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WM 2026: Gewinner und Verlierer im DFB-Team - Deutschlands Leid ist die Freud des FC Bayern

Veröffentlicht:

von Chris Lugert

ran Fußball

DFB-Team: Bundeskanzler-Post zum WM-Aus sorgt für Irritation

Videoclip • 01:31 Min


Für Deutschland endet die Fußball-WM einmal mehr mit einer gewaltigen Enttäuschung. Neben vielen Verlierern brachte das Turnier im DFB-Team jedoch auch Gewinner hervor.

Einmal mehr herrscht rund um die deutsche Nationalmannschaft am Ende einer Weltmeisterschaft die große Leere. Das blamable Aus gegen Underdog Paraguay im Sechzehntelfinale dürfte Schockwellen zur Folge haben, die das Erscheinungsbild des DFB-Teams nachhaltig verändern könnten.

Zahlreiche Leistungsträger oder solche, die es eigentlich werden sollten, kamen nicht an ihr Leistungsvermögen heran und enttäuschten mehrheitlich. Auch Bundestrainer Julian Nagelsmann verzockte sich letztlich mit zahlreichen Maßnahmen, die ihn womöglich den Job kosten könnten.

Doch trotz der Enttäuschung brachte das WM-Turnier in Nord- und Mittelamerika auch Gewinner hervor - und sei es auch nur indirekt.

ran zieht die WM-Bilanz und blickt auf die Gewinner und Verlierer rund um das deutsche Team.

Gewinner: Nathaniel Brown

Wenn es im DFB-Team so etwas wie einen Shootingstar gab, dann war es Nathaniel Brown. Der Frankfurter erhielt bei der Nominierung den Vorzug vor Maximilian Mittelstädt und sprang damit nicht nur auf den Zug auf, sondern erhielt auch sofort seinen Platz in der Startelf.

Und sein WM-Debüt hätte gar nicht besser laufen können. Beim 7:1 zum Auftakt gegen Curacao erzielte er sein erstes Länderspieltor und lieferte zudem auch noch eine Vorlage. Im zweiten Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste sowie im Sechzehntelfinale gegen Paraguay stand er jeweils die komplette Spielzeit auf dem Platz, nur das dritte Gruppenspiel gegen Ecuador verpasste er verletzt.

Der 23-Jährige könnte die lange gesuchte Dauerlösung auf einer langjährigen Problemposition sein und als Linksverteidiger die kommenden Jahre prägen. Dass er künftig wohl für den FC Bayern auflaufen wird, dürfte diesen Status nur zusätzlich verfestigen.

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Gewinner: Deniz Undav

Schon bevor die erste WM-Minute gespielt war, herrschte rund um Deniz Undav ein fast schon grotesker Hype. Bei den deutschen Fans hatte er einen riesigen Stein im Brett, jede Aufstellung, die den Namen des Stuttgarters nicht in der Anfangsformation führte, wurde kritisiert.

Vor allem in den ersten beiden Spielen lieferte Undav schließlich als Joker auf eine Art und Weise, die derart kitschig war, dass wohl kein Filmstudio ein solches Drehbuch angenommen hätte. Gegen Curacao erzielte er ein Tor und gab zwei Vorlagen, gegen die Elfenbeinküste wurde er schließlich mit einem Doppelpack, der das Spiel im Alleingang drehte, zum Helden.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt war die Undav-Mania endgültig real. Lange Zeit seiner Karriere wurde der Angreifer belächelt, bei der WM spielte er sich endgültig in den Fokus und untermauerte seinen Status als einer der aktuell besten deutschen Stürmer. Bitter allerdings: Als er gegen Paraguay erstmals von Beginn an ran durfte, zeigte er seine schwächste Leistung.

Gewinner: Nico Schlotterbeck

Ein Spieler, für den eine WM verletzungsbedingt nach nur anderthalb Spielen beendet ist, kann doch kein Gewinner sein, oder? Bei Nico Schlotterbeck liegt der Fall allerdings etwas anders. Denn die Bedeutung des Innenverteidigers von Borussia Dortmund wurde sowohl mit ihm als auch ohne ihn auf dem Platz deutlich.

Faktisch lässt sich sagen: Spielte Schlotterbeck bei dieser WM mit, gewann Deutschland. Fehlte er, gab es Niederlagen. So einfach ist es zwar nicht, denn gegen die Elfenbeinküste drehte das deutsche Team das Spiel erst, als der 26-Jährige bereits draußen war. Doch die Dimension, die Schlotterbeck der deutschen Offensive mit seiner Spieleröffnung gab, fehlte gegen Ecuador und Paraguay merklich.

Gerade beim Aus gegen die Paraguayer im Sechzehntelfinale fehlten die langen, präzisen Diagonalpässe, die die gegnerische Abwehr in Bewegung hätten setzen können. Oftmals merkt man erst, was man hatte, wenn es nicht mehr da ist. Bei Schlotterbeck galt das ganz besonders, was seiner Rolle in der Nationalmannschaft für die Zukunft Nachdruck verliehen haben dürfte.

Gewinner: Jonathan Tah

Jonathan Tah spielte eine ordentliche Weltmeisterschaft. Was ihn aber zu einem Gewinner des deutschen Teams machte, war sein Mut, im Elfmeterschießen gegen Paraguay anzutreten. Es war der allererste Elfmeter überhaupt in seiner Karriere. Und das als sechster Schütze, obwohl etwa ein Leon Goretzka noch verfügbar gewesen wäre, sich aber nicht traute, die Verantwortung zu übernehmen.

Dass Tah schließlich mit seinem Fehlversuch zu einer der tragischen Figuren wurde, war bitter. Zumal er eigentlich der Held hätte sein können, schließlich köpfte er den vermeintlichen 2:1-Führungstreffer in der Verlängerung, der womöglich gleichbedeutend mit dem Sieg gewesen wäre. VAR und Schiedsrichter hatten aber etwas dagegen.

Dennoch bewies Tah Führungsqualitäten und ging bei der WM einen weiteren Schritt, um als Abwehrchef auch die kommenden Jahre - gemeinsam mit Schlotterbeck - die deutsche Innenverteidigung anzuführen.

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Gewinner: Lennart Karl

Noch wenige Tage vor dem Start des Turniers war Lennart Karl ein Häufchen Elend, eine Verletzung im Training beendete seinen Traum von der ersten WM-Teilnahme. Doch auch wenn er selbstredend gerne auf dem Platz mitgewirkt hätte, sind seine Aktien durch die Ereignisse der vergangenen Tage und Wochen noch einmal massiv gestiegen.

Leroy Sane konnte das Vertrauen, das der Bundestrainer wiederholt in ihn gesetzt hat, nicht rechtfertigen. Dass der Galatasaray-Spieler noch eine Rolle in der Nationalmannschaft spielen wird, erscheint mehr als fraglich. Die Zukunft, das wurde auch ohne eigene Spielminuten deutlich, gehört Karl.

Sein Spielwitz, seine Genialität, seine Unbekümmertheit, seine besonderen Momente und der Hang zum Unerwarteten gingen der deutschen Offensive komplett ab. Wäre das Turnier mit Karl statt Sane anders verlaufen? Eine seriöse Antwort auf diese Frage gibt es nicht.

Doch klar ist: In Fußball-Deutschland sind talentierte Rechtsaußen rar gesät. Setzt Karl seine bisherige Entwicklung fort, dürfte es künftig an ihm kein Vorbeikommen geben.

Gewinner: FC Bayern München

Der FC Bayern dürfte über das frühe Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft nicht unglücklich sein. Am 20. Juli, also exakt drei Wochen nach dem WM-Spiel gegen Paraguay, startet der deutsche Rekordmeister in die Sommervorbereitung. Durch das Ausscheiden ist klar, dass die deutschen Nationalspieler sehr früh bereits zur Verfügung stehen werden.

Was wiederum ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche kommende Saison der Bayern sein könnte. Gerade nach großen Turnieren ist ein geregelter Trainingsbetrieb in der Vorbereitung kaum möglich. Umso erfreuter wird Trainer Vincent Kompany sein, dass Joshua Kimmich, Aleksandar Pavlovic, Jonathan Tah, Jamal Musiala, Jonas Urbig, Manuel Neuer und der mutmaßliche Neu-Münchner Nathaniel Brown frühzeitig mitwirken können.

Verlierer: Julian Nagelsmann

Julian Nagelsmanns Ansage nach der Heim-EM 2024, man müsse nun zwei Jahre warten, bis man Weltmeister werden könne, ist rückblickend nicht gut gealtert. Nach Joachim Löw und Hansi Flick ist auch Nagelsmann daran gescheitert, das DFB-Team erstmals seit 2014 unter die besten 16 der Welt zu führen.

Der 38-Jährige trägt dafür als Bundestrainer die sportliche Verantwortung, doch er selbst machte sich durch Entscheidungen und Verhaltensweisen angreifbar. Das letztlich gescheiterte Comeback von Manuel Neuer, die Positionierung von Kapitän Joshua Kimmich, die teils unausgewogene Besetzung des WM-Kaders - all das fußte allein auf seiner Idee, die schlussendlich nicht aufging.

Dass er sich dennoch kaum offen für Kritik zeigte, rundete das Bild eines Bundestrainers ab, der von seiner eigenen Genialität beeindruckt schien und wirklich alle genau davon auch überzeugen wollte. Final scheiterte Nagelsmann an der Weiterentwicklung des Teams und seiner eigenen Spielidee. Dass er als Bundestrainer weitermachen darf, erscheint aktuell äußerst unwahrscheinlich.

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Für Julian Nagelsmann könnte es eng werden.

Bild: Kirchner-Media


Verlierer: Manuel Neuer

Sicher keine Zukunft mehr im DFB-Team hat Manuel Neuer, der bereits kurz nach der Niederlage gegen Paraguay seinen erneuten Rücktritt erklärte. Überraschend kommt das nicht, mit seinen 40 Jahren galt die WM ohnehin als das letzte Turnier des Bayern-Torwarts.

Eigentlich galt das auch für die EM 2024, doch Neuer ließ sich von Nagelsmann für die WM zu einem Comeback überreden. Begründung: Der mehrfache Welttorhüter strahle noch immer eine "Aura" aus, die gegnerische Angreifer zum Nachdenken bringe. Davon war bei der WM aber herzlich wenig zu sehen.

Neuer machte zwar keine entscheidenden Fehler, doch er hielt auch keine "Unhaltbaren". Der Plan, allein Neuers Anwesenheit würde für Angst und Schrecken sorgen, ging nicht auf. Letztlich lieferte er keinen Mehrwert, der den ganzen Aufriss zuvor auch nur ansatzweise gerechtfertigt hätte.

Neuer hätte es bei seinem ersten Rücktritt belassen sollen, damit wäre allen geholfen gewesen - vor allem dem bemitleidenswerten Oliver Baumann.

Verlierer: Joshua Kimmich

Die WM bleibt ein Fluch für Joshua Kimmich. Erstmals führte er die deutsche Mannschaft als Kapitän bei einer Weltmeisterschaft an, doch den Makel der Verlierer-Generation, die mit dem Adler auf der Brust versagt, konnte er erneut nicht abstreifen. Kimmich bleibt das Gesicht des Niedergangs der DFB-Elf, obwohl er selbst dafür kaum etwas kann.

Zumal er wieder einmal das Opfer seiner Flexibilität wurde und auch die WM 2026 nicht auf seiner bevorzugten Position im zentralen Mittelfeld spielen durfte. Als Rechtsverteidiger konnte der 31-Jährige kaum Einfluss auf das Spiel der deutschen Mannschaft nehmen. Seine Qualitäten kamen kaum zur Geltung, gleichzeitig legte er defensiv deutliche Schwächen an den Tag.

Die Zeit läuft Kimmich allmählich davon, will er seiner Zeit im DFB-Dress noch irgendeine Relevanz hinzufügen. Bezeichnend: Kimmich ist der einzige Nationalspieler mit 100 oder mehr Einsätzen, der keinen Titel gewonnen hat - bislang. Aufgeben komme für ihn nicht infrage, stellte er nach dem Paraguay-Spiel klar. Er will noch einen letzten Anlauf wagen.

Verlierer: "Wusiala" und Kai Havertz

Zwei Jahre ist es her, als Jamal Musiala und Florian Wirtz als das Zauberduo "Wusiala" die deutschen Fußballfans verzauberten. Auch bei der WM sollten sie für Spektakel sorgen - gemeinsam mit Kai Havertz. Ein Dreigestirn in der Offensive, das in der Theorie absolute Weltklasse verkörpert.

Doch Theorie und Praxis sind oftmals zwei verschiedene Paar Schuhe. So auch bei "Hawusiala", die über weite Strecken der WM unter ihren Möglichkeiten blieben. Musiala und Wirtz fanden keine Harmonie, sondern standen sich gefühlt gegenseitig im Weg. Havertz wirkte oftmals nicht ins Spiel eingebunden.

Gemeinsam kamen Musiala, Wirtz und Havertz bei der WM auf vier Tore und drei Vorlagen, vier Scorerpunkte davon kamen aber gegen Curacao zustande. Gegen Paraguay legte zwar Wirtz auf Torschütze Havertz auf, doch diese Momente gab es zu selten. Zumal Havertz mit seinem verschossenen Versuch im Elfmeterschießen gegen Paraguay auch einen Anteil an der Niederlage hatte.

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Verlierer: Nick Woltemade

Der Spitzname "Woltemessi" wirkt inzwischen wie aus einer längst vergessenen Epoche. Dabei ist es gar nicht so lange her, dass Nick Woltemade beim VfB Stuttgart für Furore sorgte und anschließend für 75 Millionen Euro zu Newcastle United wechselte. Doch der sich anbahnende Mythos ist seither ziemlich verblasst, in England spielte er zuletzt nur noch eine Nebenrolle.

Dennoch berief ihn Julian Nagelsmann in den WM-Kader - ursprünglich als ersten Backup für Kai Havertz. Doch die Auftritte von Deniz Undav ließen Woltemade in der internen Hierarchie nach unten rutschen. Plötzlich war der Angreifer, der noch im Herbst in der WM-Qualifikation geglänzt hatte, nur noch Stürmer Nummer drei.

In der Gruppenphase blieb der 24-Jährige gänzlich ohne Einsatzminute, erst gegen Paraguay durfte er als Joker ran. Sein Arbeitsnachweis: ein verschossener Versuch im Elfmeterschießen. Es passte zu seinem bisherigen Jahr 2026. Woltemade wird sich strecken müssen, um sich eine langfristige Zukunft in der Nationalmannschaft zu sichern.

Verlierer: Borussia Dortmund

Für den BVB war es eine seltsame WM. Erst lieferte Felix Nmecha gegen Curacao und gegen die Elfenbeinküste ab, was dessen Marktwert kurzfristig in die Höhe trieb. Plötzlich schien ein lukrativer Millionentransfer im Sommer realistisch, aus der Premier League soll es bereits Interesse gegeben haben.

Dann verletzte sich Nico Schlotterbeck schwer, was zwar einen möglichen Transfer des Abwehrspielers, der trotz Vertragsverlängerung immer noch herumgeisterte, unwahrscheinlicher machte. Dafür aber wird der Abwehrchef wohl die komplette Vorbereitung sowie vielleicht auch den Saisonstart verpassen.

Und schlussendlich fiel Nmecha gegen Ecuador und Paraguay auch noch in ein Loch und konnte nicht mehr an die Leistungen der ersten beiden Spiele anknüpfen. Damit dürften sich die Dortmunder Hoffnungen auf einen großen Transfer zerschlagen haben.

Kurzum: Der BVB ist einer der Verlierer der deutschen WM-Vorstellung.

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