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WM 2026

WM-Check - Brasilien: Launische Selecao ist zwar alt, aber erinnert trotzdem nicht an früher

Veröffentlicht:

von Mike Stiefelhagen

17:30 SAT.1 Bayern

Mission Fußball-WM gestartet: DFB-Team fliegt in die USA

Videoclip • 01:25 Min • Ab 12


Brasilien gehört bei jeder Weltmeisterschaft automatisch zum Kreis der Favoriten. Doch vor der WM 2026 ist die Lage komplizierter als sonst. Nicht nur wegen eines Vinicius Jr. oder Neymar.

Der Name Brasilien klingt bei einer WM immer nach Magie, Druck und Erwartung.

Fünfmal wurde die Selecao Weltmeister (Rekord!), das letzte Mal war 2002. Brasilien wird bis heute an den großen Teams der Vergangenheit gemessen. An Ronaldo, Rivaldo und Ronaldinho. An Kaka, Roberto Carlos, Cafu und all den Spielern, die nicht nur gewonnen, sondern Fußball zelebriert haben.

Brasilien will wieder dieses Gefühl auslösen. Doch der aktuelle Kader strotzt vor Ich-Projekten, statt vor "Joga Bonito".

Der Kader ist stark genug, um weit zu kommen. Aber er wirkt nicht so unangreifbar wie frühere brasilianische Top-Teams. Bei der Erwartungshaltung ist die Fallhöhe riesig.

Die Lage ist kompliziert. Hier kommt der WM-Check von ran zu Brasilien.

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Neues altes Brasilien: Zwischen Panama und Kap Verde

Diese Seleção ist nicht jung, wild und voller Zauber. Sie ist erfahren, prominent - oder einfach nur alt.

Mit einem Durchschnittsalter von rund 29,2 Jahren gehört Brasilien zu den ältesten Mannschaften dieser WM. Nur Panama, Iran, Kolumbien, Kap Verde und Katar haben einen höheren Schnitt. Keines dieser Länder gehört zum Favoritenkreis.

Trainer Carlo Ancelotti nominierte zahlreiche Spieler jenseits der 30: Alisson, Ederson, Weverton, Alex Sandro, Danilo, Douglas Santos, Marquinhos, Casemiro, Fabinho und Neymar.

Das ist nicht automatisch ein Nachteil. Erfahrung gewinnt Turnierspiele. Aber Brasilien wirkt dadurch weniger explosiv als der Mythos, den das Land selbst gerne wiederbeleben würde. Früher stand die Selecao für Überfall, Tempo, Straßenfußball und pure Spielfreude.

Heute stehen in vielen Mannschaftsteilen Spieler, die viel gesehen haben, aber nicht mehr jeden Gegner körperlich dominieren. Der wichtige und konsequente Umbruch wurde - mal wieder - verpasst. Doch schauen wir uns den Kader genauer an.

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Torhüter: Keine Baustelle, aber auch wenig Zukunft

Im Tor hat Brasilien keine große Baustelle. Alisson dürfte als Nummer eins in das Turnier gehen. Der 33-Jährige bringt Erfahrung, Ruhe und internationale Klasse mit. Für eine Mannschaft, die offensiv viel will, ist ein verlässlicher Torhüter besonders wichtig.

Ederson ist die starke Alternative. Sein Spiel mit dem Ball ist außergewöhnlich, seine langen Pässe können Pressinglinien überspielen und Angriffe direkt einleiten. Trotzdem spricht vieles für Alisson, weil er als klassischer Turnierkeeper noch etwas mehr Sicherheit ausstrahlt.

Weverton ist mit 38 Jahren als dritter Torhüter dabei. Er wird sportlich wohl nur im Notfall wichtig, gibt der Gruppe aber Routine. Insgesamt ist das Tor eine der stabilsten Positionsgruppen im Kader.

Jedoch wird hier schon unter Ancelotti deutlich: Die Zukunft scheint egal. Ederson wäre bei der nächsten WM 36 Jahre alt, Alisson 37 und Weverton 42. Mit Lucas Perri (28/Leeds United), Gabriel Brazao (25/FC Santos), Luiz Junior (25/FC Villarreal), Bento (26/Al-Nassr) oder auch Kaua Santos (23/Eintracht Frankfurt) hätte es jüngere Alternativen gegeben.

Ein junges Talent bzw. einen jüngeren Spieler anlernen und nachziehen? Fehlanzeige.

Abwehr: Schnelle Gegner können Probleme bedeuten

In der Innenverteidigung hat Brasilien weiterhin Qualität. Kapitän Marquinhos bringt Erfahrung, Führungsstärke und Ruhe am Ball. Er ist durch den Gewinn der Champions League mit Paris St. Germain euphorisiert. Gabriel vom im Finale unterlegenen FC Arsenal ist körperlich stark, kopfballgefährlich und in der Premier League an höchste Intensität gewöhnt. Im Falle eines Elfmeterschießens wird er nach seinem entscheidenden Patzer im CL-Finale aber mental angekratzt sein. Bremer steht für Härte und Zweikampfstärke, aber nicht für Top-Niveau.

Trotzdem fehlt Eder Militao. Sein Tempo und seine Athletik hätten der Abwehr mehr Sicherheit gegeben, gerade gegen schnelle Gegner. Ohne ihn wird die Absicherung wichtiger. Brasilien darf nicht zu offen werden, wenn die Außenverteidiger hoch stehen oder das Mittelfeld Bälle verliert.

Die Außenverteidiger sind überraschenderweise der kritischere Bereich. Danilo und Alex Sandro bringen Erfahrung ins Team, aber nicht mehr die Dynamik früherer brasilianischer Generationen. Douglas Santos kann links stabilisieren, Wesley rechts mehr Energie geben. Trotzdem fehlt auf diesen Positionen ein Spieler, der defensiv zuverlässig und offensiv dauerhaft gefährlich ist. Die Tage von Dani Alves oder Marcelo sind Vergangenheit.

Gegen Marokko, Schottland oder spätere K.o.-Gegner kann das wichtig werden. Wenn Brasilien auf den Außen defensiv ins Laufen kommt, können auch nominell schwächere Teams Probleme bereiten.

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WM 2026: Das sind die Stadien in Kanada, Mexiko und den USA

  • Die WM-Stadien 2026 in Kanada, Mexiko und den USA
    Die WM-Endrunde 2026 findet in den USA, Kanada und Mexiko statt. Nun stehen auch die Stadien fest, in denen die Endrunde ausgetragen wird. ran zeigt die Arenen in den drei Ländern, in denen der Weltmeister ermittelt wird. (Stand: 05. Februar 2024)
    Auch interessant: WM 2026: 4,5 Millionen Ticketanfragen in der ersten Phase

    imago

  • Atlanta: Mercedes-Benz Stadium
    Kapazität: 71.000
    WM-Spiele:  8 (5 Gruppenspiele, 1 x Runde der letzten 32, 1 Achtelfinale, 1 Halbfinale

    2017 Getty Images

  • Boston/Foxborough: Gillette Stadium
    Kapazität: 68.756 
    WM-Spiele: 7 (5 Gruppenspiele, 1 x Runde der letzten 32, 1 Viertelfinale)

    2018 Getty Images

  • Dallas: AT&T-Stadium
    Kapazität: 80.000 bis 108.713 
    WM-Spiele: 9 (5 Gruppenspiele, 2x Runde der letzten 32, 1 Achtelfinale, 1 Halbfinale)

    2010 Getty Images

  • Houston: NRG Stadium
    Kapazität: 71.500 
    WM-Spiele: 7 (5 Gruppenspiele, 1x Runde der letzten 32, 1 Achtelfinale)

    2007 Getty Images

  • Kansas City: Arrowhead Stadium
    Kapazität: 76.416 
    WM-Spiele: 6 (4 Gruppenspiele, 1x Runde der letzten 32, 1 Viertelfinale)

    2011 Getty Images

  • Los Angeles: SoFi Stadium
    Kapazität: 70.270 (bis zu 100.240 Plätze) 
    WM-Spiele: 8 (5 Gruppenspiele, 2x Runde der letzten 32, 1 Viertelfinale)

    getty

  • Miami: Hard Rock Stadium
    Kapazität: 65.326 
    WM-Spiele: 7 (4 Gruppenspiele, 1x Runde der letzten 32, 1 Viertelfinale, Spiel um Platz 3)

    2017 Getty Images

  • New York/New Jersey: MetLife Stadium
    Kapazität: 82.500 
    WM-Spiele: 8 (5 Gruppenspiele, 1x Runde der letzten 32, 1 Achtelfinale, Finale)

    2016 Getty Images

  • Philadelphia: Lincoln Financial Field
    Kapazität: 69.176 
    WM-Spiele: 6 (5 Gruppenspiele, 1 Achtelfinale)

    2017 Getty Images

  • San Francisco: Levi's Stadium
    Kapazität: 68.500 
    WM-Spiele: 6 (5 Gruppenspiele, 1x Runde der letzten 32)

    2016 Getty Images

  • Seattle: Lumen Field
    Kapazität: 67.000 
    WM-Spiele: 6 (4 Gruppenspiele, 1x Runde der letzten 32, 1 Achtelfinale)

    2016 Getty Images

  • Guadalajara/Mexiko: Estadio Akron
    Kapazität: 45.500
    WM-Spiele: 4 (4 Gruppenspiele)

    getty

  • Mexiko City/Mexiko: Aztekenstadion
    Kapazität: 81.070 
    WM-Spiele: 5 (3 Gruppenspiele, darunter das Eröffnungsspiel, 1x Runde der letzten 32, 1 Achtelfinale)

    2017 Getty Images

  • Monterrey/Mexiko: Estadio BBVA Bancomer
    Kapazität: 51.000
    WM-Spiele: 4 (3 Gruppenspiele, 1x Runde der letzten 32)

    imago

  • Toronto/Kanada: BMO Field
    Kapazität: 30.991
    WM-Spiele: 6 (5 Gruppenspiele, 1x Runde der letzten 32)

    getty

  • Vancouver/Kanada: BC Place Stadium
    Kapazität: 21.000 - 54.320 
    WM-Spiele: 7 (5 Gruppenspiele, 1x Runde der letzten 32, 1 Achtelfinale)

    2020 Getty Images


Mittelfeld: Erfahren, aber limitiert

Das Mittelfeld ist stabil, aber nicht spektakulär. Casemiro bleibt ein Fixpunkt. Er ist nicht mehr ganz der dominante Abräumer seiner Real-Madrid-Jahre, aber seine Erfahrung, sein Stellungsspiel und seine Führungsrolle sind für Brasilien wertvoll.

Bruno Guimaraes ist der modernste Mittelfeldspieler im Kader. Er verbindet Balleroberung, Spielaufbau und Rhythmuswechsel. Wenn Brasilien Kontrolle haben will, braucht es einen starken Bruno. Neben ihm kann Lucas Paqueta die kreativere Rolle übernehmen.

Paqueta ist wichtig, weil Brasilien ohne Rodrygo und mit einem angeschlagenen Neymar nicht unendlich viele Verbindungsspieler zwischen Mittelfeld und Angriff hat. Er muss Bälle fordern, Räume finden und trotzdem diszipliniert arbeiten. Fabinho und Danilo Santos geben Ancelotti weitere Optionen für Absicherung und Energie. Aber keiner von ihnen ist unter 25 Jahre alt.

Die große Frage bleibt: Hat Brasilien genug Kreativität aus dem Zentrum? Gegen tief stehende Gegner darf die Mannschaft nicht nur auf Flügelaktionen und Einzelmomente hoffen.

Einzig Casemiro hätte zu seiner Prime einen Platz in früheren Selecoes gehabt. Die heutigen Stammspieler wären früher Wackelkandidaten im Kader gewesen.

Sturm: Alle für Vini, aber Vini für keinen?

Der Angriff ist trotz aller Ausfälle der stärkste Mannschaftsteil. Vinicius Junior ist der klare Schlüsselspieler. Er bringt Tempo, Dribbling, Abschluss und diese besondere Fähigkeit, ein Spiel mit einer einzigen Aktion zu kippen. Wenn er Lust hat.

Raphinha ist auf der rechten Seite fast genauso wichtig. Er arbeitet gegen den Ball, ist torgefährlich und kann sowohl breit bleiben als auch nach innen ziehen. In dieser brasilianischen Mannschaft gibt er Balance, weil er nicht nur glänzt, sondern auch arbeitet. Er ist mit elf Toren in 38 Länderspielen sogar effizienter als Vini mit nur neun Toren in 48 Spielen.

Im Zentrum ist Ancelotti variabel. Matheus Cunha wirkt als bewegliche Neun naheliegend. Er kann Räume öffnen, ausweichen und kombinieren. Igor Thiago ist körperlicher und direkter. Endrick ist das große Versprechen, aber mit 19 Jahren eher Impulsgeber als sicherer Startelfspieler.

Gabriel Martinelli, Luiz Henrique und Rayan geben zusätzliche Geschwindigkeit und Tiefe. Der Angriff hat also genug Waffen. Die Frage ist, ob daraus eine klare Hierarchie entsteht – oder ob Brasilien zu sehr nach der besten Mischung suchen muss. Denn das glorreiche Brasilien glänzte durch Teamplay, hier möchte jeder der Star sein. Das kann statt der größten Stärke auch die größte Schwäche werden.

Quartier bei der WM 2026: DFB-Team residiert im "The Graylyn Estate"

  • "The Graylyn Estate": Deutschlands Quartier für die WM 2026 steht fest
    Die deutsche Nationalmannschaft hat für die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko eine Bleibe gefunden. Das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann wird in der Kleinstadt Winston-Salem (Bundesstaat North Carolina) residieren, wohnt während der Endrunde im Hotel "The Graylyn Estate".

    The Graylyn Estate

  • Deutschlands WM-Quartier: Riesen-Areal über 55 Hektar
    Die Anlage des "The Graylyn Estate" erstreckt sich über 55 Hektar, bietet zahlreiche Sport- bzw. Freizeitmöglichkeiten für die Gäste des Hotels.

    The Graylyn Estate

  • Bauten im Südstaaten-Stil
    Geprägt ist die Anlage von den zahlreichen Steinhäusern, ebenso gibt es einen riesigen Park, in dem sich die deutschen Nationalspieler während der Endrunde im Sommer 2026 in ihrer Freizeit aufhalten können.

    The Graylyn Estate

  • Turmbauten als Hingucker
    Neben den Steinhäusern sind auch die vielen Türme auf dem Areal des "The Graylyn Estate" ein echter Hingucker.

    The Graylyn Estate

  • Training auf dem Gelände der Wake Forest University
    Zum Training bittet Julian Nagelsmann seinen WM-Kader im Sommer 2026 dann auf dem nahe dem Hotel befindlichen Gelände der Wake Forest University. Hier trainieren und spielen normalerweise die Fußball-Teams der Wake Forest University, die Demon Deacons.

    Wake Forest Athletics

  • Nähe zwischen Hotel und Trainingsplätzen als als wichtiger Faktor
    Bei der Suche nach einem geeigneten Domizil für die WM war die Nähe zwischen Hotel und Trainingseinrichtungen ein wichtiger Faktor, wie Nagelsmann bestätigte. "Wir können sie fußläufig und mit dem Fahrrad in weniger als zehn Minuten erreichen. Das ist ein entscheidender Faktor", sagte der Bundestrainer.

    Wake Forest Athletics

  • Nagelsmann mit Trainingseinrichtungen zufrieden
    Der DFB-Tross um Nagelsmann, Rudi Völler und Andreas Rettig inspizierte die Trainingsplätze persönlich.

    Wake Forest Athletics

  • Drei Trainingsplätze für das DFB-Team
    "Wir haben hier drei Fußballplätze in einem sehr, sehr guten Zustand, die alle Ansprüche, die wir aus sportlicher Sicht stellen, erfüllen", sagte Nagelsmann.

    Wake Forest Athletics

  • DFB-Delegation schaut sich auch im Innenraum der Uni um
    Nagelsmann, Völler und Co. bekamen bei ihrem USA-Besuch auch Einblick in die Räumlichkeiten der Wake Forest University, die das DFB-Team während der Trainingseinheiten nutzen darf.

    Wake Forest Athletics

  • Welche Temperaturen erwartet das DFB-Team in North Carolina?
    In Winston-Salem, einer Stadt mit ungefähr 250.000 Einwohnern, sind im Juni Temperaturen zwischen 25 bis 30 Grad zu erwarten, verbunden mit einer hohen Luftfeuchtigkeit.

    ©WFU/Ken Bennett

  • Abschiedsfoto mit Vertretern der Uni und der Stadt Winston-Salem
    Zum Abschied des Vorabbesuchs  der DFB-Delegation gab es noch ein gemeinsames Bild mit Vertretern der Wake Forest University und der Stadt Winston-Salem.

    Wake Forest Athletics


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Trainer: Ancelotti und das brasilianische "Mamma Mia"

Auch die Trainerstory passt zu diesem ungewöhnlichen Brasilien-Bild. Ancelotti übernahm Brasilien (nach langem Hin und Her!) im Mai 2025 – nur gut ein Jahr vor der WM – und damit in einer Phase, in der der Verband unruhig war und die Nationalmannschaft sportlich nicht mehr wie der selbstverständliche Gigant früherer Jahre wirkte. Für den italienischen Erfolgstrainer ist es zudem die erste große Station als Nationalcoach, und sein Kader kam nicht überall gut an.

Neymar ist dabei das emotionalste Thema. Er ist mit 79 Treffern Rekordtorschütze seines Landes, einer der größten Spieler seiner Generation und weiter der Mann, der in Brasilien die größte Aufmerksamkeit bekommt. Wenn Neymar fit ist, kann er auch mit 34 Jahren noch ein Spiel mit einem Pass, einem Dribbling oder einem Standard verändern.

Doch genau dieses "Wenn" ist das Problem. Neymar kommt nicht als unantastbarer Superstar in dieses Turnier. Er kommt nach langen Verletzungsproblemen, einer schwierigen Phase und weiteren Fitnesssorgen. Eine Wadenverletzung bremste ihn in der Vorbereitung erneut aus. Das macht seine Rolle für Ancelotti so heikel.

Neben Vini ein weiterer Unruheherd, sollte es nicht laufen. Eng verbunden mit Neymar ist die Personalie Joao Pedro. Der Angreifer wurde nicht nominiert, obwohl er als moderne, bewegliche Offensivoption gut in diesen Kader gepasst hätte. Seine Nichtberücksichtigung ist deshalb mehr als nur eine Randnotiz. Sie zeigt: Brasilien setzt nicht nur auf aktuelle Form, sondern auch auf Hierarchie, Erfahrung und besondere Momente. Zumal neben Militao und Rodrygo auch Estevao verletzungsbedingt fehlt.

Qualifikation und Vorbereitung: Ausgerechnet Brasilien fehlt der Rhythmus

Brasilien qualifizierte sich auf Platz 5 über die südamerikanische WM-Qualifikation. Das Ticket wurde spät gelöst. Ecuador, Kolumbien und Uruguay schlossen knapp besser ab. Man war punktetechnisch zum achten Platz von zehn Teams und dem Ausscheiden genauso nah wie zu Platz 1 und dem Erzrivalen Argentinien.

In der Vorbereitung gelang ein 6:2-Sieg über Panama. Standesgemäß. Trotzdem bleiben zwei Gegentore gegen den krassen Außenseiter ein kleines Warnzeichen. Genau diese Mischung zieht sich durch den Favoriten-Check: große Qualität nach vorne, aber nicht immer perfekte Absicherung.

Zuvor gewann Brasilien 3:1 gegen Kroatien. Das war wertvoll, weil Kroatien erfahren und taktisch unangenehm ist. Gegen Frankreich gab es dagegen eine 1:2-Niederlage. Dieses Spiel zeigte, dass Brasilien gegen absolute Top-Teams noch nicht vollständig stabil wirkt.

Vor dem WM-Start steht noch der Test gegen Ägypten an. Danach beginnt die Gruppenphase gegen Marokko. Dieses erste Spiel wird direkt ein guter Gradmesser, weil Marokko körperlich stark, taktisch reif und unangenehm zu bespielen ist.

Fazit: Der Traum lebt, der Albtraum droht

Brasilien kann diese WM gewinnen. Die Südamerikaner müssen sich für die Spiele auf dem amerikanischen Kontinent nicht groß anpassen. Der Kader ist in der Theorie stark genug. Doch die Stars müssen als Team fungieren.

Sollte Ancelotti wie zu Madrid-Zeiten die Egos zu einer Einheit formen, wird Brasilien kaum zu stoppen sein. Misslingt ihm das, droht ein frühes Aus. Auch gegen einen nominell schwächeren Gegner. Das erste Spiel gegen Marokko könnte schon der Beginn eines Albtraums werden. Oder der Anfang einer Party.

Brasilien: Kompakte Übersicht und Startelf

Trainer: Carlo Ancelotti
Kapitän: Marquinhos
Gruppe: Gruppe C mit Marokko, Haiti und Schottland
Erstes Spiel: gegen Marokko am 13. Juni in New Jersey
Größter Erfolg: fünfmal Weltmeister
Ziel: sechster WM-Titel
Bester Spieler: Vinicius Junior
Größtes Thema: Neymar und die Verletzungslage
Größte Ausfälle: Rodrygo, Eder Militao, Estevao

Rekordspieler historisch: Cafu (142 Länderspiele)
Rekordspieler aktueller Kader: Neymar (128 Länderspiele)
Rekordtorschütze historisch: Neymar (79 Tore)
Rekordtorschütze aktueller Kader: Neymar (79 Tore)

Mögliche Startelf (4-3-3):
Alisson – Wesley, Marquinhos, Gabriel, Alex Sandro – Casemiro, Bruno Guimaraes, Lucas Paqueta – Raphinha, Matheus Cunha, Vinicius Junior
-> (Alternative wäre ein 4-2-3-1 mit Luiz Henrique statt Paqueta)

Kompletter Kader:
Tor: Alisson (33, FC Liverpool), Ederson (32, Fenerbahçe), Weverton (38, Gremio)
Abwehr: Alex Sandro (35, Flamengo), Bremer (29, Juventus Turin), Danilo (34, Flamengo), Douglas Santos (32, Zenit St. Petersburg), Gabriel Magalhaes (28, FC Arsenal), Roger Ibanez (27, Al-Ahli), Leo Pereira (30, Flamengo), Marquinhos (32, Paris Saint-Germain), Wesley (22, AS Rom)
Mittelfeld: Bruno Guimaraes (28, Newcastle United), Casemiro (34, Manchester United), Danilo Santos (25, Botafogo), Fabinho (32, Al-Ittihad), Lucas Paqueta (28, Flamengo)
Angriff: Endrick (19, Olympique Lyon), Gabriel Martinelli (24, FC Arsenal), Igor Thiago (24, FC Brentford), Luiz Henrique (25, Zenit St. Petersburg), Matheus Cunha (27, Manchester United), Neymar (34, FC Santos), Raphinha (29, FC Barcelona), Rayan (19, AFC Bournemouth), Vinicius Junior (25, Real Madrid)

Letzte Tests: 6:2 gegen Panama, 3:1 gegen Kroatien, 1:2 gegen Frankreich
Qualifikation: Brasilien sicherte sich das WM-Ticket durch Platz 5 in der südamerikanischen Qualifikation

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