Rekordangebot für Julian Alvarez
Real Madrid: Nächste Posse - Florentino Perez muss sich ein Beispiel am FC Bayern nehmen - Kommentar
Aktualisiert:
von Julian Huterran Fußball
Real Madrid: Florentino Perez mit kurioser Pressekonferenz - Fans sind gespalten
Videoclip • 01:46 Min
Florentino Perez gewinnt die Präsidentschaftswahl bei Real Madrid und sorgt direkt für ein neues Schmierentheater. Der Real-Boss sollte sich einige Dinge vom FC Bayern abschauen - ein Kommentar.
Es war ein Vorgang, der in dieser Form einmalig war: Ein europäischer Topklub teilt öffentlich mit, dass sie ein Rekordangebot für einen Spieler abgegeben - und auch direkt eine Abfuhr kassiert haben.
Was erstmal kurios wirkt ist in Wahrheit durchdachtes Kalkül: Real Madrid war nie ernsthaft an einer Verpflichtung von Julian Alvarez interessiert. Aber der frisch bestätigte Real-Präsident Florentino Perez hatte eben ein 150-Millionen-Angebot versprochen.
Wortbruch kann man ihm jetzt definitiv nicht mehr vorwerfen. Wenn der Preis damit für den Erzrivalen FC Barcelona noch um ein paar Millionen steigt, umso besser.
Und die Schlagzeilen gehören erneut den "Königlichen".
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Real Madrid: Florentino Perez ist Alleinherrscher
Und doch ist die nächste geräuschvolle Posse ein Symptom eines tieferliegenden Problems: Perez' Führungsstil als unantastbarer Alleinherrscher hat Real ohne Zweifel historische Erfolge eingebracht.
Und doch wirkt das System, in dem der Klubpatron Sonnengott-gleich über den Klub herrscht, aus der Zeit gefallen. Perez wirkt angezählt, sogar in die Ecke gedrängt. Wie geht es weiter? Ein Vorbild sollte der FC Bayern sein.
Vor Jahren war die "Abteilung Attacke" der Münchner gefürchtet. In schwierigen Zeiten markige Ansagen zu machen, um das mediale Brennglas von der Mannschaft wegzulenken, kann funktionieren. Doch mit der Zeit nutzten sich diese Ansagen ab, das merkte der Verein.
Heute präsentieren sich die Bayern deutlich diplomatischer. Uli Hoeneß und Karl Heinz Rummenigge wurden - zumindest im Klub - hinter die Kulissen befördert. Die turbulenten Amtszeiten von Julian Nagelsmann und Thomas Tuchel waren von medialen Nebengeräuschen gezeichnet. Vincent Kompany versteht es hingegen im Zusammenspiel mit Max Eberl und Christoph Freund viel zu reden und dabei alle potenziellen Brandherde vor der Entstehung auszulöschen.
Mehr Understatement, weniger Krawall. Grundvoraussetzung dafür ist natürlich immer der sportliche Erfolg.
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Jose Mourinho bei Real: Mehr Schmierentheater?
Perez stellt sich dagegen weiter gern in den Mittelpunkt. In seinem Selbstverständnis hat Real ein "gutes Verhältnis" zum Stadtrivalen Atletico, weil eh nur die königliche Meinung relevant ist.
Passend dazu inszeniert er sich gottgleich an der Seite des Papstes. Mit Jose Mourinho holt er nun einen Trainer zurück, dessen beste Jahre lange in der Vergangenheit liegen, der aber ein Experte für öffentliches Schmierentheater ist.
Es wirkt, als sei Perez Schlussfolgerung aus dem sportlichen Misserfolg: Zurück in die Zukunft.
Möglicherweise kann das funktionieren: Mourinho hat immer noch eine gewisse Autorität bei den Stars. Allerdings war das Ende seiner ersten Real-Amtszeit auch schon toxisch. In der ersten Saison nach seinem Abgang gewannen Cristiano Ronaldo und Co. direkt die Champions League.
Vorbild für Real Madrid: Auch der FC Bayern erfand sich neu
Auch der FC Bayern musste sich nach dem Tuchel-Missverständnis ein Stück weit neu erfinden und gezwungenermaßen mit einem jungen Coach ins Risiko gehen. Mit Erfolg. Im Gegensatz zu Xabi Alonso bei Real wurde Kompany von Anfang an Rückendeckung und mehr Geduld gewährt. In der vergangenen Saison ernteten die Bayern dann die Früchte.
Und Rummenigge erkennt seinen FC Bayern kaum wieder, weil dem Rekordmeister plötzlich nicht nur Erfolge, sondern auch ungewohnte landesweite Sympathien zufliegen. Weil Kompany vertraut wurde, weil neben Superstars wie Michael Olise und Luis Diaz eben auch auf junge Talente und Arbeiter gesetzt wurde. So baut man eine homogene Mannschaft, eine Einheit.
Perez mag mit seinem aktuellen Plan kurzfristig Erfolg haben. Ein nachhaltiges Projekt sieht aber anders aus. Die Blaupause dafür wird gerade in München geschrieben.
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