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Nico Schlotterbeck: Borussia Dortmund bekommt das Vertragsthema trotz Unterschrift nicht vom Tisch
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von Marcus Giebelran Fußball Bundesliga
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Nico Schlotterbeck verlängert seinen Vertrag bei Borussia Dortmund. Von einigen Fans muss er sich dafür Pfiffe anhören – offenbar wegen einer vereinbarten Ausstiegsklausel. Das scheint auch die Vereinsbosse überrascht zu haben. Damit geht das Thema in eine Verlängerung.
Das hatte Nico Schlotterbeck in fast vier Jahren bei Borussia Dortmund auch noch nicht erlebt. Bei der Verlesung seines Namens im Zuge der Mannschaftsaufstellung für das Heimspiel gegen Bayer Leverkusen (0:1) gellten vereinzelte, aber unüberhörbare Pfiffe durch das BVB-Stadion. Und die kamen nicht aus der Gästekurve. Sondern von der Südtribüne.
Auch einige Ballkontakte wurden mit derartigen Unmutsbekundungen quittiert. All das nur einen Tag, nachdem der Verein die vorzeitige Vertragsverlängerung von Schlotterbeck verkündet hatte. Statt bis 2027 hat sich der 26-Jährige nun bis 2031 an die Schwarz-Gelben gebunden.
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Allerdings offenbar mit einer Hintertür. Denn wie der "kicker" berichtet, soll der Kontrakt bereits für diesen Sommer eine Ausstiegsklausel beinhalten. Demnach könne Schlotterbeck für eine Summe zwischen 50 und 60 Millionen Euro wechseln – wenn auch nur zu bestimmten Klubs, zu denen der "Bild" zufolge der FC Bayern München nicht zählen soll.
An dieser Klausel scheint sich eine beträchtliche Zahl an BVB-Fans zu stören, wie am Samstagnachmittag im Signal Iduna Park zu hören war. Für sie ist die Verlängerung offenbar alles andere als das klare Bekenntnis zum Verein, das sich alle Schwarz-Gelben erhofft hatten.
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Schlotterbeck-Vertrag: Klausel-Gerücht kostet BVB-Profi an Ansehen
Da half es auch nicht, dass Schlotterbeck laut Klub-Mitteilung von einer "Grundsatzentscheidung" sprach und betonte: "Ich freue mich riesig, meinen Vertrag beim BVB verlängert zu haben." Zwar hatte der Nationalspieler in seiner bisherigen BVB-Zeit durchaus den Eindruck erweckt, mit seiner emotionalen Spielweise auch die Tugenden des Pott-Klubs zu verkörpern und in diesem mehr zu sehen als einen Arbeitgeber.
Doch auf dem Weg zur Identifikationsfigur hat er nun ausgerechnet mit der Unterschrift unter einen neuen Vertrag augenscheinlich bei Teilen der Fans an Ansehen verloren. Dabei dürfte sicher auch eine Rolle gespielt haben, dass sich die Verhandlungen über viele Monate hinzogen und Schlotterbeck obendrein nach dem jüngsten Länderspiel auch noch darauf verwies, mit dem kurz zuvor entlassenen Sportdirektor Sebastian Kehl seinen bisherigen Ansprechpartner verloren zu haben.
Dessen Nachfolger Ole Book hat nicht nur die Gespräche zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht, sondern musste sich auch vor dem Leverkusen-Spiel der hartnäckigen Nachfragen von "DAZN"-Moderatorin Laura Wontorra zu den Vertragsinhalten erwehren. Das tat der Ex-Profi, indem er klarstellte, dazu gebe der BVB keine Auskünfte.
Eine gängige Praxis im Profifußball, in dem nicht einmal jede Vertragslaufzeit öffentlich kommuniziert wird. Doch hätte Book eben auch die Chance gehabt, die Spekulationen vom Tisch zu wischen. Wenn er es denn glaubhaft gekonnt hätte, also keine Ausstiegsklausel für diesen Sommer existiert.
Den Dortmunder Bossen muss jedenfalls klar sein: So bleibt die Klausel zwar ein Gerücht, aber als heikles Thema am Leben. Dem designierten Vize-Meister droht damit im Saisonendspurt ein Nebenkriegsschauplatz.
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Pfiffe gegen Schlotterbeck: BVB überrascht von Fan-Reaktion
Der könnte sich zum nervtötenden Störgeräusch auswachsen, der die Mannschaft in den letzten fünf Spielen begleitet. Aus sportlicher Sicht wäre das zu verschmerzen, denn trotz der dritten Niederlage in dieser Bundesliga-Saison ist die Champions-League-Qualifikation bei zwölf Punkten Vorsprung auf Platz fünf quasi sicher, international und im DFB-Pokal ist das Team von Trainer Niko Kovac nicht mehr vertreten.
Womöglich könnten die Pfiffe gegen Schlotterbeck aber das Binnenverhältnis zwischen Fans und Verein nachhaltig verändern – auch wenn die große Mehrheit der Supporter zumindest während der Spiele bedingungslos hinter der Mannschaft steht. Mit dem Fall Mario Götze, dessen Wechsel nach München trotz laufenden Vertrags im Frühjahr 2013 durchsickerte und die Fan-Seele zum Kochen brachte, ist die Personalie Schlotterbeck zwar nicht zu vergleichen.
Aber womöglich lassen sich einige der Reaktionen mit den damaligen Erfahrungen erklären. Immerhin sind beide Profis in Dortmund zu Fanlieblingen aufgestiegen. Und wenn diese sich dann früher als erwartet abwenden, schmerzt das gerade all jene, für die "Echte Liebe" mehr als ein Slogan ist.
Die BVB-Bosse jedenfalls werden sich noch länger zum Schlotterbeck-Vertrag erklären müssen als sie erwartet haben dürften. Dass sie von den Pfiffen überrascht wurden, zeigten die ersten Statements. So sagte Geschäftsführer Carsten Cramer nach dem Spiel zwar, er fände Meinungsfreiheit "in Ordnung", für die Pfiffe aber "gibt es überhaupt keinen Grund".
Schlotterbecks Abwehrkollege Waldemar Anton monierte bei "DAZN" sogar deutlich: "Das schadet uns als Mannschaft, das muss jeder auf der Tribüne wissen. Das können wir als Mannschaft überhaupt nicht akzeptieren, das ist ein Unding, meiner Meinung nach."
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Schlotterbeck schweigt: Vertragsthema geht in ein Nachspiel
Auch Kovac äußerte sich bei dem Streamingdienst und stellte klar: "Natürlich geht sowas nicht, wir sind alles Borussen, jeder einzelne Spieler braucht die Unterstützung der Fans." Allerdings sagte er auch: "Jeder kann seine Enttäuschung äußern."
Natürlich wäre dies auch auf anderen Wegen möglich gewesen. Über ein Plakat oder ein Banner? Vielleicht war die Vorbereitungszeit dafür zu knapp. Über einen Stimmungsboykott? Der hätte zweifellos die gesamte Mannschaft getroffen. In beiden Fällen hätte der Kreis der Unterstützer der Aktion ohnehin deutlich größer sein müssen als bei vereinzelten Pfiffen im weiten Rund.
Die Botschaft hat ihren Zweck jedenfalls erfüllt. Fußball-Deutschland weiß, dass längst nicht jeder Schwarz-Gelbe die Lösung im Schlotterbeck-Poker bejubelt.
Der Gescholtene selbst vermied zunächst ein Statement. "Wir hätten gerne auch Nico Schlotterbeck selbst gefragt, aber er hat sich heute, so unsere Informationen von der Presseabteilung des BVB, dazu entschieden, keine Interviews zu geben, zumindest mal hier vor den Kameras nicht", ließ Wontorra wissen.
Dem Linksfuß wird bewusst sein, dass er um weitere Sätze zu seiner Zukunftsentscheidung nicht herumkommen wird. Und auch unangenehme Fragen auf ihn wie auch die Bosse warten. Das Vertragsthema ist mit der Unterschrift noch lange nicht vom Tisch. Bleibt für alle Beteiligten zu hoffen, dass sich das Nachspiel nicht ähnlich lang hinzieht wie die scheinbar endlose Verhandlungsphase.
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