und Sportvorstand beim VfB Stuttgart sowie Spielerberater, bewertet im ran-Interview die Geschehnisse.

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England-Summen nur noch schwer nachzuvollziehen

ran: Provokante Frage zu Beginn: Ist die Premier League wahnsinnig geworden? Liverpool gibt für einen Rotationsspieler wie Bradley Barcola von Paris Saint-Germain Minimum 125 Millionen Euro aus. Haben die Vereine zu viel Geld? Ist das für Sie noch nachvollziehbar?

Michael Reschke: Zunächst einmal muss man in der Betrachtung von Barcola sagen, dass er nur deshalb Ergänzungsspieler ist, weil er bei PSG auf eine wahnsinnige Konkurrenz traf. Er ist schon ein internationaler Spitzenspieler mit einer ganz hohen Qualität. Nichtsdestotrotz ist die Entwicklung der Transfersummen, die innerhalb der Premier League vonstatten geht - oder aus der Premier League in den internationalen Markt - exorbitant.

ran: Betrachtet man die drei Top-Transfers des Sommers, dann muss man nach England blicken. Enzo Fernandez für 145 Millionen Euro vom FC Chelsea zu Manchester City, Morgan Rogers für 138 Millionen Euro von Aston Villa zum FC Chelsea und Elliot Anderson für 135 Millionen Euro von Nottingham Forest zu Manchester City. Drei Wechsel innerhalb des Landes für signifikante Summen, obwohl es sich nicht um die prominentesten Akteure handelt. Sind diese Spieler die Summen wert?

Reschke: Diese Werthaltigkeit ist schwer im Detail zu beurteilen. Fakt ist, dass ich mich auch oft frage, wie solche Summen realistisch reinvestierbar sein sollen. Es gibt sicherlich ganz große Zweifel. In England ist es natürlich so, dass die Ablösesummen über Jahre hinweg abgeschrieben werden, so dass sie im ersten Jahr zu einem Fünftel in der Regel in die Bilanz einwirken. Allerdings ist es auch Teil der Wahrheit, dass sie dann über die nächsten vier Jahre mit dem gleichen Betrag abgeschrieben werden. Dadurch nivelliert sich das auf den ersten Blick ein bisschen, die Summe als solche bleibt natürlich trotzdem erhalten und es ist für einen normalen Konsumenten unglaublich schwer, diese Summen auch nur ansatzweise nachzuvollziehen.

Reschke: Das macht PSG so besonders

ran: Kann diese Entwicklung irgendwann gestoppt werden?

Reschke: Die Premier League hat durch die zumeist amerikanischen oder asiatischen Eigentümer ein ganz spezielles Modell, dazu kommen die extrem hohen TV-Einnahmen. Und weil viele Klubs auch international vertreten sind, kommt zusätzliches internationales TV-Geld in die Kassen. Die wirtschaftlichen Situationen sind im Vergleich zur Bundesliga natürlich völlig anders, das muss man festhalten. Und was auch immer wieder deutlich wird: Wenn mal einzelne Klubs den Eigentümer wechseln, dann ist das in der Regel immer verbunden mit einem extremen Wertezuwachs, den diese Klubs in den vergangenen Jahren verbucht oder erzielt haben. Deshalb ist dieses Investmentmodell in sich aktuell auf eine ganz spezielle Art noch schlüssig.

ran: Betrachten wir auf der anderen Seite Paris Saint-Germain als Champions-League-Sieger. PSG hat in diesem Sommer ein sehr großes Transferplus gemacht, mehr als 180 Millionen Euro. Was macht der Klub besser als die Premier-League-Vereine?

Reschke: Zunächst einmal haben sie mit Luis Enrique einen fantastischen Trainer, der einen überragenden Job gemacht hat. Und sie haben einen riesigen Vorteil: Sie entwickeln aus dem eigenen Nachwuchs immer wieder junge, talentierte Spieler, die wichtige Kaderplätze einnehmen. Und diese Jungs kommen erst einmal ablösefrei in den Kader und haben ein entsprechendes Wertwachstums-Potenzial. Dadurch wird zudem der Faktor Identifikation zusätzlich gepusht. PSG hat aus der Vergangenheit gelernt - aus der Hochinvestmentphase mit Neymar, Messi und Mbappe - die haben den Kurs komplett gewechselt und man muss ihnen für ihre aktuelle Strategie ein wirkliches Kompliment machen.

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Woltemade-Neustart ist konsequent

ran: Heißt das denn im Umkehrschluss, dass die Premier League-Klubs zu wenig eigene Talente entwickeln?

Reschke: Sie produzieren natürlich auch Top-Talente, aber nicht in dem Maße, wie das in Paris passiert. In Paris blüht noch diese spezielle Straßenfußball-Mentalität, in der extrem viele junge, hungrige Talente alles daran setzen, den Sprung in den Profifußball zu schaffen. Davon profitiert PSG, und auch der gesamte französische Fußball.

ran: Noch eine Frage zum internationalen Fußball: Nick Woltemade wagt bei Juventus Turin einen Neustart - sind Sie der Meinung, dass das die richtige Wahl ist?

Reschke: Für die Bundesliga wäre es natürlich super gewesen, wenn Nick wieder in Deutschland gelandet wäre. Seine Entscheidung ist konsequent. Nachdem er nicht mehr Stammspieler in Newcastle war, sucht er eine neue Herausforderung. Ich kenne den Jungen und seine Familie noch aus jungen Jahren, ich wünsche ihm einfach alles Gute.

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Man kann Bayern "nur ein Kompliment machen"

ran: Blicken wir auf die Bundesliga. Said El Mala ist nach unzähligen Verhandlungen am Ende doch beim 1. FC Köln geblieben. Hat Sie das gewundert?

Reschke: Es hat mich echt überrascht, da die Transferangebote für El Mala aus Kölner Sicht schon sehr lukrativ waren. Said hatte dabei sicherlich die Möglichkeit, deutlich mehr Geld zu verdienen, als dies aktuell in Köln der Fall ist. Zudem hätte er sportlich einen attraktiven Sprung gemacht. Für den 1. FC Köln und El Mala eine bemerkenswerte Entscheidung und auch für die gesamte Bundesliga top, weil Said immer wieder für spektakuläre Aktionen sorgt.

ran: Jeder lobt den FC Bayern für die Transfers von Nathaniel Brown und Ismael Saibari - aber ist der Kader nicht doch zu klein für die Champions League? Zumal ja einige Talente abgegeben wurden ...

Reschke: Spätestens seit Vincent Kompany bei den Bayern das Kommando übernommen hat, ist die Quote der richtigen Entscheidungen so hoch, dass man allen Verantwortlichen gratulieren darf. Es ist eine mutige und lobenswerte Strategie der Bayern, immer wieder Plätze für Talente aus dem Nachwuchsleistungszentrum im Kader zu schaffen - und das hat man durch diese Transferpolitik wieder bewirkt. Kompany und sein Stab haben bewiesen, dass sie diesen Talenten auch die Chance geben, auf wichtige Einsatzminuten zu kommen. Wenn es nicht gravierende Verletzungsprobleme gibt, die unmöglich zu kalkulieren sind, bin ich davon überzeugt, dass der Kader sehr gut und ausgewogen aufgestellt ist.

Reschke: "Wir sollten alle stolz auf die Bundesliga sein"

ran: Werfen wir einen Blick auf Werder Bremen. Der Klub wird von vielen nach einer durchwachsenen Transferphase als möglicher Absteiger gesehen. Sehen Sie das auch so?

Reschke: Werder wird sicherlich zu den Klubs gehören, deren erstes Ziel der 15. Tabellenplatz sein wird. Natürlich hat man in Bremen aufgrund der Vergangenheit und der Größe des Klubs andere Zukunftsambitionen. Aber manchmal gibt es Jahre, da gilt es, wirtschaftlichen Zwängen zu folgen und eine sportliche Stabilität auf einem finanzierbaren Niveau zu schaffen. Dann kann die Konsequenz auch sein, dass es rein um den Klassenerhalt geht.

ran: Wenn wir auf die Bundesliga im Gesamten schauen: Ist es richtig, eher kleine Brötchen zu backen, weil man gegen die Premier League eh keine Chance hat?

Reschke: Ich sehe die kleinen Brötchen überhaupt nicht. Wir dürfen uns über eine Bundesliga freuen, in der man kaum eine Chance besitzt, eine Dauer-Jahreskarte zu erwerben. Die Stadien sind extrem stimmungsvoll und fast alle Spiele ausverkauft. Wir dürfen stolz auf die Bundesliga sein. Dass die Premier League international einen anderen Stellenwert besitzt? So what! Die Bundesliga ist aus meiner Sicht noch vor Spanien und Italien die zweitlukrativste Liga auf der Welt.

Reschke glücklich über Vieira beim HSV

ran: Bayern-Star Harry Kane hat sich nach dem Sieg im DFB-Pokal gegen den VfL Osnabrück genau dazu geäußert. Er hat gesagt, dass in den deutschen Stadien immer eine super Stimmung herrscht - egal in welcher Liga und bei welchem Klub ...

Reschke: Ich habe zwar zunächst nur von der Bundesliga gesprochen (lacht), aber die Begeisterung setzt sich nahtlos in der zweiten, und in großen Teilen auch in der dritten Liga fort. Die Premier League ist eine Ausnahmeliga, die wirtschaftlich in einem völlig anderen Bereich agiert. Aber wenn ich die Stimmung und die Begeisterung in den deutschen Stadien sehe - und dazu die Bedeutung, die jeder Klub in seiner Region besitzt -, dann müssen wir uns hinter dem englischen Fußball in keiner Weise verstecken.

ran: Gab es in diesem Sommer einen Transfer, der Sie überrascht hat?

Reschke: Ich habe mich gefreut, dass es dem HSV noch gelungen ist, Fabio Vieira weiter zu verpflichten. Ein wichtiges Signal innerhalb der Stadt - und ein positives Signal für die Liga insgesamt, weil dies wieder ein Typ ist, der einfach Spaß macht.

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