Fußball
FC Bayern München - Thomas Hitzlsperger exklusiv über Kompany-Team: "Dann zählen sie zu den Besten der Vereinsgeschichte"
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von Martin Volkmarran Fußball Bundesliga
FC Bayern: Wutrede in Kabine? Vincent Kompany klärt auf
Videoclip • 02:42 Min
Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger spricht im ran-Interview über die Bayern-Dominanz und die Chancen der Münchner gegen Paris St. Germain.
Der FC Bayern München hat mal wieder vorzeitig den Titel in der Bundesliga eingefahren und ist nach wie vor auf Kurs in Richtung mögliches Triple.
Zuletzt siegte die Mannschaft von Coach Vincent Kompany trotz eines 0:3-Pausenrückstandes noch mit 4:3 beim 1. FSV Mainz 05 und hat damit eine gelungene Generalprobe für das Halbfinal-Hinspiel in der Champions League bei Paris St. Germain (Dienstag, ab 21:00 Uhr im Liveticker) hingelegt.
Vor dem Topduell in der Königsklasse spricht Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger im ran-Interview über die Bayern-Dominanz, die Chancen gegen PSG und die Entwicklung von FCB-Coach Vincent Kompany.
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Beste Mannschaft der Bayern-Geschichte?
ran: Herr Hitzlsperger, Sie haben den FC Bayern regelmäßig als Experte vor Ort gesehen in dieser Saison. Spielt die Mannschaft in Deutschland in einer eigenen Liga?
Thomas Hitzlsperger: Ja, das muss man ganz deutlich so sagen. Dass es trotz der häufigen Wechsel in der Bundesliga nur selten einen Leistungsabfall gegeben hat, ist schon beachtlich. Der BVB hat es lange Zeit geschafft, dranzubleiben und kaum Niederlagen zugelassen. Aber die Bayern waren und sind trotzdem eine Klasse für sich. Das zeigt allein schon die Tatsache, dass sie im Schnitt fast vier Tore pro Spiel erzielt und damit einen neuen Rekord aufgestellt haben.
ran: Wo würden Sie die Mannschaft im Vergleich zu anderen Bayern-Teams denn einordnen?
Hitzlsperger: Mannschaften aus unterschiedlichen Epochen zu vergleichen, halte ich für schwierig. Aber klar: Wenn ihnen der große Coup gelingt, das Triple zu holen, dann zählen sie zu den Besten der Vereinsgeschichte. Zumal sie es heutzutage mit Klubs zu tun haben, die von Staatsfonds betrieben werden. Allein die Art und Weise, wie sie in der aktuellen Saison unter Vincent Kompany auftreten, ist bemerkenswert. Damit hat vorher ja niemand gerechnet. Die Dominanz, die die Bayern unter Kompany entwickelt haben, sucht ihresgleichen.
Hitzlsperger von Kompany beeindruckt
ran: Wie sehen Sie die Entwicklung von Kompany? Er gehört ja nach dieser Saison zu den begehrtesten Trainern in Europa, oder?
Hitzlsperger: Ja, definitiv. Der Transfersommer war auf den ersten Blick nicht der beste. Florian Wirtz und Nick Woltemade versuchte man vergeblich, nach München zu holen. Auch Xavi Simons war offenbar ein Wunschspieler, aber die Vereinsführung hat einen Transfer abgelehnt. Thomas Müller als Identifikationsfigur war weg. Und jetzt stellt sich heraus, dass das alles gut so war. Das ist natürlich das Verdienst von Vincent Kompany.
ran: Woran machen Sie das fest?
Hitzlsperger: Was mir an ihm gefällt, ist seine zurückhaltende, unaufgeregte Art. Er hat nicht den Hang, uns spüren zu lassen, dass er das Spiel besser versteht. Taktik ist ihm wichtig, aber nicht alles. Es geht mehr um Miteinander und Führung sowie Fokus auf die nächste Aufgabe. Im Mittelpunkt stehen seine Spieler und sein Staff. Davon spricht er und das lebt er vor.
Lob für Tah und Upamecano
ran: Trotzdem haben die regelmäßigen Wechsel nicht zu einer Schwächung geführt…
Hitzlsperger: Genau. Er hat eine Atmosphäre erzeugt, wo jeder erkennt, dass er wichtig ist und dass er einen Unterschied machen kann und auch muss. Das finde ich beeindruckend, diese totale Verbindung von Harmonie und absoluter Leistungsbereitschaft. Taktisch gibt es keinen Hokuspokus, sondern Klarheit. Aber eine Sache kommt mir dabei etwas zu kurz…
ran: Und zwar?
Hitzlsperger: Ich finde, dass Dayot Upamecano und Jonathan Tah in der Innenverteidigung eine beeindruckende Saison spielen. Gerade der ablösefreie Transfer von Tah war für mich ein entscheidender Schritt, weil er die Spieler um sich herum besser macht. Man muss auch Leon Goretzka erwähnen. Egal, wann er reinkommt oder ob er von Beginn an spielt, er geht stets an seine Grenzen. Das ist nicht selbstverständlich, wenn man bedenkt, wie öffentlich über ihn zwischenzeitlich geurteilt wurde.
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Neuer für den FC Bayern "Gold wert"
ran: Manuel Neuer hat im Pokal gegen Leverkusen wieder eine Weltklasseparade gezeigt und danach zu seiner möglichen Verlängerung gesagt, es sehe gut aus. Würden Sie ihm raten, weiterzumachen?
Hitzlsperger: Manuel Neuer ist alt genug, er benötigt keine Ratschläge in Bezug auf seine Karriere. Ich bin beeindruckt von seinen Leistungen. Es gehört zwar auch zur Wahrheit dazu, dass sein risikoreiches Spiel nicht immer aufgeht, das hat u. a. das Rückspiel gegen Real Madrid gezeigt. Aber in Summe ist er für den FC Bayern Gold wert. Wenn er weiterspielen will, sollte man für ihn eine Lösung finden. Er ist ein Ausnahmeathlet.
ran: Noch einmal zurück zu Vincent Kompany, gegen den Sie ja noch selbst in der Premier League gespielt haben: Wie bewerten Sie seine Führungsqualitäten?
Hitzlsperger: Er hatte als Spieler schon eine enorme Ausstrahlung und gehörte sicherlich zu den Topverteidigern der Premier League. Trotzdem ist es immer schwer vorauszusehen, ob ein guter Spieler auch ein guter Trainer wird. Von dem, was ich jetzt weiß und sehe, halte ich ihn für bescheiden und lernwillig. Die Autorität in der Kabine hat er ohnehin, weil die Spieler wissen, dass er Kapitän von Manchester City war. Das ist nicht das wichtigste Kriterium, aber es ist hilfreich. Das gibt ihm auch die Ruhe in Stresssituationen, weil er sie schon erlebt hat. Hinzu kommt seine Bereitschaft, hart zu arbeiten. Eins sollte man allerdings auch nicht unterschlagen…
ran: Was?
Hitzlsperger: Er ist mit Burnley in die Premier League auf- und dann wieder abgestiegen. Unmittelbar danach war nicht abzusehen, dass er sich so schnell in der Spitze des europäischen Fußballs etablieren würde. Er hatte zuerst Glück, dass die Trainersuche bei den Bayern so stockend verlief, und dann bewies er, dass er schnell aus Niederlagen lernt. Ich gönne es ihm, weil er hart dafür arbeitet und sein Auftreten wahren Vorbildcharakter hat.
Duell mit PSG: Hitzlsperger sieht keinen Favoriten
ran: In England, wo Sie leben, gibt es aktuell Gerüchte, Kompany könnte schon im Sommer Nachfolger von Pep Guardiola bei ManCity werden. Ist das vorstellbar?
Hitzlsperger: Die Gerüchte sind zumindest naheliegend. City wird natürlich versuchen, einen adäquaten Nachfolger zu finden, wenn Pep Guardiola gehen sollte. Und dass Kompany mit seiner Historie im Verein da ganz oben auf der Liste sein muss, ist auch nachvollziehbar. Aber Bayern kann angesichts des gültigen Vertrages mitentscheiden, ob sie einen Trainer freigeben, mit dem sie jetzt so glücklich sind. Und aus Kompanys Sicht ist halt auch die Frage, warum er bei einem Klub wie Bayern aufhören sollte, von dem er gerade so viel Wertschätzung erfährt.
ran: Nun kommt es zum Champions-League-Kracher gegen PSG, das vielleicht nach der 1:2-Heimniederlage im Herbst in der Ligaphase gewarnt ist. Wie blicken Sie auf das Spiel?
Hitzlsperger: Ich freue mich extrem darauf, weil die zwei aktuell besten Mannschaften Europas zweimal gegeneinander spielen. PSG hat es in den letzten Jahren geschafft, sich aus der Abhängigkeit von den großen Stars zu befreien und in Luis Enrique einen Trainer zu holen, der alles orchestriert. Und seit dem Spiel im November wissen sie, dass Bayern auch verdammt gut ist. Deswegen ist das für mich schon ein vorgezogenes Finale, mit dem Vorteil für die Fans, dass es zwei davon gibt.
ran: Das Rückspiel der Bayern gegen Real hat gezeigt, dass Fußball auch auf diesem Niveau ein Fehlerspiel ist. Entscheidet am Ende die Tagesform?
Hitzlsperger: Ja, genau. Auf diese Spiele arbeitet man eine ganze Saison hin. Und es kann halt auf beiden Seiten passieren, dass selbst den besten Spielern Fehler unterlaufen. Deshalb ist alles offen und das ist für uns Fans das Besondere. PSG war letztes Jahr vielleicht noch einen Ticken besser, aber diesmal gibt es keinen Favoriten.
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