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DFB-Pokal

Bayer Leverkusen vs. FC Bayern München - Erik Meijer spricht sich gegen Trainer Kaspar Hjulmen aus: "Klare Handschrift fehlt"

Aktualisiert:

von Andreas Reiners

ran Fußball Bundesliga

FC Bayern: Dünne Offensive? Kompany ist nicht besorgt

Videoclip • 01:18 Min


Am Mittwoch will der FC Bayern dem zweiten Titel näher kommen, Bayer Leverkusen die eigene Saison retten. Erik Meijer spricht im ran-Interview über die Ausgangslage, hungrige Bayern und die Probleme bei Bayer.

Das Interview führte Andreas Reiners

Die Voraussetzungen sind andere geworden.

Von Augenhöhe ist nicht mehr viel zu sehen, wenn Bayer Leverkusen am Mittwoch (ab 20:45 Uhr im Livestream auf Joyn) den FC Bayern zum DFB-Pokal-Halbfinale empfängt. Bayer versucht, die Saison irgendwie zu retten, während dominante Münchner das Triple in Angriff nehmen.

"Gegen Bayer Leverkusen wird eine Mannschaft auf dem Platz stehen, die genau das erzwingen will. Unbedingt. Die wollen alles gewinnen, was noch möglich ist, nichts liegen lassen", sagte der frühere Bundesliga-Profi Erik Meijer im ran-Interview.

Der Ex-Leverkusener beobachtet die Situation bei seinem ehemaligen Klub mit Sorge. Für Leverkusen gehe es nur noch um dieses Spiel, sagte er.

Welche Probleme es bei Bayer gibt, welche Rolle Trainer Kasper Hjulmand spielt, was ein Pokalaus mit dem FC Bayern machen würde und was die Bayern in K.o.-Momenten auszeichnet, erklärt Meijer im ran-Interview.

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ran: Erik Meijer, Anfang Januar haben Sie gesagt, der FC Bayern München wird ohne Niederlage Meister. Ganz aufgegangen ist das ja jetzt nicht.

Erik Meijer: (lacht). Nein, aber so weit weg war ich auch wieder nicht. Aber die Saison ist natürlich hervorragend. Sie spielen einen unglaublich attraktiven Fußball, mit viel Energie, großer Überzeugung und vor allem enormer Qualität. Das liegt an den Spielern, aber entscheidend ist derjenige, der alles zusammenführt: der Trainer.

ran: Wie würden Sie sein Erfolgsgeheimnis beschreiben, dass es auf diesem Niveau so konstant funktioniert? Es gibt ja kaum echte Durchhänger.

Meijer: Es gibt Trainer, die erreichen ihre Spieler im Kopf. Ich hatte zum Beispiel so jemanden wie Christoph Daum bei Bayer Leverkusen, der konnte dich nochmal fünf bis zehn Prozent besser machen. Durch klare Ansagen, eine klare Trainingsidee und vor allem dadurch, dass er dir konkret vermittelt hat, wie du dich weiterentwickeln kannst. Genau das macht Vincent Kompany jetzt in München. Die Stars sind alle da, jeder hält sich ohnehin für sehr gut. Aber dann kommt ein Trainer, der ihnen zeigt, wie sie noch besser verteidigen oder offensiv noch effizienter werden können. Er gibt klare Vorgaben, lässt aber gleichzeitig Freiheiten, und genau das sorgt dafür, dass sich die Spieler in diesem System wohlfühlen.

FC Bayern: "Die wollen alles gewinnen, was noch möglich ist"

ran: Was bedeutet das jetzt für die Ausgangslage vor dem Pokal-Halbfinale. Mit dem Titel im Gepäck, den die Bayern schon sicher haben?

Meijer: Ich sehe eine Mannschaft, die extrem hungrig ist. Die wollen auch den Pokal gewinnen, die wollen auch die Champions League holen. Gegen Bayer Leverkusen wird eine Mannschaft auf dem Platz stehen, die genau das erzwingen will. Unbedingt. Die wollen alles gewinnen, was noch möglich ist, nichts liegen lassen. Auch die Nationalspieler denken so: Wenn du schon in dieser Situation bist, willst du am Ende alles in einem Paket mitnehmen.

ran: Also ist das für Sie der Startschuss Richtung Triple? Oder besteht die Gefahr, dass ein paar Prozent Spannung verloren gehen?

Meijer: Das habe ich kurz gedacht, am Anfang des Spiels gegen Stuttgart. Aber das hat sich schnell erledigt. Da haben sie mal für ein paar Minuten angezogen und dann war die Sache durch. Der FC Bayern ist aktuell so stark und hat so viel Qualität von der Bank, dass sie jederzeit nachlegen können. Für mich holen sie alles: den Pokal und die Champions League.

ran: Wie ist das aus Spielersicht? Wie fühlt sich so eine Phase an: ein Highlight jagt das nächste, dazu die Euphorie durch Titel, aber gleichzeitig musst du sofort wieder fokussieren. Worauf kommt es da an?

Meijer: Gewinnen musst du lernen. Und der FC Bayern hat viele Spieler im Kader, die genau wissen, wie sich Titel anfühlen. Daraus entsteht eine besondere Chemie. Das ist auch etwas, das Kompany reingebracht hat: dieses Winner-Gen. Dass du jedes Spiel gewinnen willst, selbst ein Vier-gegen-Vier am Dienstagmorgen im Training. Die Jungs pushen sich gegenseitig. Die wussten im Grunde schon Mitte Februar, dass sie Meister werden, und trotzdem geben sie in jedem Spiel Vollgas bis zur letzten Minute. Das ist etwas, was diese Mannschaft aktuell auszeichnet. Deshalb glaube ich auch nicht, dass sie nur ein Prozent nachlassen. Die bleiben voll auf dem Gas.

ran: Kann man das tatsächlich lernen? Oder steckt das einfach in einem Spieler drin?

Meijer: Das kommt durch Erfolge. Durch Titel. Dieses Gefühl wächst mit der Zeit, aber du musst es erst erleben. Bei Bayer Leverkusen hast du das auch gesehen. Wenn du eine ganze Saison fast ohne Niederlage spielst, gerätst du selbst bei einem 1:1 in der 90. Minute nicht in Panik. Du weißt: Wir haben die Qualität, das Spiel noch zu drehen. Und genau dieses Gefühl, wenn es die ganze Mannschaft trägt, entwickelt eine enorme Kraft.

ran: Wie sehr trifft die Verletzung von Serge Gnabry die Bayern?

Meijer: Das ist sehr schade, weil er gerade in einer richtig starken Phase war. Mit seinem Stirnband, fast wie neu erfunden: Als Außenspieler plötzlich mehr zentral, fast auf der Zehn, und dort konstant gute Leistungen. Das hat dem Trainer viele Optionen gegeben, auch mal durchzuwechseln oder jemanden wie Jamal Musiala zu entlasten. Auffällig ist natürlich der Zeitpunkt der Verletzung – genau jetzt, wo Musiala wieder zurück ist. Vielleicht spielt auch interne Konkurrenz eine Rolle. Auf diesem Niveau musst du mit Druck umgehen können.

Erik Meijer: Musialas Niveau war nie die Frage

ran: Jetzt rückt dadurch wieder mehr Verantwortung auf Jamal Musiala, den man zuletzt behutsam herangeführt hat. Ist er bereit?

Meijer: Ich finde es sehr gut, wie das gesteuert wurde. Er hat Schritt für Schritt mehr Minuten bekommen, bis er jetzt wieder auf seinem Niveau ist. Das hilft allen, sowohl dem FC Bayern als auch der Nationalmannschaft im Sommer. Seine Entwicklung verläuft genau so, wie man es erwarten konnte. Er bringt enorme Qualität mit, kann Spiele mit einzelnen Aktionen entscheiden, durch seine Dribblings, seine überraschenden Momente. Sein Niveau war nie die Frage, sondern nur: Wie kommt er nach der Verletzung zurück?

ran: Wer steht bei diesem Spiel mehr unter Druck? Die Bayern mit der Chance auf das Triple und einem Pokalerfolg nach längerer Zeit? Oder Bayer Leverkusen, für die es die letzte Titelchance ist und die Möglichkeit, die Saison noch zu retten?

Meijer: Für Leverkusen geht es nur noch um dieses Spiel. Vielleicht – wenn es gut läuft gegen den FC Bayern München, was ich aktuell eher schwierig sehe – kann das nochmal etwas auslösen, vielleicht auch für die Liga, um noch unter die Top Vier zu kommen. Aber da musst du schon tief graben, um daran wirklich zu glauben. Ich sage das auch als Ex-Leverkusener: Da verzweifelst du teilweise an dir selbst.

ran: Das 1:2 gegen Augsburg am Wochenende war ein deftiger Rückschlag…

Meijer: Da hatten sie genug Chancen, das Spiel klar zu machen und schaffen es nicht. Und kassieren am Ende noch einen Nackenschlag. Schlechter kannst du es vor so einem Spiel gegen Bayern eigentlich kaum erwischen.

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Kann Bayer Leverkusen das Negative gegen den FC Bayern ausblenden?

ran: Wie sehr spielt in so einem Spiel der Kopf eine Rolle? Vielleicht sogar mehr als die Qualität?

Meijer: Der Kopf wird extrem wichtig sein, vor allem für Bayer. Entscheidend ist, ob sie es bis Mittwoch schaffen, den Kopf freizubekommen. Ob sie das Negative ausblenden können. Und auch, wie die Stimmung im Stadion ist. Ob da eine Energie entsteht, die die Mannschaft trägt. Ich habe das selbst erlebt: Wenn die Atmosphäre passt, kannst du auch die Bayern schlagen. Die Qualität dafür haben sie. Aber aktuell sind sie in einem Negativlauf. Und Bayern rollt.

ran: Gibt es irgendwas, was Leverkusen in die Karten spielt?

Meijer: Da müsste bei Bayern schon früh etwas Außergewöhnliches passieren – zum Beispiel eine Rote Karte. Ansonsten spricht im Moment einfach sehr viel für die Bayern und sehr wenig für Bayer. Vielleicht klingt das hart, aber ich glaube, das ist näher an der Realität als zu hart formuliert. Trotzdem: Wenn Leverkusen ins Rollen kommt, können sie Bayern auch wehtun. Sie werden Räume anbieten, und das kann gegen Bayern schnell zum Problem werden. Bei Leverkusen muss wirklich alles zu hundert Prozent passen: Patrik Schick muss treffen, die Defensive muss stabil stehen, so wie zuletzt in Dortmund. Sonst wird es richtig schwierig.

ran: Wo liegen denn aktuell die Probleme bei Bayer?

Meijer: Ich sehe eine Mannschaft, die individuell extrem viel Qualität hat, es aber nicht schafft, diese über 90 Minuten konstant auf den Platz zu bringen. Genau da liegt das Hauptproblem: Die Qualität im Kader spiegelt sich zu selten in stabilem, durchgehend gutem Fußball wider.

ran: Inwieweit ist das eine Trainerfrage?

Meijer: Da gehört der Trainer natürlich mit dazu. Er hat die Mannschaft bislang noch nicht komplett erreicht, noch nicht so gepackt, dass die Spiele mit voller Überzeugung durchgezogen werden. Am Ende läuft alles über den Trainer – er ist der Filter, der die Inhalte an die Spieler weitergibt. Diese entscheidende Chemie fehlt noch ein Stück weit. Das siehst du im Vergleich zum FC Bayern, wo genau dieses Siegergefühl über Monate gewachsen ist, besonders deutlich. Bei Leverkusen gab es Phasen, in denen es besser lief, aber eben auch viele Spiele, in denen es nicht gereicht hat. In diesem Kader steckt deutlich mehr, als sie bisher auf dem Platz gezeigt haben.

Bayer muss unter die Top vier kommen

ran: Gehört der Klub eigentlich unter die Top vier?

Meijer: Wir beide wissen, dass im Sommer enorm viel Qualität den Verein verlassen hat, bei Bayer 04 wurde praktisch ein kompletter Umbruch eingeleitet. Da ist vieles neu aufgebaut worden, fast von Grund auf. Aber trotzdem ist der Kader weiterhin mit sehr viel Qualität besetzt. Bei Bayer musst du mit diesem Kader unter die Top Vier kommen. Punkt.

ran: Es gibt Gerüchte, dass Kasper Hjulmand am Saisonende gehen muss. Wäre ein Wechsel für Sie nachvollziehbar?

Meijer: Wenn das klare Ziel ist, wieder unter die ersten Vier zu kommen und damit Champions League zu spielen – und das mit ansehnlichem Fußball –, dann sage ich: ja.

ran: Warum hat es nicht so funktioniert?

Meijer: Für mich war das bislang sehr unauffällig. Und nach der Ära von Xabi Alonso ist es natürlich extrem schwierig, dieses Niveau und dieses Gefühl für attraktiven Fußball wieder zu erreichen. Aber insgesamt fehlt mir die klare Handschrift. Ich erkenne nicht deutlich genug, wofür die Mannschaft stehen soll. Es geht gar nicht gegen die Person, denn ich halte ihn für einen guten Typen. Aber wenn ich mir anschaue, wie Leverkusen spielt, fehlen mir die Automatismen, die Klarheit, die Struktur. Da ist zu wenig Wiedererkennbares drin.

ran: Ist er bereits gescheitert?

Meijer: Nein, entscheidend wird sein, ob sie die gesteckten Ziele erreichen. Wenn nicht, hat er das zentrale Ziel verfehlt. Mit genau dieser Erwartungshaltung bist du bei Bayer gestartet: international, idealerweise Champions League. Wenn du aktuell nur Sechster bist, ist das zu wenig – auch wenn im Sommer ein großer Umbruch stattgefunden hat. Doch wenn du Qualität im Kader halten willst, musst du Einnahmen generieren, und das funktioniert auf diesem Niveau nur über die Champions League.

ran: Für Bayer ist es die Woche der Wahrheit, mit dem anschließenden Derby gegen Köln. Sind sie dafür gerüstet?

Meijer: Ich glaube, dass 1. FC Köln bereit sein wird. Und ich hoffe, dass Leverkusen es auch ist. Ein Derby hat immer seine eigene Dynamik. Da geht es weniger um Formkurven, sondern um Mentalität. Und ich hoffe, dass die Jungs darauf eingestellt sind. Pokalaus und Derby-Niederlage? Puh, das wäre krass. Mein Glas ist immer halbvoll, also gehe ich da erstmal nicht von aus.

FC Bayern im Flow: Pleite hätte keine nachhaltigen Auswirkungen

ran: Angenommen, die Bayern scheiden im Halbfinale aus: Kann das die Saison ins Wanken bringen, gerade mit Blick auf die Champions League?

Meijer: Nein, das glaube ich nicht. Selbst wenn sie verlieren, wird das keine nachhaltigen Auswirkungen haben. Das hat man auch nach der ersten Niederlage in der Bundesliga gesehen, denn danach haben sie einfach weitergemacht. Diese Mannschaft ist aktuell zu stabil, als dass sie dadurch aus der Spur geraten würde.

ran: Es warten gleich drei Halbfinal-Spiele – Pokal sowie Hin- und Rückspiel international. Was zeichnet die Bayern in solchen K.o.-Duellen aus?

Meijer: Dieser unbedingte Wille, die Spiele gemeinsam zu gewinnen. Jeder Spieler ist bereit, ans Limit zu gehen und alles aus sich rauszuholen – im Dienst der Mannschaft. Das gilt offensiv wie defensiv. Auffällig ist vor allem, wie Spieler wie Harry Kane oder Michael Olise und Luis Diaz auch gegen den Ball arbeiten. Sie machen vorne ihre Tore, aber sind gleichzeitig bereit, defensiv mitzugehen – auch noch in der 80. Minute. Das ist die Basis für Erfolg. Deshalb traue ich ihnen auch zu, selbst gegen Paris Saint-Germain zu bestehen – für mich aktuell der schwerste Gegner in der Champions League. Am Ende hängt es dann von zwei guten Tagen ab, ob du so ein Duell für dich entscheidest.

ran: Sind diese Bayern in der Crunch-Time überhaupt aufzuhalten?

Meijer: Ich habe Paris Saint-Germain gegen Liverpool FC gesehen – brutal stark. Da muss man ehrlich sein: Das wird ein ganz enges Duell. Gegen Bayer Leverkusen ist FC Bayern München für mich Favorit, aber international sehe ich das bei 50:50. Die Meisterschaft haben sie im Rucksack, jetzt geht es noch um die großen Titel.

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